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Europas Vertrauenskrise: Einer der zum Schießen einreist

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Europastudio

Paul Lendvai versammelte in seinem Europastudio wieder einmal eine Gruppe von „wichtigen“ Journalisten“ von „angesehenen europäischen Medien“ (FAZ, NZZ, …) um über die Ursachen von Europas Vertrauenskrise zu diskutieren.
Unter wiederholter Anrufung von Nitsche, Hegel und Churchill zerbrach man sich den Kopf, weshalb die Menschen das Friedensprojekt der Europäischen Union so gar nicht schätzen. Etwas uneinig war man, ob der Widerstand nur Sache des kleinen Mannes oder vielleicht auch doch von Teilen der Eliten ist.

Wie stets in derlei Erörterungen, brachte der Herr Professor wieder das Totschlag-Argument vor, dass die Menschen sich schon daran gewöhnt haben innerhalb von Europa die bestehenden  Nationalgrenzen nach Belieben überschreiten zu dürfen, dass sie diese Freiheit gar nicht mehr als wesentlichen Gewinn der Euorpäischen Einigung erkennen.

Möglicherweise liegt es daran, dass Lendvai und seine Gesprächspartner zwar in Zeitungen schreiben, diese aber nicht lesen, sonst würden sie die Löchrigkeit des Arguments erkennen.

Die Abreise des Österr. Fußball-Nationalteams zur EM 2016 nach Frankreich verzögerte sich letzten Mittwoch deshalb, weil Offensivspieler Martin Harnik seinen Reisepass im Hotel vergessen hatte und ihm das Dokument vom Hotel zum Flughafen nachgebracht werden musste. http://diepresse.com/home/sport/fussball/euro/5007089/Harnik-vergisst-Pass_OFBAbreise-mit-Verzogerung?
Das zeigt doch sehr schön, dass wir europäische Grenzen im Schengenraum wie auch vor unserem EU-/Schengen-Beitritt nur mit dem Zücken eines Reisepasses überwinden dürfen.
Visa zwischen Österreich und Frankreich benötigte man zu meinen Lebzeiten ohnehin nicht. Also was hat sich da für den Einzelnen geändert, das er nun als großen Gewinn erkennen soll?
Im kleinen Grenzverkehr, wurden Einheimische auch schon früher einfach durch gewunken.

Über diese eigenartige Diskrepanz habe ich mich hier schon im Mai 2011
Das können wir uns Schengen https://medicus58.wordpress.com/2011/05/19/das-konnen-wir-uns-schengen/

und im November 2013 Gedanken gemacht
Grenzen https://medicus58.wordpress.com/2013/11/20/grenzen/  .

Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit der angespannten Sicherheitslage um die EM 2016.
Den Grenzbeamten möchte ich gerne kennen lernen, der einen im Rahmen der Nationalmannschaft reisenden Fußballer, dessen Identität wohl jeder seiner Gruppe glaubhaft bestätigen könnte, die Einreise verweigern muss, weil er ihn ohne Reisepass für eine Sicherheitsbedrohung erachtet.

Millionen passierten in den letzten Monaten europäische Grenzen ohne Ausweisleistung und Registrierung.

Ein österreichischer Fußballer aus einem Schengenland braucht aber einen Reisepass um in ein anderes Schengenland zu fliegen, obwohl seine Identität völlig klar war und er sogar zugeben würde, dass seine einzige Absicht war, in Frankreich möglichst viel herum zu schießen:
Tore aber, nur Tore und (mit größter Wahrscheinlichkeit) nix anderes.

 

 

 

 

 

 

 

Written by medicus58

12. Juni 2016 at 12:42

Auf Titos Gleisen in die Wolken

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Vor den letzten beidern Spielen der Fußballweltmeisterschaft 2014 hatte ich nur zwei Wünsche:

1. Es möge der bessere gewinnen
2. Der Sieger möge aus Südamerika kommen

Nachdem die Seleção gestern eher unrühmlich abgetreten ist, ruhen meine Hoffnungen noch wenige Stunden auf den Argentiniern, die noch zwischen der Deutschen Nationalmannschaft und dem ruhmumwölkten Olymp der Fußballwelt stehen.
Wenn Sie diesen Text lesen, wir sich wohl wieder bewahrheitet haben, dass im internationalen Fußball viele Mannschaften einem Ball nachlaufen, damit die Deutschen Meister werden, aber noch lässt es sich träumen.

Deshalb ein paar Fotos von einer der schönsten Bahnreisen, die man weltweit unternehmen kann:

Tren a las Nubes, der Zug in die Wolken
http://en.wikipedia.org/wiki/Tren_a_las_Nubes

Dabei handelt es sich eigentlich um eine, die Anden überquerende, Verbindung zwischen Argentinien und Chile, die aber derzeit nur für Touristen zwischen Salta (NO-Argentinien) und dem Viaduct La Polvorilla in 4,220 m befahren wird.

In der Vergangenheit gingen die Betreiber immer wieder in Konkurs, so dass es unsicher war, ob man zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Ticket buchen konnte, derzeit scheint sich das Geschäft aber wieder zu rechnen und die Tickets lassen sich sogar schon im Internet (mit ein bißchen Spanisch) buchen ( http://www.trenalasnubes.com.ar/noroeste_argentino/turismo_salta/en_tren_a_las_nubes_home.html )

um in 15h 434 km zurück zu legen und sich über 29 Brücken, 21 Tunnel, 13 zum teil sehr spektakuläre Viadukte, 2 „Spiralen“ und 2 „Zigzags“ kutschieren zu lassen. Bei den letzten beiden Begriffen handelt es sich um technische Meisterleistungen, um auf engstem Raum einen maximale Höhenunterschied zu bewältigen, um die Steigung der Geleise nicht zu hoch werden zu lassen.

Unter den vielen Arbeitern, die die Gleise durch unwirtlichstens Gebiet legten war auch niemand geringerer als Josip Broz Tito. Mehr Details über die Geschichte des Projekts finden Sie hier.

http://www.flyer-de.de/Home/Adventure/Tren_a_las_Nubes/Geschichte/geschichte.html

Für diejenigen, die Angst vor der Höhenkrankheit haben, sind Sauerstoffflaschen an Bord, die von vereinzelten amerikanischen Touristen bisweilen hysterisch eingefordert werden. Alternativ kaufen Sie sich (ganz legal) ein Säckchen Coca-Blätter und kauen diese, bis Ihre Zungenspitze gefühllos wird, ein altes Indo-Hausmittel.

Written by medicus58

13. Juli 2014 at 11:17

Mai 2011: Verbietet Fussball(fans)!

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OK, in der Anonymität des Bloggers kann man sich leicht einmal outen, aber trotzdem.

Dort, wo es heute zu den Ausschreitungen im Derby zwischen Rapid und Austria kam, bin ich als „Bua mit’n Radl g’fohrn“.
Selten war ich auf der „Pfarr’wiesn“, nur einmal im später errichteten Hanappi.
Fussball hat mich jenseits des 15. Lebensjahres wenig interessiert und erst viele Jahre später in Südamerika habe ich wieder gesehen, dass ein Match durchaus Spass machen kann, als Zuschauer unter Fans.
Ich saß in Salvador de Bahia, als das WM Match zwischen Italien und Brasilien im TV lief und tröste den Brasilianer, dessen Mannschaft im Semifinale (?) gegen Italien ausschied und feierte mit dem Brasilianer, dessen Vorfahren aus Italien stammten.

In Österreich war mir Fussball nie wichtig.
Als das Hanappi-Stadium mitten ins Stadtgebiet gesetzt wurde und die „brunzenden“ (ja so meine ich das) Fans, die sich stets in den umliegenden Straßen erleichterten, die Autos, die überall parken durften, weil die Polizei dagegen machtlos war (gemacht wurde?) …

… all das ließ mein Interesse schwinden!

Als heute die Westausfahrt gesperrt werden musste, weil man die „Tiere“ aus dem Stadion eskortieren musste, …

….. sich durch die Massen quälen, weil man dort einen Familienbesuch abstatten musste …..

Hunderschaften von Polizei, die wir alle bezahlen mussten, nur weil es ein Derby gab ..

Eine Veranstaltung, die mit erschreckender Regelmäßigkeit zu Ausschreitungen führt, die nur durch enormen Polizeieinsatz nicht jedesmal total eskalieren, gehört verboten …

PS: Gestern waren wir am Fortuna-Platz eingeladen. Einige Unter-irgendwas Mannschaften spielten dort … Man erzählte uns, dass es auch hier immer wieder zu Ausschreitungen kommt, wenn „die falschen Mannschaften“ antreten … Regional-Sub-Unterliaga Nord-Nord-OSt

VERBIETET FUSSBALLFANS, EINIGE VON IHNEN SIND GEMEINGEFÄHRLICH!

OK, sprachlich ist der Beitrag nicht gar so, aber ich bin sauer und für diese Analphabeten reichts eh ….

Na kloar, die Griechen

Nicht nur, dass sie uns unseren Euro kaputt gemacht haben, jetzt stören sie sogar unser Derby – die Griechen.

Wer die heutigen Medien verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass wir Österreicher (wie Armin Wolf in der ZIB2 meinte) nicht nur zum zuschauen zu blöd sind, sondern sogar griechische Gastarbeiter benötigen, um so richtig Randale zu machen.

Rapid-Chaot: Der Hass-Grieche: http://www.heute.at/sport/fussball/Rapid-Chaot-Der-Hass-Grieche;art681,562692
Irre: Das sind die Rapid-Hooligans Rapids Hooligan-Fans – Anführer war Grieche (!): http://sport.oe24.at/fussball/Irre-Das-sind-die-Rapid-Hooligans/28682538

Ich bin ja weiterhin der Meinung, dass man Fussball bei uns, wegen der offenkundigen Unmöglichkeit so eine Veranstaltung zivilisiert ohne große Kosten ablaufen zu lassen, einfach verbieten sollte. http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=38253
Aber würde man dem Druckwerk „Österreich“ Glauben schenken, was übrigens einen pathologisch hohen Drogenkonsum voraussetzt, dann liegen all diejenigen, die die Reisefreiheit in der EU wieder beschränken wollen, ohnehin richtig: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=37900

Nur so können wir unsere friedliebenden, schlanken, stock-nüchternen Rapid-Fan-Clubs vor der Griechischen Gefahr bewahren!

Das Protokoll der Schande.

Für die Aktion reisten eigens szenebekannte Rowdys aus dem Ausland an. Darunter zehn Griechen der radikalen Fangruppe „GATE 13“ von Panathinaikos Athen, acht Italiener von Venezia Mestre und 15 Deutsche aus Nürnberg.

Einer der Rädelsführer – ein korpulenter Grieche mit einem Panathinaikos-Tattoo auf der Brust – flüchtete noch Sonntagabend aus Österreich – nach Athen.

LOL

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 18:25

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