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Der Covid-19 Elfer: Ernsthaft Pam?

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Treue Leser wissen, dass ich mich vor der NRW19 als Wähler Rendi-Wagners (Nach Jahrzehnten doch wieder SPÖ?) geoutet habe. Das war einer der Gründe, weshalb ich gestern Puls 24 eingeschaltet habe.

Schaltet heute ein! Wenn unsere Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner gemeinsam mit Rudolf Anschober um 20:15 Uhr im Puls24 Newsroom zu Gast ist. stand da auf der FB Seite PRW zu lesen, die ich heute zum ersten Mal besuchte und bisher 51 Usern einen Kommentar wert war. Meinen Kommentar lesen Sie hier, auch wenn ich mich wohl damit der Kritik der Besserwisserei aussetze, nur bedenken Sie, Kollegin Rendi-Wagner ist im Gegensatz zu mir FÄ für genau das, was uns in der jetzigen Pandemie um die Ohren schlug.

Gleich auf die erste Frage, was sie denn genauso und was sie denn besser gemacht hätte als Gesundheitsministerin kam nach einer Belobigung der guten Arbeit des Gesundheitsministers (eh, OK) nur eine Kritik an den verfassungsrechtlichen Hoppalas des Bundesmaturanten.

Gut, Anschober macht vor dem Hintergrund einer PR-getriebenen türkisen Kampftruppe eine erfreulich unaufgeregte Figur und man kann ihm bei seiner bekannten Vorgeschichte (Ein (aus)gebrannter Gesundheitsminister?) nur bewundern, wie er seinen Job macht, aber mir kämen da schon ein paar Ideen, was am Krisenmanagment dieser Regierung zu kritisieren wäre. Und wenn Rendi-Wagner diesen Elfer verschießt, dann wird sie den Ball in anderen Standardsituationen, die weiter von ihrer beruflichen Qualifikation entfernt angesiedelt sind, auch den Ball nur ins Out befördern:

Die Regierung stellt Selbstmarketing in den Vordergrund:

Gutes Krisenmanagement wählt einen politisch unabhängigen Sprecher, der das erklärt, was die Verantwortungsträger entscheiden. Täglich mehrere TV-Auftritte der Regierungsmitglieder dienen nur der eigenen Eitelkeit. Außerdem würde bei der Dauerpräsenz der Regierungsmitglieder in den Medien nicht die Frage aufkommen, ob die noch was anderes tun, als sich um Mikrofonen zu streiten.

Die aktuell von den NEOS aufgedeckten Finanzströme zwischen türkisen und grünen PR-Agenturen und den Kurz’schen Freundeskreis (Wer hinter der Corona-Kampagne des Roten Kreuzes steht) verstärken den Eindruck, dass da viele mehr mitverdienen als arbeiten wollen.

Allein die Präsentation der SORA-Studie zeigte das Problem. Kurz leakte das Ergebnis vorab, Bildungsminister präsentiert, der Gesundheitsminister ist ausgeschlossen.

Ein tägliches Stakkato von immer gravierenderen Einzelschritten in den totalen Shut down als von Anfang an ein klares Konzept:

Dass einer Infektionskrankheit, für die es keine Therapie gibt, nur durch die Reduktion von interpersonellen Kontakten beizukommen ist, war von Anfang an klar. Auch dass man zuerst situationsadäquat (nach Eintreffen neuer Informationen!!) nachbessern muss. Unprofessionell war aber initial den Eindruck zu erwecken, dass man nun eine Woche ein paar Einschränkungen verordnet, danach aber alle 24 Stunden neue Einschränkungen bis zum nahezu kompletten shut down zu verordnen, ohne abzuwarten, wie sich die Maßnahmen vom Vortag ausgewirkt haben. (Dass man immer erst nach ca 2 Wochen Effekte nachweisen kann, war jedem klar). Man hätte das Gesamtpaket an einem Tag verkünden müssen und nicht durch das scheibchenweise vor und zurück einerseits die Menschen zu verunsichern, andererseits sich selbst einige Stolpersteine (Ostererlass !) in den Weg zu legen.

Nichts verunsichert so sehr, wie Widersprüche:

Seit Beginn bekamen wir immer wieder widersprüchliche Zahlen auf dem Dashboard des Gesundheitsministeriums zu lesen und aktuell präsentieren Innenministerium und Gesundheitssystem unterschiedliche Zahlen über die Verstorbenen (Verwirrung um neue Toten-Zahlen: 393 vs. 338 Tote). Wer seine Entscheidungsgrundlagen nich im Griff hat, wird durch Computermodelle nicht gescheiter.

Der Shut down war zu radikal:

Mit dem shut down fast aller Geschäfte hat man innerhalb eines Monate 30-40% unseres Bundesbudgets „verbraten“, Geldmittel, die uns zukünftig auch im Gesundheitssystem fehlen werden.
Andererseits waren die freigeräumten Spitalskapazitäten auch im Bereich der kritischsten Ressource (Intensivbetten) stets unter 20% ausgelastet, während man für die Versorgung aller anderen Kranken einen weitgehend unbekannten Nachholbedarf, im schlimmsten Fall auch Nicht-COVID Tote produziert hat. Volles Verständnis dafür, dass man das nicht auf den Zehntel Prozentpunkt steuern kann, aber mir scheint, die Regierung hat sich da entweder von ihren eigenen Exponentialkurven schockieren lassen, oder, was mir wahrscheinlicher scheint, wollte primär den starken Mann (Trennscheibe zum Durchschneiden der Infektionsketten) spielen.

Die Auferstehungs-Normalität ist unkoordiniert und zum Teil absurd:

Niemand möchte den Teufel an die Wand malen, aber die Sterblichkeit an SARS CoV2 ist mind. 3x höher als bei Influenza (ungeachtet der unterschiedlichen Altersgipfel und Risikogruppen) und bei einer offenkundigen Durchseuchung von unter 1% ist zu erwarten, dass die meisten an dieser Erkrankung noch nicht erkrankt bzw. verstorben sind. Überspitzt, wir haben die erste Welle noch nicht gesehen, auch wenn die meisten von uns diese überleben werden.

Wir werden ein gewisses Distanz halten beibehalten müssen, aber ob die Geschäfte über oder unter 400 Quadratmeter haben, Bohrmaschinen oder Unterhosen verkaufen, ist belanglos.

Wenn gestern Sportminister Kogler als Zeichen des Aufbruchs Sportarten wie Segelfliegen, Reiten, Formel 1 und die Öffnung der Schießstände verkündet, klarerweise (siehe ersten Punkt) gemeinsam mit türkisem Aufpasser Nehammer, ist dies aus mehreren Gründen absurd, nicht zuletzt weil es sich hier um gefahren geneigte Sportarten handelt, die gar nicht so selten zu Verletzungen führen, ein Spitalsbett blockieren, das noch für COVID-19 freigehalten wird.
Koglers Empfehlungen, dass beim Tennis jeder nur mit seinem eigenen Bällen spielen soll und den Ball des Gegners nicht angreifen soll, schrammt ja schon fast am Kabarett vorbei. Wenn ich davon ausgehe, dass der Ball voller Viren ist, dann brauche ich den nicht angreifen, allein die Aerosolbildung nach einem Schlag auf den mit bis max 200 km/h daher kommenden Ball wäre vermutlich gefährlicher als das Kitzloch am Höhepunkt des Apres Ski.

Der Mythus der Impfung wird völlig unreflektiert aufrecht erhalten:

Gegen die längst vergessene Schweinegrippe wurde schlussendlich ein Impfstoff entwickelt, der in den Folgejahren unter schwere Kritik kam (GlaxoSmithKline Hersteller von Schweinegrippe-Impfstoff ignorierte Risiken). Auch ist bekannt dass COVID-19 vor allem bei älteren Menschen kritisch verläuft, aber gerade ältere Menschen eine schlechtere Impfantwort haben.
Und beim nächsten Schnupfen überlegen Sie mal, seit wann es ein wirkungsvolles Medikament gegen Schnupfen gibt und wie teuer ein wirkungsvolles Hepatitis C Medikament (Sofosbuvir) ist, aber OK, das war polemisch und vielleicht haben wir Glück und es läuft wie bei HIV, CMV, Influenza A oder Hepatitis B.

Ein paar dieser, oder ganz andere Aussagen hätte ich mir von einer Fachärztin für Hygiene und Tropenmedizin erwartet, Rendi-Wagner schoss den Ball (politisch) aber wieder ins eigene Tor, Schade.

Eupnoe – Aponoe

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Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, dass Arztbriefe und Befunde inzwischen die übernächste Rechtschreibreform vorwegnehmen und so missverständlich wie die Horoskope der Gratis-Zeitungen sind. Ich kann mich noch gut erinnern, als Briefe noch von dafür eingeschulten Schreibkräften erstellt werden. Auch da kam es zu bedeutungsschweren Typos:
Statt Eupnoe (=normale Atmung) stand da in einem Entlassungsbrief ganz lapidar Apnoe (=Atemstillstand)
Auch damals riefen schon beunruhigte Patienten an, wenn in ihrem Lungenröntgen „ein Hinweis auf Metastasen“ gefunden wurden, nur weil jemand vergessen kat das k vor -ein zu tippen.
Kürzlich fand ich in einer englischsprachigen Internetseite folgende Fehlerlisten in Radiologiebefunden, die von einer Spracherkennung erstellt wurden:

Da freute sich der Sportfan auf die Super bowl of the right kidney obwohl nur der oberen Nierenpol (superior pole) beschrieben werden sollte und fragte sich, was den mit der National Football League los ist, als er in seinem Befund folgende kryptische Meldung fand: NFL until joins. Die Spracherkennung hat zuletzt offenbar in einem Sportstudio gearbeitet noch nie von Interphalangeal joints gehört. Noch anrüchiger wurde es, wenn man von einem offenbar von Blähungen gequälten Arzt (Gaseous doctor reflux) lesen musste, wenn es eigentlich um die Beschreibung eines Gastroesophageal reflux ging.
Wann den die Untersuchung stattgefunden hat, war auch nicht mehr zu erkennen, wenn dort von Success exam statt 6:06 AM zu lesen war.
Im urologischen Abschlussbericht Visit to me wirken, verschweigt aber die Art des gerade durchgeführten Eingriffs: Vasectomy, also die Durchtrennung des Samenleiters, d.h. eine Sterilisation.

Während die Hersteller (und Berater) von den enormen Ersparnissen ihrer EDV Produkte schwärmen, wissen Praktiker, dass die Lösungen noch weit von Alltagstauglichkeit sind.
Eine rezente Studie fand im Schnitt 1,3 Fehler pro Diktat und
klassifizierte 14,8% davon als schwerwiegend. !
15% aller Befunde enthielten sogar mehr als einen schwerwiegenden Fehler!

Das ficht die Anbieter nicht an und sie schwärmen weiter von den enormen Einsparungen. Leider sagen sie nicht, dass man zwar die Schreibkraft einspart, in Wirklichkeit aber den Arzt stärker belastet, der die Texte noch genauer selbst überprüfen (und ggf. selbst korrigieren) muss, wenn er sich seiner Verantwortung bewusst ist.

Written by medicus58

18. März 2018 at 21:16

Schwarmintelligenz benötigt Freiheit und Unabhängigkeit

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Der Begriff der Schwarmintelligenz, also dass das Ergebnis einer kollektiven Anstrengung qualitativ zu einer Lösung führt, die höherwertiger ist, als es sich die Intelligenz aller Gruppenmitglieder hätte vorstellen können (http://de.wikipedia.org/wiki/Kollektive_Intelligenz )
ist inzwischen zu einem Modebegriff geworden.

Gerade das Web 2.X, also die Möglichkeit zur Partizipitation (Wikipedia, Like-Dislike,Tweet-Retweet, Blog-Kommentar) wird hier als proof-of-principle genannt. 
In einem interessanten Beitrag im gestrigen Online-Standard berichtet der Digitalexperte des „Guardian“ über eine neue Spielart („Open Journalism„), indem z.B. die Redaktion die User/Leser aufgefordert hat, eine nahezu unübersehbare Menge an Dokumenten zu sichten und die Journalisten dann gezielt auf die Wesentlichen Fakten aufmerksam zu machen. (http://derstandard.at/1331207355363/Public-Lecture-Chris-Moran-Interessante-oder-nuetzliche-Schlagzeilen-sind-tot)

Es entspricht auch meiner Erfahrung, dass in bestimmten Fällen die Forumdiskussionen innerhalb von Minuten kleine aber amüsante Tippfehler (Bundeshymen Diskussion: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=40176) und grobe faktische Fehler (Copy and Paste Journalismus: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35333) aufzudecken.

Ein netter Fall war auch der Artikel über die Cheopspyramide im Online-Standard, bei der bereits der erste Forumuser (RaphaelHythlodeus) darauf hingewiesen hat, dass auf dem ursprünglichen Bild die Cheopspyramide nur im Hintergrund zu sehen war. (http://derstandard.at/1331206810811/Berechnung-Was-es-kosten-wuerde-die-Cheops-Pyramide-heute-zu-errichten?seite=3#forumstart)
Die Redaktion hat dann 29 Minuten gebraucht um das zu beheben…

Ich bezweifle zwar, dass es bei der zusätzlichen Partizipationsmöglichkeit des Web 2,0 der Wille im Vordergrund stand, die Schwarmintelligenz zu nutzen, vielmehr stand der Wunsch nach mehr „Traffic“ im Vordergrund; a
us dem selben Grund hören wir in vielen Radiosendungen permanent die Aufforderung, doch im Studio anzurufen und müssen dann mithören, das Herr oder Frau Mustermann gerade frühstücken oder das Mittagessen verdauen …
Bezweckt wird da kaum die Schwarmintelligenz sondern die Hörer-Bindung. Außerdem muss sich die Redaktion auch kein Thema (content) ausdenken, wenn sie auf die Einsamkeit, Eitelkeit und das Mitteilungsbedürfnis der User setzt … (wer an Talkshows denkt, denkt bisher richtig mit)

Einerlei, sehr oft verdanken wir bahnbrechenden Erfindungen nicht zielgerichteter Forschung sondern sie sind ein Abfallprodukt des wohlbeobachtetet Zufalls:

Cyclosporin wurde nicht als Immunsuppressivum sondern als Antibiotikum erforscht,
Viagra sollte eigentlich ein Herzmittel werden,
die Linzertorte war angeblich ein mißglücktes Rezept
und der Klebstoff der Post-it war initial auch ein Flop (http://de.wikipedia.org/wiki/Klebezettel).

Der wesentliche Punkt bei unser „digitalen Schwarmintelligenz“ ist, dass all die digitalen Medien, neben der Möglichkeit, dass
 viele Individuen gleichzeitig eine Information gegenlesen können, 
aber auch über das selektive Weiterleiten von Informationen, die man als richtig empfindet (Like, Retweet, …) 
AUCH OHNE MODERATION über Inhalte abgestimmt wird. 
Das entspricht dem Selektionsprinzip der klassischen Evolution. 
„Was passt vermehrt sich“

Dass natürlich auch der Like-Algorithmus nur als Werkzeug für user-spezifische Bewerbung entwickelt wurde, versteht sich von selbst …

Ganz risikolos ist das natürlich nicht.

Erstens (z.B. umstrittene Inhalte wie Politikerbios auf Wikipedia) ist das demokratische Prinzip nicht garantiert, dass jedes Individuum nur eine Stimme hat. 
Die digitale Verfielfältigung einer individuellen Meinung (multiple Useridentitäten) kann zu enormen Verzerrungen führen (http://derstandard.at/1319183453741/Woher-Faymann-seine-falschen-Facebook-Freunde-bekam ).

Entsprechendes Geld und anwaltliche Hilfe vorausgesetzt, können und werden immer häufiger mißliebige Stimmen durch Drohungen aus dem digitalen Diskussionsraum entfernt
http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Scheuch-Anwalt-droht-Internet-Usern-mit-Klage/59699227
http://reimon.net/2012/03/15/zur-vermischung-von-partei-und-staat/

Auf ein anderes Problem, die Beeinflussbarkeit des individuellen Urteils durch das Bekanntwerden anderer Meinungen, wies eine vom Spiegel zitierte Studie an der ETH-Zürich hin.
(http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,762837,00.html , http://www.pnas.org/content/early/2011/05/10/1008636108.abstract?sid=1baaf087-335e-49e9-8bcb-7bde4cbd8bdf )

Das Experiment zeige, dass sozialer Einfluss die Diversität der Antworten verringere, nicht jedoch den kollektiven Fehler. 

Oder anders ausgedrückt: 
Verlassen wir uns auf unsere individuelle Schätzung, dann entspricht der Mittelwert der so abgegebene Schätzungen einer Gruppe meist sehr gut der Wahrheit. Erfahren wir aber, was andere bereits vor uns geschätz haben, dann verzerrt der Herdentrieb unser Urteilsvermögen so sehr, dass unsere Schätzungen auch auf einen Wert konvergieren, dieser ist jedoch falsch.

Um die Weisheit der Vielen trotzdem nutzen zu können, ist es wichtig, dass der Einzelne bei seiner Entscheidung nicht weiß, wie die anderen entscheiden. „Das ist auch Grundlage der repräsentativen Demokratie“, sagt Helbing. Die kollektive Weisheit funktioniere gut, solange Menschen unabhängig voneinander wählen könnten.

Die Evolution hat diese Prinzip seit Jahrmillionen verfolgt:
Viele von einander weitgehend unabhängige Versuche zur Problemlösung ohne göttliche Moderation dem Realitätscheck zu unterwerfen. 

Kurzfristige Fehlentwicklungen sind nicht auszuschliessen, auf lange Sicht garantiert dies eine bessere Anpassung an aktuelle Erfordernisse des Schwarms.

Sperren wir aber einen Schwarm ein (Bild) 
dürfen wir uns nur nach einiger Zeit einen üblen Geruch erwarten …

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