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Faket die Faker oder die weiche Birne der Populisten

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Zufällig finden sich diese Woche zwei köstliche Beweise, wie weich die Birne jener ist, die uns stets mit großem Getöse versprechen die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu berichten, während sie selbst auf jeden dummen Fake reinfallen und wie diese Erkenntnis ins Volk zu bringen ist. Nein, es geht nicht primär um das Ibiza-Video, mit dem sich offensichtlich die FPÖ selbst in die Luft gesprengt hat, so wie ich es mir bereits 2013 in meiner kranken Fantasie ausgemalt habe (Der FPÖ Wähler). Aber irgendwie dann doch auch.

Die sich thematisch und stilistisch noch im Selbstfindungsprozess befindliche ORF SendungGute Nacht Österreich“ demonstrierte wie schnell der mit Steuergeldern gefütterte Boulevard auf billige Fakes rein fällt, wenn die Quote winkt: https://www.derstandard.at/story/2000109484431/peter-klien-zeigt-mit-fake-skorpion-panikmache-von-krone-oesterreich (ab 10:30)

Den Vogel schoss aber am Freitag die ZDF Heute Show ab, die uns bildlich vor Augen führte, dass auch die Rest-FPÖ auch ohne Strache und Gudenus sich zum Narren machen, wenn man glaubt unter sich zu sein.
Man schickte einfach einen gefakten Reporter des „Alternativen Fernsehen Deutschlands (AfD TV)„, den genialen Fabian Köster, zu den Blauen.
(Für die mit der AfD und dem running Gag der Heute Show nicht so vertauten Ösis: Der AfD Politiker, den sie auf Aufforderung Kösters so anfeuern heißt natürlich Björn Höcke, aber:
Im März 2015 gab die Thüringer Allgemeine Höckes Vornamen irrtümlich mit „Bernd“ an. Nachdem Höcke sich darüber öffentlich empört hatte, benutzte Oliver Welke in der heute-show absichtlich den falschen Vornamen. Andere Satiriker taten es ihm nach. Später benutzten auch Sprecher der Tagesschau, das heute-journal, B.Z.DWDL.deFAZNeue Osnabrücker ZeitungNordwest-ZeitungSpiegel TV, Hamburger MorgenpostHuffpostMünchner MerkurSüdwestrundfunk und weitere absichtlich oder versehentlich den falschen Vornamen. Auch der FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke nannte im Oktober 2017 in einer Landtagsrede mehrfach den falschen Vornamen und bekräftigte auf Nachfrage: „Der Mann heißt Bernd. Ich weiß es definitiv aus der heute-show.“ Am 25. Januar 2018 erschien der Name „Bernd Höcke“ sogar in einer Pressemitteilung des Bundestages, die noch am selben Tag korrigiert wurde. Oliver Welke feierte dies in der heute-show als ultimativen Erfolg seines running gags.

Unsere Blauen, die sich dem deutschen Gast gegenüber natürlich bewundernd über den brauen Bruder AfD äußerten, vorzuführen, dass sie in Wirklichkeit keine Ahnung haben, wer dort das sagen hat, in dem sie gröllend „Bernd, Bernd“ skandieren und dass sie selbst genauso in eine plumpe Falle tappen wie ihr Ex-Heiliger Strache, ist schon ein Höhepunkt dessen, was aufklärerische Satire leisten kann.

Bei mir verdichtet es den Glauben, dass im 21.Jahrhunderte Erkenntnisse nicht mehr über (wissenschaftliche) Argumentation sondern zunehmend über Bilder zu betreiben ist:

What the F…. ake?!

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F for Fake ist ein sehenswerter Film von Orson Welles über
„Tricks und Lügen“ in der Kunst,
der sich letzendlich selbst als teilweiser „Fake“ herausstellt, oder auch nicht:
http://www.viennale.at/cgi-bin/viennale/archiv/film.pl?id=2558

Über die Frage der Originalität in digitalen Zeiten wurde hier schon einmal räsoniert:http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51298

Aber ein gedruckte Buch, das schien mir bis heute doch als vertrauenswürdig.
Nicht hinsichtlich seines Inhaltes – jeder Leser hat schon erfahren,
welch Schwachsinn sich zwischen zwei Buchdeckel drucken läßt – nein:
Was mir bis heute als sicher schien, war die Vorstellung,
dass sich ein Buch nicht verstellen kann,
dass es ist, was es scheint.

au contraire
wie der Franzose sagen würde

Über einen Artikel im Economist, der sich wieder auf einen (lesenswerten) Blogeintrag bezog: http://languagelog.ldc.upenn.edu/nll/?p=3892 musste auch ich erkennen:
dass es Bücher gibt, die nur vorgeben ein aktueller Bestseller zu sein:

Im Oktober 2011 erschien Daniel Kahneman’s Buch Thinking Fast and Slow
http://www.amazon.com/Thinking-Fast-Slow-Daniel-Kahneman/dp/0374275637/ im Verlag Farrar, Straus and Giroux. Das Buch liegt inzwischen auch in deutscher Übersetzung vor.
Gleichzeitig erschien ein weiteres Buch Fast and Slow Thinking eines angeblichen Karl Daniels im Verlag CreateSpace. Bei diesem Werk soll es sich um eine Zusammenstellung von Wikipedia-Artikeln und dergleichen handeln.

Einige getäuschte Käufer beklagen sich nun über dieses „spam Book“ auf der Homepage von Amazon.

Nachdem man von Orson Welles in seinem genialen Film auf eine Hochschaubahn zwischen Originalität und Täuschung geschickt wurde, verläßt man erbaut und heiter das Kino (oder heute eher den Fernsehsessel).

Fällt man auf so ein gefaktes Buch herein, dan fühlt man sich nur –
wie der Anglikane sagen würde: fucked up ….

Doku:
http://www.amazon.com/Fast-Slow-Thinking-Karl-Daniels/dp/146646612X
http://www.amazon.com/Thinking-Fast-Slow-Daniel-Kahneman/dp/0374275637/

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