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Von den Schrauben der Pandemiebekämpfung

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Bemerkenswert wieviele Experten über relativ wenig so oft und so viel zu sagen wissen.

Gegen Infektionen mit SarsCov2 kann man prinzipiell fünf Dinge in zwei Dimensionen  tun, die aber alle nie 100%-ig erreichbar sein werden:

Schrauben:

Kontaktbeschränkung (=Alleinsein), Aerosolbeschränkung (=Masken, Lüften), Immunisierung (=Impfung, Durchseuchung), Therapie (= aktuell subopti), Contactracing

Dimensionen:

Lokal – Weltweit

Da keine der Interventionsmöglichkeiten jeh zu annähernd 100% erreichbar sind, weder wird eine Impfpflicht alle erreichen noch, können wir uns in einer globalisierten Welt komplett distanzieren, oder hat uns Contactracing zu sinnhaften Konsequenzen (Schule ist/ist nicht Treiber, Virus fährt Auto, Familie ist Infektionsherd) für die Pandemiebekämpfung verholfen, wurde sinnlos heiße Luft produziert, in dem zahllose Experten ihre Kritik und Empfehlung immer nur auf eine der Schrauben konzentrierten und ihre Lösungen nur für ein lokales Publikum formulierten. Gut für zahllose TV Diskussionen, 10 Minuten Ruhm, sinnlos in der Sache.

Das Spiel können wir endlos fortsetzen, anagitieren, ausgrenzen, Schuld zuweisen und Scheiterhaufen für jede abweichende Meinung errichten. Zu viele verfolgten eine Agenda, die ganz etwas anderes im Sinne hatte, als die Bekämpfung der Pandemie.

Ohne dass ich es bedauere, aber es wird leichter sein die Türkisen zu stürzen als zur epidemiologischen Normalität zurück zu kommen.

Es wäre Zeit zu erkennen, dass nur eine über viele Monate aufrechtzuerhaltene Kombination der Maßnahmen sinnvoll ist, also keine Durchhalteparolen, jetzt einmal noch impfen und alles wird gut, sondern die unbequeme Wahrheit, dass der Musterschüler von gestern (Israel, Island,..) bald wieder der Problembär sein wird, weil es sich hier um eine Weltmeistetschaft und nicht die Regionalliga handelt.

Wenigstens einmal hatte die WHO 100%-ig recht, eine wesentliche Dimension, die in unserer ego-zentrierten Diskussion völlig fehlt, ist das Schraubendrehen auf globaler Ebene, um finanziell und logistisch insbesondere afrikanische Länder in ihrer Pandemiebekämpfung zu unterstützen (mit Impfstoff, Nadeln, Masken,…).

B1.1.529 sollte als hier endlich zum Umdenken führen, während sich in unserem kleinen Dorf noch versprengte Zero-Covidianer, Kinderdurchseuchungswarner und Verschwörungstheoretiker ins gegenüberliegende Bein verbeissen.

Sorry, wie es derzeit aussieht sollten wir uns für viele Monate auf eine an die lokale Situation abgestimmte Kombination aller Maßnahmen (Kontaktreduktion plus Maske plus Impfung plus Therapie) und auf die weltweite Situation abgestimmte Kooperation außerhalb unseres Schrebergartens einstellen.

Die Erstimpfung eines Gesundheitsdienstkeisters in Botswana hilft vermutlich unseren Kindern auf lange Sicht mehr als die Durchimpfung im Döblinger Kindergarten.

Written by medicus58

26. November 2021 at 10:11

Wozu hätten wir denn die Experten, wenn sie sich nicht immer was Neues einfallen ließen? Interdisziplinäre Belegung

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HOSPITAL

Ein Dauerbrenner in der Gesundheitsökonomie ist die interdisziplinäre Bettenstation, die vom neuen KAV GD-STV Janßen in einem aktuellen Interview exhumiert wird:

Die ganzheitliche Versorgung der PatientInnen wird eine andere sein als 2014 … Daher brauchen wir innovative medizinische Versorgungskonzepte dafür, wie unsere Spitäler ab 2020 funktionieren sollen. Medizin im 21. Jahrhundert verlangt nach fächerübergreifender Behandlung und Versorgung.

http://www.medmedia.at/klinik-ausgaben/wiener-spitalskonzept-2030-der-medizinische-masterplan-in-wien-was-dahintersteckt/

Jetzt einmal davon abgesehen, dass ich die Luftblasen ganzheitlich„, „innovativ“ und „nichts wird so bleiben wie bisher“ schon zu oft in den Himmel steigen gesehen habe, als dass sie mir Jubel abzuringen in der Lage wären, „schlaucht der alter Wein in neuem Gebinde“ auch deshalb, weil sich bereits vor Jahren Kollege Kaspar Sertl mit dieses Konzept um den Generaldirektorsposten des Wiener Krankenanstaltenverbundes beworben hat. Geworden ist er es damals nicht und inzwischen hat man ihn überhaupt frühpensioniert.

Mir geht es aber gar nicht darum, das Klagelied des „Propheten im eigenen Land“ anzustimmen, weil ich persönlich das Konzept einer interdisziplinären Bettenbelegung ohnehin für einen praxisfremden Schwachsinn halte.

Natürlich gibt es bereits national und international Beispiele interdisziplinärer Belegung, jede Notfallaufnahme, jeder postop. Aufwachraum ist in gewisser Weise so eine interdisziplinäre Einrichtung, nur handelt es sich hierbei um Spezialsituationen, in denen der Patient nur für einen relativ kurzen Zeitraum verweilt. Für den Rest der Diagnose und Therapie liegen die meisten Patienten derzeit noch in Strukturen, die sich auf sein spezielles Krankheitsbild spezialisiert haben. Dabei geht es aber natürlich nicht nur um die speziellen Kompetenzen der behandelnden Ärzte, obwohl es natürlich einen Grund hat, weshalb (z.B.) ein Urologe und ein Augenarzt nach einem gemeinsamen Studium noch jeweils sechs Jahre eine Ausbildung in dem jeweiligen Sonderfach erhalten. Für eine erfolgreiche Behandlung ist natürlich auch dieSpezialkompetenz der Pflege und anderer involvierter Berufsgruppen (MTD, Med.Physik, Soz.Arbeiter,…) erforderlich. Auch wenn abgesehen von bestimmten Zusatzqualifikationen (z.B. „Dialyseschwester“, …) so getan wird, als wäre Pflegeperson gleich Pflegeperson, kann jeder Arzt ein Lied davon singen, zu welchen Banalatäten er im Nachtdienst gerufen wurde, wenn eine „weniger erfahrene“ Kraft Dienst hatte, aber auch dass wertvolle Zeit verschenkt wurde, weil ein Krankheitssymptom falsch eingeschätzt wurde: Kurzes Anfiebern bei einem schwer in einer Abwehr geschwächten Patienten unter chemotherapie erfordert eine andere Handlungsweise als bei einem Patienten mit intaktem Knochenmark.
Auch Verbandswechsel und Wundpflege unterscheiden sich oft grundlegend zwischen (z.B.) einer Dermatologie und einer Herz-Thorax-Chirurgie. Ehe mich noch der Vorwurf ärztlicher Überheblichkeit trifft darf ich auch aus voller Überzeugung hinzufügen, dass ich über vergleichbare Beispiele berichtet könnte, wenn der Beidienst mit einem im speziellen Fach unerfahrenen Arzt besetzt wurde.
Der Schlüssel zur Expertise in allen Bereichen ist Spezialisierung und Erfahrung, egal ob diese schon in unterschiedlichen Ausbildungswegen (nach einem Dr. med univ.) oder eben in der Praxis erworben wird.

Mit einem besonders schönen intellektuellen Fallrückzieher beweist Janßen in diesem Interview auch, dass man als „Experte“ heute ein gerüttelt Maß an Sophismus zu beherrschen hat, also mit absichtlich herbeigeführten Fehlschlüssen operieren können muss:

An den Anfang stellt er ein anderes Mantra:

In der Medizin hängt Qualität in hohem Maße von hohen Fallzahlen ab.

Bewußt oder unbewußt lässt er aber weg, dass der Satz – wenn überhaupt – nur Sinn macht, wenn es um hohe Fallzahlen GLEICHER Krankheitsfälle geht.
Dann setzt er fort:

Die Ausbildung interdisziplinärer Zentren fördert genau diesen Aspekt. Dort wird maximale Kompetenz gebündelt und so optimale Voraussetzungen für eine ganzheitliche Behandlung auf höchstem Niveau geschaffen.

Also mit anderen Worten:

Alles wird besser, wenn an einem Ort möglichst häufig dieselbe Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird und deshalb legen wir ganz verschiedene Erkrankungen in eine Station.

Verstehe das wer kann, wenn man „maximale Kompetenz“ nicht als „Eier-legende-Woll-Milch-Sau“ interpretieren will. (Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt …. http://wp.me/p1kfuX-Kd)

Was da der Generaldirektor-Stv. des größten öffentlichen Krankenanstaltenverbundes Europas als Erfolgsgeheimnis hinter das Wiener Spitalskonzept 2030 erfindet ist an Dutzenden privat geführten Belegspitälern schon längst realisiert:
Hoch kompetente – oder zumindest medial aktive – Ärzte legen ihre Patienten in ein freies Bett, hinterlassen ihre kompetenten Anweisungen und machen sich wieder aus dem Staub. Die täglichen und nächtlichen Abläufe werden dann von anonymem Personal geführt, mit deren Namen niemand auf schön glänzenden Messingschildern wirbt.

Oder wie es Kurt Langbein einmal so schön zusammenfasste:

Geworben wird mit Sicherheit, persönlicher Betreuung und
dem Wohlfühlfaktor. Doch damit kann es in Belegspitälern
schnell vorbei sein, wenn Komplikationen eintreten und
der Arzt abwesend ist.

http://www.schaffler-verlag.com/gw_artikel_dl/130508.pdf

In diesem Artikel wurde auch die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz zitiert, die darauf hinwies, dass es in privatwirtschaftlich geführten Belegspitäler ein erhöhtes Risiko für Patienten bedeutet, wenn die „Spezialisten“ nicht greifbar sind. Erst vor 2 Tagen wiederholte Pilz ihre – sachlich m.E. richtigen – Vorwürfe gegen die Strukturschwächen der Wiener Privatkrankenanstalten
(http://tv.orf.at/program/orf2/20140503/695538001/377712).

Um so bemerkenswerter ist es, dass ihr zu Janßens Umbau der KAV Häuser zu interdisziplinären Belegspitälern mit auf mehrere Standorte zersplitterter Kompetenz nichts Kritisches einfällt.

Dabei entlarvt Janßen die Zukunftsperspektive seines Konzeptes ohnehin, wenn er davon schwärmt, dass „beispielsweise die Hämatoonkologie oder die Palliativmedizin künftig in einem Onkologiezentrum verankert werden„.

Mit anderen Worten beunruhigt den Patienten kein Ortswechsel mehr, wenn man den kurativen Ansatz seiner Behandlung verlässt. 
So gesehen muss man Janßen vielleicht recht geben, dass „die ganzheitliche Versorgung der PatientInnen (bald) eine andere sein (wird) als 2014 …

Link: 
Nun gibt die Politik die Potemkinschen Spitäler langsam zu, schiebt aber Verantwortung auf Ärzte http://wp.me/p1kfuX-Br

16.3.2011: Fremdfürchten

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Wir sehen derzeit in Japan eine der schwersten Naturkatastrophen der Neuzeit, die in der Folge zu einer der schwersten Technologiekatastophen der Neuzeit führte.

Wenn ich aber verfolge, welche Meldungen hier in Euopa und in den USA, also Gesellschaften, die weit vom Ort der Katastrophe entfernt sind und im schlimmsten Fall ihr eigenes Gesundheitsrisiko um den selben Prozentsatz haben, wie sie es durch regelmäßiges Rauchen oder eine Risikosportart täten, durch die Medien gehen, wird mir übel.

Allein wenn weltweit diskutiert wird, ob die verbliebenen AKW Arbeiter sterben werden oder nicht, ist das für mich pornografisch.

Experten ohne Zahl werden vor das Mikrofon gebeten, Prognosen werden abgegeben auf der Basis von gegoogelten Informationen.

Abartig und zynisch ist unser Umgang mit diesem Problem.

Fremdfürchten, so wie fremdschämen ist Mode.

Ich habe mir einige Regeln für meine Kommunikation auferlegt und würde vorschlagen, dass sich dies so mancher Journalist, so mancher Experte, so mancher Lobbyist auch beherzigen sollte.

Reden nur über Themen, die man auch versteht.

Keine Möglichkeitsformen (Konjunktiv), sondern Fakten oder ggf. das Zugeben des eigenen Nichtwissens.

Keine suggestiven Fragen („welche verheerende Folgen wären noch denkbar…?“)

Kein Edutainment sondern brauchbare Informationen, mit denen der betroffene Kreis auch etwas anfangen kann.

Demut.

Eine unsortierte Beispielsammlung, weshalb ich das so sehe:

Medienberichterstattung über die 50 Arbeiter in Fukushima, denen euroäische Experten ausrichten lassen, dass sie „eh verheizt werden“.

http://www.n-tv.de/Spezial/Viele-der-50-Arbeiter-werden-sterben-article2857281.html

http://www.news.at/articles/1111/17/291697/tapfere-helden-geopfert-50-arbeiter-einsatz-leben

http://www.bz-berlin.de/aktuell/welt/50-arbeiter-kaempfen-gegen-den-gau-article1140824.html

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,751070,00.html

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 17:50

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