Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Im Gedenken an Christine Kainz

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Lange ist es her, als ich mich entschlossen habe zu bloggen.
Inhaltlich ganz falsch, wenn auch grammatikalisch neben der Spur, hat das Ernest Pichlbauer auf seinem Rezeptblog so kommentiert:

Sprechstunde für alles was uns krank macht
Ein Blog eines Arztes, der neben der psychopathologie des Medizinsystems auch über vieles andere Luft abläßt“

Angefangen hat das aber nicht hier auf WordPress sondern auf einem 2014 eingestellten Portal namens meinBlog.at. Als ich dort begonnen habe, war der Blog von Christine Kainz schon unter den Top 3 der meistgelesenen Portale. Bald zählte Sie zu meinen treuesten Leserinnen und hat der damaligen Truppe auch auf Ihrem nachfolgenden Blog ein „Denkmal“ gesetzt: https://www.christinekainz.at/das-waren-wir-bei-meinblog-at/

Auch auf meinem Folgeblog hier auf WordPress blieb Sie mir „treu“ und verlinkte manche Beiträge, u.a. auch den:
1000. Beitrag von MEDICUS auf wordpress https://medicus58.wordpress.com/2016/09/16/das-erste-kilo-zwischenbilanz-eines-blogs/

Auch wenn Sie sich fallweise unfreiwillig mit den Unzulänglichkeiten des Österr. Gesundheitssystems auseinandersetzen musste, zielte Ihr Blog eher darauf auf künstlerische und gesellschaftspolitisch relevante Veranstaltungen und Strömungen aufmerksam zu machen.

Ich habe Frau Kainz, wie einige andere Personen, mit denen mich das WWW bekannt gemacht hat, nie in der Realwelt getroffen, kennen gelernt habe ich sie vermutlich durch Ihren Blog besser als viele andere Menschen in meinem direkten Umfeld.

Aus einigen direkten Mails wusste ich von Ihrer Krankheit und sehr selten fragte Sie mich auch dazu um Rat, meist ging es aber um ganz andere Dinge, wie in ihren beiden letzten Kommentaren am 12.1.2019: einerseits um den AKH Skandal und andererseits um das Musical Cats.

Auf Ihrer Homepage erfuhr ich, dass Frau Christine Kainz am 4.März 2019 im 70. Lebensjahr verstorben ist, da die Todesnachricht, die diesem Blogbeitrag voranging, dort eingestellt wurde.
Am heutigen Allerseelentag möchte ich meiner „Blog-Freundin“ mit der Aktion dem

Am 15.2.2012 beschrieb ich unter Ein Bahnhof ist ein Bahnhof soll ein Bahnhof sein, dass man die Inschrift des Gedenksteins am Europaplatz vor dem Westbahnhof kaum mehr lesen kann, obwohl sich doch (fast) alle bei uns damit brüsten so glühende Europäer zu sein.

EINEM  PP  L DES EUROPA
RATES FOLGEND UND ALS
BEKENNTNIS ZUR IDEE DER
EINHEIT EUROPAS G BT DIE
BUNDESHAUPTSTADT WIEN
DIESEM PLATZ DEN NAMEN
EUROPAPL TZ  21.6.1958

Leider ist die Dokumentation der nachfolgenden Ereignisse auch mit meinblog.at zu Grabe getragen worden, so dass Sie sich auf meine Erzählung nun verlassen müssen bzw. auf den Europaplatz zu einem Lokalaugenschein gehen müssen.

Jedenfalls hat Frau Kainz damals den Kampf mit den Behörden aufgenommen und erreicht, dass der Gedenkstein so halbwegs restauriert wurde:

Frau Kainz am 26.4.2016 8:38 hier auf wordpress:

Schade, dass unsere Kommentare von „meinblog“ hier noch nicht Eingang gefunden haben. Vielleicht ergibt es sich ja einmal.
Jedenfalls scheint sich um Inschriften nie jemand zu kümmern, denn: Unlängst führte mich mein Weg durch den „Bruno Kreisky Park“ in Wien-Margareten. Bei der dortigen Kreisky-Büste ist die Inschrift überhaupt nicht mehr zu lesen. Da musste ich natürlich … 
Folgende rasche Antwort erreichte mich:
Guten Morgen Frau Kainz!
Meine Kollegen von der Gebietsbetreuung 5/12 informierten Bezirksvorsteherin Mag.a Schaefer-Wiery über Ihre – die Büste von Bruno-Kreisky betreffende – Nachricht.
Vielen Dank für die Übermittlung Ihrer Wahrnehmung.
Ich möchte Sie darüber informieren, dass ich soeben die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA7) ersucht habe, die Inschrift sanieren zu lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Ing. Thomas Stähler
Büroleiter
Büro der Bezirksvorsteherin für Margareten

Meine Antwort 29. April 2016 21:14: HiHi

Frau Kainz am 29.April 2016 21:57:
Ja, ja, Sie haben leicht lachen. WEGEN IHNEN ist ja sogar der Gedenkstein beim Westbahnhof instand gesetzt worden.
Meine Antwort 29. April 2016 22:37: Und jetzt schon wieder devastiert. Dauerhaftes haben wir leider nicht erreicht

Aber Frau Kainz hat sich auch bei der Kreisky Büste durchgesetzt, wie sie am 3.Mai 2016 hier mitteilte:

Guten Morgen Frau Kainz!
Wie von mir versprochen, habe ich mit der Kulturabteilung der Stadt Wien Kontakt aufgenommen. Aus deren Rückmeldung darf ich kurz zitieren:

„Die Inschrift am Denkmal „Bruno Kreisky“ wurde seitens der Errichter leider in dieser schwer lesbaren Form angebracht (siehe Foto kurz danach).
Die Kulturabteilung hat die Tafel bereits im Vorjahr gereinigt.
Die schwere Lesbarkeit liegt aber nicht an einer Verschmutzung, sondern an der ursprünglichen Material- und Gravur-Auswahl. „
Das Foto der Büste, kurz nach der Fertigstellung aufgenommen, habe ich Ihnen ebenso mitgeschickt.
Mit freundlichen Grüßen
Ing. Thomas Stähler
Büroleiter
Büro der Bezirksvorsteherin für Margareten

Ich vermisse die Bloggerin Christine Kainz, sie scheint auch im wirklichen Leben ein ganz feiner Mensch gewesen zu sein.

Zum Abschluss Ihr Eintrag zum 28. Oktober 2011: In Liebe vergessen

Ich werde sie hier Lügen strafen und nicht vergessen.

Written by medicus58

2. November 2019 at 10:15

Veröffentlicht in Allgemein

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Ein Bahnhof ist ein Bahnhof soll ein Bahnhof sein

with 7 comments


Die Eisenbahn war einst das reale Versprechen einer Reise in die Ferne. Ich verdanke ihr prägende Erlebnisse meiner Adoleszenz.

Der Interrail Pass (http://de.wikipedia.org/wiki/InterRail ) ermöglichte es mit kleinem Budget, halb Europa 
(der Rest war zu meiner Jugend hinter einem Eisernen Vorhang) 
kennen zu lernen 
(oder zumindest zu bereisen). 

OK, die Abenteurer trauten sich mit ihrem Interrail Pass auch nach Marokko, so dass die Sache nicht nur eine europäische Affäre war, aber dass die Reise am EUROPAPLATZ begann, war durchaus symbolisch (Bild).

Dort befindet sich der Westbahnhof (http://de.wikipedia.org/wiki/Wien_Westbahnhof) , ein Bahnhof, der Wien und seinen Europaplatz mit all den anderen Städten verband, die auch einen Europaplatz besitzen:

Aachen
Berlin
Braunschweig
Darmstadt
Düren
Karlsruhe
Ludwigshafen am Rhein
Mönchengladbach
München

und, OK, das muss nicht sein: 
St. Pölten und Linz.

Natürlich hatte der Bahnhof auch Geschäfte, um sich mit Reiseproviant zu versorgen und einige wenig einladenden Essensaufnahmestellen, aber prinzipiell war er ein Bahnhof, wo man Abfahren, Ankommen und Umsteigen konnte.

Was ist er heute, so wie viele andere Bahnhöfe (mir fällt da z.B. Leipzig ein): ein Shoppingcenter mit Bahnsteig.

Und was ist der Europaplatz?

EINEM  PP  L DES EUROPA
RATES FOLGEND UND ALS
BEKENNTNIS ZUR IDEE DER
EINHEIT EUROPAS G BT DIE
BUNDESHAUPTSTADT WIEN
DIESEM PLATZ DEN NAMEN
EUROPAPL TZ  21.6.1958

Beides, der Westbahnhof und der Europlatz wurden in den letzten Jahrzehnten mehrfach renoviert (http://westbahnhof.w-s-o.net/projekt-westbahnhof-2011.html), damit ich jetzt auch dort Fastfood bekomme und 7 Tage die Woche in einem abgespeckten Einrichtungshaus eine Blumenvase für die Reise kaufen …
oder mich zwischen ÖBB und Westbahn (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=48959 ) entscheiden kann, 
sollte ich im Shoppingparadies den Bahnsteig finden.

Panta rhei (http://de.wikipedia.org/wiki/Panta_rhei) Alles fließt, nur fahren wir bald nix mehr, und den Gedenkstein wird auch keiner mehr lesen können, heute im NEUEN EUROPA.
 

Ist es wirklich schon zu viel verlangt, dass etwas seiner Grundbestimmung entsprechen soll und nichts anderem?
Muss ich am Bahnhof einkaufen, am Postamt meine CDs kaufen und beim Billa meine nächste Reise buchen?

OK, ich halte schon meinen Mund, ich meinte ja nur ….

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 10:08

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