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Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da

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Hinter den Kulissen des „besten Gesundheitssystems der Welt“ spitzt sich seit Jahren ein äußerst unschöner Konflikt zu.
Angeblich garantiert der ÖSG (ÖSG: Warum einfach, wenn es doch auch kompliziert geht) eine bedarfsgerechte Vorhalteleistung im Gesundheitssystem, um einerseits allen Pflichtversicherten einen Zugang zu benötigten Leistungen zu sichern, aber andererseits den Wildwuchs von Spitalsbetten, Großgeräten und besonderen Einrichtungen (Schlaflabors) zu verhindern.
Beschäftigt man sich etwas näher mit diesen Konstrukten, dann glaubt man sie ebenso wenig, wie dass das seit 1977 auf Abschlussdiagnosen und Medizinischen Einzelleistungen (MEL) basierende  System der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) nur annähernd zu einer kostendeckenden Abrechnung der stationären Spitalskosten geführt hat. Beides führt zu einer immer abscheulicheren Verschiebung ungewollter Patienten!
(Man mag mich klagen für diese Aussage, aus der jahrzehntelangen Berufspraxis wird es einfach sein die entsprechenden Beweise zu erbringen, hier kann ich nur sehr theoretisch darüber berichten.)

War das Rosinen picken der lukrativen Leistungen (z.B. unkomplizierte Geburten) und die Verhinderung nicht kostendeckender Leistungsanforderungen (z.B. teure Onkologika) vor Jahren in erster Linie das Spielfeld privater, gewinnorientierter Gesundheitseinrichtungen, zwingen die engen Budgets inzwischen auch die größten Krankenhausbetreiber sich bestimmte Patienten vom Hals zu schaffen.

Die einfachste Lösung ist hier, eine entsprechende Leistungserbringung gar nicht oder nicht mehr anzubieten. 

Die Unterversorgung mit Strahlentherapie in Ostöstereich hat es in den letzten Jahren in die Medien geschafft.
Anmerkungen zur hektischen Debatte um die Strahlentherapie
Das unkoordinierte Schließen voll ausgelasteter Versorgungseinheiten zur thyreologischen Versorgung (=Schilddrüse) taucht auch ab und an in den Medien auf, nachdem sowohl die entsprechenden Einrichtungen in Melk und Wien (Kaiser Elisabeth Spital) de facto ersatzlos ausradiert wurden. Zwar versichern die politisch Verantwortlichen, dass die Leistungen in andere Einheiten integriert wurden, nur geht die Rechnung ganz offensichtlich nicht auf, was zu den unzumutbaren Wartezeiten führt.

Bei teuren Therapien, Prothesen, Schrittmachern, … werden Deckelungen eingeführt, die zwar nach außen nicht kommuniziert werden, Ärzten und Patienten aber einen Spießrutenlauf zumuten, um vielleicht noch an ein nicht ausgeschöpftes Kontingent zu kommen.
Beliebt ist auch – unter dem Vorwand der Zentrumsbildung – teure Leistungen nur in einem Zentrum zu bündeln, so dass sich dort enorme Warteschlangen auftun, was wieder sparen hilft. Allein in der letzten Woche hatte ich zwei Gespräche, wo zwar Universitätskliniken bestimmte diagnostische Leistungen anforderten, die Patienten sich aber dann an andere Spitäler um Hilfe wandten, weil diese Leistungen innerhalb der eigenen Universität einfach nicht mehr angeboten werden!

Ein anderer Weg ist die lokale Information, dass man sich eben außer Stande sieht bestimmte diagnostische Leistungen weiterhin für ein anderes Spital jenseits der Landesgrenzen weiter anzubieten. Eine Rückmeldung an die Schreibtischtäter, die über ihren ausgeklügelten Versorgungsregionen (ÖSG) brüten gibt es natürlich nicht, wenn Einrichtung W für Einrichtung E halt keine PET Untersuchungen mehr durchführen kann, obwohl im Bundesland B halt leider keine einzige derartige Einrichtung vorgehalten wird …

Von oben mag das alles wie ein lustiges Monopoly (Das Kaufmännische Talent heißt das Spiel in Ö) ansehen. Mitten drinnen ist es für Patient und Arzt entwürdigend.

PS: Erinnern Sie sich noch an den Werbspruch: Mein BAC, Dein BAC, BAC ist für uns alle da ? Wenn nicht, können Sie sich nicht mehr erinnern, dass die Welt früher anders war …

Written by medicus58

17. Februar 2018 at 19:11

KAV / ÄK Hick Hack

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kav

Wie das alte  Jahr zu Ende ging (So funktioniert die Generaldirektion des KAV: Chronik der Unwahrheiten http://wp.me/p1kfuX-13F) so beginnt das neue.

Heute, Sonntag (!) um 10:15 warnte die Ärztekammer vor massiven Versorgungsengpässen in Wien (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160103_OTS0010/aerztekammer-warnt-vor-massiven-versorgungsengpaessen-in-wien) und zitierte die Einschränkungen im ärztlichen Nachtdienst in den Pflegeheimen, sowie die Einschränkungen in den (orthopädischen) OP-Kapazitäten im KAV.

Bedeutend schneller als zum Beispiel ein Krebspatient in Wien zu einem Bestrahlungstermin gelangt,schoss der KAV bereits um 14:32 zurück.(http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160103_OTS0025/kav-zum-wiederholten-male-falsche-behauptungen-der-aerztekammer)

Formal richtig,wies er darauf hin, dass Pflegeheime anderer Betreiber oft keinen ärztlichen Nachtdienst führen, verschweigt aber, dass in diesen Heimen mitunter ein anderes Krankenkollektiv untergebracht ist als z.B. in den Palliativ- und Beatmungsstationen des KAV.
Die Reduktion der OP-Termine in vielen KAV Häusern, die erwartungsgemäß vor Jahresende u.a. durch die bereits aufgebrauchten personellen Reserven (Durchrechnungszeiträume der neuen Arbeitszeitregelungen!) eintreten musste, werden weggebrabbelt.
Dass man sich über die Beweggründe und den Nutzen der erst nachträglich mit der Personalvertretung akkordierten „Tätigkeits- und Belastungsanalyse“ der Ärzte (Weihnachten im KAV: Leise rieselt das Vertrauen http://wp.me/p1kfuX-13x)  uneins ist, verwundert da kaum noch.
Ob dieser APA-Krieg in der Ausnüchterungsphase nach dem Jahreswechsel  Außenstehende interessiert mag überdies bezweifelt werden, die drei genannten Schlachtfelder (Pflegeheim, Hüft-OPs, Ärzteüberwachung) sind aber die falschen.

Gescheiter wäre es da schon der Forderung vom Wiener ÄK-Präsidenten Szekeres nachzukommen und „öffentlich zu deklarieren, in welche Richtung die Reise gehen soll und transparent der Wiener Bevölkerung mitzuteilen, welche Leistungen künftig im Wiener Krankenanstaltenverbund nicht mehr, oder nur vermindert, angeboten würden“.

Der KAV könnte z.B. via Presseaussendung quantifizieren:

Wie viele ärztliche Nachdiensträder 2015 eingesprt wurden, obwohl „die dzt. Dokumentationssysteme nicht ausreichten den Personalbedarf der Notwendigkeit entsprechend ausrichten zu können“.

Welche Operationsäle in welchen Häusern aus Personalmangel nicht ausgelastet werden könne.

Welche Großgeräte aus Personalmangel nicht in Betrieb gehen können (ausgelastet werden können).

In wie vielen Abteilungen, entgegen Wehselys und Janßens Versprechungen, die Tagespräsenz von Ärzten nun geringer ist als 2014.

Wie viele Abteilungsleiter mussten Nachtdienste leisten, weil nicht genügend Fachärzte zur Verfügung standen.

Wie viele Abteilungsleitungen nicht nachbesetzt wurden und Multiprimariate geschaffen wurden.

Wo die Patienten bei Komplikationen am Wochenende versorgt wurden, nachdem „ihre behandelnde Abteilungen“ nur mehr als  Wochenkliniken geführt werden.

Um wie viele Ärzte 2015 den KAV mehr verlassen haben als in den Vorjahren.

Written by medicus58

3. Januar 2016 at 20:48

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