Sprechstunde

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Kickln für alle: Jeder weiß es besser

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Unser kleiner Pferdenarr machte es seinen Kritikern zuletzt leicht, als er die Pandemie mit Vitaminen und NSARs beenden wollte, dass man an seinem angeblich so scharfen Verstand kaum mehr glauben kann.

Nur ist er leider kein Einzelfall.

Seit sich jede und jeder mit einem Klick im Netz ein paar Vokabel runterholen kann, scheint eine Besessenheit umzugehen sich gerade zu den Themen zu äußern zu denen einem jegliche Ausbildung und Kompetenz fehlt.

Informatiker lassen sich von ihren Algorithmen sagen, was medizinisch zu tun ist, Zahnarzthelferinnen belehren Zahnärzte, Hygieniker sprechen über Therapien und Therapeutiker über Ökonomie.

Gerade die Pandemie zeigt, dass sich Aussagen umso lockerer formulieren lassen, je weniger man davon versteht. Natürlich gilt das mitunter auch für Ihren Medicus, der aber zumindest mit seinem Decknamen verrät, in einem bestimmten Gebiet auf eine tiefere Aus- und Weiterbildung verweisen zu können.

Früher war es nur Priestern, Juristen und Wirtshaustischbewohnern vorbehalten mit allem recht zu behalten, heute nehmen sich immer mehr das Recht heraus mit ihrer Meinung missionieren zu dürfen.

Es muss ja nicht immer der es besser wissen, der es gelernt hat, aber der Umkehrschluss, dass das blinde Huhn immer zu gackern hat, ist doch sehr hinterfragbar.

Written by medicus58

7. November 2021 at 09:58

Weshalb ging uns jedes Maß verloren?

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Meinetwegen unsittliche, ja auch beleidigende, sexuell konnotierte Äußerungen und Betapsungen unter Alkoholeinfluss werden mit inquisatorischem Rechtsbewusstsein verfolgt, während ritualisierte Verprügelungen Vermummter nahezu lautlos unter den wohligen Teppich des (Kärntner)Brauchtums gekehrt werden.

Jeder Kassendiebstahl wird mit der ganzen Härte des Rechtsstaates verfolgt, während selbst die wenigen, die millionenschwerer Verfehlungen überführt wurden, sang- und klang-los haftunfähig sind.

Von denen, die sich diesen Luxus leisten können wird peinlichst auf die biologische und faire Herstellung jedes ihrer Nahrungsmittel geachtet, ungeachtet, dass diese gegebenenfalls unter Verfeuerung von miesestem Diesel über die Weltmeere geschippert werden müssen (Inka-Korn: Quinoa), finden es andererseits aber voll OK, wenn ihnen radfahrende Ich-AGs aus unbekannten Fast-Food-Hütten via App das Nachtmahl bringen, wenn es sich einmal nicht ausgeht auswärts unter dem Heizschwammerl zu dinieren.

Hysterische Reaktionen kamen auf den SPÖ Wahlslogan man möge sich ‚zurück holen was einem zusteht‚. Vermutlich weil sich der angeheuerte Berater angesichts seiner übrigen Geschäfte nicht traute den Satz zu verfolständigen. Und niemand aus dem Politiker- und Wahlvolk kommt angesichts der Panama und Paradise Papers d’rauf, dass es sich hier nicht um die Aufforderung zur kommunistischen Revolution V2 handelt, sondern ausschließlich darum, die hinterzogenen Steuermilliarden wieder ins Budget zurückzuholen, um sich einfach das zurück zu holen, was uns gestohlen wurde:  der europäische Wohlfahrtsstaat den wir uns dann auch plötzlich wieder leisten könnten. Ja, selbst vor dem Wahltag kam das Kern und Schieder nicht ganz so klar über die Lippen.

Einer meiner Lieblings-Regisseure meinte einmal, dass er angesichts der Gegenwart (des britischen Films) nur zu einem Schluss kommen kann: Entweder bin ich verrückt oder alle anderen. 

In diesem Zusammenhang las ich kürzlich auf Twitter die Erklärung, dass es keine Argumente mehr sondern nur noch Gegner gäbe. Da mag auch was dran sein.

Vielleicht erklärt sich aber die fehlende Streitkultur, das nahezu allergische Überschießen jeder Diskussion, egal in welche Richtung, durch den Verlust der Fähigkeit Zusammenhänge zu erfassen,
in anderen als rein dichotomen Entscheidungsbäumen zu denken,
Gewichtungen und Proportionen abzuschätzen.

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, das Muthspiels Jingles auf Ö1 deutlich länger brauchen um auf den Punkt bzw. zu ihrem Ende zu kommen als dies Werner Pirchner benötigte?
Nein?
Eben.

 

Written by medicus58

14. November 2017 at 17:45

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