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Reiseapotheke war gestern

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Früher, also wirklich früher als es weder Internet noch Smartphones gab, empfahlen selbst Reiseführer für den Hardcore Tramper die Mitnahme einer Reiseapotheke, zu deren Grundausstattung neben Mückenschutz, Pflaster, Antipilzsalbe, NSAR, Repellent auch Imodium für die lange Busreise zählte, nachdem einen Montezuma Rache erwischt hat. Erfahrene Reisende nahmen (auch schon für den Italienurlaub) etwas Toilettenpapier mit, und weibliche Tramper ihre Monatshygiene, spätestens nachdem sich für diesen Bedarf der pittoreske Souk als unergiebig und das frustran Fragen danach als peinlich erwiesen hat.

Im Gegensatz zu vielen anderen war die Reiseapotheke Ihres Medicus aber (abhängig von der angesteuert Region) vergleichsweise dürftig mit den von anderen oft tonnenweise mitgeschleppten typischen rezeptpflichtigen Medikamenten wie Antibiotika bestückt, da man diese (so man die wesentlichen Stoffnamen parat hatte) in den entferntesten Ecken kaufen konnte. Ich fand damals im „hintersten Indien“ althergebrachte Antibiotika, für die heute in Europa Lieferengpässe bestehen. Die oft ins Treffen geführte Gefahr von Fälschungen, schien mir weniger ein Problem, eher dass man klarerweise nicht gerade das neueste Panzerschrank Ding verlangen durfte.

Selbst im China der. 80er Jahre ließ sich Jodtinktur für die Hautdesinfektion auftreiben.

Nur, soll davon eigentlich gar nicht die Rede sein, so dass Sie Ihre Pulverln für die nächste Gruppenreise nach Verona gerne einpackt lassen können.

Was sich heute zum richtigen Notfall auswachsen kann ist ein defektes Mobiltelefon.

Und dafür müssen Sie nichtmal Ihr gutes Stück im Mekong versenken. Das, wie ich selbst vor einiger Zeit bestaunen konnte, halten moderne Handys heute aus. Dass der überglückliche (chinesische) Besitzer dem mutigen Kambodschaner nicht mal Trinkgeld gab, nachdem dieser das verlorene Stück aus der braunen Brühe rettete, sei nur am Rande erwähnt. Tun Sie es unserem chinesischen Freund also nicht gleich, denn wäre ich Kambodschaner, mir wäre Ihr Verlust nun egal.

Aber auch wenn Sie meinen doch nicht so ungeschickt zu sein (welcher Trottel wirft sein Handy in den Fluss?): Da gibt es eine ganze Reihe von Handydefekten, vor denen Sie sich nicht sicher fühlen können:

Der Akku platzt in der Hitze, das Ladegerät gibt seinen Geist auf, das Verbindungskabel hat einen Bruch, nachdem Sie es mehrfach irgendwie in eine Fototasche gepresst haben. Natürlich gibt es dafür auch schon im kleinsten Dorf Ersatz, wie es die früher erwähnten Medikamente gab, weil schließlich auch der lokale Häuptling sein Handy hat. Aber ob Sie gerade die richtige Anschlussbuchse finden? Sie kennen Sie allein schon all die USB Varianten?

Wenn es den Akku zerfetzt hat, finden Sie den fest verbauten Akku Ihres Highend Smartphones gar nicht mehr so smart. Leider haben weder Apple noch Samsung einen zertifizierten Händler im Ort.

Nun, mögen Sie sagen, wäre das ja nicht so schlimm, schließlich telefoniere ich ohnehin selten aus dem Amazonasdelta.

Das schon, aber wo sind denn Ihre Bordkarten? Ah, in der Airline-App am Handy? Und wie erfahren Sie von der Verschiebung der Abflugzeit, was bei Billigfliegern immer mehr in Mode kommt, oder Ihren Online-Check-in, wie geht denn der, außer Ihre Unterkunft hat einen allgemein zugänglichen PC.

Auch wenn Sie das alles glauben niemals zu brauchen, haben Sie sich vielleicht schon an Google Maps als Navigationstool gewöhnt. Geht halt nicht, oder das Aufladen über die Powerbank, wenn das Handy am frühen Nachmittag schlapp macht, wenn Ihr Ladekabel (siehe oben) einen Bruch hat.

Selbst wenn Sie Ihr Handy nur als Kompass, zur Restaurant-Suche oder zur Vorbestellung Ihrer nächsten Übernachtung, als Eintrittskarte für die online gebuchte Sehenswürdigkeit, Fähre, Ausweisersatz, Passkopie,… etc. verwenden müssen. Und mal Hand aufs Herz, kennen Sie noch die Telefonnummern, mit denen Sie sich im Notfall in Verbindung setzen müssen, oder weiß die auch nur mehr Ihr Phone?

Also, meinetwegen nehmen Sie die gute alte Reiseapotheke mit, aber denken Sie auch an die Bedürfnisse Ihres Handys:

Internationalen Reisestecker, vielleicht zwei Ladegeräte, Ersatzkabel, ggf. Adapter für den besonderen Micro-, Mini-USB A-C, Powerbank, wenn der Akku nicht tauschbar, ein aktuelles Backup Ihres Handys in der Cloud, sicheres Case und vielleicht zusätzliches Billigsmartphone mit Kopie der wichtigsten Daten…

Sollten Sie selbst erkranken, gibt es im Notfall Schamanen, wenn Ihr Smartphone schwächelt kann der Urlaub rasch zum Abenteuer werden.

Bis jetzt fühlte ich mich immer etwas paranoid, weil ich mir immer alle Urlaubsbuchungen auch als Papierausdruck mitnehme, nach diesem Text fühle ich mich schon fast clever.

Written by medicus58

5. November 2019 at 18:30

Veröffentlicht in Reisen

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Sind Sie zufrieden? Für die Bankenrettung bekamen wir den Zwang zum Electronic Banking

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Wir haben bis zum Herbst 2014 (http://derstandard.at/2000016810398/Rechnungshof-Bankenrettung73-Milliarden-fuer) für die Rettung unserer Banken 7,3 Milliarden Euro hingeblättert.
Weitere Kosten, wie z.B. für das HETA/Hypo Debakel sind zu erwarten.
Den Deutschen haben laut Mitteilung ihrer Bundesbank übrigens seit 2008 sogar insgesamt 236 Milliarden Euro hingeblättert (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/05/banken-rettung-kostet-deutsche-steuerzahler-236-milliarden-euro/)!

The Pig was too Big to Fail!

Zusätzlich wird mit staatlicher Hilfe dem Bankensektor geholfen Personalkosten einzusparen und auch die Wirtschaft zum Electronic Banking gezwungen (http://derstandard.at/2000031461279/Finanzamt-versendet-bald-keine-Erlagscheine-mehr):
Unser XXL-Finanzminister legte fest, dass per 1. April werden keine Erlagscheine mehr für die Steuervorauszahlungen angenommen werden (http://derstandard.at/2000031461279/Finanzamt-versendet-bald-keine-Erlagscheine-mehr).

Seit einigen Wochen weigern sich plötzlich immer mehr Banken, die angeblich sooo sicheren großen Euro-Noten zu wechseln (http://derstandard.at/2000033179465/Bank-Austria-ziert-sich-bei-500-Euro-Schein), angeblich weil es sich dabei um Schwarzgeld handeln könnte!

Ja, eh!

Und selbstverständlich geht ein Arbeitgeber heute davon aus, dass er nicht Gehaltssäckchen befüllen muss, weil jeder Arbeitnehmer ohnehin sein Girokonto haben muss.
Dumm halt nur, wenn er dann, wenn er an sein Geld wirklich kommen möchte, er bald eine Bankomatgebühr berappen muss (http://kurier.at/wirtschaft/wirtschaftspolitik/werden-bald-kosten-fuer-bankomat-behebungen-faellig/178.625.641).

Dort fallen ebenso wie für den heute offenbar für alle vorausgesetzte Internetzugang Gebühren an, oder anders ausgedrückt eine Zwangsabgabe zur Querfinanzierung eines bestimmten Industriezweiges (Nein, wir reden jetzt nicht über ELGA ….).

Irgendwie beschleicht einen der Verdacht, dass dies alles Schritte in Richtung Abschaffung des Bargeldes sind, um bald

  1. bei jeder Transaktion Gebühren verrechnen zu können
  2. einfacher in das Eigentum des Einzelnen (Währungsreform nannte man dies früher) eingreifen zu können oder
  3. noch schlimmer, immer mehr Spielgeld ins Kasino zu leiten.

Noch wird die bei uns plötzlich aufgepoppte Diskussion über eine  Abschaffung des Bargeldes (http://www.welt.de/politik/deutschland/article152000241/Geld-wird-kein-privates-Eigentum-mehr-sein.html) von der Politik abgestritten,
jedoch bin ich mir sicher, dass sie bald schon alternativlos sein wird.
Das Thema wird in den USA schon seit Jahren diskutiert:

Forbes: Farewell To Cash?
http://www.forbes.com/sites/markhendrickson/2015/05/28/farewell-to-cash/#3e2684727927

Citi Economist Says It Might Be Time to Abolish Cash
Would this save the world economy?

http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-10/citi-economist-says-it-might-be-time-to-abolish-cash

Während man früher zu Monatsersten seine Erlagschein binnen weniger Minuten abgestempelt und eingeworfen hat, bilden sich nun endlose Schlangen vor den Automaten, bei denen jede Transaktion einige Minuten in Anspruch nimmt.
Noch länger waren heute die Schlangen bei einer Filiale der Bank Austria auf der Mahü, wo drei der vier Erlagscheinannahmen gleichzeitig defekt waren!

BankAustria

Da kann man schon mürbe werden und Electronic Banking als alternativlos sehen.

Die Frage nach der Kundenzufriedenheit, die man auch wieder nur elektronisch beantworten kann, setzte der Frechheit noch die Krone auf.

Zufriedenheit

 

Written by medicus58

2. April 2016 at 23:51

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