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COVID-19: Was schützen wir denn hier eigentlich, Alte, Kranke, Daten?

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Mit viel PR wurde und wird uns eingebleut, dass es der Regierung um den Schutz der Schutzbedürftigsten geht. Da kommen einem doch Zweifel:

1.) Wir schützen die Alten?

Schon zweimal habe ich auf die überproportionale Zunahme an Positiv-getesteten Personen in der Gruppe der > 64-Jährigen (Die Schulen sind zwar zu, aber die Älteren erkranken weiter ) hingewiesen. Aktuell sind fast so viele (2619) Erkrankte >65 wie in der zweithäufigsten Gruppe der 45-54-Jährigen (2642)

Heute um 22:00 war die Gruppe der >64-Jährigen erstmals die am stärksten betroffene Gruppe.

2. ) Wir schützen die Risikogruppen?

Der Nationalrat beschloss am 3.April u.s. , dass Personengruppen mit erhöhtem Risiko Anspruch auf Dienstfreistellung unter Entgeldfortzahlung. Über die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe soll eine von Gesundheits- und Arbeitsministerium eingerichtete Expertengruppe entscheiden.  Definiert würden die Risikogruppen „nach medizinischen Erkenntnissen“ oder „aus der Einnahme von Arzneimitteln“
Das klang ja sehr gut, nur fehlt die Evidenz in der publizierten Literatur für eine solche Entscheidung. Natürlich wird eine schwer vorgeschädigte Lunge COVID-19 weniger gut tolerieren als eine vor der Infektion völlig gesunde Lunge, heißt dass nun, dass alle Kettenraucher freigestellt werden? Die Sache bei „Krebspatienten“ ist ungleich komplexer und hat Christoph Zielinski völlig zu Recht zu folgendem Ausbruch auf Twitter veranlasst:
Ich spreche mich HEFTIG gegen eine DIskriminierung Krebskranker aus! WO gibt es verlässliche Publikationen, die eine reduzierte Immunabwehr NACH einer Krebserkrankung belegen?!? Sind denn ALLE GLEICHZEITIG wahnsinnig geworden??
Auch aus der Medikamentenanamnese lässt sich so eine Schritt nicht zwingend ableiten, wie Zielinski klar stellte: Two studies show that the use of ACE inhibitors and Angiotensin II Receptor Blockers is associated with improved clinical outcome in COVID-19 patients with hypertension. Thus: this drug history does not define risk groups.
Andererseits sehen Gewerkschafter und Juristen ein solches Vorgehen als rechtlich höchst bedenklich, da systemrelevante Dienstnehmer explizit ausgeschlossen (Heute) wurden.
Schließlich warnt die Wiener Ärztekammer am 7.4. alle Ärzte davor COVID-19-Risikoatteste ausstellen, da aktuell noch nicht feststeht, wie die medizinischen Kriterien für diese Bestätigungen auszustellen. Die ÄK für Wien distanziert sich auch von den selbst und der AGES kommunizierten und bekannten Regelungen.
Hintergrund: Derartige Bestätigungen haben eine enorme rechtliche Relevanz, weil für Personen, die der Risikogruppe angehören und nicht zur kritischen Infrastruktur gehören oder nicht von zu Hause aus arbeiten können (Homeoffice), der Staat die Lohnkosten übernimmt, da diese Personen von Dienstgebern freizustellen sind.

3.) Stoppt die App statt Stopp Corona App!

Ohne jede wissenschaftliche Evidenz, dass dies in der Praxis etwas gebracht hat, wird die Handy-Überwachung als Geheimwaffe in der SARS Cov2 Krise den Menschen angedient und das Rote Kreuz hier als scheinbar unabhängige, vertrauenswerte Einrichtung vorgeschoben.
Das vom Bundeskanzler und vielen Medien gemalte Bild „die vom Roten Kreuz entwickelte “ Stopp Corona“-App“ ist ein klassischer Fake.
Natürlich hat das nicht das Rote Kreuz entwickelt sondern das Beratungsunternehmen Accenture. Auch Palantir, ein CIA- und affiner Konzern ist mit dabei und ob die UNIQA Privatstiftung 2 Millionen Euro aus reiner Menschenliebe spendete mag auch hinterfragt werden. Laut Wikipedia beschäftigt sich Palantir Technologies regelmäßig mit der Auswertung von Kunden- und Kreditkartendaten, um diese Informationen weiter zu verkaufen:

„Palantir, benannt nach den sehenden Steinen aus Herr der Ringe, gilt als der hipste Arbeitgeber im Valley. In ihren Anfangsjahren, aber auch noch heute wurde sie vom Sicherheitsapparat und dem Verteidigungsministerium finanziert. Sie liefern ans Pentagon, ans FBI, die Polizei und an die NSA Software zur Datensammlung und Datenanalyse. Das Geschäft heißt also: Big Data für Big Brother. Und dass nebenPeter Thiel auch Alex Karp im Trump Tower saß, bedeutet wohl, dass Trump die Sicherheitsdienste noch mehr privatisieren will. Das sind keine schönen Zukunftsaussichten.“

– Jonas Lüscher: Die Reichen werden unsterblich und der große Rest überflüssig.

Written by medicus58

7. April 2020 at 17:26

Erinnerungen an Zeiten ohne Datenschutz

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Es war kurz vor Sonnenuntergang am Hafen von Papeete, der Hauptstadt von Französisch-Polynesien, vor fast zwei Jahrzehnten. Am frühen Abend liefen die letzten Fähren von den umgebenden Inseln ein.

Hinter der Kamera wurden schon die Garküchen aufgestellt, die die Einheimischen durch die lange Nacht bringen werden. Touristen haben ohnehin meist Vollpension gebucht.

Geboten wurden jetzt nicht nur lokale Spezialitäten, Fisch war fast unerschwinglich. Geschmortes Schwein und Pizza war da schon eher angesagt und natürlich Crêpes, man befand sich ja auf französischem Boden.

Das Foto wurde auf einem alten ORWO Chrom Diafilm mit einer Olympus OM-2 geschossen, und nahm in gewisser Weise die heutigen Datenschutzbestimmungen vorweg. Das Motiv, ein mir unbekannter Einheimischer, ist unerkenntlich….

Written by medicus58

10. Juni 2019 at 15:54

Veröffentlicht in Reisen

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ELGA: Wie dumm kann man sein – für wie dumm kann man denn verkauft werden

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2012 hat der Nationalrat das „ELGA-Gesetz verabschiedet und vorsorglich die Bundesländer,
die schließlich die großen Krankenanstaltenverbünde kontrollieren, in den 15a-Verhandlung vertraglich zum Mitmachen verpflichtet.

Selbst der zufällige Leser dieses Blogs wird sich wenig Illusion darüber machen, dass ich
schwere Vorbehalte gegen elektronische Gesundheitsakten (ELGA) und die Rolle der EDV im Gesundheitswesen habe.
Ich habe seither zahllose Argumente Beispiele gebracht, wobei über die Jahre die fallende Zahl der Beiträge eine gewisse Erschöpfung zeigt:

2016
Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall 

2015 
 und da war da noch ELGA
KAV-IT: Ohne Worte 

2014
Da mir Minister Stöger kein Interview zu ELGA gibt 
Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV 
Before we have been so rudely interupted
Software kann auch töten
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher

2013 
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht 
Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV

2012

VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient.
Männchen oder Weibchen? An alle ELGA Fans
Endlich ELGA: Cui bono? 
ELGA kommt endlich 
Pressestunde: Salon ELGA
Risikofaktor medizinische Informatik
EDV: Supergau im KAV
Nervt die EDV nur oder will sie uns was sagen
MED 2.0 Facebook for the insane
Risikofaktor medizinische Informatik

All das schien wenige zu interessieren, auch dass das Milliarden teure ELGA Ding, das 2015 nicht wie geplant startete und nur scheinbar 2017 (!) los ging.
Bis heute habe ich aber noch bei deutlich weniger als einem Prozent meiner Patienten irgendwelche Daten auf ELGA gefunden und bei mehr als der Hälfte der Anfragen auf Fehlermeldungen gestarrt!
Woher der Hauptverband seine Zahlen hat, dass bis Ende Jänner 2018 fast die Hälfte aller Bürger ELGA-Kontakte hat, ist mir schleierhaft, tut aber jetzt nix zur Sache.

Im Zuge der Anpassungsgesetze zum EU-Datenschutzrecht gehen aber plötzlich wieder die Wogen hoch:

Standard.at Regierung will Daten der Bürger für Forschung freigeben
SN: Gesundheitsakte ELGA: Regierung will Daten der Österreicher für Forschung öffnen
NOEN: Medizin-Unis fordern Weitergabe von Patientendaten
FAZ: FÜR FORSCHUNG UND INDUSTRIE:Persönliche Daten der Österreicher bald einfacher zugänglich
Standard.de Entrüstung über neues Forschungsorganisationsgesetz bei Neos und Ärztekammer

Vor wenigen Minuten legte dann Frey im Standard nach (Daten können Leben retten) und stimmt völlig kritiklos in den Mythos der Big Data ein, die das Gesundheitssystem wieder einmal revolutionieren soll.
Allein seine folgende Behauptung
Der einzelne Arzt kann immer nur anekdotische Erfahrungen machen, erst in der Masse ergeben sich wissenschaftlich brauchbare Erkenntnisse
zeigt sein grundlegendes Unverständnis, dass der unreflektierte Schluss von der Gruppe auf den Einzelfall der wesentliche Unterschied zwischen Schreibtischtäter und Praktiker ist.

Was ich aber an der aktuellen Aufregung nicht so ganz verstehe, was haben denn all die Aufgeregten geglaubt, weshalb Milliarden in den Versuch gebuttert werden, um die Gesundheitsdaten der Bevölkerung elektronisch auswertbar zu machen?
Haben sie wirklich der Argumentation geglaubt, dass dies alles geschieht damit Omi das Blutbild aus dem Internet runterladen kann mit dem sie versehentlich den Sittichkäfig ausgelegt hat?
Vermutlich glauben die auch noch immer, dass Google uns seine Suchmaschine aus Menschenliebe gratis zur Verfügung stellt und Facebook/You Tube/Snapchat seine Serverfarmen nur betreibt, um ein paar einsame Seelen zusammen zu bringen.

 

Written by medicus58

11. April 2018 at 19:29

PSST: Ohne Worte

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Datenschutzerklärung

PS (oder besser psst …:

PSST=
1. Aufforderung, leise zu sein, 
2. unauffällig um Aufmerksamkeit bitten  
http://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=~~Psst!%20Pst!%20Pscht!&suchspalte%5B%5D=rart_ou

Die Ärztekammer hat schon den Maulkorb übergestreift
https://medicus58.wordpress.com/2015/07/03/die-arztekammer-hat-schon-den-maulkorb-ubergestreift/

Warum pfeifen die Spatzen nicht oder pfeifen sie schon drauf?  
https://medicus58.wordpress.com/2012/05/29/warum-pfeifen-die-spatzen-nicht-oder-pfeifen-sie-schon-drauf/ 

Darabosch, Demokratie und der Beamtenchor
https://medicus58.wordpress.com/2012/02/24/24-1-2011-darabosch-demokratie-und-der-beamtenchor/

Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes
https://medicus58.wordpress.com/2012/02/16/reformstillschweigen-zur-errichtung-eines-potemkinschen-dorfes/

Written by medicus58

21. April 2016 at 17:12

Kundenkartenverarschn

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Heute wieder einmal beim DM, könnte aber auch irgendwo anders sein …

Die wie immer wirklich

freundliche Dame an der Kasse: Haben Sie einer Kundenkarte?

Ich: Nein.

Sie: Wollen Sie eine?

Ich: Nein, danke.

Sie: Darf ich ihnen die Broschüre zum anschauen mitgeben?

Ich: Nein, danke.

Sie: 5.80€, bitte.

So geht es seit Monaten.

Ich sehe ihr an, dass es ihr völlig egal ist, ob ich dieses Sch. Stück Plastik dabei habe, nur damit ich für ihren Konzern noch gläserner werde, Sie wurde nur offensichtlich gedrillt die Frage jeder und jedem zu stellen, damit die und der für ihren Konzern noch gläserner werden. Da sie nicht weiß, ob nicht gerade ich ein Testeinkäufer bin, den ihr Konzern geschickt hat, um zu prüfen, ob sie auch den Anordnungen folgt, muss sie mich fragen. Ich muss so antworten, weil ich nirgend gespeichert haben möchte, dass ich Zahnpaste der Marke XXXXXXXL-White kaufe.

Ich kann es mir leisten auf die paar Cents Rabatt zu verzichten, nur um einen letzten Rest von Privatsphäre zu bewahren. Zwei Menschen werden zu einem absurden Dialog gezwungen, den beide nicht führen wollen, aber müssen, weil dahinter die Kapitalinteressenen eines Konzerns stehen.

Written by medicus58

26. Juni 2011 at 08:37

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