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ElefantInnenrunde: Edutainment oder Gladiatorenkämpfe – eine nicht nur medizinische Betrachtung

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Wir haben nach gefühlt Hunderten, angeblich aber nur rund 60 TV-Duellen der Spitzenkandidaten auch die ElefantInnen-Runde (wieso gendern das nicht mal die PC-affinsten Grünen?) überstanden.

Viel haben wir nicht mehr dazu gelernt, also wenig Edutainment, zu sehr blieben die Kandidaten stur auf den von bezahlten Beratern medial abgefragten und dann punktgenau gecoachten Worthülsen und G’schichtn:
Selbst als selektiver Duell-Konsument glaubte ich die erhebende Geschichte von Papa Kurz mindestens dreimal gehört zu haben (als 50-Jähriger bei Philips gekündigt und den beruflichen Wiedereinstieg trotzdem geschafft) und die Westbalkanroute könnte ich auch schon verkehrt rum sagen (Etournaklabtsew).
Ja, ich glaube wie Kern auch, dass Kreisky mir das Studium ermöglicht hat, nur kann selbst ich es nimmer von der Partei hören, die zustimmte, den Zivildienst zu verlängern, Studiengebühren einzuführen und sich feiern lässt, dass eh schon fast jeder maturiert, nur eben mit dem Wisch genau gar nix mehr anfangen kann.
Auch dass Strolz aus der Praxis kommt, so wie HC Strache, letzterer halt als Zahntechniker aus der Zahnarztpraxis, und dass beide Arbeitsplätze geschaffen haben, hörte ich bereits bis zum Abwinken.
Lunacek nahm ich sogar die Ernsthaftigkeit ab, mit der sie unzähligen Male inhaltlich diskutieren wollte, aber dann halt nicht über die Implosion ihrer Partei, während sie als x-te Präsidentin des Europäischen Parlaments in Brüssel weilte.

Dass die Wiener Zeitung „überstanden“ und nicht „überlebt“ titelte, ist wohl ihrer „amtlichen Seriosität“ geschuldet, egal.

Was mir mehr oder weniger Ernsthaftes zu dieser Nationalratswahl durch den Kopf gegangen ist, lässt sich gemeinsam mit ein paar von Kappachers Radioblogs hier nachlesen.

Was mich aber heute beschäftigt ist die Überlegung, ob hier unter dem Gejohle der angeheuerten Fans, den schrillen Tönen in den Echokammern der digitalen Nebenwelten nicht viel finanzielle und persönliche Energie auf den völlig falschen Schauplätzen vergeudet wird.

Klar haben viele was davon:
Keine anderes TV-Programm ist so billig zu produzieren, bekommt so viele Zuschauer und kann deshalb so gut der Werbeindustrie verkauft werden, wie Wahlduelle.
Ein Segen auch für die Printmedien, Inserate, Wuchteln, Entgegnungen, Kommentare und immer mehr Online-Klicks für die Werbeindustrie.
Angesichts der medialen Dauerpräsenz von Meinungsumfragern, PR-Beratern, Politologen, Experten für eh alles, wird deren Geschäftsmodell zum Selbstläufer, ohne sich der Frage zu stellen, wozu man sie wirklich braucht, oder was sie den nachweislich bewirken. Was dauert über den Schirm plappert MUSS DOCH wichtig sein.

Natürlich sind wir als Publikum ebenso mitbeteiligt:
Auch ob wir wirklich an Inhalten interessiert sind, bliebe noch zu beweisen, jedoch
der Jahrmarktzirkus lenkt uns wenigstens ab,
macht 
unverhohlen Freude, wenn der andere eine drauf kriegt,
erlaubt hellen Empörung, wenn wer schmutziger Tricks überführt wurde.

Nur mal so dazwischen: Wenn sich medial unsanktioniert FP-Kickl über dirty campaigning aufregt, der aktuelle Bundespräsident wertschätzende TV-Auftritte einfordert oder die Grünen so tun, als hätten sie noch nie den Mann statt den Ball gespielt, dann kommen auch Zweifel über die Vierte Gewalt im Staat auf.

All das gesagt und den Würgereiz unterdrückt geht es mir um etwas ganz anderes:
Das ganze Theater bindet enorme Ressourcen und lässt die Politiker, Sieger wie Verlierer, völlig ausgebrannt zurück.
Ob sie dann, wenn sie Energie bräuchten, um etwas von dem umzusetzen, für das sie gewählt wurden, noch dazu fähig sind, bleibt zu bezweifeln. 

Googeln Sie einmal die Fotos irgendwelcher Spitzenpolitiker vor und nach ihrer politischen Tätigkeit.
Nicht aus Mitleid, aus Eigennutz. 
Auch die Aufarbeitung von Hillary Rodham Clintons Wahlschlappe gegen Donald Trump und das virtuelle Nachspiel
(„What Happened„) lässt tief blicken wie sehr das, was wir glauben dass es Demokratie wäre, die Protagonisten selbst zerstört.

Wenn wir uns als Wähler nicht endlich stärker dagegen wehren, dass wir mit Spektakel befriedigt werden, das letztendlich die wahre Absicht, Politik im Sinne des Wählers zu machen, immer mehr verunmöglicht, dann stapfen wir auch hier bewusst- und besinnungslos den amerikanischen Weg nach.

Wenn Sie mich Fragen, wie wir uns dagegen wehren sollen, dann kann ich ihnen nur Eminance und nicht Evidence anbieten:
Ich wählte nie jemand für das was er sagte, was andere über ihn sagten, was er über andere sagte, sondern was ich glaubte, was er in den mir wichtigen Fragen tun würde, wenn er die Macht dazu hat. Eine Richtschnur ist hier der Blick in seine politische Vergangenheit.

Written by medicus58

13. Oktober 2017 at 17:21

Causa Trump : Alle spinnen und wir fallen darauf rein : Wank the Dog

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Natürlich stimme ich Robert De Niro in seiner Einschätzung der menschlichen und politischen Qualität des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump vollinhaltlich zu, auch wenn mein Wunsch „ihm in die Fresse zu hauen“ etwas weniger stark ist.

Vermutlich ist es auch kein Zufall, dass De Niros Video-Statement knapp vor dem Wahlgang und unmittelbar nachdem Trumps sexistisches Geschwätz aus dem Jahre  2005 (!) viral ging.

Selbstverständlich wird jeder mit einem Anflug an Anstand diese Aussagen als das sehen was sie waren, abstoßende Aussagen eines dirty old man.
Aber, hallo! Hat irgendjemand auf diesem Planeten je daran gezweifelt, dass sowas NICHT aus dem Mund eines Mannes kommen würde, der sein ganzes Leben mit „seinen  Eroberungen“, finanziell und sexuell prahlte?
Trotzdem diskutierte die halbe Welt darüber, übertraf sich in wohlmeinenden Statements und ratterte politisch korrekt rauf und runter, was man dazu immer zu sagen hat.

Und wieder muss man dem, wie schon Herrn De Niro, vollinhaltlich zustimmen, wollte man nicht als Verharmloser, oder sogar auch als sexistisches Arschloch gelten,aber nochmals:
Worin liegt der Neuigkeitswert erfahren zu haben, dass ein Rechter ein Rechter, ein Linker ein Linker, ein Arschloch ein Arschloch ist?

Wenn Ihnen aber die Medien etwas erzählen, an dem Sie ohnehin nicht zweifelten, dass Sie ohnehin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wussten,
ja warum erzählen sie es Ihnen dann?
Cui bono, wie die Juristen gelernt haben zu fragen ….
Wenn Sie nichts dazugelernt haben, sollten Sie sich fragen, weshalb sich nun alle aufregen …
Das letzte Mal wo sich um mich herum alle aufregten, war übrigens in der Lissaboner U-Bahn, wo man versuchte mir etwas aus der Manteltasche zu stehlen.
Es regten sich aber nicht die anderen Fahrgäste auf, sondern die Komplizen des Taschendiebs, die dann alle nach dem missglückten Versuch gleichzeitig ausstiegen.

A propos Robert De Niro: Ich denke er kann sich noch an seine Rolle als Spindoktor in dem köstlichen Film Wag the Dog  aus 1997 erinnern:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wag_the_Dog_%E2%80%93_Wenn_der_Schwanz_mit_dem_Hund_wedelt

Wenn damals der Schwanz mit dem Hund wedelte, scheint mir jetzt wieder was ziemlich gewedelt, oder anders ausgedrückt: Wank the Dog

Die Anwendung dieser Erkenntnis auf die heimische Politik erlaube ich mir Ihnen zu überlassen,
aber vergessen Sie nie, dass in Zeiten des breitflächigen Vergessens so manche Sau immer wieder durchs mediale Dorf getrieben werden kann.

Sollten Sie aber zufälligerweise US-amerikanischer Wähler sein: Das ist natürlich KEINE Aufforderung Trump zu wählen, lesen Sie bitte den Text gegebenenfalls nochmals.

 

Written by medicus58

9. Oktober 2016 at 16:55

Wo Clinton ausnahmsweise selbst blies

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Written by medicus58

19. November 2013 at 10:41

Veröffentlicht in Reisen

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