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Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade

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Jede der großen Religionen preist die Wohltätigen und verlangt von ihren Gläubigen einen Teil ihres Besitzes an die Bedürftigen abzutreten.

Inzwischen hilft uns vor jeder westeuropäischen Supermarktfiliale ein anderer Bedürftiger sich dieser Bürde oder zumindest unseres Wechselgeldes zu entledigen.

In den letzten Jahren halten diesen Brauch nicht nur schwarzgewandete Betschwestern und die Caritas hoch sondern gerade links der politischen Mitte steht es außer Diskussion, dass Betteln ein Menschenrecht ist.

Der VGH setzt Betteln mit dem Recht auf Meinungsfreiheit gleich und hob deshalb komplette Bettelverbote wie in der Steiermark auf.

Nur fällt niemandem mehr auf, wie verquert die Argumentation in westeuropäischen Ländern ist, die doch angeblich schon so viel Wohlfahrt anbieten, dass man den Fleißigen und Tüchtigen endlich wieder mehr netto von brutto lassen und mit der Umverteilung aufhören sollte.

Wer da die „Billa-Portiere“ und „Versehrten-Paraden“ in den Einkaufsstraßen thematisiert, wird rasch als Menschenverachter punziert und mit der Nazi-Keule in Grund und Boden gedroschen ehe er noch darauf hinweisen kann, dass es Jahrzehnte lang die Absicht, nicht zu letzt der Linken, war, die Ursachen der Armut zu bekämpfen und nicht die Armen durchzufüttern.

Menschen benötigen Rechte und nicht Almosen.

Menschlichkeit hat nicht als Kompensation für gesellschaftliches Versagen missbraucht zu werden und ist kein Substitut für Solidarität, die uns ein globalisierter neoliberale Kapitalismus ausgetrieben hat.

Oder wie es einst schon Pestalozzi formuliert hat:

Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade

Written by medicus58

9. Juni 2019 at 23:24

Wenn die Gutmenschen zu gut sein wollen

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Sprachlos angesichts der eigenen Betroffenheit, sich hilflos fühlend gegenüber eines um sich greifenden Revisionismus aller Denkmodelle, die seit einem halben Jahrhundert (1968) mühsam in die öffentliche Diskussion eingebracht wurden, hing der letzte Rest Linksliberaler an den Lippen jener, die noch auf Kurs waren; die es dem rechten Boulevard noch richtig „rein sagten„, die Worte fanden gegen den fremden- und frauenfeindlichen Sumpf, die einem selbst nicht einfielen, die einem das wohlige Gefühl vermittelten, doch nicht allein gegen die Phalanx an Faschisten, Frauenverachtern und EU-Gegnern zu sein.

Als Festredner eingeladen warnten sie, kritisierten sie, rüttelten auf und klagten an als wäre alles die Dreyfuss Affäre.

Da kam es auch zu eigenartigen Schulterschlüssen mit traditionell konservativen Menschen und Einrichtungen, wenn sie nur im eigenen Sinn „gut“ schienen und „gegen das Richtige“ waren, ungeachtet anderer weltanschaulichen Differenzen. Kritik an der Regierung und der Wiener Erzbischof scheint ein Mitstreiter und sein Anti-Darwinismus kein Thema mehr.

Der Fall Menasse (https://www.nzz.ch/amp/feuilleton/wird-man-doch-so-sagen-duerfenrobert-menasse-wird-man-doch-so-sagen-duerfen-ld.1449192?) und die aktuelle Aufregung um die ökonomischen Seite der Caritas werden wohl nur deshalb so aufgewühlt diskutiert, weil es jene Instanzen betrifft, die einem das Gefühl gaben „wirklich gut“ zu sein, eine echte Antithese zu all dem Verkommenen und Korrupten im herrschenden System.

Dass das eine Welle war, auf der weiland auch Jörg Haider und viele rechtskonservative Heilsbringer segelten, ja letztlich einen Topos aller religiöser und politischer Heilsversprecher darstellte, das scheint den aufgeklärten Jüngern entgangen bei ihrem Jubel über all die geladenen Diskussionteilnehmer, Manifestersteller, Fest- und Eröffnungsredner.

Menasse hat ein bisschen geflunkert, um sein Thema griffiger zu machen, die Caritas ist halt auch ein ökonomischer Machtfaktor mit Eigeninteresse, so what.

Akzeptiert man das, macht das ihre „Werke und Taten“ ja nicht völlig wertlos, nur als Idole sind sie ein bisschen weniger wert, aber ich finde das eigentlich eh gut. Nur die Protagonisten und Ihre Verehrer beißen weiterhin argumentativ umher, als ginge es immer ums Ganze. Dabei ist das gerade der erste Schritt in den Totalitarismus.

Written by medicus58

6. Januar 2019 at 10:59

Maskiert unsere Menschlichkeit nur unsere Unmenschlichkeit?

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Dieser Eintrag, bezieht sich auf die schlichte Anfrage aus http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44850 , ob ich mich denn nicht angesprochen fühlen würde, von:

Ehrenamtliche Ärzte gesucht: http://amber.diakonie.at/ Wäre das was für Sie?

NOPE, auch wenn ich nun is Satanswinkerl komme

Ich bin prinzipiell gegen „Caritas“ (= tätige Nächstenliebe, nicht prinzipiell gegen die gleichnahmige Organisation) als Ersatz für „Menschenrechte“ (=gesetzliche Absicherung für gesundheitliche, soziale, … Hilfe)

Nach KAG hat jeder (also nicht nur Ösis) beim Betreten einer öffentlichen Krankenanstalt das Recht im Akutfall behandelt zu werden. Dies kompromislos einzufordern, bringt mehr als nur die, die sich artikulieren können, mit caritativer Hilfe mundtot zu machen und am System nix zu ändern … Hat die Person Flüchtlingsstatus, dann hat die Rechnung von der Öffentlichkeit übernommen zu werden. Punkt

(OK, ich höre es förmlich: Scheissgesinnung der Linken, die Welt (als Ganzes) verändern wollen, aber dabei über die Leichen (des Individuums) zu gehen.)

Wenn dann Rechnungen für den Spitalsbesuch ausgestellt werden (was eh selten passiert, da i.d.R. für wirklich wichtige Dinge die Kosten vom Träger übernommen werden) bin ich dafür diese Rechnung zu bekämpfen: im Sinne: Erste Hilfe hat gratis zu erfolgen.
Ein Parallelsystem zur Multi-Klassen-Medizin zu schaffen, bringt auf lange Sicht nix.

Klingt extrem unmenschlich, wenn man es so schreibt und ist für mich nicht die Richtschnur im Einzelfall, aber im Prinzip meine gesellschaftspolitische Position.
Illustrierende Beispiele würden den Rahmen sprengen, (Familienangehörige mit terminalen Krebserkrankungen werden nach Österreich geholt, …) aber Humanität zu spielen, bei denen, die es geschafft haben „her zu kommen“ und nicht zu hinterfragen, was mit den (offensichtlich ökonomisch schlechter gestellten) Menschen ist, die es nicht geschafft haben ein Mehrfaches des durchschnittlichen Jahreseinkommens aufzubringen, um „zu uns“ geschleppt zu werden, ist nur in Samt gehüllte Fremdenfeindlichkeit der konservativen Art.

Natürlich bleibt das Todschlagargument, man kann am Rücken des einzelnen nicht den Krieg gegen das Unrecht der Welt austragen.

Dem ist nur entgegen zu halten, dass man durch das Wegschaffen der augenfälligen Ungerechtigkeiten der Welt ein Ghetto schafft, dass die gegenwärtigen Zustände derartig schönt, dass sie unhinterfragt bleiben und somit den Menschen, die nicht immigrieren konnten, jede Chance nimmt ihre Situation zu verbessern.

Das Unrecht ist am Ort des Geschehens zu bekämpfen und nicht durch ein Abschwächen seiner Folgen.

Mit dieser Meinung habe ich es schon als Schüler zu einem Preis bei einem Redewettbewerb gebracht und mir jede Chance für’s Finale verbaut 😉

PS: Übrigens glaube ich in meiner dzt. Stellung mehr leisten zu können, als woanders…., was auch für viele KollegInnen gilt, von denen ich weiss, dass sie sich bei ähnlichen Organisationen engagieren, …. aber ich weiß, gegen das Gute kann man nichts einwenden, auch wenn es Unrecht schafft bzw. einbetoniert.

BTW, das Photo habe ich in einem Township bei Capetown aufgenommen

und noch ein Nachtrag: http://derstandard.at/1317019497544/Anhaltezentren-Fluechtlinge-werden-erst-in-Europa-krank

Written by medicus58

16. Februar 2012 at 18:54

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