Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Bürokratie

Das Coronavirus ist nicht unser einziger Gegner

leave a comment »


Ich hatte ja schon ganz zu Beginn der Covid-19 Epi-/Pandemie so meine Bedenken dass sich die Entscheidungsträger zu sehr von Rechenmodellen leiten lassen (Coronavirus: Künstliche Intelligenz vs. Menschenverstand) und mir wurde Angst und Bang bei manchen Selbstdarstellern, die ihre und unsere Angst durch ein Stakkato immer drastischer Maßnahmen besänftigten (Covid 19: Möge die Kur nicht schlimmer als die Krankheit werden).

Die verordnete gesellschaftlich Schockstarre, um uns nicht alle gleichzeitig erkranken zu lassen kann durchaus Sinn machen und soll hier ebenso nicht hinterfragt werden, wie der Hausarrest für alle, wenn auch bezweifelt werden kann, dass dieser zwei bis drei Monate lückenlos aufrecht erhalten werden kann, wenn der Herd kaputt geht oder das WC verstopft ist. Da wird es wohl noch Nachbesserungen geben müssen, wenn wir nicht virusfrei aber trotzdem vor die Hunde gehen wollen.

Wenn sich aber nun jede und jeder verpflichtet fühlt alle anderen zu bespitzeln (Achtung! Die digitalen Corona-Blockwarte sind unterwegs) und jeder Gartenzwerg zum Krisenmanager heranwächst:

In den letzten Tagen erklärten mir

Servicetechniker großer Hard- und Softwarekonzern, dass ihnen verboten wurde ein Krankenhaus zu betreten, eine

Behörde bis auf weiteres keine „Plaketten“ zur Personalkontrolle aus Spitäler mehr auswerten wollen, der

bedarfsgerechte Personaleinsatz an bürokratischen Hürden scheitert und

die Regierung scheinbar Milliarden an Förderungen verspricht, andererseits klammheimlich ihre Schadenersatzpflicht aus dem Epidemiegesetz ruhen stellte (Link) und

inzwischen Röntgeninstitute Untersuchungen und niedergelassene Physiotherapeuten Therapien kranker Menschen ablehnen,

während wir alle davon ausgehen, dass andere an der Supermarktkasse und in der Trafik hunderte unkontrollierte Personenkontakten haben.

Und als Spezifikum im öffentlichen Dienst erinnert die Personalvertretung, dass natürlich auch sie noch „das Virus genehmigen muss“.

In den nächsten Monaten werden die meisten von uns mit dem Virus in Kontakt kommen und 80% davon werden ihn auch ohne Spitzenmedizin so gut überleben wie Tom Hanks.

Ob all die anderen Kranken und die wenigen, für die das Virus lebensbedrohlich ist, das gut überstehen wird davon abhängen, ob wir unsere hirnlose Bürokratie und stures Beharren auf längst überholte Formalismen in den Griff kriegen.

Auch ob aktuell die Priorisierung stimmt mag hinterfragt werden (die Namensnennung erfolgt lt Klenk mit Genehmigung)

Written by medicus58

18. März 2020 at 18:42

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 1: Kafkaeskes Prozessmanagement )

with 2 comments


Über die neue Struktur des Wiener Krankenanstaltenverbundes wurde Anfang 2017 entschieden,
die Ausschreibung der Generaldirektion wurde für Ende Juni 2017 versprochen.

Nachdem wir uns je nach Position die Tränen endgültiger Verzweiflung oder höhnischen Lachens aus dem Augenwinkeln gewischt haben, wäre es doch einmal ganz lohnend einen Wunschzettel an den neuen Generaldirektor zu schreiben.
Wem das als Brief ans Christkind erscheint, mag angesichts der Termintreue der Wiener Stadtregierung vielleicht sogar recht haben.

Mein erster Wunsch wäre eine Bereinigung des Kafkaesken Prozessmanagements:

Vor einem Jahr habe ich hier schon unter Da glurrt einen doch der blanke Wahnwitz an beklagt, welche Bürokratielawine losgetreten wird, wenn in diesem Konzern ein Ultraschallgerät den Geist aufgibt.
Mehrere Ebene und externe Berater werden befasst um Gründe zu finden, weshalb man das Ding ohnehin nicht gebraucht hätte, um die klammen Kassen zu schonen, bis schließlich der Generaldirektor Stv. mit dem Prozess befasst wird, um eine Reinvestition anzuordnen, wenn auch er keinen zwingenden Grund (er)finden kann weshalb man ein seit Jahrzehnten in der Patientenversorgung verwendetes Gerät doch ersetzt, wenn man dafür ein Budget hat.

Urlaubsanträge, Listen über die vor Bildschirmen verbrachte Arbeitsstunden, Sonderurlaube für Kongressbesuche, Personal– und Stellenbeschreibungsbögen …..
benötigen mehrere Unterschriften auf Abteilungs- und Direktionsebene, bis irgendwo ein Sachbearbeiter einen fehlendes Kreuzerl entdeckt, oder die Frage aufwirft, weshalb denn ein Anreisetag zu einem Kongress beantragt wird, der über 1000 km vom Arbeitsplatz stattfindet und bereits um 8:00 am beginnt.

Ob sich diese Labyrinthe durch Unfähigkeit oder durch ein System-inhärentes Misstrauen gegen das eigene Personal entwickelt haben, ist zu klären, wenn man sich ernsthaft entschlossen hat, sie aufzulösen, hier sollte einfach der Wunsch an den zukünftigen Generaldirektor formuliert werden, sich diesem Wahnwitz entgegenzustellen.

Written by medicus58

30. Juni 2017 at 17:00

279/2011: Auch die Katastrophe muss verrechtlicht werden

leave a comment »


Die EU beschliesst eine Eilverordnung, die die Grenzwerte für J-131, Cs-134 und Cs-137 für Nahrungsmittelimporte aus Japan über die geltenden Grenzwerte anhebt. Begründet wird dies u.a. mit der EU-Verordnung 3954/1987, die im Rahmen eines lokalen GAU eine Nahrungsmittelknappheit verhindern soll. http://tinyurl.com/659fu5m

Ausführlicher auf:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/atomkatastrophe-in-japan-eu-schwaecht-grenzwerte-fuer-verstrahlte-lebensmittel-ab-1.1079258

Das liegt etwa auf der intellektuellen Ebene wie die in Japan verprdnete Anhebung der maximalen Exposition, der sich beruflich strahlenexponierte Patienten aussetzen dürfen.

ABSURD:
DER BÜROKRAT WILL AUCH IN DER KATASTROPHE RECHTSSICHERHEIT

Und wie spielt sich das dann in der Praxis ab, kommt dann der „Schwarzkappler“ kurz vor dem Weltuntergang und sagt :
„Alles austeigen, bitte! Der Zug wird eingezogen?“

Für Nicht-Wiener: „Schwarzkappler“ sind die Männer, die in den Wiener Verkehrsbetrieben die Fahrscheine kontrollieren.

Written by medicus58

2. April 2011 at 05:48

%d Bloggern gefällt das: