Sprechstunde

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Aus 9 mach 10, das musst verstehn .. tückisch-blaues Hexeneinmaleins

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  Man kann zur gestern vorgestellten Jahrhundertreform noch nicht viel sagen, denn weder in der Pressekonferenz noch im ZIB2 Interview hat die Frau Bundesminister wirklich klar gesagt, was nun im Detail kommen wird, außer:

Die einzigen Verlierer wären die Funktionäre:- was wohl nur für die roten (AK, ÖGB, SPÖ) gilt, denn der relative Einfluß der FPÖVP Funktionäre (WK, IV) hat zugenommen. Wer sich (wie ich) freut, dass die Tage der Frau Reischl angezählt sind, muss sich aber (wie ich angstvoll) fragen, ob es unter Mahrer oder Kapsch denn besser wird, so von wegen Transparenz und Solidarität.

Die einzigen Verlierer sind das aber sicher nicht, denn -wie schon früher hier erwähnt – eliminiert die zentrale Verhandlungsposition der neuen Österreichkasse und der Österreichischen Ärztekammer die Macht der Landesärztekammern massiv (wenn das alles so kommt wie angedeutet). Das kehrt das Machtgefüge innerhalb der Ärztekammern total um, wo das Geld bisher eher in den Ländern und nicht in der ÖÄK lag. Da aber letztere gerade „rot (Szekeres) geführt“ wird, könnte es ungewollt wieder zu einem gewissen -vielleicht ungewollten- Machtausgleich zwischen Rot und Schwarz kommen. Spannend wäre auch zu hinterfragen, was die F-en von all dem haben, außer die Entmachtung von Funktionären in Gremien, in denen sie ohnehin wenug Macht haben.

Die Zahl der Gebietskrankenkassen wird de facto von 9 auf 10 erhöht, jedoch bleibt unklar, welche Macht bei den Landeskassen und Landesärztekammern bleibt. So lange aber wesentliche Teile der Gesundheitsversorgung Sache der Länder bleibt und wenn es nicht gelingt erstmals die Zentralplanung des ÖSG als verbindliche Norm (Verordnung) zu etablieren, dann enden wir – wie bei allen bisherigen Reformen im Gesundheitswesen nur bei einer ZUSÄTZLICHEN EBENE.

Das kampfgrinsende Versprechen von Hartinger-Klein, dass eh alles für alle Versicherte besser wird, weil alle einen Zuschuss auf Kontaktlinsen kriegen, die Höhr desselben aber eben Sache der Selbstverwaltung bleibt, lässt Böses vermuten. 

Das Versprechen einer eingesparten Milliarde, die den Versicherten zu Gute kommt erinnert aber ein bisschen an Gitti Ederes 1000 für jeden beim Eu-Beitritt.

Das waren aber damals nur rund 7,5 Milliarden Osis und somit deutlich unter einer Milliarde Euros für Otto Normalverbraucher … andererseits wenn man die Inflation berücksichtigt, schmelzen die Unterschiede wie das Vertrauen in die politische Ehrlichkeit …

Written by medicus58

23. Mai 2018 at 06:37

Gesundheit: Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms

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Habemus Basti et Bumsti!
Wir haben aber auch ein Regierungsprogramm und mit Beate Hartinger-Klein eine Gesundheitsministerin, die mir als Garant dafür scheint, das in ihrem Bereich auch wortwörtlich umzusetzen.
Lesen wir also den Punkt Gesundheit des Regierungsprogrammes (Originaltexte in kursiv) und machen uns so erste Gedanken, was denn damit gemeint sein kann:

soll allen Bürgern ein niederschwelliger 
Zugang zu bestmöglicher medizinischer Versorgung sichergestellt werden.

Niederschwelliger als jetzt (jeder kann in ein öffentliches Spital gehen und hat das Recht von einem Arzt begutachtet zu werden, freie Arztwahl im niedergelassenen Bereich, 1x /Quartal freie Facharztwahl), kann es ja eigentlich nicht mehr gehen,
wenn wir nicht auf BeNeLux oder Skandinavien umschwenken wollen. Die wahre Absicht heißt in meinen Augen: vermehrte
Erstkontakte nicht mit einem Arzt sondern mit „aufgewerteten nicht-ärztlichen Berufen“, weil angeblich billiger.

Die Digitalisierung und Telemedizin werden dazu verstärkt eingesetzt; eHealth Anwendungen und Angebote erleichtern den Menschen den Zugang und helfen zukünftig, die Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft zu erhöhen

Passt dazu: Zuerst googeln, dann Selbsthilfe, dann  Helpdesk und nur wenn es dann noch unbedingt sein muss kostenverursachender Kontakt mit dem traditionellen Gesundheitssystem, am besten mit der Pflege.
Ja, wenn dann noch Geld übrig ist, denn dem Ganzen liegt das Missverständnis zugrunde, dass Digitalisierung und Telefondienste vergleichsweise nichts kosten.

Und wer das alles für reine Hirngespinste hält, der sei auf den österreichischen Pilotversuch Teweb und einen ganz aktuellen, kritischen FAZ Artikel verwiesen: Bei Anruf Diagnose
Und dass die FAZ nun sehr wirtschaftsfeindlich und links positioniert ist, kann man wohl kaum behaupten.

Moderne Prävention als praktische Krankheits- und Unfallverhütung arbeitet darauf hin, eine spezifische gesundheitliche Erkrankung oder Schädigung durch gezielte Maßnahmen möglichst zu verhindern.

Über die Problematik der impliziten Schuldzuweisung an den Kranken, einfach selbst nicht genug für seine Gesundheit getan zu haben (Gesundheitskompetenz (Health Literacy) und Eigenverantwortung stärken (Bewegung, Ernährung, schädliche Substanzen, Spielsucht), habe ich schon einmal in der ÖKZ geschrieben (Gesundheit ist Pflicht), das hier zu wiederholen würde zu viel Raum benötigen.
Die Frage, ob es für die Wirkung flächendeckender Präventionsprogramme über mehrere Gesellschaftsschichten und lange Zeiträume eine ausreichende Evidenz gibt, kann man rasch beantworten: Nein
Interessant wird aber die Frage im Zusammenhang mit dem von oben her abgesagten Total-Rauchverbot in der Gastronomie. Wer sich freut nun doch weiter paffen zu können, wird sich eventuell die Immuntherapie seinen Lungenkrebses bald selbst blechen dürfen.
Sagen Sie nicht, Sie wären nicht gewarnt worden!

Über weite Strecken geht es dann mit dem Wording weiter, dass schon bisher die Wirtschaftskammer in den ÖSG einbrachte (Primärversorgung, Einbindung von Apothekern und Pflege, Evaluierung aller bestehenden Selbstbehalte im Gesundheitssystem mit Untersuchung auf Lenkungswirkung und Neukonzipierung von ökonomischen Anreizen im Gesundheitswesen), doch dann horcht man auf:

§-2-Kassenverträge sollen auch in Spitälern ermöglicht werden

Nichts wirklich Neues, versuchte man in vielen Spitälern (im Nord sogar ehe es in Betrieb geht), scheint aber nun zum Normalzustand zu werden.

Spannend wird es naturgemäß unter der Überschrift Reform der Sozialversicherungen

Die Abschaffung der Mehrfachversicherungen macht zwar Sinn, zielt aber vor allem auf diejenigen kleinen Versicherungen, zu deren finanzieller Stütze das Konstrukt eingeführt wurde.
Die Zusammenlegung aller Gebietskrankenkassen zur ÖKK leakte bereits früher, Landeshauptleute, Berufs- und Betriebskrankenkassen haben aber offenbar ein Hintertürl:

Wahrung der länderspezifischen Versorgungsinteressen sowie die speziellen Anforderungen der unterschiedlichen Berufsgruppen in den einzelnen Versicherungssparten berücksichtigt

Was hinter dem Passus steckt:
Eine einheitliche Prüfung der Lohnabgaben sowie eine einheitliche Abgabenstelle für die Einhebung aller lohnabhängigen Abgaben werden die Erreichung der Zielsetzungen nachhaltig unterstützen.
konnte man schon bei Klaus Kappacher nachlesen: Die Matchbälle

Und dass man damit den Landesärztekammern ihre stärkste Waffe nimmt, wenn nicht jede mehr mit ihrer eigenen Gebietskrankenkasse Tarife ausmachen kann, ist sicher nicht zufällig passiert.
Gemeinsam mit der beabsichtigten Absenkung der Pflichtmitgliedbeiträge wird die Ärztekammer nicht gerade gestärkt!

Und wieder hört man die Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer trappsen:
vereinbarten Lohnnebenkostensenkung im Ausmaß von 500 Millionen Euro
(Absenkung des Unfallversicherungsbeitrags auf 0,8%)
und der AUVA geht es an den Kragen, bzw. den Unfallpatienten!

Unbeirrbar betet man wie SPÖVP weiterhin Ausbau von Digitalisierung und Telemedizin an. Die Kassen der IT werden rauchen: Schließlich fand auch die jetzige Regierung nichts mehr dabei, dass man auch während der Woche ein Unfallröntgen ohne Fachärzte für Radiologie betreiben kann, solange eine Telefonverbindung (nach Indien?) besteht.
Das Konzept alles billiger, in dem man den Arzt möglichst weit vom Patienten ansiedelt konnte offenbar auch in diese Regierung herüber gerettet werden!

eRezept, eBefund, eMedikation, eTransportschein – E-Card am Handy forcieren
Verstärkter Einsatz von künstlicher Intelligenz (Content Analytic), um die Verwaltung und
Wissenschaft sowie die Versicherten noch besser zu unterstützen
Telefon- und webbasierte Erstversorgung flächendeckend ausbauen

Überarbeitung der Berufsrechte der verschiedenen Gesundheitsberufe, um ein effektiveres Angebot für den Patienten zu ermöglichen (Stärkung der nichtärztlichen Gesundheitsberufe nach internationalem Vorbild)

Und klar: Mehr Hayek, mehr Privat, weniger Staat – Anbieter mit Gewinnabsicht werden die Kosten dämpfen
Rahmenbedingungen für private Gesundheitsdiensteanbieter (finanzielle Weiterentwicklung
des PRIKRAF)

Ja, und wer die jetzige Gesundheitsministerin, ehemalige Controllerin der Steiermärkischen Krankenanstalten, unter blau/schwarz Hauptverbandschefin, dann Deloitte Mitarbeiterin und zu letzt im Healthcare Consulting tätige Frau Mag. Hartinger kennt, der weiß dass durch unser Gesundheitssystem ein scharfer Wind wehen wird, was vereinzelt sogar zu begrüssen sein wäre, wenn dieser nicht so deutlich vom Mont Pèlerin herunter wehen würde.

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