Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Bank Austria

Pandemiebekämpfung: Absurdität in der Praxis

leave a comment »


Ort der Handlung: Filiale der Bank Austria auf der Mariahilferstrasse; für nicht Ortskundige sei erwähnt, dass diese Filiale eine große 24h Halle mit mehr als einem Dutzend Selbstbedienungsautomaten hat.

Zeitpunkt: kurz vor 16:00 nachdem der Sildenafil-gehärtete Lockdown in die etwas abgeschlaffte Version überging und noch vor der großen Öffnung Mitte Mai von eh irgendwie allem.

Eine lange Schlange an Kunden wartet vor der Filiale, weil der Sicherheitsdienst vorbildlich darauf achtet, dass die behördluch erlaubte Maximalzahl an Kunden in der Filiale und die Abstände im Inneren eingehalten werden und vertröstet die Wartenden mit einem „wos soll’n ma mochen, aber um viere san ma eh weg, wos glauben S‘ wie’s a sie do obspüt jeden Tog…

Das wäre ja alles noch keine Zeile auf diesem Blog wert, wäre da nicht der Bauzaun der U-Bahn Baustelle, die seit Monaten den Gehweg der Begegnungszone gerade vor der Bankfiliale auf nicht viel mehr als einen Meter einengt und die Passantenmassen, die sich an den Wartenden vorbeiquetschen, meist maskenlos, versteht sich, weil erstens das Maskengebot im Freien aufgehoben ist, und zweitens weil es dieses auf der, auch während des harten Lockdowns auf der Mahü nie gegolten hat, obwohl es auch hier um Fressstände und andere offene Einrichtungen (Click ‚N‘ Pick) schon früher sehr dicht wurde.

Schlag 16:00 verabschiedete sich der Ordnerdienst und winkte die Wartenden alle auf einmal in die Filiale.

Sicher, eine Kleinigkeit, aber in dieser oder ähnlicher Form wahrscheinlich im ganzen Land anzutreffen. Natürlich kann man nicht 24h einen Ordnerdienst vor jeden Selfservicebereich aufstellen, aber dass behördlich genehmigte Baustellenzäune das Einhalten von Verordnungen unmöglich machen ist schon kafkaesk.

Written by medicus58

5. Mai 2021 at 08:16

Sind Sie zufrieden? Für die Bankenrettung bekamen wir den Zwang zum Electronic Banking

with 2 comments


Wir haben bis zum Herbst 2014 (http://derstandard.at/2000016810398/Rechnungshof-Bankenrettung73-Milliarden-fuer) für die Rettung unserer Banken 7,3 Milliarden Euro hingeblättert.
Weitere Kosten, wie z.B. für das HETA/Hypo Debakel sind zu erwarten.
Den Deutschen haben laut Mitteilung ihrer Bundesbank übrigens seit 2008 sogar insgesamt 236 Milliarden Euro hingeblättert (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/05/banken-rettung-kostet-deutsche-steuerzahler-236-milliarden-euro/)!

The Pig was too Big to Fail!

Zusätzlich wird mit staatlicher Hilfe dem Bankensektor geholfen Personalkosten einzusparen und auch die Wirtschaft zum Electronic Banking gezwungen (http://derstandard.at/2000031461279/Finanzamt-versendet-bald-keine-Erlagscheine-mehr):
Unser XXL-Finanzminister legte fest, dass per 1. April werden keine Erlagscheine mehr für die Steuervorauszahlungen angenommen werden (http://derstandard.at/2000031461279/Finanzamt-versendet-bald-keine-Erlagscheine-mehr).

Seit einigen Wochen weigern sich plötzlich immer mehr Banken, die angeblich sooo sicheren großen Euro-Noten zu wechseln (http://derstandard.at/2000033179465/Bank-Austria-ziert-sich-bei-500-Euro-Schein), angeblich weil es sich dabei um Schwarzgeld handeln könnte!

Ja, eh!

Und selbstverständlich geht ein Arbeitgeber heute davon aus, dass er nicht Gehaltssäckchen befüllen muss, weil jeder Arbeitnehmer ohnehin sein Girokonto haben muss.
Dumm halt nur, wenn er dann, wenn er an sein Geld wirklich kommen möchte, er bald eine Bankomatgebühr berappen muss (http://kurier.at/wirtschaft/wirtschaftspolitik/werden-bald-kosten-fuer-bankomat-behebungen-faellig/178.625.641).

Dort fallen ebenso wie für den heute offenbar für alle vorausgesetzte Internetzugang Gebühren an, oder anders ausgedrückt eine Zwangsabgabe zur Querfinanzierung eines bestimmten Industriezweiges (Nein, wir reden jetzt nicht über ELGA ….).

Irgendwie beschleicht einen der Verdacht, dass dies alles Schritte in Richtung Abschaffung des Bargeldes sind, um bald

  1. bei jeder Transaktion Gebühren verrechnen zu können
  2. einfacher in das Eigentum des Einzelnen (Währungsreform nannte man dies früher) eingreifen zu können oder
  3. noch schlimmer, immer mehr Spielgeld ins Kasino zu leiten.

Noch wird die bei uns plötzlich aufgepoppte Diskussion über eine  Abschaffung des Bargeldes (http://www.welt.de/politik/deutschland/article152000241/Geld-wird-kein-privates-Eigentum-mehr-sein.html) von der Politik abgestritten,
jedoch bin ich mir sicher, dass sie bald schon alternativlos sein wird.
Das Thema wird in den USA schon seit Jahren diskutiert:

Forbes: Farewell To Cash?
http://www.forbes.com/sites/markhendrickson/2015/05/28/farewell-to-cash/#3e2684727927

Citi Economist Says It Might Be Time to Abolish Cash
Would this save the world economy?

http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-10/citi-economist-says-it-might-be-time-to-abolish-cash

Während man früher zu Monatsersten seine Erlagschein binnen weniger Minuten abgestempelt und eingeworfen hat, bilden sich nun endlose Schlangen vor den Automaten, bei denen jede Transaktion einige Minuten in Anspruch nimmt.
Noch länger waren heute die Schlangen bei einer Filiale der Bank Austria auf der Mahü, wo drei der vier Erlagscheinannahmen gleichzeitig defekt waren!

BankAustria

Da kann man schon mürbe werden und Electronic Banking als alternativlos sehen.

Die Frage nach der Kundenzufriedenheit, die man auch wieder nur elektronisch beantworten kann, setzte der Frechheit noch die Krone auf.

Zufriedenheit

 

Written by medicus58

2. April 2016 at 23:51

EDV: Supergau im KAV

leave a comment »


So swingend sich die Überschrift dieses Eintrages auch anhört (probieren Sie es einmal laut aus ihn nachzusprechen),
so sehr schwoll das Problem bereits zur unschönen Kakophonie an.

Im Beitrag Risikofaktor medizinische Informatik (http://wp.me/p1kfuX-uw) habe ich schon vor ein paar Tagen
die Kritik des Wiener Kontrollamts zitiert. Die Einführung des IHS-SAP, praktisch der untersten Stufe der Verwaltungssoftware
eines Krankenhauses, wurde wegen  „wackeliger“ Schnittstellen zu einer Fülle alte, selbstgestrickter EDV Module als unzulänglich
kritisiert.
Bei der Ausschreibung der nächsten Stufe der Software, dem sogenannten Impuls-KIS wurden
alte Fehler wiederholt:
zentrale Entscheidungen ohne Rücksichtnahme auf lokale Gegebenheiten gefällt,
der unheimlich angestiegene Aufwand für rein administrative Tätigkeit denen zugeteilt,
die sich eigentlich um den Patienten und nicht die Tastatur kümmern sollten,
die Mitarbeiter mit den Standardantworten der beauftragten Firma
„war nicht Teil des Auftrages“
„wurde zentral anders entschieden“
„werden wir mitnehmen …“

alleine gelassen,
und schließlich die Ergebnisse miserabel verlaufender Teststellungen ignoriert,
und mit enormem Druck von oben (so die Aussage von Firmenangehörigen und der KAV-eigenen IT Abteilung)
der flächendeckenden Roll out in den KAV Häusern begonnen.

Software Manuals? Dass ich nicht lache!
Frontalvorträge und ein paar witzige Videos, die sich die Mitarbeiter während der Dienstzeit geben dürfen,
gehen nicht auf die Fülle der Detailprobleme ein.

Allein der Einstieg in das System dauert zwischen 6 und 8 Minuten, was am Morgen mit einer Tasse Kaffee überbrückt werden kann,
im Notfall aber nur der helle Wahnsinn ist.
Wenn die Anmeldung ihres Kellners an der Registriekasse (i.d.R. durch Magnetkarte oder Schlüssel gelöst) so lange dauern würde, wie dzt. die Anmeldung Ihres Arztes am Terminal, würden österreichische Gastwirtschaften flächendeckend nur mehr kalte Speisen auftragen können!

Welche der Berufsgruppen (Ärzte, MTDs, Pflege, Sekretariat, …) nun welche Eingaben z uerledigen hat ist unklar und in der Praxis oft unlösbar, das wichtige Prozesse (z.B. Konsile durch Diätassistent/in oder Hygiene ) einfach vergessen wurden.

Was früher durch handschriftliche Kürzel innerhalb von Bruchteilen von Sekunden vidiert werden konnte, erfordert immer wieder eine minutenlange Anmeldung im System.
Um das abzukürzen wird schon vereinzelt angedacht, jedem Arzt einen eigenen PC zur Verfügung zu stellen, wofür jedoch der Platz fehlt.
Noch wird unser Vorschlag, dass für jeden Patienten ein PC erforderlich ist, belächelt … 

Eine wackelige EDV erhöht die Gefahr von Patientenverwechslungen: Steht der Curser im falschen Feld liest der Barcodereader einfach einen falschen Patienten ein …
Es gehört zum Standard jeder Patientenbehandlung, sicher zu stellen, dass der Mensch, der vor einem sitzt auch der ist, dessen Ambulanzmappe man in Händen hält., jedoch ist nun ein weiterer Check erforerlich geworden und es ist eine Binsenweisheit, dass die Fehleranfälligkeit eines Systems mit der Anzahl der kritischen Einzelschritte steigt.

Die administration eines einfachen Schrittes, wie der Durchführung einer Ultraschalluntersuchung in der Ambulanz erfordert in diesem System bis zu 50 Mausklicks!

Es vergehen Wochen der abteilungsinternen Auseinandersetzungen, weshalb eine bestimmte Funktionalität,
die schließlich in der Schulung gezeigt wurde, nicht funktioniert, bis sich herausstellt, dass „man/frau“ entschieden hat,
dass dieses Modul auf dieser  Abteilung gar nicht installiert wird.

Die Liste wäre endlos fortzuführen, jedoch drängt sich vorher eine augenfällige Parallele auf:
Der EDV Crash der Bank Austria (http://derstandard.at/1350260586771/Bank-Austria–Albtraum-Heute-Nacht-wieder-offline)

Seit Jahren, in denen ich an den Unzulänglichkeiten der medizinischen Informatik leide, stellte ich mir die Frage, wie es denn andere
systemkritischen EDV-Anwendungen„, wie die von Online-Banken, es schaffen – zumindest nach außen hin „zu funktionieren“.
In einem rezenten Gespräch, das aber vor der EDV Umstellung der Bank Austria geführt wurde, wurde die Vermutung laut,
dass Banken viel weniger Systemwechsel durchführen und im Prinzip noch relativ alte, hardwarenah programmierte Anwendungen nutzen.
(Erinnern Sie sich: Wie oft ist ihnen ein DOS Programm abgestürzt und wie oft die neueste Windosw-Version?)

In Ermangelung eigener Erfahrungen in diesem Bereich kann ich nicht abschätzen, ob diese These stimmt, die augenblicklichen Probleme
der Bank Austria, die offenbar unter Druck auf die EDV der ital. Mutter Unicredit umsteigen musste, scheinen mir aber als Bestätigung.

Wenn uns in dem Standard-Interview aber versichert wird, dass die Steuerungssysteme der Bank für Controlling und Risikoabschätzung aber funktionieren,
dann kommt doch auch kein gutes Gefühl auf. Es gilt inzwischen als mehrfach bewiesen, dass Software für den automatisierten Börsenhandel zu krisenhaften
Marktverschiebungen geführt hat …

Zurück zur Spitals-EDV:
Wann lernen wir etwas daraus und lassen unsere Softwarefirmen nicht länger unter den Augen völlig unbedarfter Laien in systemkritischen Bereichen wie z.B. einem Krankenhaus, nach ihren eigenen Regeln schalten und walten?
Im Augenblick tragen wir Ärzte die Letztverantwortung für patientengefährdende Unzulänglichkeiten der Software.
Das sich dies immer mehr bewußt werden, wächst der Ärger über das System stündlich …

Links:
EURO DREI AUS http://wp.me/p1kfuX-kB
VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient. http://wp.me/p1kfuX-hl

Written by medicus58

8. November 2012 at 07:15

%d Bloggern gefällt das: