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Sexismus verdient eine zweite Chance in der Wiener SPÖ, interne Kritiker jedoch nicht

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Zwei nur auf den ersten Blick unabhängige Schlagzeilen:

Der wegen seines sexistischen Postings auffällig gewordene Wiener SPÖ Bezirksrat Götz Schrage erhält nach langer Beratung der SPÖ Gremien eine zweite Chance und verbleibt im Amt: http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Sexismus-Eklat-Goetz-Schrage-bleibt-in-der-SPOe/285355608

Der Gründer der Ärztegewerkschaft Gernot Rainer verlor in erster Instanz seinen Arbeitsprozess gegen den Krankenanstaltenverbund der Stadt Wien, die sich trotz ausgezeichneter fachlicher Beurteilung von ihm trennte, da er sich nach Meinung der Dauervertragskommission nicht mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien identifizierte.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5226040/Urteil_Kritischer-Arzt-Gernot-Rainer-verliert-gegen-Stadt?

Die Klammer beider Schlagzeilen ist die Wiener SPÖ und ihre Interessen. Frühere Behauptungen, dass der KAV im Fall Rainer als unabhängige Unternehmung der Stadt Wien, frei von (partei)politischen Interessen entschieden hat, sind angesichts der handelnden Personen wenig glaubwürdig.

Halten wir also fest, das geschmacklose Schwadronieren über allfällige Parallelen zwischen jungen Politikerinnen und echten oder nur potentiellen Bettgeschichten eines alternden Fotografen und Bezirksrats schaden den „Gesamtinteressen“ dieser Partei offenbar weniger als sachliche Kritik.
Ein in den „80ern sexuell aktiver Fotograf“ durfte ungestraft noch vor zwei Tagen ankündigen, „die Tür zu meiner SPÖ nicht zuschlagen“ zu wollen (https://kurier.at/politik/inland/goetz-schrage-zu-sexismus-vorwurf-will-und-werde-die-tuer-zu-meiner-spoe-nicht-zuschlagen/266.391.583) und war im aktuellen inneren Parteikrieg den Wiener Genossen offenbar so wichtig, dass sich sich weder die Neubauer Parteichefin Kunzl noch die Staatssekretärin Dudzdar mit ihrem Wunsch nach sofortigem Rücktritt durchsetzen konnten.

Am Tag der offenen Türe in der Wiener SPÖ triumphierte der schlechte Geschmack und die sexistische Kritik am politischen Mitbewerber wird goutiert, sachliche Kritik wird  arbeitsgerichtlich mit dem Entzug der beruflichen Existenz geahndet.

Nur ein Blinder kann diese Zeichen missverstehen. Diejenigen, die ihren letzten Wahlsieg ihrem angeblichen Widerstand gegen totalitäres Denken verdanken, sind inzwischen zu Speerspitze dieser Gesinnung geworden.

Die Demokratie ist uns keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit.
Es hat keinen Sinn, eine Mehrheit für die Sozialdemokraten zu erringen, wenn der Preis dafür ist, kein Sozialdemokrat mehr zu sein.
Willy Brandt

Written by medicus58

30. Mai 2017 at 09:19

WÄK Wahl: Die Würfel scheinen gefallen

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Gestern berichteten Presse  , heute der Standard und (online nicht auffindbar) offenbar auch der Wiener Kurier, dass wir in Wien erneut mit der Wiederwahl von Thomas Szekeres zum Wiener Ärztekammerpräsidenten rechnen können, da (da hat die Presse ein bisschen geschluddert)
insgesamt vier Fraktionen ein Koalitionsabkommen unterschrieben haben:

Team Szekeres: die Personenliste um den aktuellen WÄK Präsidenten
Wahlgemeinschaft: unter dem Personalvertreter Wolfgang Weismüller
Grüne Ärzte: mit dem Miteigentümer des von Wien hoch subventionierten PHCs in Mariahilf
Turnusärzte für Turnusärzte:  „die einzige Fraktion, die …. (sich laut ihres Wahlspruchs) zur Not auch gegen Ober-, Fach- und Stationsärzte wehren wird“
Kammer light: die Liste um das Kammer Urgestein Howanietz

Schauen wir uns nun die Zusammensetzung im Detail an, so stellt sich in erster Linie einmal die Frage, ob das die Breite Mehrheit ist, die nach der Wahl versprochen wurde: Nun ja, 47 : 43 Mandate ist nicht sehr breit ….
Die Grafik oben zeigt, dass die Opposition zu diesem, hinter den verschlossenen Türen einer Privatordination gezimmerten, Koalitionsabkommen eine deutlich ausgewogenere Zustimmung in den vier Wahlkörpern hätte.
Gruppiert man die beiden nach ihrer Verankerung in den beiden Kurien, den angestellten und den niedergelassenen Ärzten, so wird das noch deutlicher:

Wenn wir uns die Frage vorlegen, ob denn da die Wahlgewinner eine Koalition geschmiedet haben, oder wie das immer so genannt wird, dem Wählerwillen entsprochen haben, dann kommen einem profunde Zweifel.
Da es ja ein wildes Ringelspiel der Mandatare und Listennamen zwischen beiden Wahlgängen gab, sind die Wahlergebnisse aus 2012 nicht allzu leicht zu vergleichen, aber: Sieger sehen anders aus! 

Der amtierende Präsident hat zwar (im Vergleich zu den Sozialdemokratischen Ärzten) ein Mandat gewonnen, belegt aber trotzdem weit abgeschlagen hinter Steinhart Platz zwei.
Die Wahlgemeinschaft, hat zwar zwei Mandate gewonnen, dafür aber auch jede Menge Mandatare benötigt, deren standespolitisches Herz 2012 noch für anderen Fraktionen pochte.
Die Grünen Ärzte  haben ein Mandat, Kammer light gleich zwei Mandate verloren.
Wenigstens TfT haben die Anzahl ihrer Mandate gehalten.

Im Gegensatz dazu hat Steinhart, der Wahlsieger aus 2012 , heuer gleich mal drei Mandate dazu gewonnen und hält die absolute Mehrheit in der Kurie der niedergelassenen Ärzte und ist mit 10/47 Mandaten Drittstärkster bei den Angestellten.
Asklepios Union hat überhaupt aus dem Stand 11 Mandate gewonnen und wurde aus dem Nichts zur viertstärksten Fraktion!
So nebenbei ist AU auch gleich hinter TfT die zweitstärkste Vertretung bei den Turnusärzten geworden, ohne gleich den Kampf gegen alle anderen zu propagieren!

Ihr Medicus zählt auch zu denjenigen, die sehr viel an Herrn Steinhart kritisieren können.
Als langjähriger Schatten des ehemaligen Präsidenten Dorner ist nicht zuletzt er ein Symbol für vieles, was uns an der Wiener Kammer in der Vergangenheit störte. Ich empfand ihn stets als Meister der behende betriebene Spaltung der Ärzteschaft in Angestellte und Niedergelassene, nur um den eigenen Machterhalt zu sichern, nur muss man anerkennen, das das über 600 Wähler in der Kurie der Angestellten offenbar nicht so empfanden!

Ich halte es aber für demokratiepolitisch extrem gefährlich, eine Koalition zu schmieden, die primär gegen den Wahlsieger und die absolute Mehrheit der Mandatare gerichtet ist, die von Niedergelassenen gewählt wurden!

Und noch etwas:
Ich kann mich nicht entsinnen, dass viele von uns mit der aktuellen Kammerstruktur seit 2012 eine ungeteilte Freude hatten
,
alle, auch die Regierungsfraktionen versprachen schließlich nicht grundlos all die Änderungen:
schlankere, effizientere Strukturen,
weniger hochbezahlte Referate,
einen besseren Wohlfahrtsfond,
bessere Ausbildungsbedingungen,
…. kritisierten die fehlende Servicefunktion der WÄK,
fanden, dass wir kein Ansprechpartner mehr für die Politik sind …

Ja, und wer ist denn für das alles in der letzten Legislaturperiode verantwortlich gewesen?
Wer konnte sich erst nach Wochen daran erinnern, dass er Postenreduktionen im AKH unterschrieben hat?
Wer fand den unterschriebenen Vertrag mit Wehsely so lange gut, bis dieser endlich im Original leakte?
Wer glaubt denn wirklich, dass man gleichzeitig Personalvertreter und Kammerfunktionär sein muss?
Wer blieb bei allen Tiraden der Grünen Patientenanwältin gegen die Ärzte mäuschenstill?

Wer hat den aus dieser Koalition in der ÖÄK die Stimme Wiens eingebracht?
Und wer glaubt denn wirklich, dass das alles mit einem mehr vom Alten nun besser wird?

Steinhart und seine Vereinigung sind sicher für viele Fehlentwicklungen in der Vergangenheit verantwortlich,
aber dass sich Szekeres und seine alte/neue Koalition jetzt an ihre Sessel klebt, wird unsere Probleme vermehren, sicher nicht lösen …..

Schade …. ich beginne den geringen Grad an Wahlbeteiligung langsam zu verstehen …

Link: das Wahlergebnis im Detail:  Ohne Worte: Die Wahlergebnisse der Wiener ÄK Wahlen https://medicus58.wordpress.com/2017/03/26/ohne-worte-die-wahlergebnisse-der-wiener-aek-wahlen/

Written by medicus58

5. April 2017 at 18:58

Das kann doch nicht wahr sein: Ärzte und Pflege ziehen an einem Strang?

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streik

Vorgestern habe ich mich über die  Interessenszertretung (https://medicus58.wordpress.com/2016/09/23/interessenszertretung/) durch die sich gegenseitig neutralisierende Fülle an Interessenvertretungen für angestellte Ärzte beklagt, heute wird wahr, was sich schon länger abgezeichnet hat:
Nun erwächst dem ÖGB (Younion) auch aus der Pflege eine Konkurrenz-Gewerkschaft!

Bisher waren die „üblich Verdächtigen“ sehr erfolgreich die Ärztegewerkschaft Asklepios zu verhindern
(Räderwerk der Macht: Wie das alles zusammenhängt https://medicus58.wordpress.com/2016/03/02/raederwerk-der-macht-wie-das-alles-zusammenhaengt/),
jetzt eröffnet sich offenbar vor lauter Zufriedenheit der Beteiligten eine Nebenfront und – das kann doch nicht wahr seinÄrzte und Pflege wollen sogar gemeinsam vorgehen: https://kurier.at/chronik/dem-pflegepersonal-reicht-es-neue-gewerkschaft-gegruendet/223.162.127

Wäre mal etwas anderes. 

Bisher wurden ja beide Gruppen von der Gesundheitspolitik und der Gewerkschaft eher gegenseitig ausgespielt. Schön wenn sich das nun durch Personen ändert, die nicht den bekannten Seilschaften angehören.

Fabian Martin ist den den Lesern dieses Blogs nicht unbekannt, schließlich fand vor etwa einem Jahr bereits der Versuch einer Solidarisierung zwischen Pflege und Ärzteschaft statt:

5. September – CARE Revolution Wien ruft zur Demonstration auf https://medicus58.wordpress.com/2015/09/04/5-september-care-revolution-wien-ruft-zur-demonstration-auf/

 

Schau’n wir mal, schlimmer als jetzt kann es nimmer werden, das gibt etwas Hoffnung!

 

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/5091544/Krankenpfleger-grunden-eigene-Gewerkschaft

http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/politik/Pfleger-gruenden-nun-eine-eigene-Gewerkschaft;art85916,1347810

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160926_OTS0076/unabhaengige-pflegegewerkschaft-und-dachverband-der-gesundheitsberufe-in-startloechern

http://wien.orf.at/news/stories/2799154/

 

Written by medicus58

26. September 2016 at 18:32

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Bittschrift? Nein! Rechte müssen verlangt werden.

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Betteln

Eine Petition (lateinisch petitio ‚Bittschrift‘, ‚Gesuch‘, ‚Eingabe‘; bildungssprachlich auch Adresse) ist ein Schreiben (eine Bittschrift, ein Ersuchen, eine Beschwerde) an eine zuständige Stelle, zum Beispiel eine Behörde oder Volksvertretung. Dabei kann grundsätzlich unterschieden werden zwischen Ersuchen, die auf die Regelung eines allgemeinen politischen Gegenstands zielen (z. B. den Beschluss oder die Änderung eines Gesetzes durch das Parlament, die Änderung einer Verfahrensweise in einer Behörde), und Beschwerden, die um Abhilfe eines individuell erfahrenen Unrechts (z. B. eine formal zwar zulässige, aber als unverhältnismäßig empfundene Behördenentscheidung) bitten. Der Einsender einer Petition wird Petent genannt.
Die Zulässigkeit von Petitionen ist ein allgemein anerkannter Bestandteil der demokratischen Grundrechte eines jeden Bürgers.

So definiert aktuell die Wikipedia eine Petition: https://de.wikipedia.org/wiki/Petition

Im Zusammenhang mit dem kommissionell beschlossenen Auslaufen des Arbeitsvertrages von Kollegen Rainer (Dr. Rainer kann nicht KAV Generaldirektor werden: Fehlendes Gesamtinteresse der Stadt Wien gegenüber http://wp.me/s1kfuX-titel) laufen derzeit zwei sogenannte Petitionen, die eine Rücknahme dieses Spruches vom Wiener Krankenanstaltenverbund verlangen:

 
Eine wurde von der Wiener Ärztekammer gestartet:

„Sehr geehrter Herr Generaldirektor Janßen,
Herr Kollege Gernot Rainer hat seitens seines Dienstvorgesetzten und der Patienten Bestnoten für seine fachliche Qualifikation erhalten. Trotzdem hat er den beantragten Dauervertrag nicht erhalten, dies aufgrund unserer Meinung nach berechtigter Kritik im Interesse seiner Patientinnen und Patienten und der Kollegenschaft. Wir fordern Sie auf, Ihre Entscheidung zu revidieren und Dr. Rainer weiter zu beschäftigen.“
http://www2.aekwien.at/py/petition.py

Die andere wurde schon früher von AsklepiosGewerkschaft für angestellte Ärztinnen und Ärzte in Österreich (http://www.activism.com/de_AT/petition/petition-gegen-die-k-ndigung-von-dr-gernot-rainer/195076) ins Netz gestellt und richtet sich explizit an alle Wiener und Wienerinnen:

Wir rufen ALLE Wienerinnen und Wiener, die ihre Gesundheitsversorgung als wichtiges Interesse der Stadt Wien ansehen, ALLE MedizinstudentInnen und JungmedizinerInnen, die ihre Zukunft nicht in diesem KAV sehen, ALLE angestellten und niedergelassenen ÄrztInnen, die sich das Recht auf kritische Reflexion ihrer Arbeitsbedingungen erhalten wollen und die Ärztekammern auf, diese Petition gegen die Kündigung von Dr. Gernot Rainer und somit für Meinungsfreiheit zu unterstützen.
Der Vertrag des Lungenfacharztes Dr. Gernot Rainer wurde nach Beschluss einer Kommission nicht weiter verlängert. Für diese Entscheidung gibt es keinerlei fachliche Begründungen, einzig: er hat eine eigene Gewerkschaft gegründet, um die Interessen der angestellten Ärztinnen und Ärzte realitätsnaher vertreten zu sehen. Dieses Anliegen hat die bestehenden Strukturen angegriffen. Diese Strukturen leben von intransparenten Entscheidungen und fühlen sich in erster Linie ihren eigenen Interessen verantwortlich. Von dieser Willkür im Umgang mit kritisch-konstruktiven Geistern kann jeder existenziell betroffen sein, der sich um Verbesserung des Systems bemüht. Das darf nicht akzeptiert werden!

 

Ich ersuche alle Leser dieses Blog nachdrücklich zu überlegen, ob sie sich nicht einer dieser Aktionen anschließen sollten. Gerade weil ein rezentes Interview von Bürgermeister Häupl mit der Presse noch keinerlei Unrechtsbewusstsein zeigt:

Diese Woche wurde bekannt, dass ein Wiener Pulmologe vom Wiener Krankenanstaltenverbund recht unschön wegbefördert wurde mit dem Argument, er würde sich nicht mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien identifizieren.
Und?
Ist das nicht eine komische Erklärung?
Das Nichtverlängern von befristeten Ärzten passiert ungefähr 180 Mal im Jahr in Wien. Wenn der Herr nicht über entsprechende mediale Kontakte verfügen würde, weil er Obmann eines privaten Vereins ist, der sich Gewerkschaft nennt, würde kein Mensch darüber diskutieren. Ich war mit diesem Fall jedenfalls nicht befasst. Und werde mich da auch nicht reinziehen lassen – auch wenn man sich größte Mühe gibt.
Das Ziel ist es also, den Bürgermeister über seine Frau anzugreifen?
Das ist naheliegend. Meine Frau ist Ärztliche Direktorin und hat daher sowohl die fachliche Beurteilung als auch den einstimmigen Beschluss der Kommission an den KAV weitergeleitet. Das ist ihr Job. Weder ich noch sie haben Einfluss genommen auf den Beschluss der Kommission.
Aber sollte nicht die fachliche Qualifikation des Arztes entscheidend sein?
Aber – meine Herren! Es war sicherlich der frühere Chefredakteur der „Presse“, Andreas Unterberger, ein ausgezeichneter Journalist. Trotzdem musste er gehen.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4930145/Haeupl_Kein-Doktor-Schussel-weit-und-breit?

Entlarvend für das ideologiefreie Machtverständnis Häupls ist dies Aussage auch deshalb, weil Chefredakteur Unterberger unter FPÖVP/BZÖ aus der Presse entfernt wurde und es 2005 Schüssel persönlich war (das aktuelle Presseinterview ist schließlich übertitelt: Michael Häupl: „Kein Doktor Schüssel weit und breit“) der ihn in die Wiener Zeitung brachte, eine Zeitung, die im Auftrag der Repuplik erscheint. Danach waren es Rot/Grün, die so lange gegen Unterberger geschossen haben (2007 http://derstandard.at/2921394/Unterberger-soll-bleiben) bis er 2009 auch von dort entfernt wurde. In all seiner Selbstgefälligkeit hat Häupl hier das gesagt, worum es auch im „Falle Rainer“ wirklich geht und was Sperl in seinem oben zitierten Standardkommentar schon 2007 über den „Fall Unterberger“ gesagt hat:

Pressefreiheit gibt es offenbar nur für jene, welche die gleiche oder eine ähnliche Weltanschauung vertreten. 

Sperl, der damals selbst nur noch 2 Wochen Chefredakteur des Standards bleiben sollte, legte in seinem Kommentar auch noch nach:

Nur wenige Kommentare des Kollegen in der „Wiener Zeitung“ könnte ich unterschreiben. Aber das ist medialer Pluralismus. Und Unterbergers Stimme zusammen mit einigen seiner Kolumnisten eine wichtige Abrundung des Meinungsspektrums dieser Republik.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund ist ebenso wie die Wiener Zeitung kein Privatunternehmen, die Eigentümer sind letztendlich die Bürger dieser Stadt bzw. dieses Landes.

Bürgermeister, Stadträtinnen, Generaldirektoren bzw. Bundeskanzler oder Chefredakteure haben ihren Einfluss in diesen Bereichen meines Erachtens nach nur „treuhänderisch“ von der Mehrheit der Wähler verliehen bekommen.
Der Treunehmer ist gebunden, die Sache im Sinne des Treugebers zu verwalten und nur zulässige Verfügungen vorzunehmen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Treuhand

Da zunehmend innerhalb des Krankenanstaltenverbundes die Angst umgeht, in Erwartung ähnlicher Konsequenzen für die eigenen Person, die Petition nicht zu unterzeichnen, sind vor allem definitiv-gestellte Mitarbeiter zur Solidarisierung aufgerufen.
Die Patienten aber mögen sich überlegen, ob sie von Ärzten behandelt werden wollen, denen zunehmend mitgeteilt wird, dass sie, sollten sie sich den Gesamtinteressen der Stadt Wien und ihrer Dienststelle nicht mehr unterwerfen, den Betrieb verlassen sollten.

In einem Betrieb, der per definitionem nicht gemein sondern gemeinnützig sein soll,
der nicht gewinnorientiert und privatisierungsfit gemacht sondern
mit unser aller Steuergeld unser aller medizinische Versorgung unabhängig von der persönlichen ökonomischen Leistungsfähigkeit sichern soll,
und der weder dem Herrn Bürgermeister, noch seiner Frau, noch einem Personalvertreter, noch all denen persönlich gehört, die parallel zu ihrer Tätigkeit im KAV für private Gesundheitsdienstleistungsanbieter arbeiten,
darf auch von diesen nicht geführt werden, als wären sie Mehrheitseigentümer eines börsennotierten Unternehmens oder wäre das einen Bananenrepublik.

Written by medicus58

21. Februar 2016 at 14:00

DoctorLeaks: Das Portal gegen ein krankes Gesundheitssystem

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Leaks

Die Ärztekammer hat Ihre Seite http://www.notstandspital.at/ auf politischen Druck geschlossen.
Seit Beginn dieser Woche hat die Ärztegewerkschaft Asklepios http://www.doctorleaks.at/ ins Netz gestellt und verspricht aufgezeigte Missstände – nach formalrechtlicher Prüfung – völlig anonym aufzuzeigen.

 

Schau’n wir mal, was da raus kommt (die Doppeldeutigkeit ist geplant).

Written by medicus58

10. Oktober 2015 at 12:33

Gewerkschaft klagt Gewerkschaft, gut so …

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Shutdown

Wir haben uns hier schon öfters damit beschäftigt, wie wenig sich die Gewerkschaft der Wiener Gemeindebediensteten als Vertretung der angestellten Ärzte versteht.

Dem Wiener Gesundheitssystem droht der Kollaps
http://wp.me/p1kfuX-11T
Ärztearbeitszeiten oder die Welt des ÖGB http://wp.me/p1kfuX-Z7
Pflegeausbildung: Gewerkschaft kritisiert Ärztekammer http://wp.me/p1kfuX-11e
Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! http://wp.me/p1kfuX-UX

Konsequenterweise entstand Asklepios, eine eigene Gewerkschaft für angestellte Ärzte (https://www.aerztegewerkschaft.at/ ).

Als die Wiener Gesundheitsstadtätin Wehsely ihr Dienstzeitmodell, das übrigens augenblicklich spektakulär crasht, gegen die angestellten Ärzte, gegen die Kurie der angestellten Ärzte in der Ärztekammer und natürlich auch gegen Asklepios  durchboxte, hatte sie nur die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten auf ihrer Seite.
Scheinbar klar, dass der eine Konkurrenz-Gewerkschaft nicht ins Konzept passte und die frischgebackene HGII Gewerkschaftsvorsitzende Jonak  sich und die Fakten völlig ausblendete, als sie verkündete:
Fest steht jedenfalls, dass es sich bei diesem Privatverein (Asklepios, Anm.) um keine Ärztegewerkschaft handelt.“
Eigentlich sollte sie es besser wissen, dass schließlich auch der ÖGB von seiner Rechtsform ein Verein ist, aber was soll’s, die Konkurrenz musste madig gemacht werden.

Nun schlägt Asklepios zurück und klagt den ÖGB, als Mutter der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten auf Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/4826310/Gesundheit_Aerztegewerkschaft-klagt-OGB-?

Ein allfälliger Prozess wird interessant, weil er vielleicht aufdeckt, auf welcher weichen Rechtsgrundlage so mancher scheinbar mächtiger Player sein politisches Spiel solange spielt bis er ernsthaft hinterfragt wird.

Eigentlich hätte es der ÖGB ja ohnehin schon wissen können, dass er nur dort mitreden darf, wo es den politisch Mächtigen passt.

Zur Jahrtausendwende demonstrierte Blau-Schwarz sehr eindrücklich, dass der Gewerkschaftsbund (nicht zuletzt, da er sich durch eigene Fehler sinnlos schächte (Konsum, Bawag, …) ganz einfach negiert werden kann.
Kanzler Gusenbauer, der Gewerkschafter aus dem Nationalrat verbannen wollte, konnten die „Kollegen“ los kriegen (http://www.profil.at/home/alfred-gusenbauer-spitzen-gewerkschafter-144642 ), aber nur weil er einer der ihren war.

Wären die „Berufsgewerkschafter“ nicht so sehr ihrem selbst referentiellen Traumland verhaftet und mit der eigenen Politkarriere befasst, würden sie erkennen, dass ihre wahre Bedrohung nicht in einer entstehenden Teilgewerkschaft liegt, sondern die Abwanderung der einzigen, die einer Gewerkschaft wirklich Macht gewähren können: Mitglieder, so lange diese sich wirksam vertreten fühlen und dafür auch auf die Straße gehen.

 

Written by medicus58

21. September 2015 at 22:40

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Fotos der Ärztedemo in Wien vom 23.3.2015

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Die Kranzniederlegung der Asklepios Ärztegewerkschaft vor dem Wiener Rathaus ist hier dokumentiert (Copyright beim Fotografen)

Foto2

Weitere, sehr schöne Fotos stellt Ihnen dieser Seite zur Verfügung: http://www.hobbi.at/demo

ORF WienBis zu 2.000 Teilnehmer bei Ärztedemo

http://wien.orf.at/news/stories/2701100/ inkl. Videobeitrag

OE24: Videobericht vor Beginn der Ärzte-Demo in Wien: Das sagen die Mediziner
 https://youtu.be/-Tuc9FrSE7Y https://youtu.be/6htavbwPAJ8

KURIER: Ärzte bliesen zum TrauermarschWiens Spitalsärzte demonstrierten gegen den Stellenabbau, Wehsely kündigt Gespräche an.
http://kurier.at/chronik/wien/proteste-wiener-spitalsaerzte-bliesen-zum-trauermarsch/120.988.118

HEUTE titelte schon vor der Demo Ärzte-Demo legte City lahm und schob online dann ein Update mit Bildern nach Ende der Demo: http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,1138045

Dass das Neue Volksblatt einfach den APA Text pastete, ja, auch erwähnt ….

Und zum Abschluss ein paar der besten Bannersprüche:

KRANKHEIT KENNT KEINE UHRZEIT

SORGEN SIE SICH UM IHRE GESUNDHEIT, WIR AUCH Asklepios Ärztegewerkschaft

ÄRZTEPOSTEN STATT WERBUNGSKOSTEN

In Anspielung an die geplanten Personalkürzungen im KAV hatten viele Marschteilnehmer Zettel mit der Aufschrift „1 von 382“ am Rücken befestigt.

DAS GESUNDHEITSSYSTEM GEFÄHRDET ÄRZTINNEN UND ÄRZTE

VORSORGEN STATT KRANK SPAREN

KEIN POLITPOKER IN WIENS SPIETÄLERN

KEIN GELD FÜR ÄRZTE ABER FÜR DIE HYPO

FACHARZT FÜR HEILIGEN ABEND GESUNCHT 15€/h

GESUNDHEITSSYSTEM: WIEDERBELEBUNG VORBEREITEN

PS: Was ich mir für die nächste Demo wünsche? Mehr KollenInnen der 55+ Fraktion ….

 

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