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ÄrzteRausbildung neu

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niedermoser_peter kopie

Augenblicklich echauffiert sich die Ärztekammer, dass die gerade zwischen Bund und Ländern paktierten 15a-Vereinbarungen u.a. den niedergelassenen Facharzt wegrationalisieren.

Zeit daran zu erinnern, wie sehr die Ärztekammer unter der Führung des OÖ Ärztekammerpräsidenten Niedermoser in diesem Prozess als Brandbeschleuniger agiert hat, nur damit die Arztakademie (https://www.arztakademie.at/home/wir-ueber-uns/facts/) unter Leitung Niedermosers mehr Personal anstellen kann.

Ich habe darauf bereits mehrfach hingewiesen:
3/2014 Niedermoser: Who’s side are you on https://medicus58.wordpress.com/2014/03/13/niedermoser-whos-side-are-you-on/
4
/2015 Wirkungsorientierte Folgenabschätzung der Ärzteausbildung: Geiz war geil https://medicus58.wordpress.com/2015/04/10/wirkungsorientierte-folgenabschatzung-der-arzteausbildung-geiz-war-geil/

An der zuletzt 2006 – also knapp vor einer „Fachärzte-Ausbildungsgeneration“ – erstellten Ausbildungsordnung ließ Niedermoser kein gutes Haar.
Die damals neu verhandelten Rasterzeugnisse waren seiner Meinung nach völlig weltfremd, die Ausbildung nicht mehr zeitgemäß und Schulter an Schulter mit dem Bundesministerium schritt er zur Tat.

Unter killendem Speed wurden die Vorgaben des Ministeriums erfüllt, Fächer eingestampft und zusammengelegt, die gesamte post-promotionelle Ausbildung „reformiert“, natürlich gleichzeitig mit einem neuen Curriculum an den Universitäten, rasenden Spitalsreformen in allen Bundesländern, mit einer Aushöhlung der fachärztlichen Präsenz außerhalb der Amtsstunden und einer Beschränkung der Ärztearbeitszeit, die sowohl die Anwesenheit der Auszubildenden als auch die der Ausbildner reduziert.

Seit 1. Juni 2015 beginnt mit das Ganze mit einer 9 monatigen Basisausbildung zur Vermittlung grundlegender Kenntnisse der Patienten- und Notfallversorgung, die alle früheren Gegenfächer ersetzen sollte. Das ursprünglich vielleicht nicht ganz sinnlose Konzept, diese 9 Monate zu annähernd gleichen Teilen in einer Allgemeinchirurgie und einer Allgemeinen Internen zu verbringen, wurde auf politischen Druck aufgeweicht und auf „irgendwas wo es blutet und irgendwas wo nicht“ reduziert.
Der zukünftige Allgemeinmediziner kann z.B. seine Basisausbildung, wenn ihn der Spitalserhalter dort braucht an einer Neurologie und Neurochirurgie abdienen und wieder hier noch dort lernen, eine kleine Fleischwunde zu versorgen. Aber natürlich muss er in eine Psychiatrie, als Arbeiter, nicht Patient, weil dort Personalnot herrscht!
Das Nähen von Schnittwunden lernt er halt am Ende in der Lehrpraxis oder von der akademischen Pflegeperson im PHC!

Natürlich mussten nun alle bestehenden Ausbildungsstellen neu zertifiziert werden und da hat sich die Kammer leider etwas übernommen, denn viele Anträge liegen noch unbearbeitet herum und viele Basisausgebildeten können noch nicht auf neu-zertifizierten Ausbildungsstellen ihre Ausbildung fortsetzen.

Nach allerlei Zahlenzauberei mit den geforderten Fallzahlen ist es nun ein eingestandenes Geheimnis, dass es zu einer Reduktion der Facharztausbildungsstellen im zweistelligen Prozentbereich kommen wird.

Nach meinen Informationen ist Niedermosers Position in der OÖ Ärztekammer weiterhin sicher, warum verstehe ich aber nicht ….

Ärzteausbildung: Selbst der Billa beruft sich auf den Meisterbäcker https://medicus58.wordpress.com/2015/06/21/arzteausbildung-selbst-der-billa-beruft-sich-auf-den-meisterbacker/

Written by medicus58

20. November 2016 at 09:00

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Schwerpunktbildung ist das gesundheitspolitische Codewort für Einsparung

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Konzept

Dass das Wiener Spitalskonzept 2030 nur mehr eine Mogelpackung für ein Hinunterfahren des intramuralen Gesundheitswesens ist und kaum mehr dem entspricht, was Stadträtin Wehsely 2011 verkündet hat, konnten Sie hier schon im Jänner 2014 (!) lesen. Fast zwei Jahre danach sind viele der schon damals angesprochenen Leistungsreduktionen auch in der aktuellen Presse zu lesen:

Wiener Spitäler: Kahlschlag bei Ambulanzen
http://diepresse.com/home/panorama/wien/4880609/Wiener-Spitaeler_Kahlschlag-bei-Ambulanzen?_vl_backlink=/home/index.do

Für die 4,3 Mill €, die allein 2015 der KAV für externe Berater ausgibt (http://diepresse.com/home/panorama/wien/4788981/Wien_Teure-Beratung-fur-Spitalsbetreiber?from=suche.intern.portal) liegt ein Masterplan vor, der nicht nur – und nicht unberechtigt – einige kleinere Standorte schließt, sondern stillschweigend und unter dem Vorwand einer Schwerpunktbildung die ehemaligen Schwerpunktspitäler bis zur Unkenntlichkeit aushöhlt.

Übrigens ein Prozess auf den hier schon 2/2012 hingewiesen wurde
(Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes http://wp.me/p1kfuX-8V)
und 2014 in Anlehnung an die Musicalproduktion der Vereinten Wiener Bühnen als KAV: Superkalifragilistisch Expealigorisch (http://wp.me/p1kfuX-RB) bezeichnet wurde.

Neben der im Presseartikel völlig richtig angesprochenen Problematik, dass es z.B.  im Wilhelminenspital, im Donauspital und vielleicht irgendwann im KH Nord keinen Augen- oder Hautarzt geben wird, der im Falle komplexerer Augen- oder Hautverletzungen den Unfallchirurgen in der Versorgung von multipel Verletzten unterstützen kann, es sei denn der entsprechender Facharzt setzt sich in die U-Bahn oder ein Taxi und fährt durch ganz Wien, wirft die Schwerpunktbildung auch ein nahezu unlösbares Problem in der Ärzteausbildung auf.

Wer damit argumentiert, dass die auszubildenden Fachärzte ja von Spital zu Spital rotieren können, um schließlich in allen Schwerpunkten entsprechende Erfahrungen zu sammeln, der hat offensichtlich keine Ahnung von einem Spitalsbetrieb. Sehr häufige Erkrankungen, können zwar so ausgebildet werden, aber für etwas seltener Fälle, ist kaum zu garantieren, dass sich diese so regelmäßig einfinden, dass jeder Zurotierte diese in den 1-2 Monaten im jeweiligen Schwerpunkt auch zu Gesicht bekommt.

Überdies erlaubt dieses Konzept nicht, auch den neben den praktischen Fertigkeiten wahrscheinlich wesentlichsten Teil der ärztlichen Ausbildung zu lernen:
den Diagnosegang

Klar wird ein Chirurg seine Dickdarmoperationen in ein paar Wochen in einem entsprechenden Zentrum praktisch erlernen können, nur kommen die Patienten halt nicht in das Gesundheitssystem und tragen die entsprechenden Enddiagnosen wie Spruchbänder vor sich her.
Wer stellt denn dann noch all die speziellen Diagnosen, wenn überall nur mehr Spezialisten eine bestimmte Therapie möglichst fließbandgleich und somit kostengünstig abliefern. Wer kann denn die Jungen dann noch darin ausbilden, im Allgemeinen das Spezielle zu erkennen?
Ja natürlich, die Ausbildner in den Lehrpraxen! Nur haben die in ihrer Ausbildung Diagnosegänge gelernt, so wie sie vor ein bis zwei Jahrzehnten üblich waren.
Ja natürlich, das lernt man halt dann in den selbst zu bezahlende Fort- und Weiterbildung, die wie Schimmelpilze allenthalben hervor schießen. Nur wer programmiert denn diese Lehrprogramme?
Die Spezialisten?
Wie ging noch der Witz vom Biologiestudenten, der für die Prüfung nur die Würmer gelernt hat und die Frage nach der Einteilung der Säugetiere wie folgt beantwortete:
Elefanten sind Säugetiere mit einem Rüssel, der an Würmer erinnert,
und die Würmer teilt man ein.
Bleiben Sie in Zukunft besser gesund!

Written by medicus58

4. Dezember 2015 at 20:04

Ärzteausbildung: Selbst der Billa beruft sich auf den Meisterbäcker

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Pfeiferl

Seit Tagen läuft ein Werbespot in dem einer etwas blässlichen, namenlosen Semmel der Eintritt in die BILLA-Filiale verwehrt wird, weil man sich ihrer Qualität nicht sicher sein kann, da sie schließlich nicht von einem Meisterbäcker stammt.
Beim Essen scheint also selbst im Supermarkt allen klar, dass nix Genießbares rauskommen kann, wenn ein Semmerl von Ökonomen, Politikern und Versicherer geknetet wurde. Bei der Ärzteausbildung sind wir hier weniger wählerisch.

Das, was nun der Kammertag der Österreichischen Ärztekammer verabschiedet hat (http://derstandard.at/2000017723893/Aerztekammer-stimmt-Aerzteausbildung-zu), ist nur zum geringsten Teil das Produkt der Meister, also der Fachärzte der jeweiligen Sonderfächer, sondern das, was die sogenannte Artikel 44 Kommission im Bundesministerium wollte und die Kammerfunktionäre nicht verhindern wollten (oder konnten).

Die Basisausbildung für alle sichert einmal, dass bis nächstes Jahr konservative und chirurgische Fächer genügend „Weißmäntel“ bekommen. Die Lehrziele strotzen vor Gemeinplätzen,so dass damit jede Abteilung auch des kleinsten Landspitals den Anschein von anwesenden Ärzten erwecken kann. Was sie dabei lernen sollen, was sie nicht ohnehin schon im KPJ gesehen haben, bleibt eines der Mirakel dieses Meilensteins.

Die danach unbedingte Entscheidung für Allgemeinmedizin oder für ein bestimmtes Fach, kanalisiert zwangsweise mehr Ärzte in die Allgemeinmedizin, weil es sich um einen ziemlichen Glückstreffer handeln muss, dass gerade die Ausbildungsstelle in meinem Wunschfach vakant ist, wenn ich die 9 Monate Basisausbildung hinter mir habe. Der früher mögliche Übertritt während der Ausbildung zum Allgemeinmediziner in ein bestimmtes Fach, soll nun explizit nicht mehr möglich sein. Da waren schon alle inkl. der Spitalserhalter dahinter, weil sie einem fertigen Praktischen Arzt in der Facharztausbildung einfach mehr zahlen müssen als einem frischer Studienabgänger! Aber auch der Hauptverband wünscht sich weniger Fachärzte, schließlich kommt ihm – trotz lächerlicher Refundierungen in beiden Fällen – der Besuch beim Allgemeinmediziner auch billiger als beim Facharzt.

Das Streichen der Gegenrotationen ist ebenfalls ein Kniefall unserer Kämmerer vor den Spitalserhaltern. Was kann ein Neurochirurg denn schon auf einer Neurologie, ein Internist auf einer Chirurgie, ein Dermatologe auf einer Diabetesambulanz, ein Radioonkologe auf einer Onkologie, … etc. lernen, das macht alles nur Probleme für die Personalabteilungen.

In dieser Artikel 44 Kommission des BuMin, die den Prozess maßgeblich beeinflusste, setzten
die Gesundheitspolitiker der Länder und die Spitalserhalter durch,
dass sie auch für ihr kleinstes Renommierspital noch JungärztInnen finden, die den Schein einer ärztlichen Versorgung aufrechterhalten, auch wenn sie halt nur einen sehr eingeschränkten Einblick in das jeweilige Sonderfach bekommen (man nennt das Modularisierung).
Es durfte der Hauptverband sicher stellen,
dass sehr bald viele Allgemeinmediziner am Markt erscheinen und sich für ihre Primärversorgungszentren melden und die Anzahl der Fachärzte sinkt, bzw. sich diesen die Patienten privat zahlen.
Die Allgemeinmediziner durften sich freuen, dass sie in ihren Lehrpraxen bald günstige Helferlein haben werden,
die sie nun in all den Qualifikationen schulen werden, die sie selbst während ihres Turnus nicht gelernt haben und bisher in die Ambulanzen schickten (warum die Ärztekammer zu allem anderen Ja und Amen gesagt hat, ohne dass sie die verlangten 12 Monate Unterstützung für die Lehrpraxis bekommen haben, bleibt ein Rätsel).

Die Bundesfachgruppen, also die frei gewählten und gesetzlich verankerten Vertreter der einzelnen Sonderfächer, die bisher sagen durften, was ihrer Meinung nach eine zukünftige Kollegin oder ein zukünftiger Kollege LERNEN UND KÖNNEN muss, wurden seitens der Ärztekammer praktisch übergangen. An ihre Stelle übertrugen die Kämmerer den sogenannten „akkreditierten wissenschaftlichen Gesellschaften“ die Aufgabe das Ziel der Ärzteausbildung zu definieren. Dabei handelt es sich um Vereine, deren Interesse weniger in der täglichen Praxis ihrer Fächer als in der Forschung liegt. Deshalb existiert jetzt auch ein – wenig definiertes – wissenschaftliches Modul, in dem der zukünftige Facharzt für seine Praxis (!) ausgebildet werden soll …..

Gerade ein Monat gab es eine Einsichtsmöglichkeit in die neuen Rasterzeugnisse und für die Diskussion ein völlig untaugliches Online-Forum, dann strichen Bundesministerium, Gesundheitspolitiker, Hauptverband, Ökonomen und ein paar politisch vernetzte Ärztekämmerer nach Belieben durch, was ihnen nicht passte.

Weshalb dieser (angebliche) Meilenstein nun vom Kammertag beschlossen wurde, ist schwer verständlich und für mich nur dadurch erklärbar, dass auch hier andere, als wirklich fachliche Gründe die Oberhand behielten.
Die nächsten Monate werden zeigen, welchen Mühlstein man zukünftigen Arztgenerationen umgehängt hat.
Vielleicht stellen sich dann auch noch andere die Frage, weshalb der politische Einfluss auf die Qualität der Ärzteausbildung direkt proportional zum ökonomischen Interesse und indirekt proportional zur fachlichen Qualifikation ist.

Aber vielleicht kommt erst der Aufschrei, wenn auch die Krankenpflege bemerkt, dass hinter der politisch seit Jahren betriebenen Akademisierung der Pflege keine Aufwertung, sondern ein politisch gewolltes Downsizing  steckt.

Eine akademische Führungskraft hat dann mit einer Reihe von Hilfskräften die Leistung billiger zu erbringen, als jetzt eine Gruppe nicht-akademischer, aber höher qualifizierter Pflegekräfte.
Die heute geäußerten Gedanken des NÖ Gesundheits- und Finanzlandesrats Sobotka über die Qualifikation, die die Pflege im Operationssaal benötigt, ist da ein klares Vorzeichen. Seiner Meinung nach gibt es auch im OP genügend einfache Aufgaben, für die dann weniger qualifiziertes Personal ausreichen würden als jetzt. Sobotka ist übriges studierter Musikpädagoge!

 

Links:

Was sich der Stöger hier wieder erlaubt hat … http://wp.me/p1kfuX-GM

Wirkungsorientierte Folgenabschätzung der Ärzteausbildung: Geiz war geil http://wp.me/p1kfuX-Wj

Wickel oder Neustart der Ärzteausbildung: Komm auf die Schaukel, KollegIn http://wp.me/p1kfuX-Sc

Entwertung der Ausbildung durch das Geschäft mit der Fortbildung http://wp.me/p1kfuX-Mx

Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a http://wp.me/p1kfuX-IC

KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ

Die wahre Reform der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-Ex

Wirkungsorientierte Folgenabschätzung der Ärzteausbildung: Geiz war geil

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In diesen Tagen ist der Entwurf zur Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit über die Ausbildung zur Ärztin für Allgemeinmedizin/zum Arzt für Allgemeinmedizin und zur Fachärztin/zum Facharzt (Ärztinnen-/Ärzte-Ausbildungsordnung 2015–ÄAO 2015 in Begutachtung geschickt worden.

Viele der dort getroffenen Änderungen wurden hier schon ausführlich kritisiert, wie z.B.

die Ausbildung in einer Lehrpraxis bei der man einfach davon ausgeht, dass jeder Praxisbetreiber auch ein begnadeter Lehrer sein muss,
der Ausfall früherer Pflichtgegenfächer, die das „Kasteldenken der Organspezialisten“ weiter festigen werden,
die Modularisierung der Fachinhalte, nur damit all die kleinen Landesspitäler ihre billigen Azubis nicht verlieren, wenn sie wichtige Inhalte eines Sonderfaches nicht anbieten können/wollen mit
der konsekutiven Auslagerung von Spezialausbildungen in kostenpflichtige Kurse und Diplome …..

Wickel oder Neustart der Ärzteausbildung: Komm auf die Schaukel, KollegIn http://wp.me/p1kfuX-Sc
Entwertung der Ausbildung durch das Geschäft mit der Fortbildung http://wp.me/p1kfuX-Mx
Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a http://wp.me/p1kfuX-IC
KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ
Die wahre Reform der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-Ex
Niedermoser: Who’s side are you on http://wp.me/p1kfuX-LF
Gelddruckmaschine ärztliche Fortbildung http://wp.me/p1kfuX-Cy

Natürlich gibt es auch positive Ansätze, wie die, zumindest am Papier verlangte, Übernahme von einfachen Tätigkeiten durch die Pflege, die bis heute den in Ausbildung stehenden Ärzten obliegt und die Vorgabe an die Spitalserhalter, den Auszubildenden bereits zu Beginn der Ausbildung einen klaren Ausbildungsplan auszuhändigen.

Die Praxis wird zeigen, ob der Papiertiger auch brüllen wird.

Was aber aus dem Entwurf und den beigelegten Erläuterungen des Ministeriums erschreckend klar hervorgeht, sind zwei eher unschöne Aspekte, die diese Reform auszeichnen:

  1. Fachfremde bestimmen, wie Ärzte auszubilden sind!
  2. Geiz ist geil!

Auch wenn im Vorblatt vollmundig behauptet wird, dass das Ziel eine „Reform der Ärztinnen-/Ärzte- Ausbildungsverordnung, um dem aktuellen Stand der Wissenschaft sowie einer qualitätsgesicherten Ausbildung Rechnung zu tragen„, gewesen wäre,
verheimlicht der nachfolgende Text nicht, dass es nicht die Ärzte waren, die letztendlich die Ausbildungsqualität ihrer Profession festsetzen durften, sondern in erster Linie Krankenkassenfunktionäre, Bundes- und Landesgesundheitspolitiker und Spitalsträger:

Im Rahmen einer Ausbildungsreformkommission, an der Vertreterinnen und Vertreter des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträgerder Bundesländer, der Österreichischen Ärztekammer, der Medizin -Universitäten und des Bundesministeriums für Gesundheit teilnahmen, wurden Empfehlungen erarbeitet, um die Ärztinnen -/Ärzte-Ausbildung zu reformieren.

Vorauszuschicken ist, dass die Länder als Krankenanstalten- und Ausbildungsträger in die Reformvorhaben seit 2011 eingebunden waren und seit 2013 auch als Mitglied der Kommission zur ärztlichen Ausbildung gemäß Artikel 44 der Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG, mit der die Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens, BGBl. I Nr. 105/2008, geändert wird, BGBl. I Nr. 199/2013.

Aber eine Verpflichtungen diese Ausbildung auch anzubieten, haben die Spitalsträger offenbar erfolgreich herausreklamiert:

Festzuhalten ist, dass grundsätzlich keinerlei Verpflichtung seitens der Krankenanstaltenträger besteht, Fachärztinnen/ Fachärzte auszubilden, sondern diese entscheiden nach ihrem zu deckenden Bedarf.

Schön, über den Bedarf an Gesundheitsversorgung entscheiden nicht die Ärzte, sondern eine Heerschar an mit öffentlichen Geldern finanzierte Berater (Gesundheit Österreich Ges.m.b.H., EHC, LBI-HTA, ELGA GmbH., ….), aber über den Bedarf an ärztlichen Nachwuchs entscheiden auch nicht die Ärzte, sondern die Träger der Krankenanstalten nach Gutdünken. 

Der zweite Punkt, der unser Ministerium ganz offensichtlich beseelt hat, war ganz klar, dass man die vermeintlich bessere Qualität wie selbstverständlich und ohne Verpflichtung der „Stakeholder“ billiger und rascher haben möchte:

Eine bisher in der Praxis bis zu 12 Jahren dauernde Ausbildung wird auf sechs Jahre verkürzt, da kein Umweg (!!!) über eine allgemeinärztliche Ausbildung (drei Jahre) und nach der Facharztausbildung (sechs Jahre) weitere drei Jahre Additivfachausbildung erforderlich ist, um die entsprechende Spezialkompetenz zu erlangen. Mit der Verkürzung um die Hälfte der Zeit gehen entsprechende Einsparungen einher.

Dass man auf den „Umwegen“ vielleicht auch etwas Brauchbares für seine ärztliche Tätigkeit gelernt haben kann, erschließt sich den Schreibtischstrategen offensichtlich nicht. Der ökonomisch relevante Hintergrund ist aber, dass ein Arzt, der mit einem ius practicandi eine Facharztausbildung beginnt, dem System einfach teurer kommt als ein frisch von der Uni kommender Dr. med.; dass andererseits die Verantwortung, die ein Arzt mit ius practicandi bereits zu Beginn seiner Fachausbildung übernehmen kann, auch wesentlich größer ist und, dass Ärzte mit Mehrfachausbildungen naturgemäß eher fachübergreifend (ganzheitlicher) denken können, interessiert niemanden. Wer aber nun glaubt, dass ich durch diese Interpretation den „Stakeholdern“ Unrecht tue, möge bitte weiterlesen:

Die spezifische Qualifikation durch die Additivfachausbildung war bisher erst durch die/den entsprechend im höheren Gehaltsschema zu entlohnende Fachärztin/den zu entlohnenden Facharzt zu erwerben, während durch die neue Gestaltung diese Qualifikation bereits als Turnusärztin/als Turnusarzt erworben wird.

Eigentlich fast schon transparent, wie das Bundesministerium offen legt, dass das gesamte Reformwerk primär unter dem Gesichtspunkt der Kosteneinsparung stand:

Die Umlagerung von grundlegenden Tätigkeiten, die in den Kompetenzbereich der Pflege zählen, und nicht von den Turnusärztinnen/Turnusärzten zu leisten sind, wirkt sich auf Grund der entsprechend niedrigeren Gehaltsschemata sowie niedrigeren Anzahl an erforderlichen Turnusärztinnen/Turnusärzten ebenfalls kostendämpfend aus.

Es wird auch klar, dass die von Wehselys Beratern errechneten Posteineinsparungen im KAV (Wehsely Leak: Ist die Mauschelei am Ende? http://wp.me/p1kfuX-TO) durch Arbeitsverdichtungen und Pooling von Turnusärzten, nicht ein lokaler Betriebsunfall ist, sondern Teil eines österreichweiten politischen Planes sind, die ärztliche Kompetenz in den Nachtdiensten auszudünnen:

Die Möglichkeit nunmehr Turnusärztinnen/Turnusärzte abteilungsübergreifend gemäß § 7 Abs. 3 und § 8 Abs. 2 Ärztegesetz 1998, BGBl. I Nr. 169/1998, einzusetzen, erlaubt entsprechende Einsparungen bei Turnusarzt-Diensteinteilungen.

Klar, stellen wir halt einen Turnusarzt, der gerade in der Diabetesambulanz ausgebildet wird, in der Nacht einem Unfallchirurgen zur Seite, denn
Dr. med. univ. hat eh alles zu können.

Weshalb einerseits die Modularisierung der Facharztausbildung zu mehr Qualität führen soll (Schwerpunktsetzung durch modulartige Sonderfachausbildung der Fachärztinnen/Fachärzt), aber andererseits es für den Beidienst gleichgültig zu sein hat, wo er in seiner Ausbildung gerade steht, dazu schweigt der Entwurf leider.

Darüber hinaus sind Turnusärztinnen/Turnusärzte auf Grund der geänderten Kernarbeitszeiten bis 16:00 mehr als bisher in den Hauptdienstzeiten in den Krankenanstalten anwesend, weshalb kostenintensive Nachdienste und Überstunden eingespart werden können.

Die Wirtschaftskammer wird gleich beruhigt:

Das Vorhaben hat keine wesentlichen Auswirkungen auf die Verwaltungslasten für Unternehmen.
Und auch die Länder werden vom Bundesministerium daran erinnert, dass sie nichts zu befürchten hätten, denn sie haben schließlich den Entwurf ja selbst geschrieben:
Vorauszuschicken ist, dass die Länder als Krankenanstalten -und Ausbildungsträger in die Reformvorhaben seit 2011 eingebunden waren und seit 2013 auch als Mitglied der Kommission zur ärztlichen Ausbildung gemäß Artikel 44 der Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG, mit der die Vereinbarung gemäß Artikel 15a B -VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens, BGBl. I Nr. 105/2008, geändert wird, BGBl. I Nr. 199/2013.
Dass die Veränderungen für die Ärzteschaft vielleicht wesentliche Veränderungen und natürlich auch Kosten verursacht, das ist nach der WFA-Grundsatzverordnung keine wesentliche Wirkung, schließlich waren in der Subdimension Arbeitsplatzbedingungen weniger als 150.000 Arbeitnehmerinnen aktuell oder potenziell betroffen und das liegt unterhalb der Kriterien der Version 3.6 des WFA–Tools zur Wirkungsorientierten Folgenabschätzung. 
Na, dann ist eh alles …

Written by medicus58

10. April 2015 at 17:28

Wickel oder Neustart der Ärzteausbildung: Komm auf die Schaukel, KollegIn

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buminöäkhgii

Es fällt schwer dem Ernest Pichlbauer, dem in Selbstdefinition „unabhängigsten Gesundheitsökonomen des Landes“ zuzustimmen, aber manchmal ist es unumgänglich ihm von anderen Ende des politischen Spektrums zuzustimmen.

Im August 14 schrieb er in einem Kommentar in der Wienerzeitung:
Die neue Ärzteausbildung – eine unglaubliche Mogelpackung
(http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/650356_Die-neue-Aerzteausbildung-eine-unglaubliche-Mogelpackung.html) und hatte Recht, obwohl er zu diesem Zeitpunkt (nachweislich) nicht wusste, was parallel dazu im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), immerhin der größte Ärzteausbildungsmühle, passierte.

In seinem Artikel prophezeihte er den Ärzte-Azubis, dass sie trotz anderslautender Versprechungen weiterhin als Systemerhalterherhalten müssen, weil niemand sonst für den Routinebetrieb (Blutdruckmessen, Blutabnehmen, Spritzengeben, Infusionen anhängen, …) zur Verfügung stehen würde.
Zu diesem Zeitpunkt hat aber der neue starke Mann im KAV Udo Janßen (Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt….http://wp.me/p1kfuX-Kd) – angeblich unmittelbar vor Urlaubsantritt – in einer Mail an alle KAV Mitarbeiter per Erlass die Aufgaben von Medizin und Pflege dahin geregelt

Achtung schweres Geschütz

dass die Pflege ab sofort, bzw. ab Oktober, spätestens aber ab 1.1.2015 all das, was sie die Pflegeberufe als Kompetenz in ihre Berufsgesetze schreiben hat lassen, auch zu tun hat … na, bummm

Damit war klar, dass Janßen den Ratschlag seines Vorgängers Marhold: „Wenn ich meinen Nachfolgern einen einzigen Rat geben darf, ist es der – arbeiten Sie eng mit der Personalvertretung zusammen.“ in den Sommerwind geschlagen hat und prompt nahm Bernhard Harreiter, Vorsitzende der Hauptgruppe II, den Fehdehandschuh auf:

Entweder provoziert der neue Mann an der Spitze des KAV mit dieser Vorgehensweise ganz bewusst eine völlig unnötige Auseinandersetzung oder es ist ihm „einfach passiert“.
Er grenzt damit die Möglichkeit der Zusammenarbeit extrem ein:
„Wickel“ oder Neustart.

Der Hintergrund für die hektische Verschiebung der ungeliebten Routine ist einfach, dass es spät aber doch auch dem KAV dämmerte, dass mit dem Wegfall der alten Turnusausbildung und dem aktuellen (natürlich auch von Wehsely mit bestimmten) Konsens der Spitalsträger, „nur mehr eine Ausbildung bieten zu wollen“, es zu einem massiven Engpass der Azubis kommen wird. Früher war es eher Standard, dass diejenigen, die eine Fachausbildung anstrebten die theoretisch 3- meist aber 4-jährige „Turnusausbildung zum Praktiker“ mehr oder weniger komplett durchliefen und dann je nach Eignung, Gelegenheit oder Zufall in eine 6-jährige Ausbildung zum Facharzt wechselten. Fast ein Jahrzehnt stand somit am unteren Ende der Karriereleiter ein Azubi zur Verfügung, der „Routine“ machen musste.

Wenn das wegfallen sollte, und das es das wird ist seit einigen Jahren politisch klar, dann muss jemand diese Tätigkeiten übernehmen.
Gleichzeitig hat sich die Ärzekammer mit dem Bundesministerium eine komplette Neuakkreditierung aller Ausbildungsstellen ausgemacht und tönt vollmundig, dass sie diejeneigen Stellen, an denen die Ärzte in Ausbildung zu Tätigkeiten herangezogen werden, die eigentlich von anderen Berufsgruppen erledigt werden könnten, einfach nicht anerkennen würde – will heissen,
den Spitälern droht ein weiterer Verlust billiger Arbeitskräfte …

Für den Aussenstehenden schien es also für die Ärzte zu laufen:
Die im „common trunk“ verdichtete Grundausbildung aller Ärzte in „Allgemeiner Interne und Chirurgie“ sollte nach dem letzten, nun praktischen Jahr des Studiums (KPJ) die Grundlage für einen prinzipiellen Überblick schaffen, um dann sich auf die beiden Ausbildungsschienen „Allgemeinmedizin“ und „Sonderfächer“ konzentrieren zu können.
Dass damit die sogenannten Gegenfächer (also die Rotation zB. eines angehenden Neurochirurgen an eine Neurologie) abgeschafft wurde (weil die Organisation für die Spitalsträger zu mühsam war), halte ich zwar für eine gefährliche Verschlechterung der Ausbildung, aber der Unmut unter den Fachvertretern wurde von der Kammer weggeredet.

Zukünftige Ärzte für Allgemeinmedizin – tönte es noch im Sommer – sollten auch verstärkt in Disziplinen wie HNO, Dermatologie, Kinderheilkunde ausgebildet werden, da sie ja in den gleichzeitig entwickelten PrimaryHealthCare-Konzepten, einfachere Krankheiten in diesem Bereich, erstversorgen sollen. In der Stadt geht man mit seinem fiebernden Kind am Wochenende eben in eine Spitalsambulanz, am Land steht dafür nur der von Allgemeinmedizinern geführte Ärztenotdienst zur Verfügung, so dass der schon noch Masern von Scharlach untersc heiden können sollte …

All das ist nun Makulatur:

Die Ärztekammer hat (gemeinsam mit dem Bundesministerium unter dem offenkundigen Druck der Landespolitik) zurück gerudert:

Damit auch alle offenen Lücken geschlossen werden können, wird man seine Allgemeine Interne an irgendeiner konservativen Abteilung (Originalzitat: auch Psychiatrie) und seine Allgemeine Chirurgie an irgendeinem operativen Fach absolvieren können.

Es gibt leider zuwenig dermatologische oder HNO Abteilungen, so dass diese Inhalte nur mehr fakultativ, vielleicht auch nur an der Seite eines stundenweise ins Spital kommenden Konsiliars ausgebildet werden können.

Is ja egal, wird auch in Zukunft der Hausarzt auf jede rote Hautveränderung zuerst ein Pilzmittel und wenn das nicht hilft ein Cortisonpräparat verordent werden … Diagnostik ist überbetont!

Aber auch im KAV läuft die Welle der Gegenreformation:

In der Novemberausgabe der Gewerkschaftszeitung frohlockt Harreither, dass Janßen von den beiden angebotenen Optionen nun den Neustartgewählt hätte.
„Das wiederum bedeutet, dass am 1. Jänner 2015 nun doch kein imaginärer Hebel umgelegt, der KAV-weit einfach nur Tätigkeiten innerhalb von zwei Berufsgruppen verschiebt.“ 

…verschafft Ihnen vor Ort Zeit. Zeit die Sie benötigen … analytische Funktionsbewertung … Rahmenbedingungen …

Im Klartext: Zwitscher, zwitscher, … schaun mir amoi …

Wie gesagt, es fällt schwer dem Pichlbauer zuzustimmen und auch wenn er seinen damaligen Artikel nicht in Kenntnis aller parallelen Entwicklungen getippt hat, mit einem vorausschauenden Pessimismus liegt man in unserem Gesundheitssystem leider meistens richtig …

Niedermoser: Who’s side are you on

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niedermoser_peter kopie

Peter Niedermoser (http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Niedermoser) war schon mehrfach Gast dieses Blogs, so dass wir uns einmal etwas systematischer mit dem OÖ Ärztekammerpräsident und den verschiedenen Facetten seiner Aktivitäten in Sachen Ärzteausbildungbeschäftigen wollen. Nicht so sehr, weil er wundersamerweise bei seinen oö Kollegen so beliebt ist, dass sie ihn schon als Turnusärztevertreter und bereits mehrfach als Kammerpräsident wiedergewählt haben, sondern weil er sich – meiner persönlichen Meinung nach – zu einer höchst problematischen Schlüsselfigur der Ärzteausbildung entwickelt hat.

Natürlich wäre es einfach mit einem Scherzchen zu beginnen, dass sich sein Verhalten mit seinem klinischen Fach, der Pathologie, schlüssig erklären ließe, jedoch lohnt es sich, sich ernsthafter mit seiner Rolle zu beschäftigen.

Bis zu seiner Promotion 1989 konnte sich der 1962 Geborene offenbar soausgiebig mit der universitären Ausbildung beschäftigen, dass sich der jetzige Oberarzt an der Pathologie der Barmherzigen Schwestern in Linz als Experte für ärztliche Aus- und Weiterbildung wähnt und es ihn in den Bildungsausschuss der Österreichischen Ärztekammer(aktuell Stv. Vorsitzender) und seit 2013 als Präsident des wissenschaftlichen Beirats in die Akademie der Ärzte zog.

Für die Uneingeweihten: Bei der Akademie der Ärzte(http://www.arztakademie.at/home/wir-ueber-uns/mission-paper/) handelt es sich NICHT, wie weiland in der DDR (http://de.wikipedia.org/wiki/Akademie_f%C3%BCr_%C3%84rztliche_Fortbildung_der_DDR) um eine „dem Bundesministerium für Gesundheit unterstellte Einrichtung für die die Weiterbildung im Gesundheits- und Sozialwesen“ sondern um das „Bildungsforum der Österreichischen Ärztekammer und eine Expertenplattform für DFP, Arztprüfungen und ärztliche Fort- und Weiterbildung!„, die aber unter Kontrolle des Bundesministeriums steht. Standespolitisch wollte die ÖÄK gewissen Freiheiten „im übertragenen Wirkungsbereich“ nicht aufgeben und verhindern, dass das Bundesministerium direkt auf diese Agenden Zugriff hat.
Diese (aktuell) als „gemeinnützige GmbH“ geführte Ausgliederung der Österreichischen Ärztekammer vermag sich trotz saftiger Prüfungs- und Akkreditierungsgebühren trotz initial anderslautender Versicherungen nicht selbst finanzieren sondern erhält sich überwiegend durch Kammerbeiträge und sonstige Zahlungen der österr. Ärzteschaft.
Letztendlich hat das Bundesministerium als Behörde weiterhin das Recht Aus- und Weiterbildungsagenden vorzuschreiben, aber daneben erlaubt diese Struktur der ÖÄK Spezialdiplome für „KOMPLEMENTÄRE MEDIZIN DIAGNOSTIK UND THERAPIE NACH DR. F.X. MAYR“ oder für „HOMÖOPATHIE“ (für 44-88€ pro Diplom) unter die Kollegenschaft zu bringen.

Das jetzt kräftig medial bejubelte, interhalb der einzelnen Fachdisziplinen jedoch zum Teil sehr heftig abgelehntepostpromotionelle Ausbildungscurriculum hat Niedermoser in den letzten Jahren gemeinsam mit dem Bundesministerium ausgebrühtet und (auch wenn nach den letzten Wahlen er vom Vorsitz im Bildungsausschuss in die Arztakademie wechseln musste) inzwischen durch alle Gremien der ÖÄK gebracht.
Nur ein Schelm glaubt, dass die in dem Entwurf an allen Ecken und Enden ein- und angeführten „Spezialisierungen“ irgendwetwas mit seiner Zätigkeit in der Österr. Akademie der Ärzte zu tun hat, die langsam zur Gelddruckmaschine „Ärztefortbildung“ nach US-amerikanischem Vorbild(https://medicus58.wordpress.com/2013/04/26/gelddruckmaschine-arztliche-fortbildung/erweitert wird:
Ärzteprüfungen (405 € für den Allgemeinmediziner),
DFP-Fortbildungsprogramme,
ÖÄK Spezialdiplome,
ÖÄK Zertifikate,
ÖÄK-CPD für Gesundheitsökonomie oder Qualitätsmanagement,
e-Learning …

Einen Übeblick finden Sie auf der HP www.arztakademie.at, wo sie auch gleich über ein liebevoll Adventorial genannte Einschaltung der Erste Bank finden, die wiederum gerne ihre Versammlungsräume für verschiedene Sitzungen der Arztakademie zur Verfügung stellt …

Aber zurück zur Person Niedermosers, der neben seinen bisherigenTätigkeiten in der OÖ ÄK noch Zeit findet
Leiter folgender ÖÄK-Referate
Grundlagenarbeit und gesundheitspolitische Analysen
Lehrpraxis
Kurmedizin und Wellness
Qualitätssicherung und Management
zu sein und
„Mitglied in div. Gremien und Arbeitskreisen im Ministerium“ ist (http://www.aekooe.or.at/cms/fileadmin/AErztekammer/Lebenlaeufe_Funktionaere/Lebenslauf.pdf)

Für seine Medienkontakte ist seine Verbindung mit einer Journalistin des Volksblatts sicher auch nicht hinderlich, die wiederum 2009 von der Oberösterreichischen (!) Apothekerkammer für besondere journalistische Leistungen im Gesundheitsbereich ausgezeichnet wurde (http://derstandard.at/1246541277616/Valentin-Ladenbauer-Journalistenpreis-2009-fuer-derStandardat-Gesundheit).

Niedermosers Engagement für die ärztliche Fortbildung brachte ihn natürlich auch an die Linzer Meduni:

Selbstverständlich unterzeichnete er beim Verein „Förderer der Meduni Linz OÖ“ (http://www.meduni-linzooe.at/home/) verlinkte dessen HP auf der offiziellen HP Der OÖ Ärztekammer. Bereits im Vorfeld trommelte er in seiner Eigenschaft als Präsident in der Arztakademie in Interviews für die Notwendigkeit“ einer Linzer Meduni
(http://medmed-dev36-1.aura-software.com/2013/niedermoser-interview/) und ist Mitglied im

Praktisch, dass auch das Volksblatt (http://www.meduni-linzooe.at/_data/container/container_21/Pdf.52/Volksblatt_5.3.2014_001.jpg) darauf hinweisen kann, dass die GESPAG, der Spitalsträger des Landes OÖ (wie schon das Burgenland) 94 € der Teilnahmegebühr für die Paukerkurse vor den Medizin-Aufnahmetests fördert, natürlich nur für Oberösterreicher.

Niedermoser hat sicher kein Problem damit, dass man Maturanten ein bißchen zur Kasse bittet, wenn er schon Medizin studieren will, denn in dem oben verlinkten interview hat er ja auch zugegeben, dass er nicht mehr zu seiner früheren Meinung steht, dass man für die Arztprüfungen nicht extra lernen muss, wenn man gut ausgebildet ist, sondern ruhig was dazulernen soll: Bei Kammerveranstaltungen verteidigte er gerne sein modulares Ärzteausbildungssystem, weil „wir uns ja alle selbst belogen haben, wenn wir glaubten einen Facharzt in allem ausbilden zu können“ und schloss mehrfach mit den Worten, dass „sich der fertige Facharzt halt dann die Qualifikationen (Module) zukaufen (sic) muss“, die er im Rahmen der Fachausbildung jetzt nicht hat [weil er auf Wunsch der Landespolitiker halt in einem kleinen Spital ausgebildet wurde das das nicht anbieten kann!].

Niedermoser hat also ein lückenhaftes, pardon modulares Ausbildungssystem für Ärzte durchgeboxt, das in Zukunft den Bedarf nach den von „seiner“ Arztakademie angebotenen „Zertifikaten und Diplomen“ steigern wird und war eine wesentliche Triebfeder dafür, dass durch das regionale Prestigeprojekt Meduni Linz genügend „studierte Mediziner“ produziert werden, denen wenig „Prügel in den Weg gelegt werden sollen, damit sie nach dem Facharztabschluss rasch ins EU Ausland emigrieren können“.

Da drängt sich mir schon die alte Frage Matt Biancos auf:
Who’s side are you on?
Weitere Links zum Thema:

Niedermoser: „Wir passen die österr. Ausbildungsordnung an die deutsche an, damit für die migrationswilligen österreichischen Kollegen keine Schwierigkeiten entstehen.“
Bei uns im Gesundheitswesen ist täglich Fasching
http://wp.me/p1kfuX-Ls

Niedermoser lädt vor drei Jahren im Zuge der tschechischen Ärztestreiks die dortigen Kollegen ein in Österreich freie Arztstellen einzunehmen: So sparen im Gesundheitssystem
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516

Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=103603

Die Uni brennt und im Spital raucht’s auch http://wp.me/p1kfuX-fK

Written by medicus58

13. März 2014 at 16:00

Bei uns im Gesundheitswesen ist täglich Fasching

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Fasching

 

Wenn heute 3.2.2014) der KURIER in einem kurzen Artikel
Rezepte gegen Flucht der Ärzte fordert:
http://kurier.at/meinung/kommentare/innenpolitik/rezepte-gegen-flucht-der-aerzte-gefordert/54.013.746

und ein Leserkommentar forsch fordert

ich gehe soweit, dass ärzte, die nicht am land arbeiten wollen, überhaupt die approbation entzogen werden sollte, denn denen gehts eben NICHT um für die patienten da zu sein, das ist ja ortsunabhängig, sondern um alles andere.

Während letzte Woche bei einer Veranstaltung der Österr. ÄrztekammerPräsident Niedermoser die neue Ärzteausbildung damit verteidigt, dass

wir sie an die deutsche angepasst haben, damit den migrationswilligen österreichischen Kollegen keine Schwierigkeiten entstehen.

Ja, das ist dieser Ärztekammervertreter, der bereits vor drei Jahren im Zuge der tschechischen Ärztestreiks die dortigen Kollegen eingeladen hat in Österreich freie Arztstellen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516) einzunehmen!

Wenn man dann von deutschen Strategien gegen den Ärztemangel folgendes Lösungsszenario aus der IT-Ecke liest:

So könnte es bald deutschlandweit funktionieren: Zuhause haben Patienten mit Herzschwäche eine Waage, sowie ein EKG- und ein Blutdruckmessgerät. Täglich messen sie ihre Werte und leiten die Daten von ihrem Wohnort auf dem Land in Brandenburg an die Berliner Charité weiter. Von dort können Ärzte und Pfleger telefonisch eingreifen, in Absprache mit Ärzten vor Ort etwas an der Medikation ändern oder einen Notarzt losschicken.

http://www.news.de/gesundheit/855507166/strategien-gegen-aerztemangel-auf-dem-pruefstand/1/
Dann wissen wir, im Gesundheitssystem ist der Fasching am kommenden Aschermittwoch sicher nicht vorbei. Setzen wir uns unsere Pappnasen auf, trinken wir uns in Stimmung und hofen auf eine lange Gesundheit und ein akutes Ableben dann, wenn es am Schönsten ist.

Link: Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=103603

Written by medicus58

3. März 2014 at 07:15

Deshalb brennen noch wir und nicht die Paläste, pardon Unis.

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Krems 

Natürlich bestimmt, wie hier schon öfters festgestellt (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33160) die Position des Sprechenden seine Haltung zur Lage der medizinischen Universitäten.

Auch dass die Med-Unis eine beliebte Spielwiese von Provinzpolitikersind (http://wp.me/p1kfuX-l5) darf als sattsam bekannt vorausgesetzt zu werden.

Auch wie diese Inflationierung der Wissenschaft vom Plagiat über dieMeduni OÖ zu gesellschaftlichen Seilschaften führt, hat uns hier (http://wp.me/p1kfuX-A4) schon beschäftigt.

Auch wenn die Ärzteausbildung aktuell eine enorme Baustelle darstellt (Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ;Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15ahttp://wp.me/p1kfuX-IC) verwirklichen sich unsere Politiker auch so gerne mit neuen Medunis, weil wir dafür ohnehin nicht nur über die sehr hohe Steuerquote brennen (für nicht Wiener = bezahlen) sondern zusätzlich auch aus unserem Privatportemonnaie dazuzahlen.

An Erwin Prölls Prestigeobjekt, nein nicht die Eliteuni Guggingsondern die Landsteiner Privatuniversität in Krems werdenStudiengebühren von bis zu 14.000 Euro erwartet, wie der Standard berichtet (http://derstandard.at/1385169166321/Krems-Landsteiner-Privatuni-akkreditiert).

Wieso Lehrgänge in „Neurorehabilitationswissenschaften“, sowie „Psychotherapie- und Beratungswissenschaften“ laut Pröll die „Nahversorgung im Gesundheitswesen“ verbessern sollen, bleibt zwar unklar, klingt aber gut und hat in Linz ja auch funktioniert …

Klar winkt der Landesvater mit üppigen Stipendien für die Landeskinder, aber (siehe die zunehmende Finanzierungslücke der FastHochschulen =Fachhochschulen) wie das nach der „Anschubfinanzierung“ in einigen Jahren weitergeht, weiß man natürlich noch nicht.

Und wieder ein Schritt in Richtung eines medizinischen Jodeldiploms
(http://youtu.be/zNRSp9M3b0g), den wir uns zahlen müssen, damit die gesellschaftspolitische Schimäre einer zunehmenden akademischen Elite, die wir unserer Politik zu verdanken haben, aufrecht erhalten bleibt….
oder mit anderen Worten, keiner hinterfragt was man denn mit all den Qualifikationen, Doktorrollen und schönen Namenszusätzen denn anfangen werden.

Auf dem Klavier unserer Eitelkeiten lässt sich trefflich spielen.

Wir zahlen gerne zusätzlich für die hohlen Versprechungen der Politik, statt dass wir für die bereits zu leistenden Abgaben etwas fordern.

Deshalb brennen noch wir und nicht die Paläste, pardon Unis.

Written by medicus58

29. November 2013 at 07:28

Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a

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Stoeger WHO

Wenn Sie sich nach der deftigen Überschrift eine zum Schenkelklopfen motivierenede Polemik erwarten, liegen Sie falsch. Die Sache der politisch vorgeschriebenen Ärzteausbildung ist zwar viel zu ernst, um sie noch ernst zu nehmen zu können, bei ihren Konsequenzen sollten sich potentielle Patienten, also wir alle, eher gegenseitig auf die Schultern als auf die Schenkel klopfen.

Wie so ziemlich alles in Österreich, was sich Bundes- und Landespolitik gegenseitig auf’s Auge drücken, fand auch der Wunsch des Ministeriums nach einer Reform der Ärzteausbildung, die postpromotionell schließlich überwiegend in den Spitälern der Länder erfolgt, Eingang in die Vertragsverhandlungen im Zusammenhang mit Artikel 15a unserer Bundesverfassung:

Artikel 15a. (1) Bund und Länder können untereinander Vereinbarungen über Angelegenheiten ihres jeweiligen Wirkungsbereiches schließen. Der Abschluss solcher Vereinbarungen namens des Bundes obliegt je nach dem Gegenstand der Bundesregierung oder den Bundesministern. 

Kernstück der zu Papier gebrachten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ein angehender Arzt mit ius practicandi haben sollte, sind die Rasterzeugnisse, die (ich berichtetet darüber unter Die Uni brennt und im Spital raucht’s auch http://wp.me/p1kfuX-fK ) auf Wunsch der damaligen Verhandlungspartner, dem OÖ Ärztekammerpräsident Niedermoser (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516  und Frau Dr. Türk vom Bundesministerium für Gesundheit „modularisiert“ werden sollen. 
Im Klartext heißt dass, das nicht mehr jeder Arzt in seiner Ausbildung mehr oder weniger alle Teilbereiche der Medizin auch praktisch erlernen soll, sondern eben nur einige „Module“.

Kritikern, die hinterfragen, ob zukünftig jeder Arzt seinen Chirurgen vor Narkoseeinleitung um den Nachweis eines einschlägigen Moduls fragen sollte, hält man entgegen, dass die heutigen Medizincurricula der Medunis ohnehin schon breitest ausgebildete Dr. med. univs ausspucken.
Auch wenn weiterhin die Modalitäten des abschließenden Jahres (KPJ = klinisch praktisches Jahr; siehe auch: KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ) von jeder Uni etwas anders definiert wurden und mit den Krankenhausträgern die Gespräche noch nicht so richtig angefangen haben, im Sommer 2014 muss es los gehen.
Bis 2014 muss laut Bundesminister Stöger, egal ob es ihn und sein Ministerium dann noch geben wird, die Verordnung über die neuen Rasterzeugnisse fertig sein.
Ob parallele Vorstöße ärztliche Tätigkeiten auf die Pflege zu verschieben (siehe:
Was sich der Stöger hier wieder erlaubt hat … http://wp.me/p1kfuX-GM) damit im Zusammenhang steht, dass sich die Gesundheitspolitik doch nicht so ganz sicher ist, ob sie bald ausreichend und ausreichend ausgebildete Ärzte haben wird, wurde schon diskutiert.

Natürlich ist es immer ein schier unlösbares Problem festzulegen, was den wer in einem gefahrengeneigten Beruf können muss, ehe er auf die Menschheit losgelassen wird.
Jeder wird sich gerne von einem Arzt behandeln lassen, der das spezielle Problem schon mehrfach erfolgreich gelöst hat („Ich gehe zum Spezialisten“), andererseits mag sich dieser Vorteil bei Kollegen, die in ihren frühen 80ern noch ordinieren, irgendwan doch ins Gegenteil verwandelt haben …

Und jetzt zum heutigen Thema.

Patentlösung hat wohl keiner für den Spagat zwischen wünschenswerter und möglicher Breite und Tiefe ärztlicher Ausbildung, aber was mir so sauer aufstößt ist die immunisierende Schutzbehauptung der Protagonisten zwischen Ärztekammer und Ministerium, die scheinbar den steinigen, doch goldenen Weg aus dem Problem weist.
Wenn vor Ihrem geistigen Auge nun die kleine Dorothy im Zauberer von Oz die yellow-brick-road entlangtanzt, flankiert vom feigen Löwen, dem herzlosen Dosenmann und der hirnlosen Vogelscheuche, dann haben sie das Bild begriffen.

Als jeden Widerspruch eliminierend, hört man, egal ob man nach den Inhalten des KPJ, zukünftigen der common trunk Ausbildung aller Fächer oder der Basisausbildung in den einzelnen Fächern fragt immer:

Ausgebildet müssen die 15 wichtigsten Diagnosen nach WHO werden!

Das sitzt. Die Autorität der Weltgesundheitsorganisation zu hinterfragen, wo kommen wir da hin. Da hätte man ja auch Moses fragen können, ob Gott, er oder der Heilige Geist die 10 Gebote in den Felsen geritzt haben.

Also, folgt man nun diesem weisen Rat und dann hätte die letzte Ärztegeneration nach The Lancet, Vol 349, Issue 9064: 1498 – 1504 vom 24. Mai 1997 und nach den Erkenntnissen von Murray und Lopez die Behandlung folgender Krankheiten lernen sollen:

1. Koronare Herzerkrankung
2. Unipolare schwere Depression
3. Versorgung von Verkehrsunfällen
4. Hirndurchblutungsstörungen
5. chronische Atemwegserkrankungen
6. Infektion der tiefen Atemwege
7. Tuberkulose
8. Durchfallerkrankungen und
9. HIV

Der Analyse lagen Daten aus 47 Ländern zwischen 1950 und 1990 und Prognosen über die Lebenserwartung und die Anzahl der Jahre, die mit den Krankheiten verbracht werden (years of life lived with disability; YLDs) zugrunde.
Interessant, dass dort die Malaria NICHT erwähnt wird, aber immerhin die Tuberkulose, von der aber die WHO aktuell gerade jubelt, wie sehr sie weltweit im Rückzug ist (http://www.who.int/gho/tb/en/index.html)
Diabetes schien übrigens nicht so wichtig, obwohl er schließlich einen wesentlicher Trigger für die Krankheiten 1.) und 4.) und mit Einschränkungen auch von 5.), 6.) und 8.) darstellt. Ich wollte das nur als Beispiel bringen, wie problematisch so Rankings sind, auch wenn sie einem angesehen wissenschaftlichen Journal entnommen werden.

Aber schauen wir mal zur WHO und lassen die Infektionserkrankungen (Noncommunicable diseases (NCD) weg, da sich hier wohl größere Unterschiede zwischen armen und reichen Gesellschaften, Industrie- und Entwicklungsländern oder verschiedenen Klimazonen finden werden.
Ein wenig überraschend besteht für die Mortalität an NCDs, die 2008 für 63% aller weltweiten Todesfälle (http://www.who.int/gho/ncd/en/index.html) ursächlich waren, zwar Unterschiede zwischen den genannten Gruppen, die wichtigsten Erkrankungen sind aber hier wie dort:
1.) Koronare Herzerkrankung
2.) Schlaganfall
3.) Krebs
4.) chronische Atemwegserkrankung und
5.) (endlich) Diabetes

Aber wir sind ja in Österreich (
http://www.who.int/gho/mortality_burden_disease/global_burden_disease_death_estimates_sex_2008.xls) und da kommt die WHO für 2008 auf folgendes Ranking:

1.) Koronare Herzerkrankung
2.) Schlaganfall
3.) Verdauungsbeschwerden (Ulkus, Leberzirrhose, Blinddarm)
4.) Bluthochdruck und Herz
5.) Unfallverletzungen
6.) Dick- und Enddarmkrebs
7.) Chronisch obstruktive Atemwegserkrankung
8.) Brustkrebs
9.) Bauchspeicheldrüsenkrebs
10.) Entzündliche Herzerkrankungen
11.) Untere Atemwegserkrankungen
12.) Prostatakarzinom
13.) Lymphome
14.) Alzheimer
15.) Harnwegsinfekte

Auf den ersten Blick fällt auf, dass das zwar vermutlich die „wichtigsten“ Diagnosen sind, die uns Entlassungsbriefe und Totenscheine attestieren aber sicher nicht das Ranking der häufigsten Beschwerden, die ein Patient beim Erstbesuch seinem Arzt präsentiert. Es zeigt uns aber auch gleich die größte Fußangel eines solchen Ansatzes. 
Aus der Tatsache, dass sich ein Arzt mit diesen Enddiagnosen „auskennt“, geht noch nicht zwingend hervor, dass er von den ihm präsentierten Symptomen auch immer zu diesen Diagnosen findet.

Ich sehe förmlich schon das besserwissende Lächeln der Verantwortlichen. Dieses Lächeln hatten sie auch, als ich darauf hingewiesen habe, dass wir unsere Ärzte in Malaria- und Leishmaniasendiagnostik auszubilden hätten, wenn wir uns an die 15 wichtigsten Diagnosen der WHO halten würden. „Natürlich wolle man sich an die für Österreich relevanten halten“. Dieses Lächeln kommt vermutlich auch jetzt, da man natürlich nicht DIESE Liste der WHO meinte …

Egal, wenn Sie zukünftig Rückenschmerz plagt, gehen sie am besten gleich zum privat zu bezahlenden Osteopathen, irgendwann kommt auch der auf die ursächlich für die Schmerzen verantwortlichen Metastasen ihres Prostatakarzinoms.
Die eigenartig verfärbten Fußnägel können Sie als aufmerksamer Beobachter des Werbefernsehens gleich selbst als Fußpilz identifizieren. Sollte sich der „Ölfleck“ auf ihrem Nagel doch als Manifestation einer Schuppenflechte herausstellen, wird Ihnen das Ihr Hausarzt auch nicht sagen können, denn das Krankheitsbild suchte er im WHO Ranking vergeblich.
Nochmals, es gibt vermutlich keinen einzigen „richtigen“ Katalog an Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten für „den Arzt“, aber bei aller Hochachtung vor den Segnungen statistisch basierter Evidenz, der nächste Nobelpreis wird vermutlich für die Erkenntnis verliehen werden, dass man in manchen Szenarien wieder die Leute fragen sollte, die eine Tätigkeit auch noch selbst ausüben.

Written by medicus58

14. November 2013 at 19:17

KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung

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KPJ
Warum sich alljährlich tausende in teuren Paukerkursen aufgecoachte Maturanten um die abgezählten Studienplätze balgen ist mir ja nicht ganz nachvollziehbar, aber auf die die es geschafft haben warten neue Hürden.

Nein, hier ist nicht von den strengen Prüfungen die Rede, die sicher stellen sollen, dass das Jungvolk eine ungefähre Ahnung davon hat, wo den die Organe sitzen, die es einmal „heilen“ soll.

Ich rede davon, dass sich die Verschulung ihres Bildungsweges 
(als Gymnasiasten wussten sie oft auch nicht, nach welchen Regeln ihre Matuzra ablaufen würde) nahtlos ins Studium fortsetzt.

Im aktuellen Curriculum der Medizinunis schließt das Studium nun mit einem KPJ ab:

Im klinisch-praktischen Jahr (KPJ) sollen die Studierenden die in den vorangegangenen 5 Stu-dienjahren erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und ärztlichen Haltungen (professionelles Handeln) vertiefen und unter Anleitung die Befähigung zur postgraduellen Aus- und Weiter-bildung erwerben
.

Entsprechend der heute doch so gern betriebenen Auslagerung der Arbeit unter Beibehaltung der Oberaufsicht (Stichwort: Einscannen statt einwerfen der Banküberweisungen) findet das KPJ nicht an den Universitätskliniken statt, die hätten auch kaum ausreichendes Anschauungsmaterial, sondern soll in den Routinespitälern ablaufen.

Also zu den – insbesondere in Wien – bereits revoltierenden Turnusärzten, die sich als nicht ausreichend ausgebildet fühlen, kommen nun „fast fertige“ Medizinstudenten und erwarten ein Echtzeiterlebnis ihres späteren Berufes.

Woher die personellen und fachlichen Ressourcen kommen sollen, Lehre benötigt mehr als nur fachliche Kompetenz, ist unklar. Klar ist nur, dass der „Zauber“ nächsten Sommer beginnen soll, nur existieren bis heute keine Verträge mit den Spitaklserhaltern.

Egal, irgendwo und irgendwie werden es die Studenten schon schaffen ihre Tertiale („Innere Medizin“, „chirurgische und perioperative Fächer“ „Wahlfächer“) zu absolvieren. 
Dass das vielleicht nicht ganz so glatt geht, scheinen auch die Planer zu befürchten, wenn sie schreibenBei durchgehender Absolvierung der KPJ-Tertiale ist das KPJ Ende Juni / Anfang Juli im 6.Studienjahr abgeschlossen.

Wer aber glaubt, dass der weitere Ausbildungsweg unseres Ärztenachwuchs klarer wird, den muss man enttäuschen. 

Alle (BuMin, Ärztekammer, Medunis, ..) haben sich geeinigt, dass das bisherige Modell:
die meisten beginnen mit der Turnusausbildung zum praktischen Arzt, immer mehr „bleiben dann in einem Fach hängen“ und absolvieren dort die Ausbildung zum Facharzt
geändert werden müsste, nur über das wie herrscht schon seit Jahren Uneinigkeit.

Die neue Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, also die Grundlage für ein Primary Care Management, will heissen der aufgewertete Hausarzt als Drehscheibe, hängt in der Luft , da die Ärztekammer damit eine Transferzahlung an den niedergelassenen Bereich verknüpft, 
d.h. das BuMin soll für ein Jahr „Lehrpraxis“ zahlen, dieses will nur 6 Monate und das fakultativ, weil große Bundesländer zu Recht befürchten, dass die in die Lehrpraxis abgewanderten Jungärzte als Systemerhalter in ihren Spitälern fehlen.
Aber auch die Ausbildung zum Facharzt für den Rest der Medizin (also all die Fächer, die man bisher kannte: Innere, Chirurgie, HNO, …) hängt in der Luft, da Bundesministerium und Ärztekammer die Vorgaben für die neuen Curricula (hier Rasterzeugnisse, also die Auflistungen, was und in welcher Tiefe der Arzt kennen (Kenntnisse), gesehen (Erfahrungen) und auch wirklich tun (Fertigkeiten) können soll) dauern ändert.

Zusammenfassend müssen Medizinstudenten ihr letztes Studienjahr in einem KPJ absolvieren, dessen Durchführung ein Jahr vor Start völlig unklar ist, um dann als Dr. med. nicht zu wissen, wie sie ihre Berufsberechtigung erlangen sollen.

Irgendwie scheint sich das bei den Maturanten noch nicht herumgesprochen zu haben, wenn sich heuer erneut 8.360 Kandidaten um  1.500 Studienplätze bemüht haben. Vielleicht aber doch, weil schließlich 2.300 angemeldete Kandidaten gar nicht erschienen sind.

Written by medicus58

20. September 2013 at 07:49

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