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FAQ Corona, alles klar?

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Eigentlich reizte es ja statt FreqentlyAskedQuestions ein anderes F-Wort an den Beginn dieser Überlegungen zu stellen, denn ehrlich, kennen Sie sich noch aus in dem Stakkato an Gesetzen, Verordnungen, Erlässen und Empfehlungen mit dem uns unsere Regierung (von regere = führen) angeblich durch die Pandemie führt ?

Über die unklaren, z.T. unrichtigen und nur ungenügend wissenschaftlich zugänglichen Basisdaten dieser Epidemie, haben nicht nur ich schon mehrfach geklagt.

Über die Unklarheiten u.a. im Tourismus klagen schon viele Branchen, die gestern plötzlich verhängten Landeverbote für einige Fluglinien aus europäischen Ländern, nachdem die Hinflüge noch vor zwei Wochen erlaubt waren, werden wohl noch ein Nachspiel haben.

Wie schludrig und missverständlich das Gesundheitsministerium informiert zeigt (als pars pro toto) diese Empfehlung auf der Homepage von Anschobers Truppe: Empfehlung zur Entlassung von COVID-19-Fällen aus der Absonderung statt gleich das Original des deutschen Robert Koch Institutes zu verlinken, hat man (Stand: 09.07.2020; basierend auf Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts) drei Tage nach Erscheinen der deutschen Empfehlung auch eine in österreichischer Übersetzung mit eigenem Logo und Pomp ins Netz gestellt und referenziert hier in den Handlungsanweisungen mehrfach auf eine Ct-Wert. Erklärt wird dieser wert aber nirgends in dieser Empfehlung.

Googelt man hilflos nach cT-Wert, klärt einen Wikipedia zwar auf:

Der Ct-Wert, abgekürzt für engl. threshold cycle ist eine theoretische Größe, die den Anfang des exponentiellen Wachstums einer Kurve beschreibt.
und stellt die Verbindung zur  Real Time Quantitative PCR her, aber ich darf bezweifeln, dass die semiquantitative und quantitative Auswertung der PCR selbst in breiten Teilen der Ärzteschaft bekannt ist…

Die Falldefinitionen zwischen Gesundheits- und Innenministerium passten nicht immer zu denen der Krankenanstalten oder der AGES.

Während zu beginn der Pandemie die Maskenpflicht in den Supermärkten egal war, wurde sie dann (mit gewisser Berechtigung) verordnet, dann (ohne wirklicher Evidenz) wieder abgeschafft und soll nun auf Wunsch der SPÖ Vorsitzenden wieder eingeführt werden.

Während wir im ORF mit wohligen Schauer jeden Tag die Infektionszahlen aus den Länder verhaltensauffälliger Präsidenten bekopfschütteln dürfen und uns als Coronaweltmasta (Ö3 Originalton Prof. Wenisch) wähnen, erlaube ich mir folgende Annahmen:

Die erste Coronawelle war in Österreich noch gar nicht da (fast unerklärlich wenig schwer Kranke, keine Überlastung des Gesundheitssystems; hoffen wir, dass wir von ihr verschont werden).

Trotzdem haben wir bereits ein undurchsichtiges Chaos an missverständlichen, widersprüchlichen und zunehmend von Gerichten aufgehobenen Anzeigen, laufend wechselnden Erlässen, Empfehlungen, die als Anordnungen verkauft werden, eine Politik durch Drohungen statt mittels Recht.

Und einen Bundeskanzler der konsequenzlos sein Ego in einem Bad in einer gedrängten Menge nimmt, die nachträglich als, offenbar Inzucht-bedingt, als Familienverband aufgefasst wird.

Jetzt erheben Polizisten Gesundheitsdaten und das Bundesheer, dass seine Flieger nicht mehr hoch kriegt, hilft wieder an der Grenze.

Auch wenn man die ersten Hüftschüsse mit dem Zeitmangel in der Krise rechtfertigen wollte, fünf Monate nach Beginn des Problems könnte man vielleicht langsam eine andere Vorgangsweise erwarten.
Wenn nun dieses Chaos (Covid-19 verampelt) auch noch regionalisiert wird, kann man der pandemischen Zukunft nur mit größter Unruhe entgegensehen.

Aber zumindest wissen Sie nun, was der Ct-Wert ist ….

Written by medicus58

15. Juli 2020 at 15:52

Der Covid-19 Elfer: Ernsthaft Pam?

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Treue Leser wissen, dass ich mich vor der NRW19 als Wähler Rendi-Wagners (Nach Jahrzehnten doch wieder SPÖ?) geoutet habe. Das war einer der Gründe, weshalb ich gestern Puls 24 eingeschaltet habe.

Schaltet heute ein! Wenn unsere Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner gemeinsam mit Rudolf Anschober um 20:15 Uhr im Puls24 Newsroom zu Gast ist. stand da auf der FB Seite PRW zu lesen, die ich heute zum ersten Mal besuchte und bisher 51 Usern einen Kommentar wert war. Meinen Kommentar lesen Sie hier, auch wenn ich mich wohl damit der Kritik der Besserwisserei aussetze, nur bedenken Sie, Kollegin Rendi-Wagner ist im Gegensatz zu mir FÄ für genau das, was uns in der jetzigen Pandemie um die Ohren schlug.

Gleich auf die erste Frage, was sie denn genauso und was sie denn besser gemacht hätte als Gesundheitsministerin kam nach einer Belobigung der guten Arbeit des Gesundheitsministers (eh, OK) nur eine Kritik an den verfassungsrechtlichen Hoppalas des Bundesmaturanten.

Gut, Anschober macht vor dem Hintergrund einer PR-getriebenen türkisen Kampftruppe eine erfreulich unaufgeregte Figur und man kann ihm bei seiner bekannten Vorgeschichte (Ein (aus)gebrannter Gesundheitsminister?) nur bewundern, wie er seinen Job macht, aber mir kämen da schon ein paar Ideen, was am Krisenmanagment dieser Regierung zu kritisieren wäre. Und wenn Rendi-Wagner diesen Elfer verschießt, dann wird sie den Ball in anderen Standardsituationen, die weiter von ihrer beruflichen Qualifikation entfernt angesiedelt sind, auch den Ball nur ins Out befördern:

Die Regierung stellt Selbstmarketing in den Vordergrund:

Gutes Krisenmanagement wählt einen politisch unabhängigen Sprecher, der das erklärt, was die Verantwortungsträger entscheiden. Täglich mehrere TV-Auftritte der Regierungsmitglieder dienen nur der eigenen Eitelkeit. Außerdem würde bei der Dauerpräsenz der Regierungsmitglieder in den Medien nicht die Frage aufkommen, ob die noch was anderes tun, als sich um Mikrofonen zu streiten.

Die aktuell von den NEOS aufgedeckten Finanzströme zwischen türkisen und grünen PR-Agenturen und den Kurz’schen Freundeskreis (Wer hinter der Corona-Kampagne des Roten Kreuzes steht) verstärken den Eindruck, dass da viele mehr mitverdienen als arbeiten wollen.

Allein die Präsentation der SORA-Studie zeigte das Problem. Kurz leakte das Ergebnis vorab, Bildungsminister präsentiert, der Gesundheitsminister ist ausgeschlossen.

Ein tägliches Stakkato von immer gravierenderen Einzelschritten in den totalen Shut down als von Anfang an ein klares Konzept:

Dass einer Infektionskrankheit, für die es keine Therapie gibt, nur durch die Reduktion von interpersonellen Kontakten beizukommen ist, war von Anfang an klar. Auch dass man zuerst situationsadäquat (nach Eintreffen neuer Informationen!!) nachbessern muss. Unprofessionell war aber initial den Eindruck zu erwecken, dass man nun eine Woche ein paar Einschränkungen verordnet, danach aber alle 24 Stunden neue Einschränkungen bis zum nahezu kompletten shut down zu verordnen, ohne abzuwarten, wie sich die Maßnahmen vom Vortag ausgewirkt haben. (Dass man immer erst nach ca 2 Wochen Effekte nachweisen kann, war jedem klar). Man hätte das Gesamtpaket an einem Tag verkünden müssen und nicht durch das scheibchenweise vor und zurück einerseits die Menschen zu verunsichern, andererseits sich selbst einige Stolpersteine (Ostererlass !) in den Weg zu legen.

Nichts verunsichert so sehr, wie Widersprüche:

Seit Beginn bekamen wir immer wieder widersprüchliche Zahlen auf dem Dashboard des Gesundheitsministeriums zu lesen und aktuell präsentieren Innenministerium und Gesundheitssystem unterschiedliche Zahlen über die Verstorbenen (Verwirrung um neue Toten-Zahlen: 393 vs. 338 Tote). Wer seine Entscheidungsgrundlagen nich im Griff hat, wird durch Computermodelle nicht gescheiter.

Der Shut down war zu radikal:

Mit dem shut down fast aller Geschäfte hat man innerhalb eines Monate 30-40% unseres Bundesbudgets „verbraten“, Geldmittel, die uns zukünftig auch im Gesundheitssystem fehlen werden.
Andererseits waren die freigeräumten Spitalskapazitäten auch im Bereich der kritischsten Ressource (Intensivbetten) stets unter 20% ausgelastet, während man für die Versorgung aller anderen Kranken einen weitgehend unbekannten Nachholbedarf, im schlimmsten Fall auch Nicht-COVID Tote produziert hat. Volles Verständnis dafür, dass man das nicht auf den Zehntel Prozentpunkt steuern kann, aber mir scheint, die Regierung hat sich da entweder von ihren eigenen Exponentialkurven schockieren lassen, oder, was mir wahrscheinlicher scheint, wollte primär den starken Mann (Trennscheibe zum Durchschneiden der Infektionsketten) spielen.

Die Auferstehungs-Normalität ist unkoordiniert und zum Teil absurd:

Niemand möchte den Teufel an die Wand malen, aber die Sterblichkeit an SARS CoV2 ist mind. 3x höher als bei Influenza (ungeachtet der unterschiedlichen Altersgipfel und Risikogruppen) und bei einer offenkundigen Durchseuchung von unter 1% ist zu erwarten, dass die meisten an dieser Erkrankung noch nicht erkrankt bzw. verstorben sind. Überspitzt, wir haben die erste Welle noch nicht gesehen, auch wenn die meisten von uns diese überleben werden.

Wir werden ein gewisses Distanz halten beibehalten müssen, aber ob die Geschäfte über oder unter 400 Quadratmeter haben, Bohrmaschinen oder Unterhosen verkaufen, ist belanglos.

Wenn gestern Sportminister Kogler als Zeichen des Aufbruchs Sportarten wie Segelfliegen, Reiten, Formel 1 und die Öffnung der Schießstände verkündet, klarerweise (siehe ersten Punkt) gemeinsam mit türkisem Aufpasser Nehammer, ist dies aus mehreren Gründen absurd, nicht zuletzt weil es sich hier um gefahren geneigte Sportarten handelt, die gar nicht so selten zu Verletzungen führen, ein Spitalsbett blockieren, das noch für COVID-19 freigehalten wird.
Koglers Empfehlungen, dass beim Tennis jeder nur mit seinem eigenen Bällen spielen soll und den Ball des Gegners nicht angreifen soll, schrammt ja schon fast am Kabarett vorbei. Wenn ich davon ausgehe, dass der Ball voller Viren ist, dann brauche ich den nicht angreifen, allein die Aerosolbildung nach einem Schlag auf den mit bis max 200 km/h daher kommenden Ball wäre vermutlich gefährlicher als das Kitzloch am Höhepunkt des Apres Ski.

Der Mythus der Impfung wird völlig unreflektiert aufrecht erhalten:

Gegen die längst vergessene Schweinegrippe wurde schlussendlich ein Impfstoff entwickelt, der in den Folgejahren unter schwere Kritik kam (GlaxoSmithKline Hersteller von Schweinegrippe-Impfstoff ignorierte Risiken). Auch ist bekannt dass COVID-19 vor allem bei älteren Menschen kritisch verläuft, aber gerade ältere Menschen eine schlechtere Impfantwort haben.
Und beim nächsten Schnupfen überlegen Sie mal, seit wann es ein wirkungsvolles Medikament gegen Schnupfen gibt und wie teuer ein wirkungsvolles Hepatitis C Medikament (Sofosbuvir) ist, aber OK, das war polemisch und vielleicht haben wir Glück und es läuft wie bei HIV, CMV, Influenza A oder Hepatitis B.

Ein paar dieser, oder ganz andere Aussagen hätte ich mir von einer Fachärztin für Hygiene und Tropenmedizin erwartet, Rendi-Wagner schoss den Ball (politisch) aber wieder ins eigene Tor, Schade.

Nackt sind sie, die Schreibtischtäter in den Thinktanks des Gesundheitsministeriums

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Für die Uneingeweihten: Das Gesundheitsministerien hat seit vielen Jahren Thinktanks geschaffen, die uns seit Jahren erklären, wie Medizin zu gehen hat.

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) ist eine Gesellschaft im Eigentum der Republik Österreich (Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz und das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus). Die Gesellschaft wurde im Jahr 2002 aufgrund des Gesundheits- und Ernährungssicherheitsgesetzes (BGBl. I Nr. 63/2002)[3] errichtet. Ihre Aufgaben liegen in den Bereichen Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit, Gesundheit von Menschen und Tieren, Arzneimittelaufsicht und Strahlenschutz.

Bei einer Pressekonferenz präsentierten Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Humanmedizin der AGES und Gesundheitsminister Anschober eine Studie der AGES, die angeblich zeigte, dass eine SARS-Cov2-Infizierte bereits am 5.2. die Krankheit aus der Schweiz in das unschuldige Ischgl gebracht hätte. Am Nachmittag ruderte man schon zurück:
„Hier dürfte bei Eingabe in oder Übernahme aus dem EMS-System ein Eingabefehler passiert sein, es bleibt in diesem Fall beim Datum 5.3.“, so das Ministerium. Anschober: ”Ich habe die Autoren der Dokumentation beauftragt, den Hintergrund dieses Fehlers lückenlos aufzuklären.

Nachdem ganz Tirol sich auf die Schultern klopfte, vermeldete die Ages aber dass ihren Daten zufolge die erste Erkrankung sehr wohl bereits im Februar auftrat – und zwar am 8.2. bei einer dritten Person, einer Tirolerin.

Auf der Homepage des Ministeriums kam es auch am Donnerstag zu einem plötzlichen Sprung bei der Gesamtzahl der durchgeführten Tests von rund 60.000 auf 90.000 binnen eines Tages.

Schon 1973 wurde das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) gegründet, dass 2006 in der Gesundheit Österreich GmbH aufgegangen ist, eine Gruppe von Thinktanks, die seit Jahren der am Tropf der politischen Aufträge hängt und uns seit Jahren erklärt, dass wir zu viele Spitalsbetten, Intensivbetten und viel zu viele stationäre Leistungen haben und das in seinen ÖSG gießt (Reformierer im Gesundheitswesen: Wir haben’s begriffen, aber verarschen könnt’s euch selber).

Heute stellt Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH seine Prognose vor, dass zwar bis Freitag kommender Woche von aktuell 11.000 auf rund 14.000 wachsen wird, davon 800 bis 1.200 hospitalisiert werden müssen, aber „unter 300“ Personen, die intensivmedizinische Behandlung benötigen werden. Gesundheitsminister Anschober folgt auch hier „seinen Experten“ und wähnt sich „kommenden Woche auf der relativ sicheren Seite“.

Ich würde ja gerne falsifiziert werden aber auch ohne komplexe Prognosemodelle (Coronavirus: Künstliche Intelligenz vs. Menschenverstand) halte ich diese Prognose für sehr gewagt.

Warum?

Erstens wissen wir, dass Intensiv-pflichtige COVID-19 Patienten im Schnitt drei Wochen auf der Intensivstation verbringen, d.h. viele Patienten, so sie nicht versterben, die in den letzten zwei Wochen aufgenommen wurden, werden mit großer Wahrscheinlichkeit noch kommenden Freitag dort liegen.

Am 28.3. hatten wir 135 Intensivpatienten, aktuell (4.3.) haben wir 245, also um 110 Intensivpatienten mehr.
Glauben Sie, dass wir in den nächsten 7 Tagen nur noch 54 zusätzlich Intensivpatienten bekommen?

Schießen wir etwas über diese Zahl hinaus, wäre das angesichts der vorhanden Kapazitäten auch noch kein Armageddon, nur kommt es da sehr darauf an, wie die Patienten über ganz Österreich verteilt werden.

Wir wissen ja noch immer nicht, wie das alles berechnet wird, aber das sind offenbar die Prognosedaten:


Wir werden uns hier in einer Woche wieder sehen. Bis dahin empfehle ich die Lektüre COVID19 – Testen, Testen, Testen heißt Daten, Daten, Daten! und würde die dortige Conclusio: die Regierung, die offenbar planlos agiert, macht mir Angst! um die angeblichen Experten, mit denen sich das Gesundheitsministerium umgeben hat, erweitern.

Written by medicus58

2. April 2020 at 23:47

Primär werden alle anderen versorgt, kaum jedoch die Patienten

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Man mag fast staunen über die Schlagzahl unseres neuen Gesundheitsministers.
Kaum hat das Tükisch-Grüne Gesundheit: Programm oder Übereinkommen die Primärversorgungszentren, den Feuchttraum der heutigen Gesundheitsökonomie, erneut in sein Lösungskonzept aufgenommen, tut sich schon was:
Anschober schloss Kredite für Primärversorgungszentren ab

Treue Leser wissen, dass ich in den propagierten Primärversorgungszentren reine Augenauswischerei sehe (Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber) und die jetzige mediale Berichterstattung z.B. im Ö1 Journal ändert an meiner Sicht wenig:

Statt überfüllter Spitalsambulanzen Gruppenpraxen nahe am Wohnort mit großem medizinischen Angebot und langen Öffnungszeiten.

Zur Hausärztin oder Hausarzt und dann gleich zum Physiotherapeuten, zur Wundversorgung beim Krankenpfleger, zur Kinderärztin oder zur Ernährungsberaterin – und das von früh bis spät weil mehrere Ärzte zusammenarbeiten.

Um dieses Schlaraffenland medizinischer Rundumversorgung jetzt zu verwirklichen, hat Anschober mit der Europäischen Investitionsbank eine Kreditrahmen von 360 Millionen Euronen vereinbart um gleich mal 75 solcher Einheiten bis zu 2021 zu den aktuell 17 bestehenden aus dem Boden zu stampfen. Entweder hat Anschober diesen Coup gleich in seinen ersten zwei Wochen Amtszeit ausverhandelt (……) oder er setzt wie so viele andere grüne Minister nur seine Unterschrift unter ein von Türkis-Blau früher ausverhandeltes Projekt, aber davon soll jvorerst gar nicht die Rede sein. In Irland hat das ja eh supi funktioniert … weil Irland für sein Gesundheits- und Sozialsystem berühmt ist, oder?

Mal ausrechnen was 40h Vollzeitäquivalent von Ärzten gerechnet auf 12h Öffnungszeiten auch aum WE plus, Physiko, Schwester, Diätberaterin und was weiß ich wer noch so im Jahr kosten und diese Ansschubfinanzierung entpuppt sich als reiner Blödsinn. Wenn man das Geld in die bisherigen Tarife gesteckt hätte, hätte man auch längere Öffnungszeiten und weniger ärztliche Nebenbeschäftigungen …, nur das will man ja gar nicht.

Es überrascht nur auf den ersten Blick, weshalb da die EIB angezapft wird, deren Aufgabe seit 1958 eigentlich wäre „zu einer ausgewogenen und reibungslosen Entwicklung des Binnenmarktes im Interesse der Union beizutragen“ (Art. 309 Abs. 1 AEUV). Was das mit der chronischen Demontage der extramuralen Gesundheitsversorgung in Österreich zu tun hat, un ob denen dort plötzlich die Zusammenarbeit von österreichischen Jungärzten ein primäres Anliegen ist, mag doch hinterfragt werden.

Andererseits stemmt das die EIB ja nicht allein, die übrigens grad 5% Eigenmittel aus den Steuergeldern der EU hat, da freuen sich nun auch in Zeiten der 0%-Zinspolitik der EZB die Erste Bank und Ärzte- und Apothekerbank am geförderten Kreditgeschäft im österreichischen Gesundheitssystem. Gratisgeld von der EZB und Kreditzinsen von Jungärzten …
Zufälligerweise haben beide Konsortien sehr enge Beziehungen zur ÖVP, schließlich gehört die finanziell nicht gerade starke Ärzte- und Apothekerbank zur finanziell nicht gerade starken Volksbankgruppe, die jetzt auch ihre Wurzeln tief im schwarzen Wurzelwerk dieser Republik hat. Das alles berichten die Medien natürlich nicht, wird aber klar, wenn man die Jubel-OTS („Volksbank ist Teil der Finanzierungskooperation für die Primärversorgung„) der Volksbank liest.

Ja, und auf der Homepage der Ärzte- und Apothekerbank liest man dann, dass die bereits ab Dezember 2018 daran gearbeitet hat, mit der EIB ein Finanzierungsmodell für Primärversorgungseinheiten zu entwickeln. (Link) Da war Anschober noch in OÖ mit der Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ beschäftigt.

Was da als Leuchturmprojekt („ein guter Tag für die Gesundheitsversorgung in Österreich“ O-Ton Anschober) daherkommt ist Teil eines großen Kurz-sichtigen Projektes nach dem Pensionssystem auch das Gesundheitssystem für den Kapitalmarkt zu öffnen. So naiv kann Anschober nicht sein, aber was ist er dann?

Links:  
Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk
WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super

Volksbanken, die Banken des Volkes oder ANNA, DIE BANK HAMMA

Written by medicus58

26. Januar 2020 at 18:15

Ein (aus)gebrannter Gesundheitsminister?

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Soll man sich als „Alter“ darüber freuen, wenn Urgesteine erneut ins Rollen gebracht werden und Silberrücken die Sache schultern müssen, die Küsserkönige versemmelt haben?

Volksschullehrer, Journalist und Berufspolitiker Rudolf Anschober wird neuer Gesundheitsminister. Als Person ist Anschober integer und soll auch nicht kritisiert werden, meine schon früher geäußerten Bedenken (Sehe Schwarz für das Gesundheitssystem unter Türkis Grün) sind dadurch jedoch nicht zerstreut. Bei all seinen bisherigen Meriten (Verkehrs-, Sicherheits- und Atomsprecher im Nationalrat, Schutzpatron der Asyl-Lehrlinge, Energierevolutionär) hat er auch genug Erfahrungen als ÖVP-Beiwagerl unter Pühringer und Stelzer.

Mit Gesundheitsfragen hatte er bislang eher in eigener Sache zu tun (Zitat Standard): Als gewissenhafter Vielarbeiter zog sich Anschober, der mit einer Journalistin zusammenlebt, im Herbst 2012 ein Burn-out zu, mittlerweile sorgt er als passionierter Läufer und Spaziergänger aber für genug Ausgleich. 

Auch auf seiner privaten Homepage spielen Gesundheitsfragen keine Rolle.

Man kann also davon ausgehen, dass, sollte er überhaupt was weiterbringen, seine Schwerpunkte im Bereich Soziales setzen wird und uns die rauchenden Ruinen, die Hartinger-Klein hinterlassen hat erhalten bleiben:

Undurchsichtige Finanzierungsströme
Überproportionaler Arbeitgebereinfluss in den Sozialversicherungen
Kollaps der extramuralen Versorgung (unbesetzte Kassenstellen)
Versorgungszentren als Nebelgranaten
Überlastung des intramuralen Bereiches
Schleichende Privatisierung
Altenpflege
Fachkräftemangel, …

Ausbrennen kann nur wer einmal für eine Sache gebrannt hat. Wünschen wir uns einen Gesundheitsminister, der in den rauchenden Ruinen seines Ressorts nicht endgültig verkohlt.

Written by medicus58

2. Januar 2020 at 17:45

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