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Primär werden alle anderen versorgt, kaum jedoch die Patienten

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Man mag fast staunen über die Schlagzahl unseres neuen Gesundheitsministers.
Kaum hat das Tükisch-Grüne Gesundheit: Programm oder Übereinkommen die Primärversorgungszentren, den Feuchttraum der heutigen Gesundheitsökonomie, erneut in sein Lösungskonzept aufgenommen, tut sich schon was:
Anschober schloss Kredite für Primärversorgungszentren ab

Treue Leser wissen, dass ich in den propagierten Primärversorgungszentren reine Augenauswischerei sehe (Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber) und die jetzige mediale Berichterstattung z.B. im Ö1 Journal ändert an meiner Sicht wenig:

Statt überfüllter Spitalsambulanzen Gruppenpraxen nahe am Wohnort mit großem medizinischen Angebot und langen Öffnungszeiten.

Zur Hausärztin oder Hausarzt und dann gleich zum Physiotherapeuten, zur Wundversorgung beim Krankenpfleger, zur Kinderärztin oder zur Ernährungsberaterin – und das von früh bis spät weil mehrere Ärzte zusammenarbeiten.

Um dieses Schlaraffenland medizinischer Rundumversorgung jetzt zu verwirklichen, hat Anschober mit der Europäischen Investitionsbank eine Kreditrahmen von 360 Millionen Euronen vereinbart um gleich mal 75 solcher Einheiten bis zu 2021 zu den aktuell 17 bestehenden aus dem Boden zu stampfen. Entweder hat Anschober diesen Coup gleich in seinen ersten zwei Wochen Amtszeit ausverhandelt (……) oder er setzt wie so viele andere grüne Minister nur seine Unterschrift unter ein von Türkis-Blau früher ausverhandeltes Projekt, aber davon soll jvorerst gar nicht die Rede sein. In Irland hat das ja eh supi funktioniert … weil Irland für sein Gesundheits- und Sozialsystem berühmt ist, oder?

Mal ausrechnen was 40h Vollzeitäquivalent von Ärzten gerechnet auf 12h Öffnungszeiten auch aum WE plus, Physiko, Schwester, Diätberaterin und was weiß ich wer noch so im Jahr kosten und diese Ansschubfinanzierung entpuppt sich als reiner Blödsinn. Wenn man das Geld in die bisherigen Tarife gesteckt hätte, hätte man auch längere Öffnungszeiten und weniger ärztliche Nebenbeschäftigungen …, nur das will man ja gar nicht.

Es überrascht nur auf den ersten Blick, weshalb da die EIB angezapft wird, deren Aufgabe seit 1958 eigentlich wäre „zu einer ausgewogenen und reibungslosen Entwicklung des Binnenmarktes im Interesse der Union beizutragen“ (Art. 309 Abs. 1 AEUV). Was das mit der chronischen Demontage der extramuralen Gesundheitsversorgung in Österreich zu tun hat, un ob denen dort plötzlich die Zusammenarbeit von österreichischen Jungärzten ein primäres Anliegen ist, mag doch hinterfragt werden.

Andererseits stemmt das die EIB ja nicht allein, die übrigens grad 5% Eigenmittel aus den Steuergeldern der EU hat, da freuen sich nun auch in Zeiten der 0%-Zinspolitik der EZB die Erste Bank und Ärzte- und Apothekerbank am geförderten Kreditgeschäft im österreichischen Gesundheitssystem. Gratisgeld von der EZB und Kreditzinsen von Jungärzten …
Zufälligerweise haben beide Konsortien sehr enge Beziehungen zur ÖVP, schließlich gehört die finanziell nicht gerade starke Ärzte- und Apothekerbank zur finanziell nicht gerade starken Volksbankgruppe, die jetzt auch ihre Wurzeln tief im schwarzen Wurzelwerk dieser Republik hat. Das alles berichten die Medien natürlich nicht, wird aber klar, wenn man die Jubel-OTS („Volksbank ist Teil der Finanzierungskooperation für die Primärversorgung„) der Volksbank liest.

Ja, und auf der Homepage der Ärzte- und Apothekerbank liest man dann, dass die bereits ab Dezember 2018 daran gearbeitet hat, mit der EIB ein Finanzierungsmodell für Primärversorgungseinheiten zu entwickeln. (Link) Da war Anschober noch in OÖ mit der Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ beschäftigt.

Was da als Leuchturmprojekt („ein guter Tag für die Gesundheitsversorgung in Österreich“ O-Ton Anschober) daherkommt ist Teil eines großen Kurz-sichtigen Projektes nach dem Pensionssystem auch das Gesundheitssystem für den Kapitalmarkt zu öffnen. So naiv kann Anschober nicht sein, aber was ist er dann?

Links:  
Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk
WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super

Volksbanken, die Banken des Volkes oder ANNA, DIE BANK HAMMA

Written by medicus58

26. Januar 2020 at 18:15

Ein (aus)gebrannter Gesundheitsminister?

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Soll man sich als „Alter“ darüber freuen, wenn Urgesteine erneut ins Rollen gebracht werden und Silberrücken die Sache schultern müssen, die Küsserkönige versemmelt haben?

Volksschullehrer, Journalist und Berufspolitiker Rudolf Anschober wird neuer Gesundheitsminister. Als Person ist Anschober integer und soll auch nicht kritisiert werden, meine schon früher geäußerten Bedenken (Sehe Schwarz für das Gesundheitssystem unter Türkis Grün) sind dadurch jedoch nicht zerstreut. Bei all seinen bisherigen Meriten (Verkehrs-, Sicherheits- und Atomsprecher im Nationalrat, Schutzpatron der Asyl-Lehrlinge, Energierevolutionär) hat er auch genug Erfahrungen als ÖVP-Beiwagerl unter Pühringer und Stelzer.

Mit Gesundheitsfragen hatte er bislang eher in eigener Sache zu tun (Zitat Standard): Als gewissenhafter Vielarbeiter zog sich Anschober, der mit einer Journalistin zusammenlebt, im Herbst 2012 ein Burn-out zu, mittlerweile sorgt er als passionierter Läufer und Spaziergänger aber für genug Ausgleich. 

Auch auf seiner privaten Homepage spielen Gesundheitsfragen keine Rolle.

Man kann also davon ausgehen, dass, sollte er überhaupt was weiterbringen, seine Schwerpunkte im Bereich Soziales setzen wird und uns die rauchenden Ruinen, die Hartinger-Klein hinterlassen hat erhalten bleiben:

Undurchsichtige Finanzierungsströme
Überproportionaler Arbeitgebereinfluss in den Sozialversicherungen
Kollaps der extramuralen Versorgung (unbesetzte Kassenstellen)
Versorgungszentren als Nebelgranaten
Überlastung des intramuralen Bereiches
Schleichende Privatisierung
Altenpflege
Fachkräftemangel, …

Ausbrennen kann nur wer einmal für eine Sache gebrannt hat. Wünschen wir uns einen Gesundheitsminister, der in den rauchenden Ruinen seines Ressorts nicht endgültig verkohlt.

Written by medicus58

2. Januar 2020 at 17:45

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