Sprechstunde

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COVID-19: Müssen wir uns fürchten?

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Staatstragend meldet sich Bundespräsident heute in der ZIB zu Wort und spricht uns Mut zu: Wir müssen uns nicht fürchten.
Man kann annehmen, dass das eine vorsichtige Kritik an der tückisch-grünen Regierung darstellen sollte, die seit über zwei Monaten unverschämt Angst als Erziehungsmittel genutzt haben.

Nur waren sie nicht die einzigen Täter.

Die Rede wird zur Primetime vom ORF in die, nach Ende der Ausgangssperre, die nie eine war, nicht mehr so vollen Wohnzimmer geschickt. Streng auf Linie des Staatsoberhauptes legt man die guten Nachricht nach, dass auch in Spanien die die Erkrankungen abnehmen.

Aber ein guter Journalist weiß natürlich, dass nur bad news good news sind, so dass gleich die Warnung vor den zunehmenden Fällen in Russland on air geht. Ein Muster, dass wir auch schon seit Wochen und auch aus früheren Krisenberichterstattungen kennen:
Ja bei uns ist es eh noch supi, aber bei denen …
Alles formal ja richtig, nur geht der spin halt immer wieder in Richtung Leichenberge. Sage einer noch nur sex sells.

Der Screenshot oben zeigt die Google-Abfrage nach „Corona + Särge“ und man findet darunter Angst einflößenden Headlines angeblichen Qualitätsmedien:

Süddeutsche, FAZ, DW, Focus, Tagesschau, APA, Die Welt, Kleine Zeitung, Volksblatt, Der Standard, ORF, …

Der ORF Salzburg verbreitet die Information:
Särge sehr gefragt: Fabrik braucht mehr Tischler
Geschäftsführer Reinhard Moser sagt, es sei am 16. März losgegangen: „Da begann die Lawine. Am Wochenende zuvor wurden wir schon von vielen Seiten kontaktiert. Nahezu alle unsere Kunden haben sich gemeldet, waren nervös und haben Bestellungen aufgegeben.“

Am 16.3. hat es 3 (in Worten drei) Tote in ganz Österreich gegeben (vergleiche coronatracker.at) und 1.063 bekannte Fälle gegeben!

Mit Stand heute (3.5.) werden auf info.gesundheitsministerium.at für ganz Salzburg 34 bestätigte Todesfälle angegeben.

Verstehen Sie, wenn ich diese Form von Journalismus als verlogen empfinde und mich davor viel mehr fürchte als vor dem Virus.

Natürlich gibt hecheln da jede Menge Trittbrettfahrer mit. Am 20.4.2020 liest man auf einer mir bislang unbekannten Seite (Leadersnet by Opinion Leaders Network) :
Nachfrage nach Särgen erreicht ungeahnte Höhen
Sargfabrik Moser: „So viele Bestellungen gab es in den 63 Jahren Firmengeschichte noch nie“

Zu den Kunden des „Opionionleadersnetworks“ zählen u.a. die Bezirksblätter, Die Presse, Orf, OÖN, ÖBB, SN, SKY, ServisTV; W24, Verlagsgruppe News, Kurier, Allianz, BAWAKPSK, Bundesministerium für Finanzen, Hypo NÖ, UniCredit, Wirtschaftskammer NÖ, Wirtschaftskammer Wien, Wien Energie, Wiener Stadtwerke, … und MEDICLASS Privatmedizin für alle

Hier konnten Sie im März folgende Artikel lesen und ich würde jeden einzelnen auch in Kenntnis der späteren Entwicklungen so wieder schreiben:
1.3.2020: Hilfe, immer mehr Coronavirus Fälle
12.3.2020: Coronavirus: Künstliche Intelligenz vs. Menschenverstand 13.3.2020: Covid 19: Möge die Kur nicht schlimmer als die Krankheit werden
18.3.2020: Das Coronavirus ist nicht unser einziger Gegner
19.3.2020: „Die Leute begreifen das nicht“: Eigenverantwortung, Schockieren oder Entmündigung
20.3.2020: Mundmasken für die Regierung gefordert
22.3.2020: Überleben Sie Covid-19: Was Ihnen die Virologen vergessen zu sagen
22.3.2020: Fail? : Schützen wir wirklich die Alten, schützen wir die Spitäler? 25.3.2020: COVID -19: Was hilft werden wir zu spät wissen, was schadet sehen wir gleich
26.3.2020: Dashboard: Zur Covid-19 Pandemie haben wir auch seit Jahren eine Epidemie der Gesundheitsdaten
27.3.2020: Monothematisches Denken in der Krise gefährdet auch das Gesundheitssystem
28.3.2020: Zwei Beobachtungen zur aktuellen Covid-19 Situation
29.3.2020: Die lügen doch alle die Chinesen
30.3.2020: Supermarkt statt Superkrankenhaus
31.3.2020: Nachdem wir das Ziel endgültig aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen oder die Amulette in Zeiten von Covid-19


Written by medicus58

3. Mai 2020 at 20:40

Grexit, Spexit? Let’s Call the whole thing off? EUBRENNT

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schrieb EDWARD HUGH am 31. May 2012 (http://www.foreignpolicy.com/articles/2012/05/31/grexit_spexit_let_s_call_the_whole_thing_off)
und setzte mit hellseherischen Fähigkeiten fort:
Despite the many voices now recommending a „Spexit,“ few are really knowledgeable about daily life here in Spain,
and even fewer are actually to be found inside the country.
Seither ist in Europa einiges passiert und der Wille zur gegenseitigen Finanzhilfe, den Hugh den Europäern abgesprochen hat, manifestiert sich in immer schwindelerregenderen Haftungszusagen vom
EFSF (http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Finanzstabilisierungsfazilit%C3%A4t) zum
ESM (http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Stabilit%C3%A4tsmechanismus) und
zum WTFE (http://www.all-acronyms.com/cat/9/WTFE/What_the_fuck_ever/1384058).

Lucid wir häufig wird im aktuellen DENKLAND Blog
(http://denkland.wordpress.com/2012/07/20/erneut-massenproteste-in-spanien-emporte-wollen-sich-selbst-retten/) darüber nachgedacht,
ob denn all die Empörten überhaupt so, indem den Banken ihre Spekulationsverluste ausgeglichen werden, gerettet werden wollen und
ob es denn nicht der bessere Weg wäre, so wie eben auch in Spanien versucht, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen

Jetzt geht es bei den seit längerer Zeit aufbrausenden Protesten in Spanien (http://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_in_Spanien_2011/2012) um sehr viel mehr als
„nur“ um Proteste gegen die Sparmaßnahmen im Zuge der Finanzkrise und ich bin sicher nicht der Richtige um dazu eine  tiefschürfende Analyse abgeben zu können.

Ich möchte hier nur einige Links zu Bildergalerien angeben, die vielleicht mehr als das was in unseren Medien so kommt, Einblicke geben, was um uns herum auf der Straße passiert.
Nicht, um gemütliches „Fremdgruseln“ am heimischen Flachbildschirm zu ermöglichen, sondern um – wie bei einem Brand im Nebenhaus, etwas mehr Bewußtsein zu wecken,
wie schnell ein lokales Feuer zum Flächenbrand werden kann, wenn man es verabsäumt die Ursachen zu bekämpfen: #EUBRENNT

http://www.publico.es/espana/439533/la-policia-disuelve-la-marcha-minera-a-golpe-de-porra/slideshow#0
http://www.guardian.co.uk/world/gallery/2012/jul/10/spanish-miners-protest-austerity-in-pictures
http://www.guardian.co.uk/world/gallery/2012/jul/11/spanish-miners-protest-madrid-pictures
http://news.yahoo.com/photos/violence-escalates-in-spain-miners-protest-slideshow/spain-protests-photo-1342036126.html
http://www.ilpost.it/2012/07/20/foto-manifestazioni-spagna-austerita/riot-policemen-patrol-a-street-after-a-d/
http://mariovalverde.wordpress.com/2012/07/20/19j-todos-a-la-calle/
http://fotograccion.org/wp/2012/07/fotos-manifestacion-19-julio-en-madrid/
http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/07/20/album/1342750383_435638.html#1342750383_435638_1342750978

Videosammlungen:

http://www.fau.org/artikel/art_120720-140208
http://youtu.be/mcCZhzpu9Dk
http://youtu.be/qhkAwpN2ap0

Written by medicus58

20. Juli 2012 at 07:45

Gesundheitsreform, ach ja

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Für die Österreicher ist eine Gesundheitsreform wichtiger, als eine Reform der Schulen, des Pensionssystems oder der öffentlichen Verwaltung, hat sich der Hauptverband der Sozialversicherungsträger per Studie bestätigen lassen. In einer GfK-Umfrage für den Hauptverband der Sozialversicherungsträger meinten 82 Prozent, dass Reformen in der Gesundheit notwendig seien (48 Prozent sehr und 34 Prozent eher). Dahinter folgen die Schule und die Pensionen, wo je 78 Prozent Reformen für nötig erachten, danach die Öffentliche Verwaltung mit 77 Prozent.
http://www.springermedizin.at/artikel/25657-oesterreicher-wollen-gesundheitsreform  

Wir wollen uns nun nicht damit befassen, weshalb sich der 
Hauptverband der Sozialversicherungsträger, die 1948 gesetzlich festgelegte Dachorganisation aller österreichischen Sozialversicherungen als gewichtigster Player in dem Spiel „Gesundheitssystem“ 
(http://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheitssystem_in_%C3%96sterreich) so eine Studie anschafft, sondern lesen weiter, wie es möglich sein kann, dass der Bürger auf die Reform eines der besten Gesundheitssysteme der Welt drängt.

Der ausgeprägte Wunsch nach einer Gesundheitsreform entspringt aber keinesfalls einer Unzufriedenheit mit dem System. Nicht weniger als 85 Prozent halten das Gesundheitssystem für eines der besten in Europa. Trotzdem wird aber auch Kritik daran geübt. Eine satte Mehrheit von 86 stuft Doppeluntersuchungen in die Kategorie „Kostentreiber“ und nicht unter „mehr Sicherheit für den Patienten“ ein. Und mehr als drei Viertel kritisieren fehlende interne Abstimmungen – 78 Prozent haben das Gefühl, dass die linke Hand nicht weiß, was die rechte im Gesundheitssystem tut. Mehr als 80 Prozent glauben, dass dadurch die Qualität der Behandlung leidet und unerwünschte Wechselwirkungen von Medikamenten ausgelöst werden. Und zwei Drittel (67 Prozent) halten dadurch sogar lebensbedrohende Situationen für Patienten für wahrscheinlich.

Verstehen Sie das?

Wir sind zufrieden mit einem System, dass uns in lebensbedrohliche Situationen bringen kann?

Nun mögen Sie einwenden,
dass das halt NUR EINE Studie wäre und
halt Studien EINMAL DIES UND EINMAL JENES erheben, je nach Fragestellung …

Stimmt ja nicht, der Tenor dieser Befragung entspricht nahezu allen anderen Veröffentlichungen der wesentlichen Spieler in diesem System:

BuMin Stöger/Prof. Peter Filzmaier vom Institut für Strategieanalysen (ISA) Juni 2010:
62 % sind sehr zufrieden, 27 % zumindest etwas zufrieden, 11 % weniger zufrieden, 1% gar nicht zufrieden.
https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/gesundheitsbarometer.html 

Im November 2009 fand ISA sogar: Rund 94 Prozent der Österreicher sind mit dem heimischen Gesundheitssystem zufrieden.
http://www.springermedizin.at/artikel/14755-umfrage-positives-zeugnis-fuer-gesundheitssystem  

Die meisten Studien stimmen also überein, dass
ohnehin alle höchst zufrieden sind,
man jedoch Verschlechterungen befürchtet, so dass man Heerscharen von Experten benötigt, (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31614) die
das System völlig reformieren,
damit die befürchteten Verschlechterungen nicht eintreten.

Verstehen Sie das? Ich nicht.

Oder, doch: 
Das ist doch das marxistische System der Permanenten Revolution (http://de.wikipedia.org/wiki/Permanente_Revolution), das sich so klammheimlich in den Spätkapitalismus gerettet hat.

Ein Großer Sprung nach vorne (http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Sprung_nach_vorn)  
im Österreichischen Gesundheitssystem
und zwar alle paar Jahre wieder.

Hier trifft die Kritische Ökonomie der Linken auf das Mantra der Neoliberalen, dass jeder Stillstand Rückschritt bedeutet.
Das biologische Konzept des Fließgleichgewichtes, wollen ja beide Seiten nicht wahrhaben (http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Flie%DFgleichgewicht.html). 

Also eigentlich gehört dieser Blog-Eintrag in die Rubrik „Renaissance der Aufklärung“ und nicht in die des „Gesundheitssystems“ …. aber

Nebbich
„Diese unwiderstehliche Ostentation von Pofel und Pleite, dieses maximum en effort zu einem minimum en effet, dieser volle Einsatz von Nebbich und Nichts, den ich als das Kennzeichen des Mausi-Typus dargestellt habe und den die undankbare Heimat mit einem »Gehst denn nicht!« ablehnt, zeigt ihn in der Rolle des geistig wie räumlich von mir distanzierten Weltbürgers, dem »Bekannte, die aus Wien kamen«, erst »erzählen« mußten, »der Fackel-Kraus« habe zwanzig Seiten über ihn geschrieben.“
[Gutenberg Wiktionary: Literaturliste: Karl Kraus: Grimassen – Aufsätze 1914-1925]

Solange die Player im Milliardenspiel „Gesundheitssystems“ nicht ihrer wahren Beweggründe überführt werden, wird es sie immer wieder geben, die Gesundheitsreformen,
ohne dass sich was ändert.

Wenn Sie sich den Pessimismus, weshalb es wieder einmal zu keiner Gesundheitsreform kommen wird, aus einer anderen politischen Weltanschauung erklären lassen wollen, verweise ich auf: http://www.rezeptblog.at/warum-es-keine-spitalsreform-geben-wirdkann-ein-text-zum-verstandnis/  

Erschreckenderweise ist das Ergebnis dasselbe, was im dialektischen Sinne schon fast an einen Wahrheitsbeweis grenzt.

Oder in meiner eigenen kleinen Denkwelt:
Wenn Sie irgendwo Widersprüchliches lesen (z.B. alle sind zufrieden aber man muss alles ändern), dann sollten Sie dahinter unausgesprochene Konflikte wittern.
Wenn Sie von verschiedenen Warten aus zu dem selben Ergebnis gelangen, dann kann es nicht gänzlich falsch sein ….

Weitere Links:
Die rezenteste Studie in der Interpretation des Hauptverbandes http://www.hauptverband.at/portal27/portal/hvbportal/channel_content/cmsWindow?p_pubid=652223&action=2&p_menuid=58215&p_tabid=1  
Und eine Stellungnahme zu einigen Punkten von Kollegen Wawrowsky, einem Purkersdorfer Internisten und Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120113_OTS0032/wawrowsky-zur-hauptverbands-befragung-ueber-zufriedenheit-mit-gesundheitssystem

Written by medicus58

14. Mai 2012 at 08:57

Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner …

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Nachdem wir uns in den letzten beiden Tagen schon ausführlich mit Gesundheitsökonomen und Spitalsprivatisierer DDr Köck und seinem Firmengeflecht beschäftigt haben, den die Stadt Wien nun zu Hilfe geholt hat, um in dem neu gegründeten „Aufsichtsgremium“ des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) all das zu verbessern, was er zwischen 1990 und 1995 als Leiter des Bereiches Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement mitzuverantworten hatte, wollen wir nun das Commitment des Vorsitzenden dieses Gemiums analysieren: 
Dkfm. Dr. Richard Bock

Als gelernter Buchprüfer, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer begann er seine Karriere im staats- und somit politiknahen Bereich:
1979 – 1983 ÖIAG Österreichische Industrieverwaltungsaktiengesellschaft
1983 – 1989 Vorstandssprecher GBI Gesellschaft des Bundes für
industriepolitische Maßnahmen (Sanierungsholding des Bundes)
1989 – 1990 Eigentümer der Gesellschaft für Revision und treuhändige Verwaltung mit Spezialisierung auf Banken und Unternehmen der verarbeitenden Industrie
1991 – ff Aufsichtsrat in verschiedenen österreichischen Industrieunternehmen und Banken Sanochemia Pharmazeutika AG
FIBEG (Land Niederösterreich Finanz- und Beteiligungsmanagement GmbH)
STATISTIK AUSTRIA, …etc.
http://www.sanochemia.at/fileadmin/sanochemia/files/Aufsichtsrat/CV_R_Bock.pdf

Soweit so gut.

Seit 1991 hat er sich bei Ernst & Young ganz hinauf gearbeitet und ist nun Chairman und Senior Partner von Ernst & Young Österreich und Mitglied der internationalen Konzernspitze.

Ernst & Young ist ein globales Netzwerk rechtlich selbstständiger und unabhängiger Unternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmens- bzw. Managementberatung. Die Gruppe beschäftigte im Jahr 2012 über 152.000 Mitarbeiter an 700 Standorten in 140 Ländern. Der Gesamtumsatz des weltweiten Netzwerks belief sich im Geschäftsjahr 2010/11 auf 22,9 Mrd. US-$. Gemeinsam mit Deloitte, KPMG und PricewaterhouseCoopers (PwC) gehört Ernst & Young zu den „Big Four“ der Branche. http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_%26_Young  

Erleuchtend, was z.B. in einer 
deutschen E&Y Analyse zur Krankenhauslandschaft so steht:

Überdurchschnittlich gut ist die Lage bei den Krankenhäusern privater Betreiber – hier
liegt der Anteil der positiven Bewertungen bei 74 Prozent. Dagegen klagen Kliniken in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft relativ häufig über Finanzprobleme: 37 Prozent von ihnen berichten von einer schlechten finanziellen Situation.

6. Ausblick: Marktkonsolidierung hält an
Die Wirtschaftskrise begünstigt eindeutig die privaten Klinikkonzerne. Deren Vorteile – die Finanzierung aus eigener Kraft und am Markt sowie die Geschwindigkeit der Entscheidungen – kommen gerade in dieser Phase voll zum Tragen. Das heißt, dass sich die bisherige Entwicklung mit großer Wahrscheinlichkeit noch beschleunigen wird:
Das Krankenhaussterben und der Vormarsch privater Anbieter werden sich fortsetzen und temporär noch an Intensität zunehmen.

http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/Krankenhauslandschaft_im_Umbruch_2010/$FILE/Krankenhauslandschaft%20im%20Umbruch%202010.pdf  
http://www.ey.com/DE/de/Newsroom/News-releases/2010_Wirtschaftskrise-beschleunigt-Krankenhaussterben 
 
Na da hat man ja nach dem Köck den „richtigen Bock“ zum Gärtner eines öffentlichen Spitalserhalters gemacht …

Auf der österreichischen Homepage von E&Y findet man einen deutschen Newsletter aus 2005, wo einerseits der in der oben angeführten Studie begonnene Abgesang auf die öffentliche Gesundheitsversorgung noch verstärkt wird:

Den meisten öffentlich-rechtlichen Einrichtungen droht das Aus
Weniger Staat – mehr Markt: stärkere finanzielle Beteiligung der Patienten
Krankenhäuser werden zu Gesundheits- und Wellness-Zentren

(wir erinnern uns an Köck: Privatgäste über 35, die im Beruf starkem Stress ausgesetzt sind und die sich bei uns in ein paar Tagen von Kopf bis Fuß durchchecken lassen wollen – in einem Fünf-Stern-Ambiente)

Andererseits der öffentlichen Hand „Risikomanagement bei Cross-Border-Leasingverträgen“ angeboten wird … wir erinnern uns noch an derartigen Sell-and-lease-back Wahnsinn (Wiener Straßenbahnen, Kanalnetz, … ) bei dem auch die Stadt Wien kräftig Geld verloren hat …

Wachstumsmarkt Gesundheit
Die Ausgaben für die gesundheitliche Versorgung ohne die Berücksichtigung der Ausgaben für Fitness, Wellness und Wohlbehagen werden bis zum Jahr 2020 von heute 234,2 Mrd. Euro auf ca. 500 Milliarden Euro wachsen. „Der Gesundheitsmarkt wird sich zu einem gigantischen Wachstumsmarkt entwickeln. Die Patienten werden zu Kunden, die für ihre erheblichen finanziellen Aufwendungen entsprechend hochqualitative Dienstleistungen erwarten“, so die Experten von Ernst & Young.
http://www.ps-ey.de/newsletter/download/publicservices_newsletter52.pdf  

Na da sollte man doch mitschneiden, empfiehlt Ihnen Ernst and Young!

Und den Chef der Österreich-Tochter macht Frau Gesundheitsstadträtin Wehsely zum Oberaufpasser im KAV für Ihr Spitalskonzept 2030.

Bock wurde im Machtranking der österr. Führungskräfte auf Platz 802 gesetzt:
Aktivität 
(Anzahl der Firmenbucheinträge): 4 (Nr.1 Ludwisch Scharinger Raiffeisen 28)
Infomacht
(Prozentsatz der Personen-Paare im Netzwerk des Firmenbuches, die er exklusiv verbindet) 0,052 (Scharinger 3,267)
Nähe 
(Anzahl der Kontakte zu Mächtigen über max. einen Vermittler 238 (Scharinger 1368)
Hierarchiesaldo 
(Anzahl der Personen auf die er Einfluss hat minus der Anzahl die auf ihn Einfluss haben) 27 (178)
http://www.uni-klu.ac.at/bfs/downloads/Industriemagazin.pdf 
 
Neben Bock sind auch „Topbankerin“ und WU-Vizerektorin Regina Prehofer und der gestern und vorgestern ausführlich behandelteGesundheitsökonom und Privatspitalinvestor Christian Köck (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53877 , http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53958) damit im KAV beauftragt “ die Zielerreichung zu fördern und Entwicklungen zu korrigieren“, erklärten Wehsely und Magistratsdirektor Dr. Erich Hechtner unisono am Freitag.
http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?id=19280  

Wie sehr diese Gesinnung schon in den Köpfen der Verantwortlichen ist erkennt man am im Bau befindlichen Krankenhaus Nord:

Auch wenn man vom ursprünglichen Plan 
(Das Krankenhaus Nord soll im Bezirk Floridsdorf privat finanziert und errichtet, aber vom Wiener Krankenanstaltenverbund betrieben werden. 2007: http://www.vienna.at/krankenhaus-nord-muss-warten/news-20070216-08090395
nach vielen „Bröseln“ und in den Sand gesetzten Geldern für unbrauchbare Konzepte und zu Bruch gegangener „Konsortien“ (zuletzt Porr / Vamed / Siemens) 2010 wieder abgegangen ist (http://diepresse.com/home/panorama/wien/555595/Spital-Nord_Wien-zieht-die-Notbremse ) obwohl sich noch 2008 die PORR per Aussendung über den Deal gefreut hat (http://www.strauss-partner.com/uploads/media/080222_Pressemeldung_KH_Nord_Realisierungsbeschluss.pdf ).

Die neoliberale Grundidee der Berater wie Bock’s Ernst & Young vom Auslagern, Teilprivatisieren, PPP, … oder wie der Schmonzes noch heißt, wirkt weiter!

Aktuell sucht der KAV sogar ein „Betreibermodell“ für die Aufzüge und Fahrtreppen im KH Nord: http://www.ausschreibung.at/news/2012-03/07/betreibermodell-aufzuege-und-fahrtreppen-fuer-das-krankenhaus-nord-in-wien-179501  

Ja wer solche Berater hat,
wer diese „Köcke“ und „Böcke“ zum Gärtner macht,
der ist auf dem richtigen Weg:

Das Krankenhaussterben und der Vormarsch privater Anbieter werden sich fortsetzen und temporär noch an Intensität zunehmen.
(aus der deutschen E&Y Analyse zur Krankenhauslandschaft)

PS: Sie können aber gerne beim Probeliegen in den zukünftigen Betten des KH Nord (http://boehmstefanie.meinblog.at/?blogId=52203) gleich einmal fragen, wer den der „Bettenbetreiber“ sein wird ….

Nach 100% ist es aus, das Kasperltheater

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Zum dräuenden Jahrestag des Super-GAUs im AKW Fukushima lud Armin Wolf erneut Kasperl und Krokodil ein, damit sich die PT Zuschauer erneut ergözen mögen, wie sich die beiden nicht einigen.

Das war auch @ArminWolf via Twitter im Vorfeld klar:
Wird eine interessante Fukushima-Debatte jetzt zwischen den Herren Kromp und Steinhauser. Sind sich praktisch in nichts einig.

Georg Steinhauser, eloquenter und telegener Radiochemiker am Atominstitut der TU in statu habilitandi (2008 FAME LAB http://www.youtube.com/watch?v=19Vxg2ZWAlg ) und naturgemäß an der Weiterentwicklung der Reaktortechnik interessiert, sonst hätte er ja am Reinhardseminar inskripiert.

Wolfgang Kromp (Institut für Sicherheits- und Risikoforschung der BoKu) und laut Zeit Online, der Prophet der Apokalypse, die Kassandra der Republik (Der graue Wolf im Heimatlook erklimmt das Podium. Das Trachtenband um den Hals ist sein Amulett gegen die Globalisierung). http://www.zeit.de/2011/13/A-Kromp)

Persönlich hatte ich, der die Nutzung dieser Technologie zur Energiegewinnung seit den 70er Jahre ablehnt aber versucht die Mitte zwischen Verharmlosung und Alarmismus zu finden, die zweifelhafte Ehre in den rufschädigenden Bannstrahl von Kromp zu kommen, weil ich ihm vorwarf, dass seine Argumentation (bewußt?) zu vage bleibt, bzw. er bei seinem Lieblingsthema, das er auch gestern wieder angesprochen hat, (völlig unbekannt was mit Radionukliden im Meer passiert), wissenschaftliche Fakten entweder nicht kennt oder negiert.

Nach der üblich-saftigen Einmoderierung 
„würden Sie Gemüse aus Fukushima essen“ 
wurden gestern in der ZIB2 wieder die üblichen Standpunkte eingenommen:

Steinhauser: „es ist ja gar nicht so viel passiert“
Kromp: „ein Großexperiment, von dem wir nicht wissen was da noch kommt“

Hat das den Auftrag des öffentlich rechtlichen Rundfunks erfüllt?

Ich bezweifle es, denn die uns allen von vielen Journalisten gestellte Frage „Ist das schlimm?“ lässt sich naturgemäß die Medien nur befriedigend beantworten, wenn man sich auf ein Ja oder Nein beschränkt,
was aber ohne vorheriger Festlegung des Messsystems aber methodisch angreifbar bleiben muss.

Jedem, der sich jenseits der Baumschule gebildet hat, wurden die Kant’schen Kernfragen:
Was kann ich wissen??
Was soll ich tun??
Was darf ich hoffen??
eingebleut.
Heute müsste der Alte vermutlich seinen Kanon um die Frage des
Wovor soll ich mich fremdfürchten??
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35227) ergänzen.

Öffentlich-rechtliche Information sollte meines Erachtens einmal die unbestreitbaren FAKTEN UND IHRE VERTRAUENSBEREICHE festmachen, wobei das Schwergewicht auf diesen Fakten zu ruhen hat, die auch für den hiesigen Medienkonsumenten entscheidungsrelevant sind.

Also konkret müsste man Armin Wolf antworten, dass jeder von uns jedes Gemüse auch aus der Sperrzone einmal essen könnte, ohne dass das sein sicherer Tod wäre, weil es für uns eine EINZELDOSIS wäre, das Problem aber im Dauerkonsum kontaminierter Nahrung der Anreiner liegt.

Theoretisch wird etwa 1 von etwa 1,6 Millionen Menschen, die eine Zigarette pro Jahr rauchen, genau an dieser Zigarette durch Lungenkrebs sterben, 
weil statistisch gesichert ist, dass unter 200 Menschen, die 8000 Zigaretten/Jahr rauchen einer pro Jahr daran sterben wird.

Ob aber diese LINEARE EXTRAPOLATION eiens gesicherten Risikos bei hoher Exposition auch bis gegen Null valide ist, kann keiner sagen.

ABER:

Es wäre zum Beispiel eine sinnvolle Anregung auf Basis der bekannt gewordenen Problemen der Informationsweitergabe (um es freundlich zu formulieren) zwischen Betreiber und Aufsichtsbehörde

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1576888/ZDFzoom:-Die-Fukushima-Lüge 

zu diskutieren, ob es gesellschaftspolitisch wünschenswert ist, dass Risikotechnologien im Bereich privater, zur Gewinnmaximierung ihrer Miteigentümer (share holder value) verpflichteter Firmen bleiben dürfen.

Dieses Problem liesse sich auch – und dann macht es Sinn und ist keine der üblichen Like/DisLike Schlachten – an Beispielen aus anderen Industrien abhandeln:

Bhopal/Union Carbide/Auslagerung in die Dritte Welt: http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Bhopal
Mexikanischer Golf/BP/Tiefseebohrung:
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lpest_im_Golf_von_Mexiko_2010
ÖMV/Weinviertel/Fracking: http://derstandard.at/1330390280448/Weinviertel-OMV-lenkt-ein-Vorerst-keine-Schiefergasfoerderung

Das aufgewärmte Gruseln, ob der japanische Butterfisch im Shushi oder der japanische Blattspinat uns im Munde stecken bleiben soll, schafft wenig Erkenntnis.

Das Kasperltheater der streitenden Experten bringt wenig, egal ob das Wasser halbvoll oder halbleer ist.

Ein Risikoforscher Kromp ist für mich nicht sehr überzeugend, wenn er (siehe die Arbeitsgebiete seiner Institutshomepage:  nahezu ausschliesslich mit dem atomaren Risiko befasst.
https://forschung.boku.ac.at/fis/suchen.orgeinheit_uebersicht?sprache_in=de&menue_id_in=201&id_in=H818

UND DOCH:

Ein fast nur gemurmelter Beitrag Kromps in seinem Rückzugsgefecht hat dann doch das wirklichee Problem angesprochen:

Wir können nicht 1 1/2 Welten für den Energiehunger der entwickelten Welt verbrauchen …..

Es gibt eine Möglichkeit, die Gefahren des Super GAUs auch ohne Übertreibung in eines der beiden Extreme zu diskutieren:

Ist ist ziemlich egal, ob die residuale Strahlenbelastung die japanische Krebsrate um 0,002% angehoben wird
(der Chemiker Steinhauser zitiert den Onkologen Gale mit einer Sterberate von 0,001%) oder
(meine worst case Annahme für eine seafood basierte Exposition auf Basis der Daten nach den Unfällen in Windscale/Sellafield http://de.wikipedia.org/wiki/Windscale
um maximal 0,5% für die betroffenen Küstenabschnitte ansteigt…

Am Ende der Fahnenstange haben wir alle als Gesellschaft „100% Risikolose“:
 
Wenn wir die verspielt haben ist es aus …

Links:
Versuch einer Kommunikation von Strahlenrisiko:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32224 
ZIB 2
http://tvthek.orf.at/programs/79134-Spaet-ZIB/episodes/3698623-ZIB-2

Die Leere (sic) aus Fukushima

with one comment


Am 11. März 2011 ereignete sich an der Ostküste Japans eine der größten Naturkatastrophen der Menschheit. Es bedarf keiner Prophethie um voraussagen zu können, dass wir uns in den nächsten Tagen auf eine zunehmenden Häufung von medialen Berichten über den Super GAUs von Fukushima freuen dürfen.
In der Zwischenzeit war es – vor allem in der Weltpresse, weniger in Deutschland und Österreich – nach der Ejaculatio präcox (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=38178) schon sehr still geworden.
Zyniker meinten überhaupt, dass es sich bei dem Unfall um eine globale Katastrophe mit regionalen Auswirkungen in drei Ländern gehandelt hätte. Diese drei Länder wären Deutschland, Österreich und …. auch Japan.

Seit März 2011 war ich in unzähliche Gespräche und Diskussionen zu diesem Thema involviert, lernte einen guten Teil der österreichischen Journaille kennen und wurde zunehmend fassungsloser, dass es kaum ein anderes Thema gibt, bei dem zwischen den beiden Rollen  „Feind“ oder „Freund“ sowenig Platz bleibt für einen rationalen Diskurs. Dies scheint völlig unabhängig von der Vor- und Ausbildung des Gegenübers und unabhängig vom jeweiligen Forum (U-Bahn, TV-Studio, Vorlesung, Radio-Studio, …) und der Zahl der Zuhörer (1-600.000). Jede öffentliche Äußerung liess die Anzahl der bösen E-Mails in meiner Mailbox anschwellen und brachte auch eigenartige Drohbriefe in mein reales Postfach. Auch an Anfeindungen von Leuten, deren Ziele, nicht jedoch Methoden man teilte, gehörten zu diesem Erfahrungsschatz.

Ein bißchen Trost fand ich im Vorwort eines der Standardlehrbücher über radiologische Notfallsituationen, wo 2001 genau dieses Phänomen beschrieben wird (eigene Übersetzung):   Strahlenunfälle erregen zwangsläufig eine große Aufmerksamkeit, wo sie auch immer auftreten. Die Beteiligten, die Gesundheitsdienstleister und die allgemeine Öffentlichkeit, alle sind betroffen. Die Konsequenzen eines Strahlenunfalls sind nicht auf die biologischen und physikalischen Effekte des Unfalls beschränkt, sondern beinhalten auch den psychologischen Fallout. Jeder, der sich zu einem Strahlenunfall äußert, steht unmittelbar unter schärfster Beobachtung der Öffentlichkeit und ist Ziel der Beurteilung von „Experten“, die meist weit vom Unfallgeschehen entfernt sind.

So sehe ich den nächsten Tagen mit sehr gemischten Gefühlen entgegen.

Ich erwarte eigentlich nur „more of the same„, also Copy and Paste Journalismus (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35333), die Exhumierung alter Mythen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35413) und wohliges Fremdfürchten (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35227)  zur Auflagensteigerung.
Wenn die Atomwolke wieder über Österreich hinweggezogen sein wird (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35512), dann ebbt der methodenlose Wahnsinn (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35306) ab und wir gehen zur Tagesordnung über:
Steigern unseren Energiebedarf, wettern über den Feinstaubund die verantwortungslosen Japaner und stehen erneut dort, wo wir seit drei Jahrzehnten (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=37110) stehen:
Wir ziehen keine Lehre aus der Geschichte, es bleibt uns nur die Leere und ein bißchen Medienhype.

Und jetzt dreh ich das Licht ab und lege mich schlafen.

Written by medicus58

3. März 2012 at 22:44

Eine Renaissance der Aufklärung muss her

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Der Schrei nach Renaissance (=Wiedergeburt) ist die Nostalgie der Intellektuellen in als unerträglich empfundenen Zeiten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance 

Nah dem Dunkel des Mittelalters hätten sich die Menschen erneut der Antike erinnert um damit im frühen 13. Jahrhundert in die Neuzeit zu starten. Unklar bleibt, ob die Protagonisten damals ihre Entwicklung selbst so interpretiert hätten, denn den Begriff der Wiedergeburt hat Giorgio Vasari erst im 16. Jahrhundert geprägt.

Der Begriff der Aufklärung (wir sind nun im 18.Jahrhundert angekommen) scheint uns heute als typischer „toter Hund“ der philosophischen „Post-Post-Post-Moderne“.
(sehr frei nach Liessmann: 180508 (SS 2009) Geschichte der Philosophie III: Die toten Hunde der Philosophie.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. I. Kant, eh schon wissen

Zum Programm der historischen europäisch-nordamerikanischen Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert gehört die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz, eine Hinwendung zu den Naturwissenschaften in der philosophischen Erkenntnistheorie, in Religionsfragen das Plädoyer für Toleranz gegenüber anderem Glauben, in Moral- und Rechtsphilosophie die Orientierung am Naturrecht. Gesellschaftspolitisch zielte Aufklärung auf die Ausdehnung der persönlichen Handlungsfreiheit (Emanzipation), auf eine neue Pädagogik, die Schaffung von Pressefreiheit und die Garantie bürgerlicher Rechte unter Zugrundelegung allgemeiner Menschenrechte sowie die Verpflichtung moderner Staaten auf das Gemeinwohl. Viele Vordenker der Aufklärung hegten einen ausgeprägten Zukunfts- und Fortschrittsoptimismus. (Zitat Wikipaedia 13.2.2012)

Den Optimismus, dass sich unter geeigenten Rahmenbedingungen eine zwangsweise Entwicklung zum Besseren ergibt, rechtfertigt die Erfahrung des letzten Jahrhunderts wohl kaum, jedoch scheint es mir (Nostalgie!) immer wesentlicher, dass wir uns auf den Stand der Geistesentwicklung besinnen, den die Menschheit nach Inquisition und vor der letzten Dot.com Blase schon erreicht hatte.

Gerade in Zeiten, in denen das x-fache Treiben der „alten Sau durch die Mitte des globalen Dorfes“ ungeminderten Neuigkeitswert für das p.t. Publikum zu haben scheint, will ich mit dieser Rubrik daran erinnern, dass das einzige was uns die Geschichte bisher gelehrt hat, die Erkenntnis war, das wir nichts aus ihr gelernt haben.  ABER (Optimismus!) das könnte sich ja ändern, irgendwann einmal, vielleicht, 5 nach 12, oder so …

In Zeiten der Sparpakete (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51963) und Casino-Wetten auf Brot (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=50542), wurde auf diesem Blog schon öfters auf Parallelen zwischen dem Heute und dem Gestern verwiesen  (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=48883) und Erklärungsversuche jenseits des „Neoliberalen Neusprech“ versucht (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=47464). 
Hier in dieser Rubrik soll jedoch auf Stimmen der Vergangenheit verwiesen werden, die von den scheinbaren Gewinnern der neoliberalen Revolution der letzten 30 Jahre, m. E. fälschlich, als überholt, krypto-links und anarchistisch diffamiert werden.

 Als Einstimmung kann man auch mal nach den historischen Spekulationsblasen googeln und sich fragen, wo die Parallelen zum heute liegen: 

Tulpenzwiebelspekulation in Holland (1630 – 1637)
(= absurde Extrapolation hoher Nachfrage und ihre Folgen)

Die Südsee-Blase in England (Anfang des 18. Jahrhunderts) 
(= absurde Nachfrage nach Aktien eines Geschäftsmodells, das die versprochene Rendite kurzfristig nicht durch Handeln sondern nur durch die Übernahme von Staatsschulden vorgaukelte) 
 
Das Kanalbaufieber in England (18. Jahrhundert) 
(= parallele Investitionen in Infrastrukturprojekte führen zu einem Überangebot, dadurch zu fallender Rendite, fehlender Reinvestitionen und schliesslich zum Verfall)

Die Eisenbahnaktienhausse in Deutschland (Mitte des 19. Jahrhunderts)
(= außerbörsliche Spekulationen auf den rasant wachsenden Markt wurden zuerst durch staatliche Garantien angeheizt und dann durch den Gesetzgeber abgewürde, was zu großen verlusten führte.)

Die Silberspekulation der Gebrüder Hunt (70er Jahre des 20. Jahrhunderts)
(= die Gebrüder Hunt und viele Nachahmer kauften große Mengen Silber, da sie es als enorm unterbewertet ansahen. Der Silberpreis stieg von 2 US$  pro Unze auf 50-54 US-$ an, bis die Rgierung den Handel verbot und die Hunts angeblich 2 Milliarden US-$ Verlust hatten.

Oder wir schauen einmal in die Enzyklopädie, auch so eine Errungenschaft der Aufklärung, ob wir nicht ein paar andere „Lehren“ der vergangenheit finden können, die wir noch immer nicht gelernt haben.

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:43

EINFACH:einfach

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Egal ob im Kochkurs oder in der alternativen Lebensberatung „von Tag zu Tag“ in Ö1:

Alles ist immer einfach!

Geben Sie einfach eine Priese Thymian …. verdammt, was heißt eine Priese? Ein Blattl, ein Sackerl… ?!?!

Entspannen Sie sich einfach …. wenn man das könnte, würde man sein Heil nicht bei selbsternannten „Beratern“ und „Gurus“ suchen !!!

„Da bin ich doch einfach einmal hingegangen und habe einfach ’mal nachgefragt …“

Während das tägliche Erleben lehrt, dass heute nix mehr einfach nur einfach ist … 
selbst der Hausverstand rät, doch gleich einen Doppelpack zu erstehen, also nicht einfach sondern gleich zweifach zu-zu-schlagen,

… kommen uns die Berater, Helfer, Experten immer mehr mit dem Einfachen daher.

War es früher notwendig für die Weltrevolution ein paar Schergen des Establishments über den Haufen zu schiessen, klicken wir heute einfach mal auf einen „gefällt mir“ Button, und schon „geht’s los“ …

Das einfache Leben heißt mit dem biogasgetriebenen SUV und der Duplizierung des heimischen Lebensstandards in Plastik (Becher, Messer, Löffel, Teller, Flaschenöffner, Nasenbohrer, …) einfach auf eine 200 km entfernte Alm zu fahren, die auf einer Seite alubeschichtete Isolierdecke aufs Gras zu legen und einfach einmal auszuspannen … 

Oder einfach ein einfaches Rätsel zu lösen, warum uns vorgegaukelt wird, dass alles einfach ist, wo wir es doch immer stärker als

verwirrend
kompliziert
widersprüchlich &
komplex

empfinden?

Vielleicht weil wir sonst einfach nicht bereit wären, für die angebotenen „einfachen“ Lösungen zu zahlen?

 

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 09:46

Exorzisten, Pfarrerinitiativen, Kopftücher, Selbstmordattentäter und Unberührbare

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IM DONAUSPITAL WIRD AUF DER PSYCHIATRIE DER TEUFEL AUSGETRIEBEN: http://www.falter.at/web/print/detail.php?id=1492 
Zuerst im Falter, dann in der Gratiszeitung heute, dann im ORF wird berichtet, Der KAV dementiert, räumt aber ein, das es gegen den betreffenden Arzt schon 2007 etwas … http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?id=18371 
Ein Sprecher des Herrn Erzbischofs sagt im ORF Interview, „Ja, die Leute verlangen das vermehrt nach“.  Bei einem Medizinerkongress in Graz war Exorzismus in der Psychiatrie ein Thema: http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dssid=4170&dsmid=83093&dspaid=653602 
Seit dem letzten PASTBESUCH IN DEUTSCHLAND wird auch in nicht so total konservativen Blättern geklagt, dass es kein Zeichen der Öffnung gab und sich der Papst nicht plötzlich für Homosexuelle erwärmen kann, weil das seiner Meinung nach gegen das „Naturgesetz“ wäre. http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1210274.
Seit Wochen macht eine sogenannte PFARRERINITIATIVE von sich reden, wo so revolutionäre Forderungen gestellt werden, wie Hostienverteilung an Wiederverheiratete. http://www.pfarrer-initiative.at/newslet.htm  
UNAUFHALTSAM SCHREITEN WIR INS MITTELALTER ZURÜCK UND TREFFEN AUF DIE, DIE WIR DOCH ALS SO RÜCKSCHRITTLICH BEZEICHNET HABEN.
Die Imame, die eine Frau ohne Kopftuch als das Ende ihrer Welt ansehen. Wahnsinnige Jihadisten (man verzeih’ mir die Tautologie), die sich in Fetzen sprengen, weil man sie glauben gemacht hat, dass sie so an die paradiesischen Jungfrauen kommen, die keiner ihrer „Lehrer“ je gesehen geschweige bestiegen hat. 
Aber auch fundamentalistische Hindus, die jeden abmurksen, wenn er am Geburtsort Ramas sein Minarett aufstellt bzw. „ihre Unberührbaren“ in ein feindliches Lager abmissioniert“. 

Aber gut, was rege ich mich auf, die „gutmeinenden Kräfte“ in allen Religionen erheben doch ohnehin ihre warnende Stimme und Mahnen zu Reform und Ökumene….. 

Warum fällt aber niemand ein, dass die einzige Antwort auf diese globale Zunahme des Fundamentalismus, nicht eine Reform des ihm zugrundeliegenden religiösen Denkens, sondern nur die strikte Ablehnung dieses Denkens an sich sein kann. Was in tausend Jahren nicht reformierbar war, werden auch ein paar Gutmeinende, die es sich nicht eingestehen können, für die falsche Firma zu arbeiten, nicht ändern können.
AMEN

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 09:34

Ich verzichte

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Ich verzichte

auf Gurken: 
http://www.oe24.at/lifestyle/EHEC-Erreger-78-Prozent-wollen-auf-Gurken-verzichten/29536424

oder doch nicht?
http://www.oe24.at/welt/EHEC-Die-Gurke-ist-unschuldig/29698486
Ich verzichte
auf Sprossen:
http://www.tagesschau.de/inland/ehec272.html
waren das nun Kohlsprossen oder Sojasprossen?

wo ich schon verzichtet habe
 
auf Rindfleisch (ab 1997)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,105210,00.html
http://www.roh-vegan.de/artikel/bse_skandal.htm

auf Hühnerfleisch (2008)
http://www.sueddeutsche.de/panorama/fleisch-skandal-gammel-burger-1.708716

auf Schmelzkäse (2008)
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/814336/

auf Eier (2008)
http://www.welt.de/wirtschaft/article11954936/Eier-werden-zu-Sondermuell-Huehner-notgeschlachtet.html

ich verzichtete bereits auf 
http://www.stern.de/gesundheit/die-groessten-lebensmittelskandale-eine-chronologie-der-unappetitlichkeiten-1640578.html

1985 – Glykolwein 
1987 – Fadenwürmern in Fischen 
1993 – Gammelfleisch
2001 – Shrimps aus Asien mit Chloramphenicol
2002 – Chloramphenicol belastetes Kalbfleisch aus den Niederlanden
2002 – Nitrofen in Bio-Hühnerfleisch und Bio-Eier
2003 – Dioxin in Schweinen
2006 – Gammel-Eier
2008 – Gammel-Mozarella
2009 – Dioxin in Bio-Futter
2011 – „Radioaktive Sushi aus Japan“

Ich verzichte … auf Alarmismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Alarmismus

Ich frage mich nach den Gründen?

Es liegt vermutlich nicht daran, dass unser Essen prinzipiell schlechter wird, sondern an der Globalisierung eines lokalen Bedürfnisses.

„Gammel“-Nahrung hat es immer schon gegeben.
Milliarden von Menschen kennen nichts anderes ….. bzw. wären froh wenn sie irgendwas zu beissen hätten ….

unser Problem ist die Globalisierung der Nahrungsmittelmärkte, die nur durch die billig produzierte Masse Gewinne versprechen und deren lokale Trickserei’n sich sofort global auswirken …

Written by medicus58

6. Juni 2011 at 08:22

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