Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Androsch

Wie man Skandale übersteht …

with 5 comments


Krone: Wiener Spitalskandal: Mit Finanztrick 30 Millionen Steuergeld versenkt
O
E24: Das Worst-Case-Szenario liegt bei knapp unter 1,4 Mrd. Euro 
Presse: In einem eilig einberufenen Hintergrundgespräch versuchte man noch, den Schaden einzugrenzen

und so weiter und so weiter. Die Opposition überschlägt sich gerade wieder

Bluemel /Korosec:  RotGrüne Beschönigungspolitik 
Gudenus: Größter Bauskandal aller Zeiten bahn sich an

weil wieder ein RH Rohbericht leakte.
Alle paar Stunden zitieren die, denen das Papier zugespielt wurden ein paar Passagen, um das Feuer weiter anzufachen,
in den PR-Abteilungen glühen die Köpfe, wie man den miesen Eindruck übertünchen könnte, die Euphorie über die Hybrid-OPs hat ja nicht so lange angehalten.

Nein, ich werde hier keine neuen Enthüllungen, keine Bassenagerüchte  streuen.
Ich möchte nur in meinen Erinnerungen wühlen, als ich so um 1980 als Medizinstudent nahezu lückenlos die zahllosen Berichte Alfred Worms zum AKH-Skandal verfolgte. Beweise über Beweise, Vermutungen über Vermutungen wurden über Jahre abgedruckt. Worm wurde mit Auszeichnungen bedacht und war von 1983 bis 1988 als „Quereinsteiger“ ÖVP Abgeordneter im Wiener Landtag. Die Untersuchungsrichterin
Helene Partik-Pablé des Verfahrens schwamm auf einer Sympathiewelle und zog danach für die FPÖ/BZÖ in den Nationalrat ein, um das „Saubermann-Image“ Jörg Haiders zu unterstreichen. Ja und wenn heute irgendwas vom ehemaligen Bundespräsidenten Kirchschläger noch im Gedächtnis ist, dann seine Bemerkung Bundespräsident zur Eröffnung der Welser Messe im August 1980 zum AKH Skandal, wo er eine „Trockenlegung der Sümpfe und sauren Wiesen“ forderte.
Der einzige mir noch namentlich bekannte Schuldige ist Adolf Winter.

Wenn man heute die Wikipedia nach dem AKH-Skandal durchsucht, wundert man sich, wie karg der entsprechende Eintrag ist: https://de.wikipedia.org/wiki/AKH-Skandal

Frägt man sich aber, was nach monatelangen, ja jahrelangen Recherchen, Untersuchungen und Vorverurteilungen geblieben ist, kommt man auf ein sehr dürres Ergebnis, das der Standard 2004 wie folgt zusammenfasste:

Im Mittelpunkt des so genannten AKH-Skandals stand der ehemalige technische Direktor der Allgemeinen Krankenhaus-Planungs- und Errichtungsgesellschaft (AKPE), Adolf Winter. In den Strudel der Affäre geriet auch der damalige Finanzminister und Vizekanzler Hannes Androsch. Er wurde Jahre später in Zusammenhang mit seinen Aussagen vor dem parlamentarischen AKH-Ausschuss von einem Wiener Gericht wegen Falschaussage verurteilt. Im September 1981 folgte der AKH-Prozess, das bis dahin größte Gerichtsverfahren in Österreichs Nachkriegsgeschichte mit 30.000 Seiten in 67 Aktenordnern, ebenso vielen Beilagenseiten, vier Sachverständigen und mehr als 100 geladenen Zeugen. Der Vorwurf gegen Winter und elf weitere Angeklagte (Anm.: darunter Manager von Siemens-Österreich, ITT sowie die Eigentümer des österreichischen Elektronikunternehmens Schrack) lautete auf gewerbsmäßigen Betrug, Untreue, verbotene Intervention, Beihilfe zu solchen Verbrechen und Verstöße nach dem Devisengesetz. Winter sollte für die Vergabe von Großaufträgen Provisionen unter Mithilfe oder zumindest Mitwissen seiner Mitangeklagten kassiert haben. Das Urteil wurde am 27. November 1981 gesprochen.
Alle zwölf Angeklagten wurden schuldig erkannt, allein Winter hatte 30 Millionen Schilling (2,18 Mio. Euro) Schmiergelder kassiert. Er erhielt neun Jahre Freiheitsstrafe. Seine Mitangeklagten bekamen von einem Jahr bedingt bis zu fünf Jahren und 350 Tagen unbedingt. Winter und acht weitere Verurteilte gingen in die Berufung: Der Hauptangeklagte bekam schließlich acht statt neun Jahre wegen Geschenkannahme statt Untreue. Auch weitere Strafen wurden herabgesetzt. Zwei Verfahren wurden sogar an die erste Instanz zurückverwiesen. 

Am 27. November könnten wir den 36. Jahrestag des  Prozessendes feiern.
Die fehlenden Millionen wurden nie mehr gefunden,
Adolf Winter war angeblich mittellos (ich erinnere mich nur an eine Tante, die angeblich Geld hatte, finde aber keine Belege mehr dafür).
Insgesamt konnten Winter 30 Millionen Schilling an Schmiergeldern nachgewiesen werden,
aber das AKH kostete statt der 1955 projektierten 1 Milliarde OS letztendlich 45 Milliarden OS!

Ja, eine Parlamentarischen Untersuchungsausschuss gab es auch: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XV/I/I_00670/imfname_280202.pdf
unter der Führung Norbert Stegers, wobei nur jeweils ein Minderheitenbericht, aber kein gemeinsames Urteil gefasst werden konnte.

2012 bestand Hannes Androsch in einem Leserbrief an die Presse, den er als Reaktion zu Alles schon da gewesen: Eine kleine Korruptionsgeschichte verfasste, dass der AKH Skandal ausschließlich ein Skandal unter Managern war und weder er noch sonst ein Politiker involviert waren.

Im Gegensatz dazu kommt eine Analyse (Study on Curruption within the Public Sector in the Member States of the EU) aus 2007 über Österreich – auch unter Bezugnahme auf den AKH Skandal – zum Schluss:
Eine weiter mögliche Ursache der Korruption dürfte auch das Parteiensystem und seinen Verbindungen mit anderen Substystemen sein, sowie die, durch die geringe Größe bedingte fehlende Rollentrennung und Nahebeziehungen innerhalb der Gesellschaft.
Korruption ist besonders weit verbreitet im Bereich von Politik und Administration.

Wäre ich Beteiligter am KH Nord Skandal würde ich mich nur fürchten, wenn ich Manager der zweiten Reihe einer der beteiligten Firmen wäre, sonst würde ich gut schlafen.

 

Vergleiche auch: https://www.jku.at/gespol/content/e103159/e299940/e210723/KOR_korruption_und_politik_lva_endbericht_ger.pdf

Written by medicus58

22. November 2017 at 18:01

Österreich darf nicht sitzenbleiben

leave a comment »


Na wer sagt ’s denn ….
Kaum kümmert sich ein ehemaliger Finanzminister und „Wahlneffe“ ein wenig um die österreichische Bildungspolitik:
http://www.nichtsitzenbleiben.at/
schon wird sein Wille erfüllt:

Aufsteigen mit bis zu drei Fünfer
Die Koalition hat sich auf eine schon lange geplante Schulreform geeinigt. In der Oberstufe der AHS und BMHS (berufsbildende mittlere Schulen) soll künftig ein Aufsteigen mit bis zu drei Fünfern möglich sein.
http://tirol.orf.at/magazin/tirol/tirolerisch/stories/514642/
http://kurier.at/nachrichten/3914071.php
http://www.krone.at/Nachrichten/Sitzenbleiben_soll_abgeschafft_werden-Aufsteigen_mit_5-ern-Story-12542
Verstehen Sie mich richtig, ich habe in meiner Oberstufen-AHS und als Student insgesamt ca 10 Jahre sehr gut von der Nachhilfe gelebt und weiß, dass Noten nicht immer gerecht und schon gar nicht
KARDINAL,
vermutlich auch nicht einmal
ORDINAL sind.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Skalenniveau)
Trotzdem bin ich überzeugt, dass mehr Leute verdient als unverdient „durchfallen“. Jeder kennt den ungerechten Einzelfall, nur ist das nicht der Punkt:

Während wir in der „wirklichen“ Welt von Rankings nur so getrieben werden,
von Heidi’s Klums Supermodel Ranking bis
zu Standard and Poor’s Griechenland Bashing,
glauben wir denn wirklich, dass wir Kindern was Gutes tun, wenn wir ihnen in der Schule vorgaukeln, dass es keine Beurteilungen gibt?

Mir kommt das so vor wie der verunglückte Versuch aus den 70ern, aus der ehemaligen „Mittelschule“, also einer explizit allgemeinbildenden Schule in der Mitte zwischen „Grundausbildung“ und „weiterführender, spezialisierender Bildung“ an der Universität (ut sim), nicht zuletzt aus wahltaktischen Gründen in den Großstädten, die Regelschule für alle zu machen.

Das Ergebnis war – wieder in den Großstädten – der Niedergang der „Hauptschulen“, die zum Sammelbecken von denen wurden, die halt nix Besseres zusammen bringen und eine Entwertung der „Mittelschule“ zur „AHS“ (=Allgemeinschule)

Die „Neue Mittelschule“ als Euphemismus für die „Hauptschule A-Zug“ macht für mich schon semantisch wenig Sinn.
Alle schienen zufrieden, vor allem die, die ihre Kinder in „was Besseres“ unterbingen konnten.
Dass das letzendlich wenig Wert hatte,
weder am Arbeitsmarkt („wo sind die Zeiten, wo man sich um die Maturanten gebalgt hat?)
noch an der Uni, die jetzt „Eingangsprüfungen“ und „Eingangssemester“ benötigt, weil man sich nicht mehr sicher ist, dass das was „für reif befunden wurde“ auch was weiß,
wen juckt’s …
Also, Österreich darf nicht sitzenbleiben, aber ob es das alles weiterbringt, wage ich zu bezweifeln.

Written by medicus58

20. Oktober 2011 at 20:36

%d Bloggern gefällt das: