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Dr. Watson und kein Wort über das Coronavirus

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Ich machte mir hier vor ziemlich genau 4 Jahren unter der Überschrift Ärzte waren gestern, heute diagnostizieren neuronale Netze, oder? so einige Gedanken über künstliche Intelligenz in der Medizin. So nebenher erwähnte ich auch IBMs Watson, der angeblich Krebs besser therapierte als US Onkologen.

IBMs Wunderwaffe sollte vereinfacht gesagt durch einen trainierbaren Algorithmus sowohl aus medizinischen Publikationen als auch aus individuellen Krankengeschichten gesundheitsrelevante Erkenntnisse ziehen. Bereits 2014 sah ich im Rahmen einer entsprechenden Präsentation die Augen von Gesundheitspolitikern, Versicherungsvertretern, Gesundheitsökonomen und Patientenanwälten vor Begeisterung glühen, als Big Blue ihnen bestmögliche Medizin ohne teure Ärzte versprach. 2015 weitete IBM den Bereich zu Watson Health aus, der neben Watson auch noch ander AI Tools entwickelte, z. B. automatisierte Bildbefundungen.

Aus meiner näheren Beschäftigung mit dem Algorithmus entstand auch ein relativ leicht zu realisierendes Projekt, um aus den unstrukturierten Datenbergen, die im Wiener Krankenanstaltenverbund, jetzt Gesundheitsverbund, als ASCI, Word, PDF Dateien herumliegen rasch ein paar wesentlich Informationen zu destillieren. Selbstverständlich endete das damals in den Mistkübeln der IT.

Zu meiner Überraschung kaufte dsr KAV aber im Rahmen einer Wiener Digitalisierungsinitiative dann Watson, mein Projekt blieb trotzdem rundgeordnert. In den folgenden vier Jahren habe ich aber von keiner realisierten Anwendung erfahren.

2018 habe ich mir nochmals über medizinische Anwendungen der AI unter Babylonische Zustände in der Medizin Gedanken gemacht, weil die Erfolgsstories in der Presse nicht abrissen.

Jetzt liest man plötzlich, dass sich IBM von seinem Wunderwerk Watson Health trennen möchte, weil sie mit den erzielten Gewinnen unzufrieden sind.

Auch andere groß beworbene IT Revolutionen in der Medizin, wie z. B. Haven, ein joint venture zwischen Amazon, JPMorgan Chase und Berkshire Hathaway, das versprach die Kosten der Gesundheitsversorgung zu senken, haben sich wieder aufgelöst.

Besser als David Shaywitz, der Gründer einer Health Tech Beratungsfirma kann man es nicht auf den Punkt bringen:

“To date, there’s been far more heat than light. There’s a lot of complexity to health data that requires domain expertise to understand, and just sticking a lot of values in a data lake or data swamp and then setting algorithms loose on it hasn’t proved especially productive to date.

Wieviel IBM in Wien verdient hat habe ich leider nie erfahren. Späteren Einladungen zu Watson Health Präsentationen bin ich nicht mehr gefolgt.

Written by medicus58

10. März 2021 at 22:25

www.Wer?bung: Der fehlerhafte Algorithmus

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wwwWerbung

Ich gestehe hiermit zum wiederholten Male, mich zu wiederholen,
aber die Internetwerbung nervt nicht nur, die personalisierte und kontextbezogene Werbung ist nach meiner täglichen Erfahrung einfach unausgereift und zielsicher daneben.
Schon im Februar 2012 habe ich unter Wir sind alle reich – die nächste Blase – die nächste Krise (http://wp.me/p1kfuX-5E ) versucht nachzuweisen, dass das Finanzierungskonzept der Internetmedien durch kontextbezogene Werbung nicht rechnen kann.

Eine Reihe absurder Fehlgriffe des jeweiligen Algorithmus wurden hier dokumentiert:

Billigflüge Jordanien und Jungfernhäutchen nähen in München:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39118

Michael Häupls Beziehungskisten:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32139

Kritischer Artikel gegen die Privatmedizin und Werbung dafür auf medianet.at
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53958
Ich greife das Thema erneut auf, weil mich eigene persönliche Erlebnisse in meiner Meinung bestärken, dass die personalisierte Werbung nichts anderes ist, als eine riesige Blase falscher Versprechungen einer Industrie, die unsere Printmedien killt, unsere Browser verlangsamt und unseren unfreiwilligen Datentransfer erhöht.

Beispiel eins: Seit ich über booking.com einige Hotels für eine Urlaubsrundreise gebucht habe, werde ich seit Wochen mit Angeboten, exakt dieses Servers für bombardiert, die mir Hotels zu diesen Städten und Zeitpunkten, an denen ich schon dort gebucht habe, angepriesen. Dass man die mitgeschickten Promocodes, die nachträglich eine Rabattierung genau für diese, bereits gebuchten, Hotels als Verarschung empfinden könnte, hat der Algorithmus offenbar übersehen.

Beispiel zwei: Ein vor einem Jahr von mir frequentiertes Hotel im schönen Bergamo schickte mir heute unaufgefordert eine Einladung für eine verbilligte Übernachtung mit Gratisdrink zum Tag der Deutschen Einheit. Offenbar unterscheidet dieser Algorithmus nicht zwischen der deutschen Sprache und der Nationalität. Als Ösi gehen die Feiern zum Tag der  deutschen Einheit mir ziemlich am Pürzel vorbei und meine Arbeitgeberin würde sich wundern, wenn ich – ohne meinen Urlaubsanspruch zu schmälern aus dem 03.10.2014 ein verlängertes Wochenende in Italien machen wollte.

Beispiel drei: Die emotionale Bindung an einen großen Versandhändler wird nicht gerade gestärkt, wenn er seiner Kundschaft gerade diese Schuhe nochmals anbietet, die erst kürzlich erstanden wurde.

Ebenso wenig wie sich der XXXLutz offenbar darüber Gedanken macht, dass der aufwendig produzierte Werbespot bei seiner dritten Wiederholung innerhalb eines Werbeblocks eher zu einer Versöhnung mit der alten Sitzecke führt, als dass man losspringen möchte, um sich ein neues Stück zu zu legen, scheinen die Programmierer des immer elaborierter funktionieren Internet-Targetings keinen Gedanken auf den Unterschied zwischen Koinzidenz und Kausalität zu verschwenden.
Ich frage mich, wie lange die Werbeindustrie in dieses Konzept noch Milliarden lehrt. Möglicherweise aber solange, bis wir alle beschließen nur mehr dort zu kaufen, wohin uns keine Werbung jemals gelockt hat.

Written by medicus58

24. Juli 2014 at 07:10

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