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über alles was uns krank macht

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Verpasste Karriere in Kairo

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Diese Bild erweckte wenig Vertrauen und auch viele der Chefärzte, die meisten in London ausgebildet, versicherten, dass sie ihre Patienten lieber in Privatspitälern oder Militärspitälern versorgen würden … aber das war 1982, heute ist das sicher ganz anders ….

Mein „Karriere“ an der Medizinischen Fakultät an den Universitätskliniken in Kairo war ja sehr kurz (siehe den Beitrag aus 4.2.2011: Ägypten:Termiten:Menschen: Eine Prophezeiung http://wp.me/p1kfuX-as ).
Bei Durchsicht alter Dias erinnere ich mich wieder daran ….

Ich habe an der Uni in Kairo gelernt, dass der Patient, der mit “Magenschmerzen” kommt sehr häufig einen Herzinfarkt hat, …..
2 Anamnese – abehttp://wp.me/p1kfuX-zt

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Die Universitätskliniken in Kairo erstreckten sich über mehrere Gebäude in der Stadt, dieses wurde gerade gebaut, glaube ich 😉

Siehe auch: Reise nach Kairo http://wp.me/p1kfuX-L9

 

Written by medicus58

19. Februar 2014 at 17:57

Reise nach Kairo

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Im August 82 kam ich auf einer Reise nach Kairo durch Alexandria und fotografierte im Souk diesen Obststand.

Links oben hing noch das Portrait von Anwar as-Sadat(http://de.wikipedia.org/wiki/Anwar_as-Sadat#Von_der_Sadat-Initiative_bis_Camp_David) der weniger als ein Jahr vorher ermordet wurde.
Sadat war mit seinem Vorgänger Nasser Gründer der Freien Offiziere, die sich 1952 an die Macht putschten.
Das Portrait rechts auf dem Obststand zeigt Sadats NachfolgerMuhammad Husni Mubarak, der natürlich ebenfalls aus dem Militär stammte. Er wurde dann im Zuge des „arabischen Frühlings“ 2012 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und im August 2013 aus der Haft entlassen.
Sein Nachfolger, der vom Volk gewählte Muslimbruder Mohammed Mursi wurde vom Militär gestürzt und der Offizier Abd al-Fattah Said Husain Chalil as-Sisi (http://de.wikipedia.org/wiki/Abd_al-Fattah_as-Sisi) kandidiert um das Präsidentenamt.
Wir kennen alle das beliebte Partyspiel der „Reise nach Jerusalem„, bei dem immer mehr Mitspieler als Sessel vorhanden sind.
Ich frage mich, welche Portraits augenblicklich auf dem Obststand prangen …

Written by medicus58

16. Februar 2014 at 13:00

Tagebuch aus Hurghada

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Auf dem Server (www.meinblog.at), auf dem ich angefangen habe zu bloggen, befand sich schon seit Juni 2010 ein äußerst lesenswertes Tagebuch:

TAGEBUCH AUS HURGHADA
http://naturefriend.meinblog.at/

Es handelt von den Alltäglichkeiten eines Linzers, der sich 2010 entschlossen hat, seinen Lebensmittelpunkt von Linz nach Ägypten zu verlegen:
Im Original vom 12.6.2010:

Warum und Weshalb?

Warum kommt man auf so eine blöde Idee, seine Familie, seine Freunde, einen tollen Job, eine wunderschöne Wohnung und und und….
aufzugeben und in ein „Entwicklungsland“ wie Ägypten zu gehen?

Es gibt mehrere Antworten.

Ich habe durch meine zahlreichen Reisen (nicht nur Urlaube) viele Eindrücke aus vielen Ländern dieser Erde erhalten.
Ich habe mich jedesmal gefreut, wenn ich am Ende einer Reise wieder zu Hause gelandet bin –
aber: diese Freude, wieder in Österreich zu sein, ist von mal zu mal weniger geworden.
Ich hab schon immer davon geträumt, längere Zeit irgendwo ausserhalb Österreichs zu leben.
Ich bin Single, habe keine Kinder d.h. ich bin unabhängig und daher nur für mich selbst verantwortlich.
Ich hab dieses Angebot nicht ausschlagen können. Ich habe einige Wochen ganz intensiv positive und negative Seiten einer Auswanderung überlegt
und hab mich danach entschlossen, das Angebot von http://www.silvias-buggyservice.de/ anzunehmen.
Es ist daher keine Flucht aus Österreich, es ist nicht die Abenteuerlust, es ist gut überlegt – kurzum – es ist die Erfüllung eines Lebenstraumes!

„Gestolpert“ bin ich erstmals über diesen Blog, als ich nach Alternativen zur offiziellen Berichterstattung über den „Arabischen Frühling“ in Ägypten gesucht habe.
Es war m.E. sehr hilfreich eine authentische Stimme lesen zu können, was sich damals außerhalb von Cairo ereignet hat.
Bis heute finde ich es aber immer wieder interessant über die kleinen Alltäglichkeiten und Schicksalsschläge zu lesen und kann diesen Blog nur wärmstens empfehlen.
Meine eigenen Erfahrungen in diesem Land liegen schon Jahrzehnte zurück, aber vieles, so scheint mir, hat sich seit damals nicht geändert, wenn ich von den aktuellen Problemen
mit den lokalen Handwerkern und der Wasserversorgung lese …..

Bildnachweis: maps.google.com

Written by medicus58

15. August 2012 at 09:19

Veröffentlicht in Allgemein

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Es ist wieder Frühling حل الربيع

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Das Leben des Pessimisten ist scheinbar leicht: Er hat fast immer Recht!

Es ist wieder Frühling in Arabien (das für diesen Begriff weit über seine geografischen Grenzen definiert wurde) und man blickt zurück, was aus der angeblich Twitter- und Facebook-gepowerten Revolution geworden ist:

Vor einem Jahr ritt mich schon der Pessimismus
als ich am 4.2.2011 eine Prophezeihung abgab
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34235
mich am 13.2. fragte, wer wohl in Ägypten gesiegt hätte
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34374
am 21.2. hinterfragte ob die Triebfeder der Umstürze nicht viel mehr die westliche Wirtschaftskrise als der autochtone Wille zur Demokratie wäre
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34574
und am 10.5. bemerkte, dass in Libyen die NATO mit dem Segen der UNO hinschiesst, wo sie Gaddafi vermutet (http://derstandard.at/1304551428559/Laut-Augenzeugen-NATO-griff-wieder-Unterkunft-Gaddafis-an) und in Syrien das Regime auf alles schiesst was sich bewegt (http://www.fr-online.de/politik/spezials/aufruhr-in-arabien/syrien-glaubt-schon-an-das-ende-des-aufstands/-/7151782/8430364/-/index.html).

Eine Reihe der – auch vom Ausland aus massiv unterstützten (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34631) „Führer“ sind abgesetzt oder getötet worden und auch mein Ratespiel „Who’s next“
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34630 habe ich nach dem Abgang der europäischen Bunga-Bunga Variante eines undemokratischen Duce gewonnen.

Blicken wir nun erneut in die Region (und das kann nur schlaglichtartig sein, denn es „brennt“ an zu vielen Orten gleichzeitig, die Interessen des Auslandes sind in den einzelnen Ländern zu unterschiedlich) dann verfestigt sich das Mißtrauen, dass es

a) zu einer Verfestigung der Demokratie gekommen wäre,
b) andere als mehr oder weniger religiös motivierte Gruppen die Oberhand gewonnen haben und
c) die Länder meilenweit von der angestrebeten Stabilität entfert sind:

Libyien:
Unzufriedene Revolutionäre verlangen Geld von der Übergangsregierung, diese spricht von Korruption (engl.)
http://youtube.googleapis.com/v/78OjmtTiveo

Ägypten:
Auseinandersetzungen zwischen den Muslimbrüdern und Vertretern der Mubarak-Ära im Zusammenhang mit den kommenden Präsidentschaftswahlen (engl.)

http://youtube.googleapis.com/v/78OjmtTiveo

Jemen:: 100e Tote bei Gefechten mit al-Qaida
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/747455/Jemen_Ueber-40-Tote-bei-Gefechten-mit-alQaida?

Frankfurter Rundschau: Aus dem arabischen wird ein islamischer Frühling
http://www.fr-online.de/aufruhr-in-arabien/interview-aus-dem-arabischen-wird-ein-islamischer-fruehling,7151782,14813080.html

Greenpeace: Folgen des Arabischen Frühlings: Afrikas Islamisten in der Offensive
http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=55&tx_ttnews%5Btt_news%5D=135701&cHash=9bb62eb0216b424a16e12677cd39a991

Die Presse vermutet einen Zusammenhang zwischen den Umstürzen und dem Ölpreis:
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/741971/Der-Preis-des-Arabischen-Fruehlings_Teureres-Oel?_vl_backlink=/home/wirtschaft/international/index.do
Die Petro-Staaten haben im Gefolge des Arabischen Frühlings versucht, ihre Bürger mit verbesserten Sozialleistungen zufriedenzustellen. Doch diese erhöhten Ausgaben belasten die Budgets der Ölförderländer. Die Lösung der Budgetmisere liegt in einem höheren Ölpreis. Saudiarabien peilt zwar nach öffentlichen Aussagen einen Ölpreis um die 100 Dollar an, wird aber ab 2015 einen Ölpreis von 110 Dollar brauchen, um ein ausgeglichenes Budget vorlegen zu können.

Gudrun Harrer hat die Ausgangslage der Probleme auf den Punkt gebracht: Autoritäre Regime produzieren Extremisten – und halten sie gleichzeitig in Schach
http://derstandard.at/1333528398202/Die-Stunde-der-Islamisten?

aber im Gegensatz zu mir, scheint sie auf Optimismus zu setzen:

Es stimmt schon, was zu Beginn der Revolten gebetsmühlenartig wiederholt wurde, nämlich, dass bei den Demonstrationen nicht die Scharia, sondern Freiheit und Würde verlangt wurden. Daraus die Absage der Menschen an islamistische Parteien abzulesen war jedoch kühn. Sie sollten bei freien Wahlen nach dem Umsturz ausgerechnet das wählen, wofür ihre gestürzten Regime gestanden waren – Repression der Religion und an den US-Wünschen orientierte Sicherheits-, Außen und Wirtschaftspolitik?

Als in Algerien 1991 die Islamisten die Wahlen zu gewinnen drohten, wurde die Uhr in der Region durch einen Putsch angehalten – jetzt läuft sie weiter. Die gefürchteten Muslimbrüder sind inzwischen bürgerlich geworden, “ moderat-islamisch“, wie sie medial heißen. Das Wort „Salafist“ hingegen ist aus dem Experten- in den normalen Sprachgebrauch gewandert. Es wird auch wieder verschwinden – historisch wird es einmal ein postrevolutionäres Phänomen gewesen sein -, aber das wird noch dauern.

Wie heißt es so schön im anglikanischen Raum: STAY TUNED

Written by medicus58

14. April 2012 at 09:38

Veröffentlicht in Allgemein, Rückblick

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10.5.2011: RE=VO=LU=TI=ON reloaded

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Am 13.2. (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34374) habe ich mich angesichts der Ägyptischen Revolution gefragt, wer den hier gesiegt hätte.

Am 21.2. habe ich mich angesichts der anderen Umwälzungen (= exakte Übesetzung des Begriffs Revolutionen) in der arabischen Welt( http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34574 ) gefragt, in wie weit hier nicht die weltweite Wirtschaftskrise im Gefolge der sogenannten Immobilienkrise der wahre Auslöser der Umstürze war und nicht Demokratisierungswille, Facebook.oder Twitter.

Zwischenzeitlich sind drei Atommeiler in Japan undicht geworden, was mich auch ziemlich beschäftigt hat, aber wenn ich mich nun 3 Monate später frage, ob die Sache ursächlich klarer wurde, muss ich kopfschüttelnd passen.

In Libyen schiesst die NATO mit dem Segen der UNO hin wo sie Gaddafi vermutet (http://derstandard.at/1304551428559/Laut-Augenzeugen-NATO-griff-wieder-Unterkunft-Gaddafis-an). In Syrien schiesst das Regime auf alles was sich bewegt (http://www.fr-online.de/politik/spezials/aufruhr-in-arabien/syrien-glaubt-schon-an-das-ende-des-aufstands/-/7151782/8430364/-/index.html ) Bahrain, Jemen, ganz Arabien wohin man schaut wollen Demonstranten die herrschenden Führer und Clane (gelegentlich auch als Parteien bezeichnete Gruppen) zu Fall bringen.

Nur was sie die Demonstranten wollen, scheinen auch Experten nicht ganz zu durchschauen.

Man nehme nur die aktuellen Unruhen in Ägypten, wo ein Gerücht zu Unruhen führte, in denen 13 Menschen starben und 200 verletzt wurden. (Nicht dass mich das so wundert, vor vielen Jahren sind mir an der Grenze zwischen Koptenviertel und muslimischem Slums auch schon Steine nachgeworfen worden …).

Wilde Spekulationen, wer den das Gerücht, eine freiwillig zum Islam übergetretene Koptin würde gewaltsam in einer Kirche festgehalten in die Welt gesetzt hätte, umfassten Anhänger des alten Regimes und islamische Extremisten.

Heute wurde verkündet, dass unter den 200 Verhafteten auch der Drahtzieher der Anschläge gefasst wurde. http://oe1.orf.at/artikel/276630 Ob hier die ägyptische Regierung nur den weltweiten Protesten etwas entgegenhalten wollte oder nicht, ist augenblicklich nicht zu „ergooglen“, aber eigentlich auch einerlei.

Trotz Informationsflut, trotz Ge-twittere und Ge-Google ist seit Monaten unklar, was Hunderttausende in der arabischen Welt auf die Strasse treibt.

Es ist unkar, ob das was passiert in eine menschlichere, gerechtere und aufgeklärtere Welt führt, oder nur eine weitere „Talibanisierung“ bedeutet. Wobei für mich auch die gezielte Tötung Bin Ladens ohne Beweiswürdigung vor einem unabhängigen Gericht eine solche Talibanisierung bedeutet. Sie entspricht Stalins Auftragsmord an Trotzki (http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Trotzki) .

Selbst Eichmanns völkerrechtswidrige Entführung aus Argentinien durch den israelischen Geheimdienst mündete in letzendlich ein rechtsstaatliches Verfahren. http://de.wikipedia.org/wiki/Eichmann-Prozess

Vielleicht ist meine Frage nach der Richtung der arabischen Revolution auch völlig sinnlos, weil wir doch aus der Geschichte gelernt haben (siehe Französische Revolution), dass am Schluss was anderes rauskommt, als die beabsichtigt haben, die das Ganze begonnen haben.

Drum ist es vermutlich auch egal, ob die revoltierenden Araber nun so genau wissen, was sie wollen …. schon beunruhigend, nicht?

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 18:22

Veröffentlicht in Rückblick

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25.2.2011: In Ägypten wird gefeiert – feiern Sie mit!

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Vielleicht bin ich zu sensibel, aber manches tut man einfach nicht. Vor einigen Tagen http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34374 habe ich noch Gil Scott-Heron’s

The Revolution Will Not Be Televised …

zitiert, um auf die meiner Meinung nach mediale Trivialisierung der Umsturzbewegungen in Nordafrika hinzuweisen.
Heute bekam gerade unter dem Titel:

In Ägypten wird gefeiert – feiern Sie mit!

die als Screenshot angehängte Mail: Die Präsidentensuite ist wieder verfügbar …

um mich zu einem Ägyptenurlaub zu verführen.
Bei allem Verständnis dafür, dass auch die Tourismuswelt nicht stehen bleiben wird (vergleiche auch den in den letzten Tagen sehr informativen Blog Tagebuch aus Hurghada http://naturefriend.meinblog.at/ ) ist für mich diese Banalisierung unerträglich.

Aber Hallo, da springen Menschen übers Messer!

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 17:41

13.2.2011: Hurra, Mubarak ist weg! Wer hat da gesiegt?

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Um Mißverständnisse zu vermeiden: Schon 1982 habe ich an der Uni in Cairo meine Gesprächstpartner verärgert, als ich ihnen vorhersagte, dass sich die weniger als ein Jahr zuvor installierte Mlitärdiktatur Mubaraks nicht halten würde. Zwar habe ich mich um fast 29 Jahre, nicht aber in meiner Weltanschauung geirrt. http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34235
Als am Tag nach Mubaraks absurder Fersehansprache doch die Nachricht von seinem Abflug aus der Hauptstadt kam, waren die Live-Bilder vom Tahrir-Platz gepaart mit der minutenlangen Sprechpause des Kommentators auf Al Jazeera (engl.) auch für mich von kaum überbietbarer Dramatik.
Also, auch ich weine dem Abgang der Gallionsfigur eines korrupten und diktatorischen Regimes keine Träne nach, nur hat Mubarak dieses Regime nicht geschaffen und ich bezweifle, dass es jetzt schon vorbei ist.

Ich hoffe aber, dass es nur intellektuelle Besserwisserei oder bourgeoise Erbsenzählerei ist, wenn mir folgende Gedanken kommen:

Mubarak war hoher Militär, jetzt hat das Milität die Macht. Wer hat da gewonnen?
Mubarak war mit großem finanzielle Einsatz der USA ein Grant, dass der von seinem ermordeten Vorgänger Sadat vereinbarte Frieden mit Israel hält. Nutznießer des Geldregens aus den USA war vor allem das Militär, das offenbar nach vielen Kontakten mit Washington seinen eigenen Oberbefehlshaber gestürzt hat. Was hat sich jetzt geändert?

Wir wissen dzt. nicht, ob die Ägyptische Revolution nicht ebenso enden wird, wie die Rumänische (Stichwort: Ceausescu; Filmtip: 12:08 östlich von Bukarest http://www.filmtipps.at/films/1208.php) oder die rezente Russische Revolution (Stichwort: von Gorbatschow zu Jelzin; von Parteibonzen zu Oligarchen). Die nahe Vergangenheit zeigte oft zwei Verlaufsmuster sogenannter Revolutionen auf: Entweder gewinnt zum Schluss eine andere Gruppe als ursprünglich angenommen oder es wird nur der Kopf ausgetauscht, die korrupten Strukturen aber beibehalten.

Die Medien sind voll davon, dass das World Wide Web mit Facebook und Twitter die Kommunikationsgrundlage für die Revolution war und feiern dies als Zeichen der fortschreitenden Demokratisierung der Welt im Sinne westlicher Demokratien. Richtet sich das WWW scheinbar gegen westliche Interessen (Wikileaks), wurde wie in Ägypten versucht, seine Dienste gewaltsamm abzuschalten. Vergleiche dazu: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34236 http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34236

Für Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey (CH) hat die Revolution in Ägypten gezeigt, dass «autoritäre und ungerechte Regierungsformen» keine Zukunft haben. Mit biblischem Zorn und der Überzeugung auf der richtigen Seite zu stehen, werden nun die westlichen Konten Mubaraks eingefroren. http://st.gallen.ch/news/detail.asp?ID=478226 Während Muarak für viele seiner politischen Aktionen zumindest formal das Recht des Ausnahmezustandes auf seiner Seite hatte, verabschieden sich sogenannte Rechtsstaaten – offenbar getragen von der Welle des gesunden Menschenverstandes – von allen Normen. Was wissen schweizer Banken heute über ihren Kunden Mubarak, was sie nicht auch schon in den letzten Jahrzehnten wissen hätten können? Wie wollen wir „dem Süden“ Rechtsstaatlichkeit beibringen, wenn wir uns selbst nicht daran halten?

Und für alle, die glauben, dass revolutionäre gesellschaftliche Umwälzungen so einfach gehen, sei Gil Scott-Heron zitiert:
The Revolution Will Not Be Televised …

http://www.youtube.com/watch?v=BS3QOtbW4m0

You will not be able to stay home, brother.
You will not be able to plug in, turn on and cop out.
You will not be able to lose yourself on skag and skip,
Skip out for beer during commercials,
Because the revolution will not be televised.

The revolution will not be televised.
The revolution will not be brought to you by Xerox
In 4 parts without commercial interruptions.
The revolution will not show you pictures of Nixon blowing a bugle
and leading a charge by John Mitchell, General Abrams
and Spiro Agnew to eat hog maws confiscated from a Harlem sanctuary.
The revolution will not be televised.

The revolution will not be brought to you by the Schaefer Award Theatre and will not star Natalie Woods and Steve McQueen or Bullwinkle and Julia.
The revolution will not give your mouth sex appeal.
The revolution will not get rid of the nubs.
The revolution will not make you look five pounds thinner, because the revolution will not be televised, Brother.

There will be no pictures of you and Willie May pushing that shopping cart down the block on the dead run, or trying to slide that color television into a stolen ambulance.
NBC will not be able predict the winner at 8:32 or report from 29 districts. The revolution will not be televised.

There will be no pictures of pigs shooting down brothers in the instant replay.
There will be no pictures of pigs shooting down brothers in the instant replay.
There will be no pictures of Whitney Young being run out of Harlem on a rail with a brand new process.
There will be no slow motion or still life of Roy Wilkens strolling through Watts in a Red, Black and Green liberation jumpsuit that he had been saving For just the proper occasion.

Green Acres, The Beverly Hillbillies, and Hooterville Junction will no longer be so damned relevant,
and women will not care if Dick finally gets down with Jane on Search for Tomorrow because Black people will be in the street looking for a brighter day.
The revolution will not be televised.

There will be no highlights on the eleven o’clock news and no pictures of hairy armed women liberationists and Jackie Onassis blowing her nose.
The theme song will not be written by Jim Webb, Francis Scott Key, nor sung by Glen Campbell, Tom Jones, Johnny Cash, Englebert Humperdink, or the Rare Earth.
The revolution will not be televised.

The revolution will not be right back after a message bbout a white tornado, white lightning, or white people.
You will not have to worry about a dove in your bedroom, a tiger in your tank, or the giant in your toilet bowl.
The revolution will not go better with Coke. The revolution will not fight the germs that may cause bad breath. The revolution will put you in the driver’s seat.

The revolution will not be televised, will not be televised, will not be televised, will not be televised.
The revolution will be no re-run brothers; The revolution will be live.

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 17:37

4.2.2011: Ägypten:Termiten:Menschen: Eine Prophezeiung

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Am 6. Oktober 1981 wurde Anwar El Sadat ermordet. Im Sommer 1982 kam ich in Ägypten an, um als Student ein Monat an der Universitätsklinik in Kairo zu arbeiten. Schon die Einreise über den Hafen von Alexandria hatte etwas Kafkaeskes: Brav hatten meine Begleiterin und ich neben altem Fotoapparat und anderen Dingen auch ein Stethoskop auf den Zollpapieren deklariert. Dieser offensichtlich unbekannte Gegenstand verunsicherte den Zollbeamten und er bestand darauf, diesen zu sehen. Nachdem ich mein Lithmann Stethoskop aus dem untersten Winkel meines Tramperrucksackes entbunden hatte, untersuchte er es mit höchster Akribie und wachsendem Verdacht. Selbst phonetische („El Hakim“) und demonstratorische Versuche ihn von der Harmlosigkeit des Objektes zu überzeugen, schlugen fehl. Nach gefühlten 60, wahrscheinlich jedoch nur 10 Minuten lähmender Pantomime und wachsender Hostilität kam endlich sein Vorgesetzter herbei, kanzelte ihn mit einer typischen Handbewegung und einigen gutturalen Lauten ab und ließ mich hinaus auf den Kai gehen. Bei meiner Begleiterin schien sich das Schauspiel unverändert zu wiederholen. Hier hatte die Obrigkeit aber etwas früher ein Einsehen. Der Verdacht, dass der durchschnittliche Ägypter bei seinem Arzt selten mit einem Stethoskop konfrontiert wurde, verdichtete sich während unserer späteren Erlebnisse im Giza Hospital bzw. im Cancer Institute. Weshalb in letzterem überwiegend schwangere Frauen untergebracht waren, erschloss sich uns nie, aber schließlich ist die Gravidität eine Tumorerkrankung (Tumor heißt eigentlich nur Raumforderung) mit Spontanheilung ….

Die Zustände in Kairo waren eher lähmend, die Versorgungslage schwierig und der jetzt täglich in den Nachrichten erwähnte Tahrir Platz erinnerte – olfaktorisch gesehen – eher an eine öffentliche Bedürfnisanstalt unter Rotlichtbestrahlung als an ein Stadtzentrum.

Die medizinischen Zustände an den beiden Spitälern waren ziemlich unbeschreiblich, Katzen liefen über Frischoperierte und die Ärzteschaft, die nur kurz ihre Privatordinationen verließ, um im Spital vorbei zu schauen, jammerte, dass sie kein Geld für die neuesten „Panzerschrank-Antibiotika“ aus dem Westen hatten. Meine Einwürfe, man „könnte sich auch manchmal die Hände waschen, um Infektionen zu reduzieren“, oder „bei uns wäre jede VW-Vertragswerkstätte steriler als dieser Operationssaal“, würde ich vielleicht auch nicht mehr in dieser Schärfe formulieren, jedoch entsprachen sie exakt meiner Wahrnehmung. Unter vier Augen gab man ja auch zu, sich selbst im Krankheitsfall lieber in ein britisches Militärspital einweisen zu lassen, als in die eigene Klinik. Damals prophezeite ich, dass sich das Regime in diesem Land kaum halten werde und es bald (!) zu einer Entwicklung wie 3 Jahre zuvor im Iran kommen würde …. OK, ich bin nicht unfehlbar. Nach einigen weiteren unliebsamen Überraschungen beendeten wir unsere „medizinische Karriere“ und reisten als Touristen durch das Land.

Eine Episode noch zum Schluss: Als wir die Kliniken verlassen haben, was wiederum den Verantwortlichen unangenehm war, weil sie dann keine Austauschstudenten mehr nach Österreich schicken konnten, saßen wir bargeldlos (Kreditkarte ?, he, wir schreiben 1982 und da drängte noch niemand einem Studenten so was auf …) und entsprechend desperat in einem kleinen Park in Kairo und hielten den üblichen „Was-nun-Kriegsrat“. Ein alter Mann, sicher der 101. Bettler für heute, kam auf uns zu und fuchtelte uns mit den Händen vor dem Gesicht herum. Alle Versuche ihn mit „No bakshish“ zu vertreiben misslangen und wir reagierten immer mürrischer. In dieser Lage, kein Geld, kein Quartier, der Rückflug erst in einem Monat, riss uns nun wirklich die Geduld mit diesem „Kameltreiber“ und ich wurde ziemlich laut. Da nahm er mich bei der Hand – so eine Unverschämtheit, will der meine Uhr ?- führte mich zu dem Stamm des Baumes unter dem wir saßen und zeigte mir die riesigen Termiten, die dort hinaufkletterten. Dann machte er mir wortlos klar, dass er uns nur warnen wollte unter diesem Baum zu bleiben, denn die Termiten könnten aus den Ästen auf uns herabfallen. Er lächelte, verbeugte sich leicht und ging unter meinem entschuldigenden Gestammel ab.

Wenn ich heute die Fernsehbilder aus Kairo sehe, denke ich auch den hilflosen Zöllner und an die überheblichen Ärzte an der Klinik, aber auch an den alten Mann im Park …. und an meine Vorurteile. Hoffentlich liege ich mit meiner Prognose einer iranischen Entwicklung auch in den nächsten 30 Jahre so falsch wie mit meiner damaligen Einschätzung, dass alle die einen ansprechen nur betteln wollen. Ägypten ist ein großes Land und es gibt viele „große“ und „kleine“ Menschen.

Da seither so viel Zeit vergangen ist, glaube ich, dass der Rest der Geschichte wenig Bedeutung für die heutige Situation hat. Vermutlich hat sich die „Schichtung“ der Gesellschaft nicht so sehr geändert, aber viele meiner damaligen Erlebnisse würden nur indieselbe Kerbe schlagen:
Die von „Dr. Ali“, der damals praktisch das gesamte Giza Hospital im  Alleingang am Laufen hielt, weil er sich – im Gegensatz zu den Oberärzten und Professoren – keine eigene Wohnung leisten konnte.
Der Polizist, der täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dieselbe Brücke „bewachte“, aber mir auf einem Plan von Kairo nichteinmal ungefähr zeigen konnte, wo wir uns eigentlich befänden.
Der Studentenvertreter, der zugab, dass das Studentenaustauschprogramm gegen den Willen der Professoren durchgesetzt wurde und entsprechend von diesen auch boykotiert wurde.
Der in London ausgebildete Spitalsleiter, der einmal pro Woche erschien, einen Kaffee nahm und wieder in lukrativere Gefilde entschwand.
All das würde nur meinen damaligen Eindruck verstärken: Je tiefer der Mensch auf der sozialen Leiter stand, je freundlicher war er. Je „höher“ er auf der Leiter stand, je unangenehmer empfand ich ihn.
Drei Dinge noch: In den abendlichen Gesprächen mit den Ärzten (!) über den damals noch frischen Friedensschluss mit Israel, stimmten alle darin überein, dass es nur ein vorübergehender Waffenstillstand sein kann.
Der freundliche Mangosaft-Verkäufer vor unserer Unterkunft, bei dem wir um einen Bettel täglich die einzige frische Frucht tranken, die damals zu erhalten war, sah in uns schon bald gute Freunde, so dass er meinte, dass er für uns etwas Besseres hätte. Mit verschwörerischer Mine griff er unter seine Theke und holte einen Tetrapak Orangensaft hervor. Was er nicht lesen konnte, das Produkt stammte aus Österreich (ob Rauch weiß ich nicht mehr sicher) und die Orangen stammten aus Jaffa.
Etwas hat sich abr seither total verändert. Wenn man damals einen Ägypter als Araber angesprochen hat, hat er sich das aufs Schärfte verboten!

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 17:32

In Ägypten wird gefeiert – feiern Sie mit!

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In Ägypten wird gefeiert – feiern Sie mit!

Vielleicht bin ich zu sensibel, aber manches tut man einfach nicht.
Vor einigen Tagen http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34374 habe ich noch Gil Scott-Heron’s 

The Revolution Will Not Be Televised …

zitiert, um auf die meiner Meinung nach mediale Trivialisierung der Umsturzbewegungen in Nordafrika hinzuweisen. 

In Ägypten wird gefeiert – feiern Sie mit!

Vielleicht bin ich zu sensibel, aber manches tut man einfach nicht.
Vor einigen Tagen http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34374 habe ich noch Gil Scott-Heron’s 

The Revolution Will Not Be Televised …

zitiert, um auf die meiner Meinung nach mediale Trivialisierung der Umsturzbewegungen in Nordafrika hinzuweisen. 

Heute bekam gerade unter dem Titel:

In Ägypten wird gefeiert – feiern Sie mit!

die als Screenshot angehängte Mail: 
Die Präsidentensuite ist wieder verfügbar …

um mich zu einem Ägyptenurlaub zu verführen.

Bei allem Verständnis dafür, dass auch die Tourismuswelt nicht stehen bleiben wird (vergleiche auch den in den letzten Tagen sehr informativen Blog Tagebuch aus Hurghada http://naturefriend.meinblog.at/ ) ist für mich diese Banalisierung unerträglich.

Aber Hallo, da springen Menschen übers Messer!

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 09:06

RE=VO=LU=TI=ON reloaded

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Am 13.2. (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34374) habe ich mich angesichts der Ägyptischen Revolution gefragt, wer den hier gesiegt hätte. 
 

Am 21.2. habe ich mich angesichts der anderen Umwälzungen (= exakte Übesetzung des Begriffs Revolutionen) in der arabischen Welt( http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34574 ) gefragt, in wie weit hier nicht die weltweite Wirtschaftskrise im Gefolge der sogenannten Immobilienkrise der wahre Auslöser der Umstürze war und nicht Demokratisierungswille, Facebook.oder Twitter.

Zwischenzeitlich sind drei Atommeiler in Japan undicht geworden, was mich auch ziemlich beschäftigt hat, aber wenn ich mich nun 3 Monate später frage, ob die Sache ursächlich klarer wurde, muss ich kopfschüttelnd passen.

In Libyen schiesst die NATO mit dem Segen der UNO hin wo sie Gaddafi vermutet (http://derstandard.at/1304551428559/Laut-Augenzeugen-NATO-griff-wieder-Unterkunft-Gaddafis-an). In Syrien schiesst das Regime auf alles was sich bewegt (http://www.fr-online.de/politik/spezials/aufruhr-in-arabien/syrien-glaubt-schon-an-das-ende-des-aufstands/-/7151782/8430364/-/index.html ) Bahrain, Jemen, ganz Arabien wohin man schaut wollen Demonstranten die herrschenden Führer und Clane (gelegentlich auch als Parteien bezeichnete Gruppen) zu Fall bringen. 

Nur was sie die Demonstranten wollen, scheinen auch Experten nicht ganz zu durchschauen.

Man nehme nur die aktuellen Unruhen in Ägypten, wo ein Gerücht zu Unruhen führte, in denen 13 Menschen starben und 200 verletzt wurden. (Nicht dass mich das so wundert, vor vielen Jahren sind mir an der Grenze zwischen Koptenviertel und muslimischem Slums auch schon Steine nachgeworfen worden …).

Wilde Spekulationen, wer den das Gerücht, eine freiwillig zum Islam übergetretene Koptin würde gewaltsam in einer Kirche festgehalten in die Welt gesetzt hätte, umfassten Anhänger des alten Regimes und islamische Extremisten.

Heute wurde verkündet, dass unter den 200 Verhafteten auch der Drahtzieher der Anschläge gefasst wurde. http://oe1.orf.at/artikel/276630 Ob hier die ägyptische Regierung nur den weltweiten Protesten etwas entgegenhalten wollte oder nicht, ist augenblicklich nicht zu „ergooglen“, aber eigentlich auch einerlei.

Trotz Informationsflut, trotz Ge-twittere und Ge-Google ist seit Monaten unklar, was Hunderttausende in der arabischen Welt auf die Strasse treibt.

Es ist unkar, ob das was passiert in eine menschlichere, gerechtere und aufgeklärtere Welt führt, oder nur eine weitere „Talibanisierung“ bedeutet.
Wobei für mich auch die gezielte Tötung Bin Ladens ohne Beweiswürdigung vor einem unabhängigen Gericht eine solche Talibanisierung bedeutet. Sie entspricht Stalins Auftragsmord an Trotzki
(http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Trotzki) .

Selbst Eichmanns völkerrechtswidrige Entführung aus Argentinien durch den israelischen Geheimdienst mündete in letzendlich ein rechtsstaatliches Verfahren. http://de.wikipedia.org/wiki/Eichmann-Prozess

Vielleicht ist meine Frage nach der Richtung der arabischen Revolution auch völlig sinnlos, weil wir doch aus der Geschichte gelernt haben (siehe Französische Revolution), dass am Schluss was anderes rauskommt, als die beabsichtigt haben, die das Ganze begonnen haben.

Drum ist es vermutlich auch egal, ob die revoltierenden Araber nun so genau wissen, was sie wollen …. schon beunruhigend, nicht?

Written by medicus58

10. Mai 2011 at 17:24

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