Sprechstunde

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Fällt Ihnen der Neusprech überhaupt noch auf oder Sterben heute nur noch Gesunde?

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Neusprech (englisch Newspeak) heißt die sprachpolitisch umgestaltete Sprache in George Orwells dystopischem Roman 1984. Durch Sprachplanung sollen sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt und damit die Freiheit des Denkens aufgehoben werden.

Was 1948 im Entstehungsjahr des Romans unter dem Eindruck der Propaganda-getriebenen nationalsozialistischen und kommunistischen Diktaturen als Projektion noch hellsichtig war und 1984 vor der Internet-Revolution schon fast wieder vergessen wurde, scheint uns inzwischen schon so normal, dass es niemanden mehr zu stören scheint.

Wird heute irgend eine (Auto-)verkehrsbehindernde Maßnahme (Begegnungszonen, Parkraumbewirtschaftung, Tiefgaragen…) gesetzt, heißt das Verkehrsberuhigung. Hier soll nicht in Frage gestellt werden, dass eine Beschränkung des Autoverkehres eine sinnvolle Maßnahme im Klimaschutz wäre, nur insinuiert der Begriff ein i.d.R. als positiv empfundene Empfindung, eben eine „Beruhigung“, wobei es durch sinnlose Umleitungen und Verdrängung von Verkehrsströmen nicht mal vor der eigenen Haustüre immer zu einer Beruhigung kommt, weil eben zahllose E-Scooter, Fahrradfahrer oder sinnlos Umwege fahrende Zulieferer, Handwerker, Taxis und „Shared cars“ unterwegs sind. Beruhigt wäre der Verkehr, wenn es keine Notwendigkeit mehr für ihn gäbe.

Auch im Gesundheitssystem sind wir umzingelt von immer absurderer Sprachregelungen:

Seit die Politik 1973 einen Thinktank (Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen) gründete, der 2006 als Geschäftsbereich in der Gesundheit Österreich GmbH aufging, hat man sich dort mit der Krankenversorgung und nicht der Versorgung von Gesunden beschäftigt. Schlicht, weil erstere Geld kostet, das man durch Lenkung einsparen wollte.

Klar würde man im ÖBIG/Gesundheit Österreich einwenden, dass man sich  ab und an schon auch mit Gesundheits-erhaltenden Maßnahmen beschäftigt hat, aber die wirklich relevanten Projekte (ÖSG, Großgeräteplan, ….) liefern den jeweiligen politischen Auftraggebern das, was die über Krankenhausstandorten und minimalen Geräte- und Personalausstattungen zur Diagnostik und Therapie von Kranken hören wollen.

Wenn Sie heute noch eine Krankenschwester als solche ansprechen, sind sie nicht nur sexistisch sondern haben nicht mitbekommen, dass schon längst in den ehemaligen Schwesternschulen und nunmehr auch FHs nur mehr Gesundheits- und Krankenpflege gelehrt wird. Standesvertreter argumentieren diese Begriffserweiterung ganz offen: Gesundheitspflege als Zukunftschance für Pflegefachberufe

Nach Jahrzehnten im Gesundheitssystem könnte man glauben, dass die traditionelle „Krankenpflege“ wäre eine ausreichende Herausforderung und Hut-ab vor all denen, die das seit Jahrhunderten auf dem jeweilig höchstmöglichen Level ausübten, nein, heute wird man ganzheitlich:

Den Menschen ganzheitlich zu sehen heißt, ihn in seiner Gesamtheit zu begreifen, in all seinen Dimensionen, der physischen, psychischen und der geistigen.
Jetzt mag man auch als Gesunder gerne gehegt und gepflegt werden und als Kranker natürlich auch gesund gepflegt werden, im Zentrum  steht aber wohl, im Krankenhaus die Pflege von Kranken, ein Wellness-Zentrum ist was anderes. Ja, und durch die Umbenennung wird wohl kaum jemand gesünder.

Auch die seit langem angekündigte Umbenennung des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) reiht sich in diesen politischen Neusprech ein.
Seit einem Jahr, ungeachtet vorherige durchgeführte Umfragen und Wettbewerbe, beschloss man sich in Wiener Gesundheitsverbund umzubenennen. Liegen hält jetzt die Gesunden im Gangbett und die Gesunden warten in den Ambulanzen, klingt ja gleich positiver. Auch die Krankenhäuser und Spitäler färbt man sprachlich zu Kliniken hoch, obwohl Nachbesetzungen immer seltener durch Habilitierte erfolgen.
Warum man nicht gleich der Schwarzwaldklinik eine Wienerwaldklinik entgegenstellte weiß Äskulap.
Wir werten auf, wir benennen um.
Wir verschweigen Krankheit und Tod, ohne sie aus der Welt zu schaffen.
Fühlen Sie sich dadurch besser? Wenn ja, haben unsere PR- und Propaganda Berater gewonnen.

Written by medicus58

7. Februar 2020 at 17:24

Erinnerungen an Indien 1984

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Erinnerungen an Indien habe ich schon mehrfach auf diesem Blog gewälzt:

Indien: Ohne Worte http://wp.me/p1kfuX-Mb
Indien: In der Mitte von nirgendwo http://wp.me/p1kfuX-LY
Auch das war Indien  http://wp.me/p1kfuX-LV
Indien – Krim: Es gab Zeiten http://wp.me/p1kfuX-LK
Indien und die Frauen – einige persönliche Erlebnisse  http://wp.me/p1kfuX-y2
Was unsere Welt wirklich prägt sind nicht die Social Media http://wp.me/p1kfuX-MO
Dogs are not allowed in Calcutta http://wp.me/p1kfuX-Mn
Im Schatten des Grandiosen http://wp.me/p1kfuX-LO
Raping India – Tradition oder Ökonomie? http://wp.me/p1kfuX-yB

Vor längerer Zeit habe ich begonnen meine alten Reisedias einzuscannen, was angesichts des suboptimalen Filmmaterials (Blaenau Ffestiniog und die Digitalisierung http://wp.me/p1kfuX-KX) sich als Crashkurs in der digitalen Bildbearbeitung herausgestellt hat …
Danach war es nur logisch, wenn auch ebenfalls herausfordernd, ausgewählte Bilder zu einer Videopräsentation zu verarbeiten. Während daheim das Ergebnis in HD über den PC oder der Blu-ray flimmert habe ich mit Rücksicht auf langsame Verbindungen das hier verlinkte Video einmal in komprimierter Form hochgeladen. Diese Slideshow umfasst die Bilder meiner ersten Reise, die mich 1984 innerhalb eines Monats von der Südspitze des Subkontinents (Tamil Nadu) über Bombay/Mumbay bis Delhi führte. Kleine Abstecher brachten mich auch ins nördliche Rajasthan (Jaipur, Amber) und zu den Tempeln von Khajuraho. Ich hoffe es gefällt (auch in der komprimierten Form). Von den anderen Reisen, insgesamt verbrachte ich bis jetzt fast fünf Monate drüben, gibt es bislang noch kein fertige Präsentation.
Das soll als Drohung aufgefasst werden.

Written by medicus58

6. Januar 2015 at 21:19

Veröffentlicht in Reisen

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Sag keiner, dass man es uns nicht gesagt hat…

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Time Mag
Eine der faszinierendsten Erkenntnisse nach einiger Lebenserfahrung ist, dass der menschliche Geist in Kunst und Populärwissenschaften viele Entwicklungen bereits Jahrzehnte im voraus erkannt hat.

Natürlich muss man sich vor dem Trugschluss hüten im Retrospekulum nur diese Spekulanten hervor zu holen, die eben auf das richtige Pferd gesetzt haben. 
Wenn der eine Grieche ohne wissenschaftlichen Beweis spekulierte, dass die Materie aus ein paar Grundbausteinen zusammengesetzt wäre und der andere bereits von Atomen schwafelte, ist das noch nicht der Beweis meiner These.
Auch muss man vorsichtig sein, die Dinge der Vergangenheit mit unseren Augen zu sehen, sonst landet man beim heute weitgehend vergessenen, in den 70er Jahren hochpopulären Erich von Däniken, der in jedem südamerikanischen Felsbild gleich außerirdische Raumschiffe sehen wollte.

Angesichts der aktuellen Diskussion über die weltweite Datensammlung US-amerikanischer Geheimdienste fällt einem natürlich George Orwells 1984 ein, in dem er seine rezente, das Buch wurde zwischen 1946 und 1948 geschrieben, Erfahrung mit den Abhörpraltiken im II. Weltkrieg verarbeitete.

Die Sensibilität für die Anwendung der eben aufkeimenden technischen Möglichkeiten, war offenbar nach 1945 wirklich höher als heute, was sich auch in dem Cover des Time Magazine aus 1950 erkennen lässt.
Es zeigt, wie die gerade leistungsfähigste Rechenmaschine der USA (die Briten waren während des Weltkriegs den Amis voraus!), der MARK III in die Hände der Militärs kommt.

Der Harvard Mark III (auch ADEC für Aiken Dahlgren Electronic Calculator) war ein teils elektronisch, teils elektromechanischer Rechner, der an der Harvard University unter der Aufsicht von Howard Aiken für die US Navy gebaut wurde.

Der Mark III wurde im September 1949 fertiggestellt und schaffte es vor seiner Auslieferung an die US Navy Base in Dahlgren, Virginia im März 1950 bereits im Jänner 1950 auf das Titelblatt des Time Magazine.

Sage uns nun keiner, dass wir nicht vorgewarnt wurden. Auch aus diesem Grunde ist es so wichtig, dass wir uns die Herrschaft über die Daten der Vergangenheit nicht gänzlich nehmen lassen, je mehr wir auf analoge Archive verzichten.

Copyright Cover: http://www.time.com/time/covers/0,16641,19500123,00.html

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