Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wie lange wollen wir uns noch fürchten und wie kommen wir aus der Geschichte wieder raus?

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Ein Jahr Pandemie und wir haben uns noch immer nicht einigen können, wie schlimm denn das alles ist und was und wie lange wir unser bisheriges Leben pausieren müssen, um es nicht noch schlimmer werden zu lassen.
Eigentlich absurd, weil wir inzwischen relativ stabile Eckdaten haben.

Die Case Fatality rate (% Verstorbene/positiv Getesteter) liegt weltweit relativ konstant bei ca. 2,2%. Die Werte einzelner Länder streuen zwar (siehe Johns Hopkins Mortality Data) haben sich aber seit Monaten nicht wirklich geändert. Inzwischen ist wohl jedem klar geworden, dass dieser Parameter nur zum Teil vom Infektionsgeschehen abhängt sondern auch von Teststrategie, Krankheitsdefinition, sozio-ökonomischen Gegebenheiten, dem Gesundheits- und Sozialsystem und natürlich von der Alterspyramide in den einzelnen Ländern abhängt.

Auch die Diskussion, ob es eine Übersterblichkeit durch Sars CoV2 gibt, kann nach einem Jahr schon mit ziemlicher Sicherheit für viele Länder (Euromomo) und Österreich beantwortet werden. Auch hier handelt es sich natürlich um die Summe aus zusätzlichen Sterbefälle durch Sars CoV2 abzüglich der ausgefallenen Influenza 2020, den weniger Verkehrstoten, … etc. Die Statistik Austria fasste die Zeit vor der Pandemie so zusammen: Von 2007 bis 2018 betrug die Zahl der Gestorbenen zwischen 74.625 und 83.975. 2019 wurden insgesamt 83.386 Sterbefälle verzeichnet, um 0,7% bzw. 589 weniger als im Jahr davor.
Für 2020 vermeldete dann der ORF: 2020 in Österreich zumindest 90.123 Menschen verstorben – 10,9 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. 
Auch diese Zahlen unterliegen natürlich einigen Einflussfaktoren (Bevölkerungswachstum ca. 0,5%/a, Sterbefälle im Ausland, …) sie passen aber relativ gut zu den 6.312 angegebenen im Zusammenhang mit Covid-19 im Jahr 2020 Verstorbenen.

Schließlich hat sich trotz viel diskutierter Todesfälle in jüngeren Kohorten seit Monaten nichts an der Altersverteilung der an Covid-19 Verstorbenen geändert:

Es wäre also langsam an der Zeit angesichts

weltweit fallender Zuwachsraten an Neuerkrankungen
(The number of infections reported to the World Health Organization last week dropped for the third week in a row.),
immer mehr registrierter Impfstoffe und
in Relation zu den Fallzahlen fallenden Hospitalisierungsraten und Intensivbelegungen bei gleichzeitig
steigender Überlebenschance unter (symptomatischee) Therapie
sich auf eine gemeinsame Risikoeinschätzung und somit auch auf eine konsensuale Strategie zu einigen.

Versuchen Sie das mal in den Asozialen Medien und machen Sie sich auf verbale Erschießungskommandos von allen Seiten gefasst:

Für Sie sind Covid Todesfälle offenbar nur Zahlen (Ja, weil sich nur so Relationen formulieren lassen: The collateral damage in most really low-income countries is going to be greater than the direct impact of COVID, Peter Sands, executive director, Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria)
.
Sie leugnen Long Covid (Nein, ca 20% 5 Wochen nach der Erkrankung, wie bei vielen (Infektions-)erkrankungen auch)

Wir retten Leben, koste es was es wolle, alles andere ist unethisch (Hätten wir einen Bruchteil der Mittel, die jetzt investiert werden in den letzten Jahren in das Gesundheitssystem investiert, hätten wir (u.a. bei Spätfolgen von Diabetes, HPV-Infektionen, Darmkrebs,…) mehr Leben retten können. Reden wir weiter, ob wir in Zukunft auch bereit ein werden mit Lockdowns, Impfungen und Masken jährlich tausenden Influenzatoten verhindern werden.)

Ja, aber jetzt kommen die Britische-, Brasilianisch-, Südafrikanische-, Tschechische- Amazonas-Mutationen (Schwer zu widerlegen, aber bei inzwischen sind >300.000 Mutationen bekannt und nichts spricht dagegen, dass der weltweit enorme Virusload nicht zu weiteren Mutationen führen wird. Da die Mehrheit aller Wissenschaftler überzeugt ist, dass uns das Virus kaum mehr verlassen und endemisch werden wird, bleiben uns mit dieser Argumentation Lockdown, Schulschließungen, Homeoffice,… etc. auf ewig erhalten.

Das ist wissenschaftlich bewiesen, Sie Covidiot

Als Wissenschaftler ist es manchmal wirklich schlimm, sich Unwissenschaftlichkeit vorwerfen zu lassen, insbesondere von solchen, die ihre Überzeugungen aus Zitaten von Zitaten von wissenschaftlichen Studien beziehen. Beispiel gefällig?
Vor zwei Tagen grassierten solche Schlagzeilen durch manche Qualitätsmedien:
Pfizer vaccine ‘highly effective’ in reducing coronavirus transmission, study suggests
Liest man im Independent weiter kommt man aber ins Staunen, was heute so als Studie gilt:
A study conducted by Pfizer and the Israeli Health Ministry shows that the vaccine is 89.4 per cent effective at preventing infections, whether symptomatic or not. The results have not yet been publicly released or peer reviewed but come from a draft publication that was obtained by Ynet, an Israeli newspaper, and have also been confirmed by Bloomberg, the Financial Times and Der Spiegel.

Die Eckdaten dieser neuen Viruserkrankung sind aber trotz kleinerer Unabwägbarkeiten inzwischen gut bekannt und (abgesehen von einem wirksamen Virostatikum, das es aber für sehr wenige Viren gibt) unsere Gegenmittel scheinen auch weitgehend abgeklärt. Trotzdem ist bei vielen die Furcht vor dem Unbekannten ungebrochen und ein Konsens über das Leben mit SARS CoV2 nicht in Sicht.

Die derzeitige Verhaltensanpassung (Bequemes Einrichten für den Dauerlockdown in kinderlosen oberen Einkommens- und Bildungsschichten, schlichte Negierung der Regelflut am anderen Ende der Gesellschaft) wäre eine gefährliche Dauerlösung. Die gesellschaftlichen Spaltung durch eine Politik, die sich auf ein einzelnes Thema verengt (und damit von anderen Problemen ablenken kann) ist eine große Gefahr für viele demokratisch Denkende, während die Pandemie nur für einen Teil der Bevölkerung eine existenzielle Gefahr darstellt.

Nicht zuletzt die Art, wie politisch durch die Pandemie geführt wurde, hat die Ratio durch Angst, die Wissenschaft durch Stimmung ersetzt und das Argumentum ad hominem diskursfähig werden lassen.

Die nächsten Wochen werden entscheidend, das erspart uns jetzt zu entscheiden. Seit einem Jahr wurden wir trainiert, dass wir noch viel zu wenig über dieses neuartige Virus wissen, um längerfristige Regeln aufzustellen und wurden zwischenzeitlich so mit allerlei Leckerlis ruhig gestellt (nach den Semesterferien, Auferstehung zu Ostern, Pfingsten, Weihnachten, und wieder Ostern). dass viele noch immer glauben, dass das so weitergehen wird und muss.

Es wird spannend, wie die politischen und virologischen Experten aus dieser Geschichte wieder raus kommen wollen, um uns auf ein Leben mit dem Virus einzustimmen. No-Covid oder Zero-Covid sind ebenso nur PR Floskeln, wie alle bisher versprochenen erlösenden Lichter.
Hoffen wir, dass es nicht alzu hässlich wird, wenn so mancher erkennen muss, dass der Dauerlockdown und das Coviditoten-Geschimpfe niemanden vor den medizinischen, wirtschaftlichen, politischen und bildungspolitischen Kollateralschäden der bisherigen Strategie geschützt hat.

Written by medicus58

23. Februar 2021 at 17:41

Fliegen fliegen auf Scheiße, warum soll es in der Pandemie anders sein.

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Verschwörungstheorien blühen, Falsch-Informationen über Covid-19 füllen ganze Webseiten. Qualitätsjournalismus und Google warnen vor Portalen, die diesen Mist verbreiten.

Niemand warnt aber vor denen, deren Inserate diese Seiten finanzieren. Eine rezenten Analyse von Newsguard zeigt, dass sich darunten viele der bekanntesten Konzerne und Marken ebenso finden wie so manche russische oder chinesische Propaganda-Abteilung:

Thousands of the world’s most trusted brands—including Pepsi, Starbucks, Comcast, Verizon, Marriott, and even the CDC—have funded COVID-19 misinformation, including Chinese and Russian propaganda websites.

So ganz unrecht hat der alte Lenin auch heute nicht, als er sagte Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen.

Von Februar 2020 bis heute haben 4,315 Markennamen über 42,000 Einzelwerbeeinschaltungen auf Webseiten geschaltet, die COVID-19 Falschmeldungen brachten.

Allein 105 der bekanntesten Krankenversicherer und – versorger, plazierten (oft auch nur algorithmenbasiert) ihre Werbung dort, darunter Stanford Health Care, Emory Healthcare, Northwell Health, RWJ Barnabas, Oscar Health Insurance, United Healthcare, Beaumont Health, the University of Pittsburgh Medical Center, New York Presbyterian und die Mayo Clinic.

Sogar Pfizer zahlte für seine Werbung inmitten der Covidleugner und Impfverweigerer. Der zitierte (englische) Artikel erwähnt noch viel mehr dieser Absurditäten.

Hauptsache hoher Datenverkehr, Inhalte völlig blunzn. Doch, so sind wir.

Written by medicus58

17. Februar 2021 at 23:17

Veröffentlicht in Psychopathologie der Medizin

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Erste Welle, Zweite Welle, Dauerwelle, Dritte Welle

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Um gleich zu Beginn klar zu stellen, keine Pandemie, die ihren Namen verdient, verzichtet auf eine Dritte Welle, es sei denn sie bringt ihre Wirte zu nachhaltig um, und wer behauptet, dass die Friseursalons die großen Pandemietreiber wären, soll dafür wissenschaftliche Evidenz vorlegen.

Die CDC berichtete im Juli von zwei nachweislich an Covid-19 erkrankten Friseuren, die offenbar einander angesteckt haben, aber nicht ihre 139 Kunden zwischen 21 und 93 Jahren. Während der Verschönerung trugen übrigens beide Seiten Mund-Nasen-Schutz, ich nehme an, die beiden Figaros während der Kaffeepause nicht.

Der Umkehrschluss funktioniert übrigens nicht. In einer rezenten Analyse der britischen Statistik-Behörde, finden sich Friseure durchaus unter den Jobs, die bisher die meisten Covid-19 Todesfälle in ihren Reihen zu beklagen haben.

Diese Analyse sollte übrigens all den Gstopften, die die Pandemie mehr oder weniger gemütlich im Homeoffice verbracht haben und sich über ihre grauen Strähnchen grämen, auf das Nachtkastl gelegt werden.

Wie immer sterben mehr Hilfsarbeiter als Menschen in höher bezahlten Jobs und btw Lehrkräfte nicht häufiger als gematchte Kontrollgruppen.

Je länger der Tanz dauert, desto mehr hat man das Gefühl, dass die Hektik am falschen Platz stattfindet.

Millionen werden in die Beruhigungstests an den Schulen gepulvert, um bei einer Teilnahmerate von 99%, 0,05% positive Schüler und 0,18% positive Lehrer zu identifizieren.

Nix gegen die Teststrassen, aber auch dort liegt die Entdeckungsrate deutlich unter der sich aus den Sterbezahlen abschätzbaren Prävalenz.

Also, wie bei den Friseuren, investieren wir hier viel zu viel Energie am falschen Ende. Wird wohl auch in der Dritten Welle so weiter gehen. Virlleicht schaffen wir so sogar eine Vierte Welle, ehe sich das Coronavirus, wie damals das „spanische Grippevirus“, als „Influenza C“ einfach unter die Wahrnehmungsschwelle gleitet.

Written by medicus58

13. Februar 2021 at 14:12

So blümerant

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https://wp.me/p3YvOX-1A0

Written by medicus58

12. Februar 2021 at 12:15

Veröffentlicht in Allgemein

Covid vaccination for people above 50 years to begin from March: Health Ministry

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Indischer Impfplan

https://wp.me/pau9wP-wKY

Written by medicus58

7. Februar 2021 at 14:12

Veröffentlicht in Allgemein

Bitte, bitte, macht eine vernünftige Corona Demo

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Unter dem gütigen Auge der Wiener Polizei zog bei uns zuletzt am Sonntag, aber auch in vielen anderen Ländern ein bunter Tross aus Besorgten und Beknackten Abstands- und Masken-los durch die Innenstädte.
Die FPÖ jubelt über den Schulterschluss mit der Protestbewegung gegen die Corona-Maßnahmen und
FPÖ Kickl bringt einen Misstrauensantrag gegen seinen Nachfolger ein. Die Grüne verlangen postwendend eine Antwort von der „eigenen“ Regierung und der Innenminister geilt sich an den angehobenen Strafen für die Masken-Verweigerung auf. Der Wiener Bürgermeister übt den medialen Schulterschluss mit dem Bundesmaturanten Kurz in der Ankündigung minimale Lockerungen, seine Parteichefin Rendi-Wagner warnt eindringlich davor.

Es gäbe so viel, wogegen ich gerne demonstrieren würde:

Gegen die Planlosigkeit, die stets ihre Ziele wechselte, um die Misserfolge zu kaschieren: Zuerst haben wir es für die Alten getan, die von Anfang bis heute präferentiell mit und an SarsCov2 verstorben sind, dann haben wir allerlei Masken getragen, um die anderen zu schützen, nur um zum Weltmeister in Sterbefällen zu werden, jetzt tragen wir die FFP2-Masken um uns selbst zu schützen.

Gegen die verlogene Manipulation , die seit einem Jahr glaubt mit dem versprochenen Licht am Ende des Tunnels Zustimmung und Disziplin erreichen zu können, ob wohl sich dieses Licht (Erleichterung nach den Semesterferien, nach Ostern, nach Pfingsten, im Sommer, Weihnachten retten, Impfung, …) seit letztem Frühjahr immer wieder als der Rückfahrscheinwerfer des Vordermanns entpuppt hat.
Sie haben ja nicht ernsthaft geglaubt, dass ich nochmals den Gegenzug in Ihr Kopfkino projiziere?

Gegen die Leugnung des Bildungsraub einer Generation von der Volksschule über die Lehre bis an die FHs und Unis bei gleichzeitiger Leugnung der Infektionsketten auf Baustellen, Werkshallen, Großraumbüros und Logistikzentren.


Gegen die Verlogenheit, die Infektionscluster nur dort (Haushalt, Auslandsurlauber, …) finden will, wo sie den Parteispendern nicht weh tun.

Gegen die Vordrängler und Schlauerln, die es sich wie immer in diesem Lande richten und in Südafrika Golfen, Party feiern oder hohe Summen einstreifen während andere im Lockdown zu wenig mehr als Arbeit kommen.

Gegen die, die jeden Blödsinn, jede Transferleistung, jede Unzulänglichkeit, mit der besonderen Lage in der Pandemie verteidigen.

Gegen die Milliarden die verschleudert werden und überproportional bei politischen Freunden, Multis und in sinnlosen Ankäufen (Millionen Nasenbohrern und danach Gefälligkeitsgutachten der AGES) landen aber viel zu wenig den wirklich Betroffenen zu Gute kommen, die am Ende den Zirkus bezahlen müssen.

Gegen die Missachtung des Rechtsstaates und das Reagieren statt Regieren durch Notverordnungen.

Gegen eine seit Monaten anhaltendes Datenchaos, das mit positiven Testergebnissen und Intensivbetten schockieren und disziplinieren möchte, aber tunlichst jede tiefere Analyse (Verhältnis zwischen positiv Getesteten und klinischen Verläufen, sozioökonomischer Hintergrund, Infektionswege am Arbeitsplatz ehrlich identifizieren, …) verhindert.

Gegen die unsanktionierten Lockdown-Ausreisser im türkisen Umfeld (illegal geöffnete Beherbergungsbetriebe (z.B. Tirol seit April 20!), Britische Schilehrerkurse, …).

Gegen die Aufhebung jeglicher naturwissenschaftlicher Standards in Berichterstattung und Zulassungsbehörden (Nein, die Ergebnisse mit AstraZeneca sind nicht gleich gut wie mit den mRNA Impfstoffen; Nein, die Behauptung AstraZeneca schützt auch vor Übertragung ist falsch; Nein, die Entscheidung für AstraZeneca fiel lokal und nicht in Brüssel; Nein, ein Impfstoff dessen optimales Impfschema unklar ist, dessen Produktion schon fehlerhaft war kann so nicht zugelassen werden).

Gegen das unseelige Tandem aus PR-getriebener Politik und alarmistischer Jouraille die maßgeblicher als jede andere Gruppe unseren Weg durch die Pandemie bestimmt.

Gegen all das würde ich gerne seit Monaten auf die Straße gehen, natürlich mit Nadke und Abstand.

Also wenn sie sowas auf die Beine stellen kontaktieren Sie mich, ich wäre Ihr Fahnenträger.

Written by medicus58

4. Februar 2021 at 20:13

Covid-19, die neue Wiener Krankheit? Wie gut schlägt sich denn der Hacker?

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Ich weiß, treue Leser kann ich mit dem Studententeaser, was denn die Wiener Krankheit war (Spoiler: Schwindsucht wegen Tuberkulose), nicht mehr überraschen, aber gewisse Parallelen zu Covid sind unübersehbar.

Zur Jahrhundertwende lag die Sterblichkeitsquote (anderer Link) an dieser bakteriellen Erkrankung im ersten Bezirk bei ca. 10/1000 Bewohner, in manchen Arbeiterbezirken bei > 60/1000 Bewohnern.
Was in unserer Corona-Fixiertheit vergessen wird, sterben auch noch heute weltweit an dieser tödlichsten Infektionskrankheit der Welt jährlich 1,5 Millionen Menschen.
In Wien begann der Anatom, Eugeniker, Soziallamarckist und Stadtrat für Wohlfahrtswesen Julius Tandler  in den 1920er Jahren die Tuberkulose unter Einsatz von städtischen Budgetmitteln (während der Bund 1923 für Tuberkulosefürsorge nur 80.000 Schilling aufwendete, setzte die Gemeinde Wien eine Viertelmillion Schilling ein) systematisch zu bekämpfen. Inzwischen denkt wohl kaum jemand daran, dass die TBC einst weltweit als typisch für den schlechten Gesundheitszustand der Wiener galt.

Laut aktuellem Johns Hopkins Dashboard sind in etwas über einem Jahr der Sars Cov 2 Pandemie von den 102 Millionen gemeldeten Fällen 2,2 Millionen Menschen verstorben. Ob die Dunkelziffer bei der Tuberkulose und bei Covid-19 vergleichbar ist, darüber kann man wohl trefflich streiten.
Auch ob die mediale Aufmerksamkeit zwischen den einzelnen Infektionskrankheiten (Malaria 2019: rund 229 Millionen Fälle, eine halbe Million Tote, HIV 2019: 38 Millionen Erkrankte, trotz antiviraler Therapie fast 700.000 Tote, …) fair verteilt ist, soll hier nicht weiter verbreitet werden, weil eine medial und politisch sehr einseitig aufgeschreckte Bevölkerung sich dieser Diskussion seit Monaten verschließt.

Was hier etwas beleuchtet werden soll, ist die Frage, wie sich Wien im Vergleich mit anderen größeren Städten in der Pandemiebekämpfung so schlägt, wenn man ganz einfach Einwohnerzahl und Todesfälle in Relation setzt. Natürlich ist das ein sehr grobes Maß und die erhebbaren zahlen, selbst innerhalb der Länder differieren ganz gewaltig.
Es ist entgegen der landläufigen Meinung Großstädte wären die wahren Problemzonen aber vielleicht gar nicht so wichtig, was in den Ballungszentren so passiert. Bloomberg zeigte Ende Dezember Daten, dass in den USA gegen Jahresende mehr Menschen in kleinen Städen und am Land an Covid versterben, als in den großen Städten. Auch in Österreich wird immer wieder darauf verwiesen, dass sich die Inzidenzen in Wien viel besser entwickeln, als im Westen. Wirkt da der bärbeißige Stadtrat Wunder?

Vergleichen wir also wie sich Wien (im Vergleich zu anderen Großstädten, mit den jeweils aktuell verfügbaren Daten) in der Sars Cov2 Pandemie hält. Die Zahlen sind oft unterschiedlich und es lassen sich (Paris, Rom) nicht immer Zahlen ausschließlich für den dicht verbauten Bereich finden. Jedenfalls haben wir augenblicklich (Ende Jänner 21; Ratio = Todesfälle in % Einwohner) in

Regiao de Lisboa, ca 2,8 Millionen Einwohner, 1751 Todesfälle, Ratio: 0,06
Berlin, ca. 3,8 Millionen Einwohner, 2,195 Todesfälle, Ratio: 0,06
Amsterdam, ca 873.000 Einwohner, 604 Todesfälle, Ratio: 0,07

Wien, ca. 1,9 Millionen Einwohner, 1.427 Todesfälle, Ratio: 0,075

Rom (Regio Latium) , ca 5,9 Millionen Einwohner, 4918 Todesfälle, Ration: 0,08
Bern, ca. 1,0 Millionen Einwohner, 918 Todesfälle, Ratio: 0,09
Paris/Île-de-France, ca. 12,2 Millionen Einwohner, 13.244 Todesfälle, Ratio: 0,11
London, ca. 9,3 Millionen Einwohner, 12.677 Todesfälle, Ratio: 0,13
Madrid, ca. 6,7 Millionen Einwohner, 12.535 Todesfälle, Ratio: 0,19
Stockholms Län, ca. 950.000 Einwohner, 2.400 Todesfälle, Ratio: 0,25
New York City, ca. 8,4 Millionen, 26.763 Todesfälle, Ratio: 0,31

Überfliegt man die Beispiele, war schwierig genug diese zusammen zu suchen, fällt das Semesterzeugnis für das Wiener Gesundheitssystem nicht schlecht, aber vielleicht auch nicht so überragend aus, wie man es vielleicht angesichts der vielen Initiativen erwarten könnte.
Aber über dem Schnitt liegt es allemal.

Written by medicus58

30. Januar 2021 at 20:31

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Eine Impfung und dann? Ein paar Gedanken zu den aktuellen Lieferschwierigkeiten:

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Ob es jetzt die Verschlagenheit der Pharmaindustrie, unvorhersehbare oder vorhersehbare (Wer hat die österreichische Impfstrategie eigentlich verbockt?) Probleme waren, es muss davon ausgegangen werden, dass sich für die rund 160.000 bereits mit Comirnaty (Pfizer-Biontech) geimpft sind, die zweite (Booster) Impfung verzögert.

Da stellt sich dann die Frage, ob die Kröte (mögliche akute Nebenwirkungen) umsonst (ohne Impfschutz) verspeist wurde, oder doch ein gewisser Schutz auch durch eine einzelne Impfung erworben wurde.
Das muss natürlich für alle Impfstoffe gesondert überlegt werden, da aber aktuell bei uns ohnehin nur Comirnaty verwendet wurde, können wir uns vorerst darauf beschränken.
(Anything goes bei den SarsCov2 Impfstoffen, aber gehen Sie weiter, da gibt’s nichts zu sehen)

Klar ist, dass in den ersten Tagen nach der Impfung praktisch kein Unterschied zu Placebo/Nicht-Geimpften zu erwarten ist. In den Unterlagen des britischen Public Health Greenbook 14a wird der Beginn der Schutzwirkung erst ab 10. Tag nach der ersten Impfung erwartet.
Die Firmendaten waren optimistisch und versprachen bei 52% der Einmal-Geimpften einen Schutz, aktuelle Zahlen aus Israel sind weniger euphorisch und sprechen aber ab Tag 14 nur von 33%-igem Schutz .
Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Das britische Vaccination Committee gibt für die Tage 15-21 nach der ersten Impfung eine Wirksamkeit von 89% Prozent an, was ja bereits die Sinnhaftigkeit eines Boosters hinterfragen ließe. Nur ist halt das 95% Confidence Interval mit 52% – 97% ziemlich groß. Also wie gesagt, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Eine weitere Erklärung für den doch ziemlichen Unsicherheitsbereich liegt in der jeweils herangezogenen Definition von Schutz. Es macht natürlich einen Unterschied, ob man (wie in der Zulassungsstudie) Krankheitssymptome oder Virusnachweis heranzieht, bzw. ob man eine Beobachtung oder eine radomisierte Studie heranzieht.

Die Zahlenspiele bekamen auch dadurch eine gewisse Brisanz, dass sich (am 30.12. zuerst die britische) Gesundheitsbehörde für eine Verlängerung der Impfintervalle (12 Wochen statt 3-4) aussprach, um die zur Verfügung stehenden Dosen auf einen größeren Anteil der Bevölkerung „zu strecken“. Während bei uns gerade das Showimpfen los ging, sprach man dort bereits ganz offen von Lieferschwierigkeiten (nicht nur bei Comirnaty) bis zum Ende der Wintersaison.
Für Comirnaty liegen offenbar keine Testergebnisse für ein anderes als das vorgeschriebenen Impfintervall vor, AstraZeneca hat verschiedene Intervalle untersucht und sah einen besseren Response nach 2-3 Monaten, IMHO weil die Immunreaktion gegen das Transfervirus abgeflaut ist, die statistische Power ist aber auch hier (btw, wie bei den älteren Semestern) für diesen Impfstoff gering.

Bemerkenswert ist auch, dass die Europäische Zulassungsbehörde EMA jede Verlängerung des Impfintervalls über 6 Wochen hinaus als „off label use“ sieht.

Da sich Lieferschwierigkeiten beim Impfstoff seit längerem abzeichnete, stellt sich doch die Frage, ob es für unser Herr Impfkoordinator Auer alternativlos war, die erste Dosis zu verimpfen, wenn die zweite unsicher war. Ob das insgesamt das Impfgeschehen bremsen kann, wenn nur ein Bruchteil der Bevölkerung halb geschützt ist, mag bezweifelt werden, ebenso ob es den Betroffenen geholfen hat. Ja, und Stimmen mehren sich, dass die „Produktion von Halbimmunisierten“ durchaus auch große Gefahren in sich birgt:
Paul Bieniasz, ein Virologe der Rockefeller University faste es so zusammen: “My concern, as a virologist, is that if you wanted to make a vaccine-resistant strain, what you would do is to build a cohort of partially immunized individuals in the teeth of a highly prevalent viral infection.“

Wieder rächt es sich, dass (nicht nur unsere tückisch-grüne) Regierung dem Druck der Medien und eigenen Propaganda (Kanzler greift durch: Impfstart wird vorgezogen!) folgt und dabei ganze Länder in riesige Versuchslabore verwandelt. Im Falle unseres Politikwissenschaftlers als Obersten Impfkoordinator ohne jede fachliche Qualifikation, wie sich über Seiten in seinem Bewerbungsschreiben bei der WHO nachlesen lässt (Link).

Written by medicus58

28. Januar 2021 at 18:19

Ja warum wirkt der Lockdown nicht, ihr schlimmen Bürger?

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Am 21.Jänner 2021 publizierte Eurostat eine Reihe hochinteressanter Daten über die ersten drei Quartale des letzten Jahres.

Die interessanteste Grafik in dieser Statistik ist wohl die über die Entwicklung des Bruttonationalprodukts der EU.

Wie wir sehen, führte der erste Lockdown in der EU zu einem kurzfristigen massiven Einbruch des GDP mit einer überproportionalen Erholung im gesamten dritten Quartal. Wenn ich meine persönliche Wahrnehmung als Ersatz für das (noch) fehlende 4.Quartal einsetze, nämlich den seither unvermindert gebliebenen Berufsverkehr, dann liegt für mich nahe, dass viele Gründe, die augenblicklich für die geringe Wirksamkeit des x-ten Lockdowns angeführt werden (Disziplinlosigkeit, falsche Masken, Parties,…) weitgehend irrelevant sind.

Die ungestörte Produktivität (trotz immer wieder lahmgelegter Dienstleistungsbetriebe) kann ja nur durch die weitgehend ungestört weiterlaufenden Baustellen, Fließbänder, Logistikcenter und Fabrikshallen erklärt werden, wo (auch wieder nach meiner natürliche nicht flächendeckenden Wahrnehmung) Masken und Babyelefanten im Aussterben liegen.

Natürlich ist es Wahnwitz den Wintertourismus und die Beherbergungsbetriebe augenzwinkernd weiter zuzulassen. Aber ich frage mich, weshalb jede andere Erklärung für die hohen Infektionszahlen (bei geschlossenen Schulen) viel mehr Beachtung geschenkt wird, als der Industrieproduktion und der Bauwirtschaft.

Natürlich können wir nicht alle Fabriken und Baustellen schließen, aber dort auf systematische Tests zu setzen schiene mir sinnvoller als die Nasenbohrer in den Schulen, irreale Abstandsregeln und weiterer Lickdown derer, die ohnehin schon im Homeoffice arbeiten.

Kann es sein, dass aber der politische Druck so groß ist, schließlich würde ein Stilkstand einzelner Fabriken und Bazstellen viel mehr kosten als eine geschlossene Schule, dass wir lueber mit anderen Verirdnungen abgelenkt werden ?

Written by medicus58

25. Januar 2021 at 22:59

Wer hat die Österreichische Impfstrategie eigentlich verbockt?

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Klar konnte vor Monaten niemand voraussehen, welcher der Dutzenden Impfstoffe (Regelmäßig aktualisierter Überblick über mögliche Impfungen gegen das Coronavirus) es bis zur Zulassung schaffen wird, aber Das Virus schaffte, was mehrere Wahlkämpfe nicht schafften, und die Wähler noch immer nicht wahrhaben wollen: Das Beste aus zwei Welten ist nicht gut genug.
Auch wenn Rudi Anschober schon wieder in der ZIB 2 überrascht tut, waren die Schwierigkeiten vorhersehbar: Lieferschwierigkeiten beim Impfstoff, wer hätte das gedacht ?!?!

Aus dem EU Angebot hat sich die tückisch-grüne Regierung offenbar bewusst für den Wirkstoff der AstraZeneca entschieden, bei dem schon während der Zulassungsstudien Probleme offensichtlich wurden, so dass die Studien kurzfristig unterbrochen wurden.
Mit Stand Jänner 2021 hat die EU ihre Bestellungen eher gleichmäßig gestreut (AstraZeneca (400 Millionen Dosen), Sanofi-GSK (300), Johnson and Johnson (400), BioNTech-Pfizer (600), CureVac (405), Moderna (160) und begonnen mit Novavax über 200 Millionen zu verhandeln.
Die Shoppinglist unserer offensichtlich Kurz-sichtigeren Regierung setzte überproportional auf AstraZeneca:

AstraZeneca: 6 Mio. Dosen
SANOFI, Protein-Subunit 1,5 Mio. Dosen
Johnson&Johnson 2,5 Mio. Dosen
BioNTech/Pfizer 3,5 Mio. Dosen
CureVac 3 Mio. Dosen
Vergleiche: Das Covid-19 Impf-Dilemma hat schon Hippokrates vorhergesehen (Update 6.1.2021)

Ja, und wenn man dem Volk auf’s Maul schaut, dann scheint das auch immer mehr aufzufallen:
Privat bin I vielleicht a Trottel, aber beim Covid kenn I mi aus

Aber neben dem Gesundheitsminister, der noch immer unbeirrt von Impfdose statt -dosis spricht, dem Bundesbasti, der der europäischen Zulassungsbehörde sagen möchte, wie sie arbeitet, sind es auch die Spitzenbeamten des Gesundheitsministeriums, die im Ernstfall ohne Maske dastehen.

Nein, dabei meine ich nicht die frisch gekürte Chief Medical Officer (Im ORF wird nur in der ersten Wochenhälfte geköpft). Der oberste Koordinator des Chaos ist Clemens Auer, und der hat in unserem Gesundheitssystem schon so einiges verbockt (Link).

Written by medicus58

22. Januar 2021 at 22:18

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