Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 3: Drinnen und draußen)

leave a comment »


So viel Managementerfahrung hat bald einer, dass er weiß, dass man an der Spitze Informationen nur mehr sehr sehr gefiltert und gefärbt erhält.
Es sind ja keine Lügen, vielmehr selektive Auslassungen und etwas andere Gewichtungen, die die Inhalte erhalten, wenn sie mit persönlichem Interesse vorgebracht werden, nur gilt das für die eigenen Mitarbeiter in gleichem Ausmaß, wie für externe Berater.

Seit Jahren geben sich letztere im KAV die Klinke in die Hand und programmieren Software, instruieren Mitarbeiter und schließen sogar Verträge im Namen des KAV ab. All die Projekte hatten klingende Namen und füllten die Taschen der Berater mit klingender Münze für die ach so großen Einsparungen, die sie dem KAV eingebracht haben. Die meisten dieser Einsparung existieren aktuell aber nur in irgendwelchen Rechenmodellen:
War es 2020, 2030 oder erst 2050, wo sich die massive Neubautätigkeiten im Bereich der Pflegeheime amortisiert haben würden? Davor sind die jährlichen Kosten halt höher als davor.
Vereinheitlichte Softwareprogramme können natürlich ein Segen sein, nur summieren sich halt die Rechnungen für jede nachträgliche Anpassung, und die klinische Medizin ist ein sehr lebendiger Prozess, wo es immer wieder Neues einzupflegen und Altes zu entsorgen gibt.
Mag sein, dass die Massenlaborparameter nun billiger wurden, nur werden halt einige Spezialuntersuchungen deutlich teurer, diese waren aber nicht innerhalb des Sparziels.

Meine Erfahrungen mit all den externen Beratern war eine äußerst zwiespältige, zumal diese durch unsere Abteilungen und Labors wühlen durften, oft bessere Daten als wir selbst hatten und uns schließlich mitteilten, was unsere Dienstgeber denn von uns wollte und daraus gleich Anordnungen verkündeten, die man ja gerne in der Generaldirektion, oder im Lenkungsgremium oder wo auch immer rückbestätigen lassen könnte.
Verstehen Sie mich richtig, ich erfuhr von externen Firmen, was meine Dienstgeberin von mir will, und diese rechtfertigten ihre Anordnungen an mich, damit dass sie diese nur ihm Namen meiner Dienstgeberin an mich weitergab. Klar, man könnte in jedem Fall in der Generaldirektion nachfragen, ob das Gegenüber auch wirklich berechtigt wurde, jedes Datenmaterial einzusehen, aber schließlich fand das alles in einem klingenden Projekt statt, von dem man intern erfuhr wie viel Millionen schon eingespart wurden.

Wenn sich der KAV schon Dritter bedient, weil er seinen eigenen Mitarbeitern offenbar misstraut, dann scheint es mir nicht zu viel verlangt, dass entsprechenden Gespräche mit externen Beratern nur in Anwesenheit eines Vertreters der Dienstgeberin stattfinden, der genau über Inhalt und Ausmaß des Auftrags an die externe Firma Bescheid weiß.

Auch so eine Beraterfirma hat Interessen und diese müssen nicht immer ausschließlich zum Wohle des Klienten sein.

Written by medicus58

5. Juli 2017 at 16:37

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , , , , ,

Bitte sagt, dass das Fake News sind …

with one comment


6 terrible and potentially dangerous health tips from Gwyneth Paltrow

http://read.bi/2sLiVkC

Written by medicus58

5. Juli 2017 at 14:24

Veröffentlicht in Psychopathologie der Medizin

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 2: Hilfe gegen den Helpdesk)

leave a comment »


Schon vor vier Jahren habe ich hier unter KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht beschrieben,
welche überproportionalen Einfluss die IT-Verantwortlichen auf Struktur- und Ablaufentwicklung im Wiener Krankenanstaltenverbund haben.

Die vor wenigen Tagen von der Kronen Zeitung  berichteten Kostensteigerungen in diesem Bereich:

313 Millionen Euro muss die Stadt Wien in den nächsten fünf Jahren für die EDV der Spitäler ausgeben …Teuerung bei Service und Wartung Plus von 74 Prozent droht

wurden mW von keinem anderen Medium aufgegriffen, unwahrscheinlich scheinen sie nicht. Oft hat man den Eindruck, dass es leichter wäre einen zusätzlichen PC als ein EKG zu bekommen.

Völlig demoralisierend sind die täglichen Abstürze, Latenzzeiten und verschwindenden Daten, über die man sich dann bei einem Helpdesk beschweren darf.
Obwohl konstatiert werden muss, dass die dort abhebenden Mitarbeiter inzwischen zu vielen Standardfehler in Outlook und Co. ganz kompetent geworden sind und hier rasch per Remote-Zugriff helfen, wird man bei allen komplexen Fragen mit einer Ticketnummer und dem Versprechen abgespeist, dass man das Problem weitergeben wird. Betrifft das Problem aber vor anderen Firmen zugekaufte oder überhaupt gewartete Programme oder Hardware findet man sich rasch in einer Parallelwelt.

Ich erspare uns nun mehr Beispiele und verweise auf nachfolgende Links. Meine zweite Bitte an den zukünftigen Generaldirektor wäre also eine Klärung,
wer im Krankenhaus denn den Kernprozess trägt und wer eigentlich nur zur Unterstützung dieser Menschen da ist!
Oder haben Sie schon einen Hund gesehen, der von seinem Schwanz gewedelt wird?

Links:
KAV-IT: Ohne Worte
Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall
Ein Tag im KAV
KAV: Wo bleibt die Informationspflicht der Bevölkerung, wenn Spitäler still stehen?
Meine Dienstgeberin gendert: KarteireiterInnen
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher

Written by medicus58

3. Juli 2017 at 16:51

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

Tagged with , , , ,

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 1: Kafkaeskes Prozessmanagement )

with 2 comments


Über die neue Struktur des Wiener Krankenanstaltenverbundes wurde Anfang 2017 entschieden,
die Ausschreibung der Generaldirektion wurde für Ende Juni 2017 versprochen.

Nachdem wir uns je nach Position die Tränen endgültiger Verzweiflung oder höhnischen Lachens aus dem Augenwinkeln gewischt haben, wäre es doch einmal ganz lohnend einen Wunschzettel an den neuen Generaldirektor zu schreiben.
Wem das als Brief ans Christkind erscheint, mag angesichts der Termintreue der Wiener Stadtregierung vielleicht sogar recht haben.

Mein erster Wunsch wäre eine Bereinigung des Kafkaesken Prozessmanagements:

Vor einem Jahr habe ich hier schon unter Da glurrt einen doch der blanke Wahnwitz an beklagt, welche Bürokratielawine losgetreten wird, wenn in diesem Konzern ein Ultraschallgerät den Geist aufgibt.
Mehrere Ebene und externe Berater werden befasst um Gründe zu finden, weshalb man das Ding ohnehin nicht gebraucht hätte, um die klammen Kassen zu schonen, bis schließlich der Generaldirektor Stv. mit dem Prozess befasst wird, um eine Reinvestition anzuordnen, wenn auch er keinen zwingenden Grund (er)finden kann weshalb man ein seit Jahrzehnten in der Patientenversorgung verwendetes Gerät doch ersetzt, wenn man dafür ein Budget hat.

Urlaubsanträge, Listen über die vor Bildschirmen verbrachte Arbeitsstunden, Sonderurlaube für Kongressbesuche, Personal– und Stellenbeschreibungsbögen …..
benötigen mehrere Unterschriften auf Abteilungs- und Direktionsebene, bis irgendwo ein Sachbearbeiter einen fehlendes Kreuzerl entdeckt, oder die Frage aufwirft, weshalb denn ein Anreisetag zu einem Kongress beantragt wird, der über 1000 km vom Arbeitsplatz stattfindet und bereits um 8:00 am beginnt.

Ob sich diese Labyrinthe durch Unfähigkeit oder durch ein System-inhärentes Misstrauen gegen das eigene Personal entwickelt haben, ist zu klären, wenn man sich ernsthaft entschlossen hat, sie aufzulösen, hier sollte einfach der Wunsch an den zukünftigen Generaldirektor formuliert werden, sich diesem Wahnwitz entgegenzustellen.

Written by medicus58

30. Juni 2017 at 17:00

WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super

leave a comment »


Während sich die einen freuen, die anderen schäumen, dass das österreichische Parlament per Gesetz die Primärversorgung geregelt hat
(http://www.salzburg24.at/nationalrat-beschliesst-bildungsreform/apa-1436828148)
und noch kaum jemand realisiert hat, dass sich auch schon entsprechende Vereine, sorry wissenschaftliche Kompetenzgruppen formieren
(https://oeph.at/kg-prim%C3%A4rversorgung)
konstituierte sich in Kasachstan (!) eine Beratergruppe der Weltgesundheitsorganisation.
http://www.euro.who.int/en/health-topics/Health-systems/primary-health-care/news/news/2017/06/new-who-advisory-group-launched-in-almaty-to-shape-the-future-of-primary-health-care

Man erinnerte an die Alma-Ata Declaration aus 1978 und fand Formulierungen, die einen doch frappant an den heimischen Diskurs erinnern:

Eines ist klar: Ein Wandel ist nötig.
Kleinere Änderungen reichen nicht

Jetzt muss alles wieder einmal ganz anders werden.

intersektionelles Handeln“
Partnerschaften und neuen Verbindungen
Patienten und Bevölkerungen zunehmend eingebunden
neuen Formen von Verbindungen bei den Gesundheitsdienstleistern sowie zwischen Gemeinschaften und lokalen, regionalen und nationalen Behörden

Alter Wein in Englischen Schläuchen: AGB der Gesundheitsreform müssen her
https://medicus58.wordpress.com/2013/05/16/alter-wein-in-englischen-schlauchen-agb-der-gesundheitsreform-mussen-her/

Gegen die Reform des öffentlichen Gesundheitssystems

Vom PHC zum PVG, von der ÄK in die AK 

Written by medicus58

29. Juni 2017 at 07:23

Kennen Sie Zhengzhou? mal wieder Reiseerinnerungen

with 6 comments


Heute breche ich ein Versprechen, dass ich vor 29 Jahren einem verschreckten Hotelmanager gegeben habe und hoffe,
dass dieser schon längst in Pension ist und nicht nachträglich belangt wird.

Kennen Sie
Zhengzou?

Zhengzou ist die Hauptstadt der Provinz Henan in der Volksrepublik China und beherbergt heute in seinem Kerngebiet rund 3,5 Millionen Menschen, im gesamten Verwaltungsgebiet leben über 8,6 Millionen. Keine Ahnung wie viele Menschen 1988 dort wohnten, aber ich erinnere mich an endlose Wohnsilos und wenig mehr. Eigentlich gab es keinen Grund als Individualreisende dort Halt zu machen, hätte die Schaffnerin, die uns beim Einsteigen die Pässe abgenommen hat, nicht schlicht und einfach vor über 100 km vergessen, uns rechtzeitig aus dem Zug zu werfen.
Unser Ziel waren eigentlich eigentlich die buddhistischen Longmen-Grotten bei Luoyang und der dortige Bahnhof, nur waren damals die wenigsten Bahnhöfe Chinas in für „Langnasen lesbarer Schrift“ gekennzeichnet, so dass man vor GPS und Google Map darauf vertrauen musste, dass die reschen Damen der Bahnverwaltung sich merkten, wo man aussteigen musste. In all den 6 Wochen hat das auch immer mehr odder weniger gut geklappt, nicht aber hier und wir zwei standen ziemlich verlassen inmitten einer völlig anonymen Millionenstadt, von der auch der Lonely Planet nicht allzu viel zu berichten wusste.

Touristenbüro? Vorerst Fehlanzeige?

Ein paar mühevoll hervorgewürgte Brocken Mandarin ernteten bei den zur Arbeit laufenden Einwohnern nur Kopfschütteln.
Nun gut, den Rucksack geschultert und darauf vertraut, dass doch innerhalb einer Tagesreise rundum den Bahnhof irgendwas wie ein Hotel zu finden sein müsste.

Es war damals gerade möglich sich in den meisten Gegenden Chinas ohne große Probleme frei zu bewegen, nur in Grenzregionen, z.B. in der Inneren Mongolei nördlich der Provinzhauptstadt, musste man sich der Dienste des staatlichen Reisebüros bedienen.
Nur war man außerhalb der typischen Touristendestinationen wie Peking, Shanghai oder Xian noch in keiner Weise auf unangemeldet aufkreuzende Individualtouristen eingestellt.
Entsprechend perplex reagierte der Portier, als wir in das erste Hotel stapften.

„Full“ schien das einzig englische Wort, das der Bewacher eines zig-stöckigen Beherbergungsbetriebes heraus brachte, obwohl der riesige Parkplatz vor dem Hotel nahezu leer gefegt schien.
Unmöglich, dass all die vielen Zimmer auf all den vielen Etagen ausgebucht waren, nur war der Mann offensichtlich bemüht Schwierigkeiten zu vermeiden und sagte „Full“.

Auch im nächsten Hotel spielte sich diese Szene ab, nur war ich jetzt, mit der Aussicht nach einer endlosen Zugfahrt müde und verschwitzt irgendwann von der chinesischen Polizei wegen Landstreicherei festgenommen zu werden, schon etwas bestimmter und verlangte nach dem Manager. Irgendwann kam dann auch wirklich ein Herr im Anzug, der gestenreich versicherte, dass sein Hotel bis Neujahr rammelvoll gebucht wäre.
Irgendwie kam die Diskussion aber dann auf das staatliche Touristenbüro und ob es in dieser Stadt eine Filiale gäbe.

„Wait“, war das nächste klar verständliche Wort, das das System für uns übrig hatte.

Nach einer längeren Wartezeit, betrat plötzlich ein anderer Herr im Einheitsanzug die Lobby, nein, nicht mehr im Mao-blau, sondern undefinierbar anthrazith-grau-blau und schlecht sitzend,
verständigte sich kurz mit der Rezeption, die ihn mit Fingerzeit zu uns schickte.
Nur zur Erklärung, wir waren selbstverständlich die einzelnen Europäer dort. Überhaupt, sahen wir während unserer Wartezeit keine 10 Hotelgäste in der Lobby, und wir verbrachten dort gut zwei Stunden!
Dass wir das Ziel seines Einsatzes waren, hätte er auch ohne Kindergartenabschluss herausfinden können.

Der Koffer-Mann entpuppte sich als die hiesige Verkörperung des staatlichen Touristenbüros,
versicherte uns des rettungslosen Füllungszustandes gerade dieses Hotels, versprach uns aber ein Zimmer in einem Gewerkschaftshotel ganz in der Nähe.
Er begleitete uns auch dorthin und  übergab uns der ebenfalls perplexen Rezeption.

Es war noch relativ früh am Vormittag und unsere Zimmer müssten noch gemacht werden, jedoch könnten wir doch noch ein Frühstück einnehmen.
Das Frühstück bestand, wie damals in den meisten chinesischen Hotels in denen wir unterkamen aus einer großen Schale Nudelsuppe mit verschiedensten Einlage.
Es dauerte ziemlich lange, bis uns die zwei dampfenden Schüsseln vor die lange Nase gestellt wurden, aber schließlich war man ja nicht auf uns gefasst, und überhaupt.
Nein, nach gut eineinhalb Stunden verzichteten wir auf die angeboten zweite Schüssel und verlangten schon etwas intensiver nach unserem Zimmer.

„Wait“

Das Hotelrestaurant war landestypisch riesig und kitschig, aber sichtlich erst kürzlich eingerichtet worden. Auch die Rezeption war neu und glänzte.
Das alles konnten wir lange bewundern, nur waren unser Zimmer noch immer nicht beziehbar. Jetzt ging der Lift nicht!

Diese scheinbare Notlüge des Managements nützte ich, um wenigstens einen Zimmerschlüssel zu ergattern, weil wir waren noch jung und würden natürlich mit der Aussicht auf eine kühle Dusche gerne die zehn, zwölf Stockwerke hinauf gehen.
Wir überwanden die hektischen Bemühungen der Rezeption uns davon abzuhalten, was gut war, weil auch in den nächsten Tagen der Lift nie in Betrieb war, denn …. das sahen wir irgendwo so ab Stockwerk zwei:
Die mittleren Etagen des Hotels waren noch eine Baustelle (siehe Bild),
die Zimmer dort, soweit ersichtlich noch ohne Putz. Auf den Treppenabsätzen lag Bauschutt, und die Betonwände harrten einer Bemalung.
Ich war so verblüfft, dass ich zur Kamera griff und das Stillleben abbildete.

Als wir schwer keuchend in „unsere Etage“ gelangten, überraschten wir eine Filmcrew, die in einem der dort schon fertig gestellten Zimmer offensichtlich einen Werbefilm über das bald gänzlich eröffnete Hotel drehten.
Unser Zimmer, also das, wo unser Schlüssel passte, war dafür bis auf zwei Betten, völlig leer. Noch ahnten wir nicht, dass alle beweglichen Einrichtungsgegenstände dieser Etage an den Ort der Dreharbeiten gebracht wurden.

Neben den Betten enthielt unser Zimmer nur noch eine fest verbaute die Klimaanlage. Leider passte ihr Stecker nicht in die daneben verbaute Dose.
Kein Problem für den Bastler! Den Stecker aufgeschraubt und die blanken Drähte in die Dose gesteckt, mit Zahnstocher fixiert und schon blies das Ding relativ kühle Luft in den stickigen, heißen Raum.
Die Dusche funktionierte zwar auf Anhieb, selbst der Wasserdruck war doch der hohen Etage ausreichend, nur läutete es nun alle paar Minuten an der Türe und die Hotelangestellten brachten wieder Stück für Stück der Einrichtung in unser Zimmer.
Ich kann mich noch an einen riesigen, bock-hässlichen, schwarz lackierten Ast erinnern, der offenbar eine Art Skulptur darstellen sollte.

Als wir endlich geduscht waren und das inzwischen mit Kästchen, Statuen und Ästen vollgerammelte Zimmer bestaunten klopfte es und draußen stand der Manager.
Zerknirscht berichtete er in stotterndem Englisch, dass ihm seine Mitarbeiter berichtet hätten, dass ich Fotos vom Stiegenhaus gemacht hätte und dass er mich um den Film bitten würde, denn schließlich hat er mit dem Hotel noch viel vor und wollte schlechte Werbung vermeiden. Wenn seine Vorgesetzten die Fotos zu Gesicht bekämen, wäre seine eben begonnene Karriere vorbei.
Das Hotel wäre noch gar nicht offiziell eröffnet und das Touristenbüro hätte in auch nicht kontaktiert – offensichtlich wussten die gar nicht, dass das Hotel noch nicht fertiggebaut war!
Man habe sich doch bemüht uns ein Frühstück zu servieren, obwohl er dafür gar keine Zuteilung bekommen habe, denn ohne Gäste gibt es keine Lieferung.
Das ganze trug er völlig zerknirscht ohne offensichtlich ehrlich besorgt vor.
Ich versprach ihm mit kräftigen Händedruck, dass ich das Foto nur meinen Freunde daheim zeigen werde und selbstverständlich niemals ein schlechtes Wort über „sein Hotel“ verlieren werde.
Also bitte, erzählen Sie niemanden diese Geschichte, denn das Personal war die nächsten zwei Tage dort wirklich rührend um unser Wohlergehen bemüht, am nächsten Morgen gab es wieder Suppe zum Frühstück, und die Verabschiedung vor unser weiterreise war herzlich.

 

 

Written by medicus58

27. Juni 2017 at 23:04

Veröffentlicht in Reisen

Tagged with ,

Ist 2030 schon vorbei, oder? Bemerkungen zum Wiener Spitalskonzept

with 7 comments


Am 22.6. verkündete der Kurier, dass Wien von Wehselys Spitalskonzept 2030 abrückt, da einige der vielen Transformationsprozesse begraben wurde.
Die FP schlug erneut in diese Kerbe und setzt auch noch Aktuelles drauf:
FP-Seidl: Spitalskonzept 2030 ist kläglich gescheitert – KAV ist nur mehr Passagier im kaputten Gesundheitssystem
Patientenanwältin Pilz schweigt weiter beharrlich und hält ihrem Arbeitgeber die Stange
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170623_OTS0126/fp-seidl-spitalskonzept-2030-ist-klaeglich-gescheitert-kav-ist-nur-mehr-passagier-im-kaputten-gesundheitssystem

Prompt schlug Nani Kauer (KAV Pressestelle KAV GD) via Presseaussendung zurück:
Das Wiener Spitalskonzept 2030 ist aufrecht
und verlangte, was seit Jahrhunderten eher von Kirchenkanzeln donnert:
Verunsicherung muss aufhören
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170623_OTS0196/kav-das-wiener-spitalskonzept-2030-ist-aufrecht-verunsicherung-muss-aufhoeren

Auf Orf.at wurde das alles noch etwas elaboriert: „Man bleibe beim Zentrumskonzept, jedoch gibt es noch bauliche Probleme

Fasst man die Grundprinzipien des Spitalskonzept zusammen,
das ja nicht erst seit 2016, wie in den Artikeln angeführt, sondern seit der SPÖ Klausur in Rust im Jahre 2011 existiert und inzwischen mehrfach umgeschrieben wurde

(Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration) kann man einige Prinzipien ausmachen, die hier auch schon scharf kritisiert wurden:

  • Pärchenbildung: Kleinere Einheiten wurden (Kaiserin Elisabeth Spital) und werden geschlossen, so dass zum Schluss neben dem AKH noch drei Krankenhauspärchen übrig bleiben sollen.
    Im Gegensatz zu früher, sollte die Abteilungsstruktur der großen Standorte (Wilhelmine, Hietzing/Rosenhügel, KFJ, Rudolfstiftung, SMZ) nicht mehr alle wesentlichen „Organprobleme“ (Augen, Haut, Neuro, …) intramural versorgen.
    Nur mehr ein Krankenhauspärchen zusammen hätte alle Abteilungen vorgehalten, um diese Versorgung nachkommen zu können. Manche Therapien und Eingriffe sollen überhaupt nur mehr im AKH angeboten werden!
    Dazu wurden atemberaubender Schönsprech ( KAV: Superkalifragilistisch Expealigorisch) erfunden, um die verschiedenen Versorgungsformen zu definieren und etwas verwirklicht, das ich hier seit 2012 (!!) so bezeichne:
    Die Potemkinschen Spitäler
    https://medicus58.wordpress.com/2012/07/11/die-potemkinschen-spitaler 

    Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes
    https://medicus58.wordpress.com/2016/07/26/sommerloch-reprisen-reformstillschweigen-zur-errichtung-eines-potemkinschen-dorfes/

    Nun gibt die Politik die Potemkinschen Spitäler langsam zu, schiebt aber Verantwortung auf Ärzte
    https://medicus58.wordpress.com/2013/03/21/nun-gibt-die-politik-die-potemkinschen-spitaler-langsam-zu-schiebt-aber-verantwortung-auf-arzte/
    Und wir wollen nicht darauf vergessen, dass die Teilfinanzierung des KH Nord auf diesem angeblich so neuen Ansatz beruht:
    Wehselys Coup: Wien lässt sich Demontage der öffentlichen Spitäler von der EU finanzieren! https://medicus58.wordpress.com/2016/01/15/wehselys-coup-wien-laesst-sich-demontage-der-oeffentlichen-spitaeler-von-der-eu-finanzieren/

    Mein wesentlicher Kritikpunkt am „Paarungskonzept“ war aber stets, dass auf die Notwendigkeit der Konsiltätigkeit vergessen wurde, also auf die Notwendigkeit, dass z.B.
    ein nicht transportabler Unfallpatient auch von einem Neurologen,
    ein Frühchen im Brutkasten auch von einem Augenarzt gesehen werden muss.
    Darauf zu setzen, dass sich im Bedarfsfall ein benötigter Facharzt aus dem Pärchenspital in ein Taxi setzt ist nicht nur absurd sondern auch sehr ineffizient und teuer! Außerdem vergibt er sich eine der wesentlichen ärztlichen Techniken, die Fall-basierte Kommunikation im am Gang oder im Speisesaal.

  • Zentrumsbildung: In jedem Sonderfach sollen „etwas komplexere Leistungen“ ausschließlich in „designierten Zentren“ erbracht werden. Hier geht man schon von dem längst kritisierten Ansatz aus, als würde eine Leistung in immer höherer Qualität erbracht, je häufiger sie durchgeführt wird; dass es sich hierbei eher um eine Glockenkurve handelt und dass durch die Überspezialisierung in einem niederschwelligen Gesundheitssystem (in zwei Schritten in die Fachambulanz) dort die Qualität der Grundversorgung sinken wird.
    Spezialisierung zur Qualitätsverbesserung ist out, im Spital gibt’s fachärztlichen Pannendienst 
    http://wp.me/p1kfuX-Pr
    Schwerpunktbildung ist das gesundheitspolitische Codewort für Einsparung https://medicus58.wordpress.com/2015/12/04/schwerpunktbildung-ist-das-gesundheitspolitische-codewort-fuer-einsparung/
    Auch hier wirkt sich die Nicht-Beachtung der Notwendigkeit fachärztlicher Konsile fatal aus, denn jedem Laien wird einleuchten, dass jede Spezialisierung zwangsläufig mit einer Verminderung allgmein-medizinischer Kompetenzen einhergehen wird (Ausnahmen sind vielleicht die Alles-könnenden Schreibtischtäter, die den Schmarrn entwickelt haben!). D.h. je höher die Spezialisierung je wichtiger wird die Kooperation mit anderen!
    Und wer nun einwendet, dass diese Kommunikation auch schriftlich (Konsiliarzettel) oder telefonisch erfolgen kann, hat nie im Spitalsalltag gearbeitet!
  • Notfallaufnahmen: Um die Facharztdienste während der Nachtstunden einzusparen, sollten Pufferstationen (NFA= überwiegend mit Allgemeinmedinzinern besetzt!) die akute Aufnahmen praktisch abgeklärt und „antherapiert“ erst am nächsten Morgen auf die Spezialabteilungen transferieren. Wie wir uns erinnern war das das Hauptargument in den vergangenen Gehaltsverhandlungen, um 382 Ärzteposten reduzieren zu können. So ein Konzept funktioniert seit Jahrzehnten im AKH, jedoch unter ganz anderen räumlichen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen! Teil dieses Konzept (im KH Nord schon begonnen) wären vorgelagerte Ambulanzen (Mars) und Primärversorgungszentren, deren Errichtung aber extrem stotterte.
    Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s https://medicus58.wordpress.com/2015/02/27/wehselys-finanziert-die-wiener-gebietskrankenkasse-und-keinen-storts/
  • Interdisziplinäre Belegungen: Um scheinbar das „Gangbettenproblem“ mit Neuaufnahmen bei gleichzeitig unbelegten Spezialbetten lösen zu können, sollten Interdisziplinäre Bettenstationen eingerichtet werden, wo ein Pflegeteam ganz unterschiedliche Krankheitsbilder zu versorgen hätte, während die entsprechenden Fachärzte nur zur Visite auf der Station erscheinen würden. Das Bettenmanagement wurde in der Masterbetriebsorganisation der Pflege (!) überantwortet.
    Wozu hätten wir denn die Experten, wenn sie sich nicht immer was Neues einfallen ließen? https://medicus58.wordpress.com/2014/05/05/wozu-hatten-wir-denn-die-experten-wenn-sie-sich-nicht-immer-was-neues-einfallen-liesen-interdisziplinare-belegung/
    Masterplan: Wir sparen, koste es was es wolle https://medicus58.wordpress.com/2016/03/16/masterplan-wir-sparen-koste-es-was-es-wolle/
    Master BO – Die tickende Zeitbombe https://medicus58.wordpress.com/2017/01/27/master-bo-die-tickende-zeitbombe/

 

Letztlich kann man sich nur wünschen, dass der Papiertiger Spitalskonzept 2030 still und heimlich begraben wird und offen gelegt wird, welche „externe Experten“ dafür wie viel der 40 Millionen Steuergeld abkassiert haben.
Dazu kommt, dass aus ökonomischem Druck und fehlender Übersicht alles gleichzeitig und nichts wirklich richtig umzusetzen!
Die jetzt von den Medien realisierten „Verzögerungen im Transformationsprozess“ haben aber weniger medizinische als partei- und machtpolitische Gründe:

Eine seit Jahren frustrierte Belegschaft verweigert unter der tatkräftigen Unterstützung der „roten“ Personalvertretung im Schulterschluss mit dem „roten“ Bezirksvorstand die angeordnete Übersiedlung.
Dadurch werden die Räumlichkeiten nicht frei, die für den Ausbau der Notfallaufnahmen gebraucht würden.
Dort wo die Notfallaufnahmen bereits existieren, sind sie noch weit davon entfernt, die volle Pufferleistung für die klinischen Abteilungen zu erbringen.
Dort wo bereits Ärzteposten gestrichen wurden, ohne dass die organisatorischen Voraussetzungen funktionieren, müssen Abteilungen wochenweise ganz geschlossen werden.
Die Eröffnung des KH Nord hat sich so lange verzögert, dass schon allein dadurch die „Pärchenbildung“ in Transdanubien nicht funktioniert.
Standorte, die man eigentlich komplett schließen wollte, können nicht geschlossen werden, so dass man plötzlich wieder von einem Neuausbau spricht und en route bemerken musste, dass man alle Internisten abgesiedelt hat.
Und schließlich basierte das Konzept von Anfang auf massiven Bauleistungen, die sich im hoch verschuldeten Wien nun niemand leisten kann.
In den letzten Jahren wurde im KAV auch munter herumorganisiert (KAV: Rausgliedern, aber nun mal richtig? https://medicus58.wordpress.com/2016/10/22/kav-rausgliedern-aber-nun-mal-richtig/) und
schließlich sind auch Stadträtin und Generaldirektor längst verloren gegangen.
Die neue Stadträtin wird es schon von ihrer politischen Basis schwer haben, sich gegen die roten Personal- und Bezirksvertretungen zu stellen.

Ja, und unter den herrschenden Rahmenbedingungen und dem personellen Nachwuchsproblem, wird sich nur ein Ziel des Konzepts mit größter Sicherheit erreichen lassen,
die Personaleinsparungen, … einfach weil sich immer weniger Bewerber finden, um die in die Frühpension entweichenden +/-60-Jährigen ersetzen zu können.

 

 

 

 

 

Written by medicus58

25. Juni 2017 at 13:19

%d Bloggern gefällt das: