Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for November 2021

Das pandemische Versagen der Verantwortlichen erschließt sich aus jedem Detail

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Ehe ich versuche die Überschrift zu beweisen, möge man mir eine Präambel verzeihen, um nicht von den allzu treuen Befehlsempfängern wieder als „Besserwisser“ gebrandmarkt zu werden.

Mein Interesse an der Infektiologie (zugegeben nicht primär der Virologie) erstreckt sich über Jahrzehnte und war auch damals mein publikatorischer Schwerpunkt, ehe mich mein weiterer medizinischer Weg in eine andere Richtung führte. Ich war also (Gott-sei-Dank) nie Teil der zahlreichen Krisenstäbe, die in endlosen Sitzungen Krisenpläne für das Eintreffen der großen Katastrophe zusammenbastelten, im wohligen Bewusstsein, dass diese ohnehin nie gebraucht würden. Mein weiterer Berufsweg brachte mich aber in Kontakt mit mehreren nationalen und einer internationalen Einrichtung, die viel Papier produzierten, um sich gegen einen andere Katastrophen zu wappnen. So viel sei verraten, um die letzten Reste meiner Anonymität nicht zu verlieren, es handelte sich um das A in der Dreifaltigkeit der A-B-C-Bedrohung. Wenn ich nun in der weiteren Folge das Potemkinsche Dorf der behördlichen Krisenvorbereitung kritisiere, dann basiert das auf meiner tiefen Überzeugung, dass wir nicht nur in der COVID Pandemie erschreckend unvorbereitet und dilettantisch agieren, sondern dass sich das auch bei jeder anderen Krise so abspielen wird, für die zahlreiche Krisenpläne in den Schubladen unserer Verwaltung schlummern.

Auf die Widersprüchlichkeiten zwischen behördlicher Ankündigung bezüglich der Gültigkeit der Covid Impfung (12 > 9 Monate) und der App zum Grünen Pass habe ich bereits kürzlich hingewiesen (Wie der Grüne Covid Pass zum Altpapier gemacht wird). Heute darf ich jedenfalls berichten, dass meine App weiterhin grün leuchtet und mich in die Nachtgastronomie einlädt, ja nicht einmal darauf Hinweist, dass die drei Wochen Übergangszeit begonnen haben. Ob das so ist, weil die Verordnung noch fehlt, oder niemand die App umprogrammiert, oder die EU weiterhin von 12 Monaten Gültigkeit ihres QR-Codes ausgeht, ist eigentlich belanglos.

Als nicht mehr der Jüngsten einer, hat sich Ihr Medicus also pflichtschuldig einen Wien Impft Termin für den Booster, vulgo in einfacher Sprache Dritten Stich, vereinbart und wie auf der Homepage empfohlen, dort auch gleich die Einverständniserklärung heruntergeladen, um die sicher nicht unbeträchtliche logistische Herausforderung einer Impfstraße nicht über Gebühr zu entlasten. Beim Ausfüllen des Dokuments (Versionsdatum 3.9.2021) stolpert man aber über den Bereich „Von der Impfstelle auszufüllen“ der ausschließlich die Felder 1. und 2. Dosis enthält. Ein aktuelleres Dokument bietet die Homepage nicht an.
Da macht es sich halt bezahlt auch noch an der Nabelschnur der Alma mater zu hängen, denn für die Impfaktion im AKH wird auch die Version des Formulars vom 21.10.2021 mitgeschickt, wo zwar nicht mehr nach rezenten weiteren Impfungen gefragt wird, aber dafür nach den Reaktionen nach der Grundimmunisierung und die Impfstelle nun auch 3.Dosen oder off-label vermerken kann.
Dass die flächendeckenden PCRTestungen von Wien gurgelt durch ihre lange Turn-around-Zeit (Wien gurgelt, aber wozu?) und logistischen Probleme (Wien gurgelt, grad nicht) hinterfragt werden können, ist hier schon diskutiert worden.

Das Millionengrab Corona-App (Der grüne Pass und die Deppen App: Die Digitalisierung analoger Schwächen) haben wir schon längst verdrängt und ich kenne nur noch wenige, die gebannt auf Pressekonferenzen warten, um sich zu informieren. Und dass zwar alle jetzt irgendwie Gesundheitsdaten der Forschung zur Verfügung stellen wollen, wir aber noch immer nicht so genau wissen, wer von den positiv Getesteten wie schwer erkrankt und wie die Hintergrundimmunität unseres Landes aussieht, sei nur noch kurz nachgeschoben.

Häme ist jedoch fehl am Platz.

Es gibt sie, die Pandemien, AKW-, EDV und Umwelt- Katastrophen. Es wird den urplötzlich von allen mit wohligem Gruseln diskutierten Black out geben und von fast 10 Jahren konnten Sie auf diesem Blog schon ein Zitat von Prof. Zeilinger (Zeichen an der Wand) lesen: Das Ereignis, dass diese Welt seiner Meinung nach am nachhaltigsten verändern wird, alle Telefone zum verstummen bringen wird, alle Supermärkte leeren und alles zusammenbrechen lassen wird, ist ein Absturz aller Computer (ausgelöst durch einen elektromagnetischen Puls).

Es spricht nichts dafür, dass wir durch eine zu Tode verschlankte, verpolitisierte, nur noch auf mediale und politische Verträglichkeit ausgerichtete Verwaltungsbürokratie für diese Szenarien besser vorbereitet wurden als auf den dritten Stich.

Nur wenn zwei Jahre nach den ersten Fällen von Sars Cov2 in Wuhan wir es nicht einmal schaffen die richtigen Formulate auf die Homepage zu stellen, dann mag ich mir gar nicht ausmalen, was sonst hinter den Kulissen alles nicht funktioniert.

Krisenbewältigung im 21.Jahrhundert: Jeder weiß was der andere tun muss

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Von der Klimakrise zur Migrationskrise zur Covid Pandemie kristallisiert sich ein absurdes Konstanzverhalten heraus, das den Eindruck engagierter Problemlösung erweckt, aber wenig mehr bewirkt als den Aktivisten selbst ein gutes Gefühl zu geben auf der richtigen Seite zu stehen.

Wenn Weterfrosch @marcuswadsak twittert: Wenn die Zusagen aller Staaten zum Klimaschutz bis 2030 umgesetzt  werden, klettert die Erderwärmung Forschern zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts immer noch auf etwa 2,4 Grad. Das ist zuviel

werden ihm wohl wenige widersprechen, aber da für das Problem ohnehin schon eine prinzipielle Akzeptanz besteht, wären wohl Lösungen jenseits des Veganismus und des E-biken gefragt, zu denen sich die Kassandras bekennen.

Schön, dass uns die Gretas dieser Welt immer erklären, dass die Politik was tun soll, nur solange sie nicht konkret sagen was und was sie dazu beitragen wollen, ist das so hilfreich, wie Appelle an die Menschlichkeit oder die Impfwilligkeit.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele von uns die Zustände im Mittelmeer, an der polnisch-weißrussischen Grenze oder in Flüchtlingslagern völlig egal sind, und Appelle an die Menschlichkeit prasseln seit Jahren auf uns herein, die jeweils ein paar Dutzend Menschen doch bitte aufzunehmen. Zahlreiche NGOs stellen dann kostenlosen Rechtsbeistand, die Übernahme der finanziellen Verantwortung für die Integration von Menschen, die bereits hohe Schutzgelder kriminellen Organisationen gezahlt haben, bietet aber keiner an.

Und auch in der Pandemie sehen wir das Muster, dass mit steigendem medialen Aufwand gewarnt, verhetzt und verbürokratisiert wird, ohne Lösungen auf Basis realistischer Szenarios anzudenken.

Natürlich wäre ein höherer Immunisierungsgrad hilfreich, nur haben auch Länder mit einer höheren Durchimpfungsrate als Österreich das Ende der Pandemie etwas vorzeitig ausgerufen.

Die Immunität nach durchgemachter Erkrankung hält kürzer als die Impfung, d. h. egal ob Durchseuchung oder Impfung das stachelige Ding bleibt uns.

Weiter auf Impfverweigerer medial hinzudreschen wird somit wenig bringen. Religionen und Kirchen mögen mit dem ewigen Versprechen, dass alles gut würde, wenn endlich alle einmal folgen würden, Jahrtausende überleben.

Von rationaler Politik erwarte ich mir Konzepte für den Ist-Zustand nicht moralische Appelle derjenigen, die glauben als Geimpfte alles getan zu haben, um ins Paradies eingehen zu dürfen.

Natürlich ist es bequemer sich über die echten und vermeintlichen Covidioten, Klimasünder und Nationalisten zu echauffieren, als sich mit der Tatsache anzufreunden, dass Krisen nicht bewältigt werden, weil jeder das beigetragen hat, was er eh gerne gemacht hat und glaubt, dass es jetzt für ihn keiner weiteren Einschränkungen mehr bedarf.

Mein Flughafentaxler zuletzt: Die Maske können’S abnehmen, ich bin eh geimpft.

Der grüne Bobo unterm Heizschwammerl: ich brauch kein Auto, ich bestell mir eh alles bei Amazon und Gurkerl.at.

Der Pfarrgemeinderat, der sich über den zum christlichen Glauben konvertierten Afghanen freut.

Alle sind sich sicher auf der richtigen Seite zu stehen und verlangen zu dürfen, dass sich nun für den Rest des Problems die anderen kümmern müssen.

Ergänzend sollten wur nun alle noch eine Online-Petition ausfüllen…

Written by medicus58

10. November 2021 at 16:39

Wie der Grüne Covid Pass zum Altpapier gemacht wird

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Mit viel Geld wurde eine App entwickelt, mit der man sich in ganz Europa als Genesener, Geimpfter oder Getesteter ausweisen konnte.

Wirklich brauchbar war das nicht, weil der QR Code entweder niemand interessierte. Aus hygienischer Sicht nicht gerade Hochintelligente tippten auf alle Handys um dann befriedigt ein 2/2 zu konstatieren, was manchen J&J Geimpften fälschlich den Eintritt verwehrte. Nicht mal die Bundesheerler am Flughafen haben anfänglich den QR Code via Scan verifiziert, wobei mir mein Lieblingsgrieche versicherte, dass auch das nicht immer gut gemachte Fälschungen aufdeckte.

Flog man nach Frankreich, interessierte der QR Code niemand, dafür musste man eine Eidesstattliche Erklärung ausfüllen eh gesund zu sein und die Spanier verlangten letzte Woche, den lokalen Nachweis hoch zu laden, um dann eine spanische Variante ausdrucken zu können.

Bis zum Sonntag versicherte mir der Gültigkeitsrechner (siehe Bild oben) auf der Himepage des Gesundheitsministeriums noch, dass mein Impffpass noch bis nächstes Jahr gültig ist,

Selbst heute erfahre ich noch vom Ministerium: Die Zweitimpfung gilt für maximal 360 Tage ab dem Zeitpunkt der Zweitimpfung.

Dabei wissen wir seit dem Wochenende, dass das inzwischen politische Makulatur ist. Wenigstens der Gültugkeitsrechnet wurde heute der Homepage genommen.

Nein, ich habe rezente Studien über die abnehmende Wirkung der Impfungen nicht überlesen und mir ist auch klar, dass auf neue Erkenntnisse reagiert werden muss, nur sind die hektischen Bocksprünge in der Pandemiebekämpfung inzwischen auch für den Gutmeinenden ermüdend und lässt kaum noch Vertrauen aufkommen, dass die Verantwortlichen wissen was sie tun.

Vielleicht sollte man in den neuen Gültigkeitsrechner auch gleich die Optionen 6 Monate gültig oder bei jedem Vollmond, wenn er auf einen Wochentag fällt einbauen, dann können wir rasch auf alle Eventualitäten reagieren.

Written by medicus58

9. November 2021 at 18:34

Veröffentlicht in Psychopathologie der Medizin

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Kickln für alle: Jeder weiß es besser

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Unser kleiner Pferdenarr machte es seinen Kritikern zuletzt leicht, als er die Pandemie mit Vitaminen und NSARs beenden wollte, dass man an seinem angeblich so scharfen Verstand kaum mehr glauben kann.

Nur ist er leider kein Einzelfall.

Seit sich jede und jeder mit einem Klick im Netz ein paar Vokabel runterholen kann, scheint eine Besessenheit umzugehen sich gerade zu den Themen zu äußern zu denen einem jegliche Ausbildung und Kompetenz fehlt.

Informatiker lassen sich von ihren Algorithmen sagen, was medizinisch zu tun ist, Zahnarzthelferinnen belehren Zahnärzte, Hygieniker sprechen über Therapien und Therapeutiker über Ökonomie.

Gerade die Pandemie zeigt, dass sich Aussagen umso lockerer formulieren lassen, je weniger man davon versteht. Natürlich gilt das mitunter auch für Ihren Medicus, der aber zumindest mit seinem Decknamen verrät, in einem bestimmten Gebiet auf eine tiefere Aus- und Weiterbildung verweisen zu können.

Früher war es nur Priestern, Juristen und Wirtshaustischbewohnern vorbehalten mit allem recht zu behalten, heute nehmen sich immer mehr das Recht heraus mit ihrer Meinung missionieren zu dürfen.

Es muss ja nicht immer der es besser wissen, der es gelernt hat, aber der Umkehrschluss, dass das blinde Huhn immer zu gackern hat, ist doch sehr hinterfragbar.

Written by medicus58

7. November 2021 at 09:58

Wien gurgelt, grad nicht

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Vergleiche auch: Wien gurgelt, aber wozu? – Sprechstunde vor 1 Monat

Written by medicus58

2. November 2021 at 22:51

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