Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wie unterstützt man Ertrinkende oder sollte man ihnen nicht besser helfen?

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Diese Woche laufen auf Oe1 in der Serie Betrifft:Geschichte eine hörenswerte Geschichten der Behindertenbewegung und der Ersten österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft.

Siegfried Braun setzte sich vor 100 Jahren für die Hilfe zur Selbsthilfe für diejenigen ein, die wir später als Behinderte bezeichneten und rezent nur mehr als Personen mit speziellen Bedürfnissen an zu sprechen haben.

Dass die Sendereihe quasi nebenher  aufdeckt, wie stark sich die Wortwahl und wie relativ wenig sich die sozialen Probleme ändern, passt sehr gut zu einem mich zunehmen verärgernden Phänomen.

Nicht erst seit der Pandemie, aber jetzt natürlich flächendeckend verspricht und verlangt jedermann und jederfrau Unterstützung.

Natürlich wollen alle Hilfe, und letztendlich Geld, das der Staat rausrücken soll, der es sich klarerweise wieder von denen zurückholen will, die ihn bisher schon finanzierten, also genaugenommen hilft und unterstützt da eh niemand irgendwen. Es handelt sich um einen höchst effizienten jedoch längst nicht mehr resilienten Tauschprozess von dem wir hoffen, und im Parlament beten, dass sich das irgendwann noch irgendwie ausgehen wird. 

Deshalb verlangt auch niemand Kredit, weil den müsste man ja selbst zurück zahlen. Sogar ein Ruf nach Ausgleich oder Konkurs, schiene mir eine bessere Umschreibung für das was abläuft, da im Rahmen der geltenden Rechtsnormen das eigene Problem auf andere, mehr oder weniger Willige, aufgeteilt wird.

Beim ubiquitären Unterstützen schwingt karitative Freiwilligkeit und teleologische Wiedergutmachung mit, aber es steht immer weniger dahinter.

Klar, Hilfe klingt so gönnerhaft und so will ein Staat nicht wirken, der stark sein will, der uns vermitteln will die Kontrolle zu haben.

Wer unterstützt wird, der darf sich oben wähnen, der Unterstützer ist unten und hebt, der Unterstützte wird gehoben.

Ja aber warum der ganze Tanz, das ganze rhetorische Gesülze, die begrifflichen Kunstgriffe im Randbereich des Religiösen?

Meiner Meinung nach nur aus einem Grunde, weil man den Begriff der Solidarität unbedingt vermeiden will.

Viel Steuerggeld zahlten Regierung und Rotes Kreuz an eine befreundete Agentur für die „Schau auf mich, schau auf dich Kampagne“, statt eine solidarische Gesellschaft einzufordern.

Immerhin hat zuletzt SP Gusenbauer mit der Forderung nach einer solidarischen Hochleistungsgesellschaft einen Spagat zwischen Klassik und Moderne versucht und sogar eine NR Wahl gewonnen, in seinen jetzigen Tätigkeiten für die Vereinigung der Oligarchen und Diktatoren aller Länder scheint er sich aber auch schon meilenweit davon entfernt zu haben.

Irgendwie führt das alles zum Schluss, dass viele Begriffe so desavouiert wurden, dass wir immer neue erfinden müssen, ohne dass wir noch an die Probleme selbst heran kommen. Auch deshalb beten wir im Nationalrat, dass die Ertrinkenden noch irgendwer von draußen aus dem Wasser ziehen möge, damit wir sie dann wieder unterstützen können.

Written by medicus58

11. Dezember 2020 um 13:50

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