Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for September 2020

Von den Besorgten und den Predigern

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Unsere längst aus der ORF Quarantäne zur neuen Normalität zurück gekehrten Reportern gehen die Umschreibungen der ewigen Frage nach dem „müssen wir uns fürchten“ aus.

Die Musterschüler auf die sich unser Bundesmaturant noch bis kürzlich in der Covid-19 Krise berufen hat, Netanjahus Israel und Orban Ungarn, haben sich in Selbstisolation begeben.

Der Pool der interviewbaren Experten scheint aufgebraucht und die möglichen Kombinationen im Memory Spiel der einzigen Karten im Anti-Corona Spiel :

MaskenDistanzierungHände waschen

sind längst überreizt.

Wenn selbst ORF Bürger aus dem Fanclub unseres Bundeskanzler nach Experten statt Politikern verlangt (ZIB 17.9.) und das Zentralorgan der Wirtschaft, das ehemalige Qualitätsblatt Kurier von schlecht-schlechter-am schlechtesten titelt, um uns zu erklären, dass wir ja gar nicht wissen was eine Krise ist und wir die Wirtschaft stützen müssen,

Dann ist die zweite Welle der Covid-19 Pandemie für Österreich angebrochen.

Um mit Herrn Klien (Gute Nacht Österreich) zu sprechen

Sie werden lachen, es wird ernst.

Nichts spricht dafür, dass sich plötzlich die Case-fatality-rate geändert hat, die allermeisten von uns werden eine Infektion überleben, aber etwas mehr als bei einer durchschnittlichen Influenza Welle eben nicht.

Diese Zahl wird nicht davon abhängig sein, ob wir das nächste Familientreffen auf 15, 10 oder 5 Leute begrenzen.

Es hängt nicht davon ab, ob Herr Anschober besorgt, Herr Nehammer flext oder sich Herr Kurz in der Stadthalle heilig sprechen lässt.

Es hängt auch nicht davon ab, was Herr Popper auf seinem Atari 64 hochrechnet.

Und sorry Kollegen, es hängt nicht davon ab welche hoch komplexen Lösungen wir uns für Begräbnisse, Kindergärten oder Universitäten einfallen lassen.

Es hängt alles davon ab,

wie wir Hochrisiko-Personen vor Covid-19 Infekten schützen und

die unvermeidlichen 5-15% schwer verlaufenden Infektionen derer, die mit intensiver medizinischer Unterstützung eine gute Prognose haben, ohne Überlastung des Gesundheitssystems und ohne auf den Rest aller anderen Erkrankten zu gefährden, betreuen können.

Für absehbare Zeit bleiben uns nämlich wirklich nur unsere d

Und WTF habt Ihr denn geglaubt, dass wir uns mit Flatten the curve aus der Pandemie stehlen werden?

Written by medicus58

17. September 2020 at 22:13

Veröffentlicht in Allgemein

Mich würde es wundern, wenn Sie überhaupt noch was über die Coronaampel lesen würden

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Ich glaube auch nichts mehr zu dem Thema beitragen zu können, das noch nicht gesagt, widerlegt, zerlegt oder wiederholt oder verworfen wurde.

Es geht in dieser Phase der Covid-19 Pandemie, auch wenn es Sie vielleicht jetzt überrascht, auch nicht mal so sehr um Medizinisches, nichtmal um Politisches, denn auch da werden wir kaum mehr so viel praktisch Verwertbares (außer Impfung und/oder antiviraler Therapie) dazulernen wie wir jetzt nicht ohnehin schon wissen. Oder glauben Sie, dass die Erkenntnis auf wieviele Meter welche Tröpfchen noch krank machen können, zu im täglichen Leben brauchbaren Handlungsanweisungen führen, wenn Sie sich in einer U-Bahn zusammendrängen müssen ?

Was wir in dieser Phase endlich erkennen müssen, sind vielleicht zwei Punkte:

Erstens sollten wir uns von Politikern fern halten, die ihren PR-Beratern mehr folgen, als Fachexperten für das eigentliche Problem.

Zweitens sollten wir erkennen, dass es sind, mit denen ich Gruppen führen kann. Natürlich ist es verführerisch für jede Situation, jedes Geschlecht, jedes Lebensalter und jede Himmelsrichtung immer noch detailliertere Regeln zu verordnen. Das scheint Handlungsfähigkeit und Macht zu demonstrieren, nur führt es nach einiger Zeit zu solcher Verwirrung, dass am Ende nichtmal die wichtigsten Regeln mehr befolgt werden.

Exemplarisch hat das heute Hubert Sickinget auf Twitter sehr pointiert zusammengefasst:

Für das meiste, was nun weltweit verordnet wird, fehlt harte Evidenz Lesen Sie dazu die Stellungnahme des Deutschen  EbM Netzwerkes, wenn Sie Sätze wie folgende aushalten:

Eine erste gesundheitsökonomische Modellierung aus Großbritannien beziffert die Kosten für ein durch den Lockdown gerettetes Lebensjahr (QALY) mit 220.000 bis 3,7 Mio Pfund. Im englischen Gesundheitssystem wird als maximaler für die Solidargemeinschaft sinnvoller und zumutbarer Wert 30.000 Pfund pro QALY angenommen.

Aber auch wenn es Sie irritiert, daß man mal nicht mit „Koste es was es wolle“ argumentiert sondern zur Überlegung anregt, dass manches nicht mehr geht, wenn man das Pulver für anderes verschossen, ist die Lektüre allein deshalb zu empfehlen, weil sie so manche von der Politik verordnete Maßnahmen auf ihre wissenschaftliche Evidenz abklopft.

Auch das ist ein Argument für weniger aber konsequent eingehaltene Verhaltensregeln und weniger PR Geschwurbel.

Written by medicus58

11. September 2020 at 20:03

Hurra, ein Gesetz gegen Upskirting und Hass im Netz. Applaus für ein Ablenkungsmanöver

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Nach acht Jahren( Der diskursive Reflexbogen oder PC = das Ende der Aufklärung) ist es wieder Zeit gegen Windmühlen zu kämpfen.

Als Präambel gegen falsche Likes sei festgehalten, dass das Ablichten von nicht freiwillig und gerade zu diesem Zweck zur Schau gestellten Nacktheit ebenso abzulehnen ist, wie die Verleumdung und Beschimpfung im Netz. Zu ersterem fehlt mir die körperliche Interessant, letzteres habe ich bereits selbst erlitten.

Was mich jedoch so aufbringt, ist die Anlassgesetzgebung für ein Verhalten, vor dem einen hoffentlich die tausenden Seiten unseres Gesetzesbestandes bereits vorher geschützt haben sollten.

Es kann nicht sein, dass unsere Rechtsgelehrten mit der Ihnen doch berufseigenen Fähigkeit Gesetze bis zum Äußersten zu interpretieren, gegen besagtes Missverhalten keinen Paragraphen finden könnten, der es verboten hätte, auf der Rolltreppe nachzuschauen, was die Schottin vor mir so drunter trägt.

Wenn der Rechts-Staat bislang nicht die Unversehrtheit seiner BürgerInnen an Leib, Leben, Integrität und sozialer Stellung geschützt hat, dann wird es durch so ein Upskirting-Gesetz nicht besser.

Wenn es aber darum geht, dass sich in den letzten drei Jahrzehnten, in denen das Internet in unser aller Leben verlegt wurde, dieser Staat nicht um die absehbaren Kollateralschäden politisch gekümmert hat, dann soll er das nicht durch billigen Aktionismus kaschieren.

Kein Dermatologe würde den Kampf gegen den Nagelpilz führen, wenn im Nacken das Melanom wuchert. Nur unsere politisch scheinbar so korrekten Politikern lassen sich dafür feiern.

Welcher Jurist hat ein befriedigendes Gefühl, wenn er eine Begründung dafür findet einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss den wichtigsten Beweis (das Ibizavideo) nicht vorzulegen, weil es da rechtliche Bedenken gibt?

Oder es mittels Diversion zu keiner Verhandlung kommen ließ, bei der die Organisationsverantwortung des Bundesheeres hinterfragt hätte werden können (80 Jahre 2. Weltkrieg aber nur 366 Tage Girls‘ Camp beim Bundesheer).

Oder ein Sektionschef im Justizministerium wegen seiner vielleicht zu guten Kenntnis abgesetzt wurde, gerade wegen seiner Expertise reinstallieren wird…

Lassen wir uns durch scheinbar mutige Anlassgesetzgebung nicht die Augen davor verschließen, dass viele Dinge wegen fehlender Gesetze unbestraft blieben, sondern idR wegen eines mangelnden Vollzugswillens.

Written by medicus58

6. September 2020 at 14:15

Coronakrise: Verampelt und veräppelt

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Wir wissen noch nicht, ob der Flexer Nehammer uns auseinandertreiben, auspeitschen oder stärker Kontroll-Schrauben wird, aber die Bundeshauptstatt ist gelb.

Eigentlich eh ganz gut:

Gelb ist die Farbe des Sonnenlichts und des Adels, gilt aber auch als Zeichen des Neids.

Weniger gut ist, dass das weniger Evidenz basiert ist als, nicht untypisch für unser Land, von einer Kommission unter einem der gefährlichsten Beamten des Gesundheitsministeriums (Wo kommt denn der Clemens Auer her?) beschlossen wird, und dann erst Recht politisch interpretiert wird.

Damit verwischen sich die Verantwortungsketten, damit ist es zum Schluss keiner gewesen, da bleibt immer noch Platz für einen klären den Anruf eines Landesfürsten, um das Schlimmste abzuwehren.

Der Bürger erfährt halt dann an seinem Urlaubsort, dass er da gar nicht sein dürfte, der Veranstalter, dass die Hütte dicht bleibt und die alleinerziehende Mutter, dass morgen die Schule mit und ohne Maske sowie trotz einem Bad im Desinfektionsmittel, einfach zu bleibt.

Er laßt die Hand küssen (Ebner-Eschenbach, für Bildungsbürger), der Bürger und erwartet demütig des Fürsten Urteil, da kann noch so viel Evidenz und Popper’scher Algorithmus davor stehen.

Written by medicus58

4. September 2020 at 07:56

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