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über alles was uns krank macht

Max-imale Musik

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Auch wenn Österreich im Ausland heute eher mit Red Bull assoziiert wird, traditionell und in unserem Selbstbildnis sind wir das Land der Musik und Musiker.

Sie kennen ja den heuer besonders aktuellen Kalauer:

Das wesentliche Verdienst der Österreicher war es der Welt einzureden Hitler wäre Deutscher und Beethoven Österreicher gewesen.

Und wenn wir schon von Oberösterreich reden, dort würde vor 59 Jahren ein gewisser Max Nagl geboren, und der tut mehr für Österreichs Ruf als Musikland als so mancher weiß, also ab ins Herrgottswinkerl mit ihm.

Ich glaube zum ersten mal bin ich über eine Komposition Nagls gestolpert, als ich Cellivio, auch so eine unbekanntes Kleinod der österreichischen Musikszene, entdeckte, wie sie Nagls Kirtag spielten:

https://www.youtube.com/watch?v=jkKvfQjvgRI (ab 0:29)

Dieses Beispiel zeigt schon viel von dem was Nagls Musik so besonders macht. Einmal denkt man an Blasmusiker auf zu viel Gras oder Free Jazz am Schuachbandl, dann schaut Philip Reich und Steve Reich auf ein bisschen Minimalmusik, dann jazzt es plötzlich ein paar Takte dahin und man erinnert sich an Terry Rileys Jam Sessions eben auch im Porgy & Bess. Auf seiner aktuellsten CD läast „Moped“ an Erektionssstörungen bei „Deep Purple“ denken, und ist trotzdem höchst hörenswert.

Eben dort, in Wiens intimsten Jazzclub, wo einst das Rondell (Raucherkino – Riemergasse), kann man auch immer wieder die Naglprobe machen, wie Nagl seine Kompositionen so meint.

Kürzlich trat der Komponist und Eigeninterpret auf allerhand Saxophonen, umringt von neun kongenialen Partnern auf mehr oder weniger konventionellem Musikgerät (Theremin) lässt dort die Ohren wackeln zusammengehalten und getaktet durch einen (wie im Hörbeispiel https://youtu.be/JYPkTcZJF44) nachvollziehbar genialen Herbert Pirker an den „Fellen“.

Was Sie natürlich von der Konserve nicht hören, sind Max Nagls minimalistischen Ansagen der einzelnen Nummern, wo man sich schon mal fragen kann, ob die verbale Reduktion ein Abbild seiner minimalistischen Musik ist, oder er mit gewissem Recht davon ausgeht, dass man seiner Musik ohnehin nur zuhören muss, um sie zu verstehen.

Kompositorisch wirkt vieles aus der Minimal Music kommend, als Hörerlebnis wird es sehr rasch zur Maximal Music.

Max Nagl Trio „Bleistift“ – official video

Bemerkenswert für ein angeblich so musikalisch interessiertes Land wie Österreich, dass einer wie Max Nagl nicht bekannter geworden ist.

“ICH SEH MICH NICHT ALS JAZZER” – MICA-INTERVIEW MIT MAX NAGL

Written by medicus58

2. Februar 2020 um 15:23

Veröffentlicht in Herrgottswinkerl

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