Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wie Sie Dich blöd aussehen lassen oder was Jimmy Carter über Pamela weiß

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Jimmy Carter (95), der 39. US Präsident hat sich vor zwei Tagen bei einem Sturz das Becken gebrochen und wurde hospitalisiert. Nein, das ist nicht die Parallele zur glücklosen SPÖ Vorsitzenden weil sie Ärztin ist, sondern weil sich Leitartikel (Rauscher Standard) Online-Foren und Partei“freunde“ aktuell so sehr über ihre vermeintliche Unfähigkeit verständigen.

Als Carter mit knapper Mehrheit gegen Ford ins Amt gewählt wurde, war er ungeachtet einer erfolgreichen akademischen, militärischen und politischen Karriere in den Augen vieler nur der frömmelnde Erdnussfarmer, der zwar einer der wenigen US Präsidenten war, der in keinen großen Krieg und keine großen Skandale verwickelt war, und Camp David und Salt II Abkommen besiegelte, aber letztlich der Versager der weder die Islamische Revolution im Iran noch den sowjetischen Einfall in Afghanistan verhindern konnte und der die Verantwortung dafür trug, dass bei der Operation Eagle Claw nicht nur die Befreiung der Geisel in der Teheraner Botschaft misslang sondern sich zum Teil die US Helikopter ohne Feindeinwirkung selbst außer Gefecht setzten.
Als er dann in der malaise speech vor zunehmenden Materialismus und Konsumismus warnte und harte Maßnahmen zur Lösung der Energiekrise forderte, sanken bald seine Beliebtheitswerte ins Bodenlose und er wurde bei der nächsten Wahl von Reagan beseitigt. Es hält sich das Gerücht, dass diese Rede aber so gehalten wurde, weil ihm falsch interpretierte Meinungsumfragen nahelegten, dass augenblicklich die US Amerikaner hören wollten/sollten, um ihm die Möglichkeit von Bezinrationierungen einzuräumen.

Americans, as “an act of patriotism,” should “take no unnecessary trips. There is simply no way to avoid sacrifice.” Kam nicht gut.

Kaum jemand zweifelte damals daran, dass Carter ein dummer, blauäugiger Farmer war, den nur die Verzweiflung über Watergate und das unrühmliche Ende des Vietnamkrieges ins weiße Haus gespült hat und seine Ablöse durch den optimistischen Westernhelden Ronald Reagan wurde bds. des Atlantiks als Erlösung empfunden.

Was wir Herrn Reagan so alles zu verdanken haben ( „Reich des Bösen“, Reagan-Doktrin, Kirkpatrick-Doktrin, Strategic Defense Initiative, Iran-Contra-Affäre, Grenada Invasion Operation Urgent Fury, We begin bombing in five minutes ) sollte ebenso bekannt sein wie seine gemeinsam mit Thatcher begonnenen Neoliberale Revolution. Für seine unbelehrbaren Fans darf aber auch sein Mr. Gorbachev, tear down this wall!“ erwähnt werden.

Ja und was wurde aus dem Erdnussfarmer Carter nach seiner verlachten Präsidentschaft: ein 2002 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneter allgemein anerkannter und erfolgreicher Vermittler.

Nun habe ich auch schwere Zweifel, dass Rendi-Wagner so bald irgendeinen Nobelpreis bekommen wird. Es sollten aber alle süffisant die Ablösefrage wiederkäuenden innerparteilichen Freunde, plötzlich um das Wohl der Sozialdemokratie besorgten konservativen und liberalen Journalisten, und Forum-Tratscher und Zwitscherer einmal die Geschichtsbücher zur Hand nehmen und überlegen, wie sehr die Öffentlichkeitswirkung und scheinbare Performance in jeder Führungsposition davon abhängt, wie sehr man von seiner Umgebung unterstützt oder aufs Glatteis geführt wird.

Kann übrigens auch ein Arzt in Führungsposition nachvollziehen.

Und wenn man sich die (früher nur bei der ÖVP gepflegte) Praxis des Obmannstürzens in der SPÖ genauer ansieht, dann findet man vielleicht die richtige Einschätzung der poltischen Fähigkeiten Rendi-Wagners nicht im Augenblick sondern in der Frage nach den Beweggründen derer, die Gusenbauer gestürzt haben und gegen Faymann ausgetauscht haben, um ihn gegen Kern auszutauschen, der sich selbst in die Luft sprengte.

Ja, und wenn man (vermutlich zu Recht) glaubt, dass da Netzwerke am Werke waren, sollte man eigentlich froh sein, dass PRW ganz offenbar nicht auf die Unterstützung solcher Freunde zählen kann.

Written by medicus58

24. Oktober 2019 um 15:44

2 Antworten

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  1. Politik besteht aus Form und Inhalt. Den Inhalt können nur wenige Menschen beurteilen, weil dazu viel Wissen und Intelligenz gehört. Die Form, also die Sicherheit des Auftretens, Rhetorik, usw kann jeder beurteilen. Kurz beherrscht das Handwerk der Politik exzellent. Rendi-Wagner hingegen fehlen Erfahrung und Talent. Deshalb werden noch so geniale Inhalte der SPÖ nichts ändern. Was die SPÖ braucht ist jemand, der so überzeugend wie Kurz auftreten kann.

    Ingenieur1961

    24. Oktober 2019 at 16:45

    • Ich wäre als heimatloser Linker schon froh, hätte die SPÖ geniale Ideen 😉

      medicus58

      24. Oktober 2019 at 17:13


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