Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Bootsunglück Bundesheer: War’s das? Scheinbar nicht …

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Nach der gestrigen Nicht-Verhandlung, die ohne Anhörung der wartenden Zeugen mit einer Diversion endete, schien die Strategie der medialen Einschläferung endgültig geglückt.
Obwohl der erste interne Bericht des Bundesheers sowohl Material- als auch Fahrfehler ausgeschlossen hat, fand später der Gutachter zwei Fahrfehler des Bootsführers (Anschneiden der Welle, nicht Zurücknehmen des Schubs) und meint bis heute, dass der Unfall zu vermeiden gewesen wäre. Bei der Pressekonferenz legte er Wert auf die Feststellung dass die nachfolgende Rettungskette nicht in seinem Prüfauftrag lag …

Wenige Tage vor der anberaumten Verhandlung erfuhren die Medien, dass sich der Bootsführer im Sinn der Anklage (fahrlässige Gemeingefährdung) schuldig bekennen wird. Es bedarf wohl schon geschulten juristischen Gespürs um sich vorzustellen, dass das Instrument der Diversion in diesem Fall angewandt werden kann, um sich sogar ein Urteil zu ersparen. Letztendlich wurde die herbeigeführte Gefahr nach §177 nicht nur herbeigeführt sondern hatte schwerste und bleibende Folgen. Und nicht nur, wie wir gleich sehen werden, für die zwei reanimierten Teilnehmerinnen …

Als praktischen Nebeneffekt glaubte man auch jetzt keine Zeugenaussagen mehr zu benötigen, so einig war man sich, obwohl noch unmittelbar nach dem Unfall die damals noch interessierte Öffentlichkeit mit eben einer solchen Zeugenaussage beruhigt wurde:

Ein Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin schaffte es in die Medien, der dann aber auf die wesentlichen Probleme des Einsatzes nicht einging, da alles „außerhalb ihres Gesichtsfeldes“ passiert ist. Sie habe eine „sehr intensive Erfahrung“ gemacht, die im Nachhinein sogar noch stärker sei, sagte die 34-jährige Wienerin zur APA:

Die Tragik des Unfallausganges sparte man – rechtlich offenbar supersauber aus -, obwohl sie auch der Richterin nachweislich bekannt war. Ungereimtheiten bleiben unhinterfragt, die IMHO auch für die Beurteilung des Bootsführers nicht irrelevant wären:

Wie schon in früheren Stellungnahmen wurde die Suche unterhalb des Bootes (auch vom Bootsführer) eingestellt, weil
Irgendwann sei die Botschaft gekommen, dass „alle da“ seien. Von wem diese Falschmeldung kam, die essentiell für den Ausgang war, scheint niemand zu interessieren. Auch die Diskrepanz zum Pressesprecher des Bundesheers, der dieser Aussage per Twitter wiederholt widersprach („Es war sehr bald klar, dass zwei fehlten“) scheint für die Rechtsfindung belanglos.

Die Staatsanwaltschaft hat weitere Ermittlungen im Sinne eines Organisationsverschuldens des Bundesheeres schon früher eingestellt. Das ist insofern bemerkenswert, da es sich um eine explizite Werbeveranstaltung des Bundesheeres gehandelt hat und schon deshalb auch alles mitgefilmt wurde, um es medial weiterverarbeiten zu können (Girls Day beim Bundesheer cont. ). Gleichzeitig beschwichtigt man, dass angeblich ohnehin alle Schadenersatzforderungen dem Grunde nach von der Republik akzeptiert worden wären und webt neuerlich an dem Mythos, dass bis auf zwei Teilnehmerinnen ohnehin niemand Schaden genommen hätte.

Nun scheint einem der Anwälte der Kragen geplatzt zu sein, und er sprach im Kurier endlich aus, was hinter der mühsam gewebten Nebelwand wirklich ablief:

Bootsunglück:
Opfer wurde Zeuge, wie die Schreie verstummten | kurier.at

Meine Mandantin hat ein psychisches Trauma erlitten. Es hat sogar zu einer Zwangseinweisung in die Psychiatrie geführt“

Die junge Frau hat in einer Luftblase unterhalb des Bootes die Schreie einer der beiden Frauen wahrgenommen, „bis diese irgendwann verstummt sind“.

„Sie hat massive psychische Probleme aufgrund der Tatsache, dass es ihr nicht gelungen ist, die anwesenden Soldaten gleich davon zu überzeugen, dass sich zumindest noch eine weitere Teilnehmerin unter dem gekenterten Boot befindet.

Aussagen, wonach alle Schadenersatzansprüche der Opfer von der Finanzprokuratur bereits dem Grunde nach anerkannt sind, weißt Korisek zurück. Im Falle seiner Mandantin stimme das nicht. „In Bezug auf meine Mandantin ist ein solches Anerkenntnis noch nicht erfolgt.“

Derartige Zeugenaussagen wollte offenbar vor Gericht niemand hören.

Keine noch so schwere Verurteilung des Bootsführers, dessen Beitrag am tragischen Ende wohl kausal aber nicht ausschließlich war, kann den Opfern und ihren Angehörigen ein normales Leben mehr zurückgeben.

Zwei Dinge müssten endlich eingefordert werden:

Eine ehrliche Klärung wer dafür Schuld trägt, dass ein Boot umkippte und wer dafür Schuld trägt, dass niemand so lange unter dem Boot suchte, bis die beiden Eingeklemmten gefunden wurden, weil offenbar irgendjemand am Unfallort die verhängnisvolle Meldung abgab, dass „alle da wären“.

Weiters sollte sich das Bundesheer nicht hinter den Leerformeln der „Anerkennung dem Grunde nach“ verschanzen dürfen, wenn es bereits im ersten dreiviertel Jahr Ungereimtheiten gab, wer für die bisherigen Kosten aufzukommen hat. Am Ende ist es sowieso der Steuer- und Unfall- und Krankenversicherungszahler (bis rezent übrigens auch die AUVA!), aber die Angehörigen brauchen die Sicherheit, dass sie neben ihrem Schmerz nicht mit Dutzenden Anträgen und Ansuchen gequält werden …

Was bisher geschah:

15.9.2018 Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen 

27.9.2018: Girls‘ Camp cont.; ORF NÖ verliert die Geduld 

1.12.2018 Falsche Spuren im Nebel: Der Endbericht des Bundesheeres kann noch nicht das Ende sein

Written by medicus58

14. Mai 2019 um 06:29

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