Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Jetzt wird’s kompliziert

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Denke ich mir , gehst zu einem berühmten Arzt, wer ist a berühmter Arzt, ein Chirurg (Herr Travnicek).

Fachärzte sind zu teuer, wir brauchen mehr Allgemeinmediziner (Gesundheitsökonom)

Wir ernennen die Praktiker zu Fachärzten für Allgemeinmedizin und schon sind sie aufgewertet (Ärztekammer-Bundesminister im Chor).

In einer retrospektiven Kohortenstudie haben kanadische Wissenschaftler die Daten von 2,5 Millionen Patienten analysiert, um der Frage nachzugehen, wer den die kompliziertesten Fälle behandelt hätte.

Nein, kompliziert war in diesem Fall nicht der Inuit, mit dem sich der Gastarzt nicht verständigen konnte sondern 9 andere Kriterien:

  • wie viele andere Krankheiten hat der Patient noch (Komorbiditäten),
  • wie viele Medikamente wurden ihm schon verordnet,
  • war er (auch) psychisch krank (z.B. Alkoholsucht, Depressionen oder Schizophrenie),
  • die Anzahl der aufgesuchten Fachbereiche,
  • die Anzahl der behandelnden Ärzte,
  • die Anzahl der Tage in einer Klinik,
  • die Anzahl der Besuche einer Notaufnahme,
  • war er in eine Pflegeeinrichtung (Langzeitpflege) augenommen,
  • und seine Gesamtmortalität, also wie lange er die Segnungen des Systems genießen konnte oder durfte.

An Hand dieser Parameter erkennt man übrigens auch das, was ein ELGA halt so hergibt und was dann eben nicht an den 13 Facharztgruppen untersucht wurde, wobei man wegen Datenmangel gleich mal die Onkologen, Geriater, Zahnärzte und Psychiater/Psychotherapeuten ausgenommen hat, ehe man seine Ergebnisse ins JAMA Network Open stellte.

And the winner is …

Nephrologen vor Infektiologen und Neurologen, gefolgt von Pneumologen, Hämatologen, Rheumatologen, Gastroenterologen, Kardiologen, Internisten, Endokrinologen, Immunologen, Dermatologen und „Familienmedizinern“

Ohne diese statistische Fingerübung zur Amortisation elektronischer Krankenakte schlecht reden zu wollen, viel mir eines dabei ein:
Der schwierigste Patient war schon immer (und wird es auch in Kanada sein“, dem eigentlich nichts fehlt aber dies niemandem glaubt.
Auf der Suche nach jemandem der ihm endlich diagnostiziert verbraucht er unzählige Kapazitäten, die sich im Sinne einer Absicherungsmedizin durch unzählige Untersuchungen und Überweisungen doch keine Blöße erlauben wollen, eine komplizierte Diagnose zu übersehen.

Mir schiene das die eigentliche Antwort auf die Frage der kanadischen Kollegen, nur kriegt man das mit statistischen Mitteln nicht so leicht heraus, wenn man nicht danach sucht.

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Written by medicus58

10. Februar 2019 um 11:59

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