Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wer is a berühmter Arzt, a Chirurg

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Als der Wiener Gesundheitsstadtrat Hacker einen Runden Tisch über die geplante Verkürzung der Ruhezeit nach ärztlichen Bereitschaftsdiensten verlangte, unterstrich er seine Forderung mit dem Nachsatz, dass „niemand einen unausgeschlafenen Mitarbeiter im Operationssaal haben“ wolle.

Als Meister der verkürzten Botschaft wandelte er auf Qualtingers vulgo Herrn Travniceks Spuren, der auf der Suche nach kompetenter ärztlichen Hilfe den im Titel angeführten Sager schmiss.

Ungeachtet der Frage, weshalb gerade die ärztliche Leistung auf Abruf vorgehalten werden soll und nicht auch die der Stadt Feuerwache oder anderer oft akut erforderlicher Dienstleistungen, zeigt die Wortspende eine sagenhaft verkürzte Sicht der Krankenversorgung.

Keine Frage, wer einmal des nächtens stundenlang in einem Operationssaal arbeiten (im Fall ihres Medicus „Hakenhalten“) musste, weiß um die körperliche Anstrengung mancher operativer Dienstleistungen. Nur ist es nicht extrem dilettantisch die (Akut Medizin) auf den Operateur und bestenfalls noch die OP Schwester zu reduzieren?

Vor dem Hautschnitt steht die Indikation steht die Indikation und die wird primär vom Portier gestellt, der den Patienten einmal auf die richtige Stelle schickt, wo es keine Notaufnahme gibt, oder der Triageschwester, dem Aufnahmearzt, oder dem Sanitäter, Haus– oder Notarzt gestellt.

Irgendjemand trifft die Entscheidung ob das akute Abdomen vielleicht eine Eileiterschwangerschaft, ein Darminfarkt, eine Pankreatitis oder überhaupt kein akutes Abdomen ist.

Und wenn das schon im OP endet, dann sollten auch alle andere Berufe leidlich ausgeschlafen sein, vom Träger bis zum Anästhesisten.

Keine Frage, ein falscher Schnitt und ein unausgeschlafenen Operateur kann einen in wenigen Augenblicken umbringen. Ein überlastet und damit falsch entscheidender Hausarzt kann in einer Stunde das Leben mehrere Patienten gefährden, ebenso wie ein fehlerhaft arbeitender Radiologie, Pathologie (hinter dem Mikroskop), Labormediziner (der ein falsches automatisch erstelltes Differentialblutbild durchwinkt) und viele andere. Medizin ist Teamwork und die Kette reißt am schwächsten Glied.

So dumm die Fokussierung auf den Chirurgen schon immer war, so sehr hat sie sich verhärtet in einer industriellen Sicht auf die Medizin, die das schätzt, was zählbar, scheinbar spektakulär und technisch aufwendig scheint.

Niemand würde vor Gericht mit einem übernachtigen Staranwalt gehen wollen, aber er würde auch vetlieten, wenn der Konzipient nicht ausgeschlafen war.

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Written by medicus58

22. Januar 2019 um 19:31

4 Antworten

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  1. Ausgeschalgfen zu sein ist aber nur eine kleines Puzzle in der Kette, die zu einer qualitativ hochwertigen Versorgung führt. Ein viel wichtigerer Stein sind Fallzahlen – wo es speziell bei den Chirurgen Exemplare geben soll, die auf Biegen und Brechen auch einmal einen interessanten Fall selber beschneiden wollen, anstelle ihn an eine geübtere Stelle weiterzuverweisen.
    Am Schlimmsten sind allerdings die Fälle, wo nach bestem Wissen und Gewissen kompetent behandelt wird, auf einem gefühltem medizinischen Wissenstand aus meiner Kleinkindzeit. Dagegen hilft aus ausschlafen nicht wirklich.

    Hansi

    22. Januar 2019 at 23:53

    • Haben wir hier schon einmal verhandelt, dass ich das Mantra „viele Fälle gute Arbeit“ nicht akzeptiere, solange man etwas einmal wirklich gut gelernt hat (wie Radfahren). Zum Med. „Wissensstand der eigenen Kindheit“ glaube mir, manchmal wäre das für Patienten gesünder als nach dem letzten NEJM Abstract behandelt zu werden, weil der in der nächsten Ausgabe schon wieder verworfen wird. Vgl. Textbook vs Frontier-Science. Übrigens eine Erkenntnis, die ich schon nach 10 Jahren Berufserfahrung hatte und nicht erst jetzt als störrischer Alter.

      medicus58

      23. Januar 2019 at 08:37

      • Es mag schon sein, dass der liebe Hergott aus dem Winkel manchen Menschen ein besonderes Talent in die Wiege gelegt hat. Den allermeisten nicht-Göttern geht es aber so, dass sie meist das gut können, was sie gut gelernt haben und oft üben. Und wo sie nie zu lernen aufhören.
        Ohne entsprechende Übung sich als gut darzustellen ist im Regelfall – von dem ich mich auch nicht ausnehme – Selbsttäuschung.
        Du hast aber insofern recht, als dass viele Ärzte jetzt kurz vor ihrer Pensionierung mit der allerbesten Selbstdarstellung noch genau so zu agieren scheinen, wie sie es am Ende ihrer Studienzeit gut gelernt zu haben meinen.
        Das ist mein Mantra, das ich auch gerne an Beispielen belegen kann.
        Auch Radfahrer fallen zwar nicht gleich vom Rad, wenn sie nicht geübt haben – sie bringen aber auch keine besonderen Leistungen.

        Und nein.
        Nur, weil es in manchen Fällen für manche Patienten besser wäre, mit einem Wissenstand von anno dazumal oder gar nicht behandelt zu werden, wünschen wir uns als Patientengemeinschaft doch eher eine Behandlung, die dem aktuellen Wissens- und Best Practice-Stand nicht um viele Jahrzehnte hinterher hinkt.

        Hansi

        26. Januar 2019 at 20:06

      • Das hat gerade einigen Prostakarzinompatienten ihr Leben gekostet

        medicus58

        26. Januar 2019 at 20:12


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