Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Das war 2019

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Kaum zwei Wochen ist 2019 alt und nichts wirkt so anachronistisch wie Aufnahmen des Silvesterfeuerwerks oder der schlappe Weihnachtsbaum in der Ecke.

Trotzdem haben sich die Medien schon wieder sehr ausführlich und verlässlich oberflächlich mit dem Gesundheitssystem beschäftigt und das wollen wir hier festhalten.

Während die ZIB am 13.2. daran erinnerte, dass es nirgends in Europa (außer in Island !) so viele Spitalsärzte gibt wie bei uns, hat Niederösterreich eine Neue Kampagne „Niederösterreich studiert Medizin“ ausgerufen.

Die Regierung hat bei ihrer Regierungsklausur eine Imagepolitur für die Pflege in Aussicht gestellt und Wien (tradiotionell in Ermangelung anderer artabhebender Merkmale kontradiktorisch zur Bundesregierung unterwegs) erfindet gleich einen Wien-Bonus im Pflegebereich.
„Ich bekenne mich dazu, dass wir die Wiener Stadtregierung sind und nicht der Kompensator für ganz Ost-Österreich.“
OK, der Bürgermeister hat kürzlich noch Gesundheit und Kinder vom Wien-Bonus ausgenommen, aber egal, mir san mir. Konkret wurden weder die Bundes- noch die Stadtregierung.

Der Mann hinter der SPÖ-Vorsitzenden deckte auf, dass die Kassenreform Millionen kostet (Kassenreform – Drozda: 48 neue Spitzenposten verursachen Millionenkosten), was aber pflichtschuldigst (selbstverständlich ohne Zahlen und Fakten) von der Bundesregierung dementiert wurde. Schließlich versprach man auch zum Thema Pflege erste Gesetzesentwürfe erst für das Ende des eben begonnenen Jahres.

Einem Mantra der Gesundheitspolitik (Entlastung der Spitalsambulanzen durch Primärversorgungszentren) widerspricht eine Studie der imh GmbH (Spitals-Ambulanzen: Keine Entlastung durch Primärversorgungszentren), was aber m.W. medial nicht aufgegriffen wurde. Wäre interessant, wer die Studie in Auftrag gegeben hat.

Aus einem Wiener Stadtrechnungshof– Bericht „Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen (!) in Abteilungen für Nuklearmedizin“ liest die Presse etwas off topic nur folgende Schlagzeile heraus Nuklearmedizin: Langes Warten auf Behandlungen und setzt einen Thread fort, der im Vorjahr mit einer Anfrage der Patientenanwaltschaft (!) los ging und von ÖVP (Korosec ad Stadtrechnungshof: Modernes und transparentes Nuklearmedizinkonzept nötig) und FPÖ (FPÖ-Koderhold: Rechnungshofkritik – viel zu wenig Betten für Krebspatienten). Was das alles mit einer Sicherheitsüberprüfung zu tun hat, entzieht sich meiner Phantasie. Auch hier stellt sich die Frage nach Auftrag und Absicht.

Noch abartiger wirken Presseaussendungen, die mehr zur MeToo -Debatte (im Sinne „lasst mich den Löwen auch spielen“) passen als zur aktuellen Diskussion:
SPÖ Verkehrssprecher Alois Stöger kritisiert die von Hofer geplante Aufhebung der nächtlichen 60 km/h Begrenzung für LKWs: Bundesregierung gefährdet Gesundheit der ÖsterreicherInnen: „Regierung ist Industriellen-Wurlitzer“
Jetzt bin ich ja auch nicht dafür, dass die LKWs durch die Ortschaften rasen, aber ob sie das am Tag oder in der Nacht tun, hat vermutlich weniger Auswirkungen auf die Gesundheit als die Feststellung, dass der Transit an sich, der uns Knoblauch aus Polen und Salat aus Spanien bringt, hinterfragbar wäre. Aber so ein Kapitalismuskritik ist selbst SP-Urgestein Alois Stöger zu kritisch.

Die B&K – Bettschart & Kofler Kommunikationsberatung tat auch was für ihre Kunden und vermeldete, vermutlich durch den Frust, wieder vom KAV in Sachen Neujahrsbaby abgehängt worden zu sein:
Bereits jedes 5. Kind kommt in Wien in einem Ordensspital zur Welt
Die Schlagzeile, jedes 5. Kind kommt ohne neonatologischem Stand-by auf die Welt, wäre auch weniger positiv.

Eher auf dem Punkt, war dar eine Pressemeldung des Umweltbundesamtes, das die Feuerwerk-induzierte Feinstaub-Panik relativierte: Die vorläufige Feinstaubbilanz des Umweltbundesamtes für das Jahr 2018 zeigt ein ähnliches niedriges Belastungsniveau wie in den Jahren 2014 bis 2017.

Und wenn sich noch irgendwer Sorgen macht, dass die politisch Verantwortlichen sich nicht um unser gesundheitliches Wohl sorgen, der bekam am 2.1.2019 um 8:00 Flgendes auf den Fernschreiber:
Strache und Hartinger-Klein: „Mach den ersten Schritt“ vom Neujahrsvorsatz zum gesunden Lebensstil“

Written by medicus58

13. Januar 2019 um 18:41

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Eine Antwort

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  1. Es tut gut, dass dein Blog-freier Tag vorbei ist . 🙂
    Die Präsentation des Gesundheits-Jahrbuchs hättest du noch erwähnen können – dieser Jubiläums-Auftritt der Schönen und Mächtigen gehört schon so zum Neujahrsbeginn wie das Konzert der Philharmoniker:
    https://kurier.at/gesund/ein-gesundheitszentrum-ganz-ohne-patientenverkehr/400372064

    Hansi

    13. Januar 2019 at 22:11


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