Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Hotelzimmer

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Urlaubszeit ist die richtige Zeit um ein bißchen über Hotelzimmer zu schwätzen.

Natürlich nicht jene gleich ums Eck in St. Simplicius am Brenner, sondern jene gastfreundlichen Refugien in der weiten Ferne, also in der wirklichen Fremde. Von den Zimmern aus denen man nach der Ankunft ins noch Unbekannte aufbrach und in die man sich auch wieder zurück ziehen konnte, wenn einem alles zu viel wurde. Zurück von den Straßen, deren Beschriftungen nicht zu entziffern waren, dem Lärm, den Gerüchen und Menschen, die Sie nichtmal in der U6 treffen konnten.

Wenn Sie sowas nie erlebt haben,

die Horde Asiaten, die Ihnen den ganzen Tag ein beständiges „Hello, where you’r from?“ zugerufen haben, ehe Sie für ein Selfie mit ihnen posieren mussten,

die Kellner, die Ihre mangelnden Kenntnisse der hierorts in Gebrauch befindlichen Lappen schamlos ausnutzten,

die Karaoke-Bars, in denen Beatles-Songs zur Atonalität verkamen,

dann waren Sie nie wirklich in der Fremde.

Menschen im Hotel (V. Baum) ist nur einer von vielen Romanen, der dieses spezielle Ding, ein Hotel, seine Zimmer und seine temporären Bewohner beschrieb.

Auch Graham Greene, Somerset Morgham oder Hemingway ließen sich immer wieder von und in Hotelzimmern inspirieren. Vielleicht könnte ich mit mehr Alkohol deren Fußstapfen folgen, mit dem Lipton Yellow Label, den ich mir gerade aufgebrüht habe, wird das aber wohl nix.

Klar hat das alles an Reiz und Wichtigkeit eingebüßt seit man in den abgelegensten Gegenden dieser Welt schon via Internet ein passendes Lokal suchen kann, ehe man auf der Straße war. Der Rückzugsort von einst verkam heute mehr oder weniger zu einem hot spot, für dessen Passwort man sich nicht einmal ein Getränk bestellen muss.

Müde winken wir ab, wenn uns die Rezeption einen abgelichteten Stadtplan anbietet, wir haben uns schon oben die offline Karte für Google Map runtergeholt. (Vielleicht ein Grund weshalb die Stadtpläne in den Reiseführern immer mieser werden?)

Nicht einmal CNN am Hotel-TV benötigen wir mehr, um zu wissen, was in unserer Welt inzwischen passiert ist, wir sind online. Ja, und den Zeitungsständer in der Lobby haben die meisten Hotels ohnehin schon entsorgt.

Was waren das noch für Zeiten, als ich in indischen Zeitung in Echtzeit mehr über den (fehlgeschlagenen?) Putsch gegen Gorbatschow erfuhr, als Monate später in unseren TV Dokus.

Aber trotzdem, Hotelzimmer können auch heute noch ein wenig Heim in der Fremde sein. Ausgangspunkt und Endpunkt unserer Erkundigungen und der Platz, wo wir uns abgerissene Knöpfe annähen können.

Written by medicus58

26. Juli 2018 um 13:21

Veröffentlicht in Reisen

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4 Antworten

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  1. Dies erinnert mich wieder an einen Taxifahrer in Kopenhagen.
    Ich war 18 und fuhr per Bahn nach Schweden, um dort als Kindermädchen zu arbeiten. Zwischenstopp war in Kopenhagen, wo ich mir ein Hotel gebucht hatte. Der Anschlußzug, welcher komplett auf die Fähre fuhr, um Schweden zu erreichen, fuhr erst in einigen Stunden.
    Um zum Hotel zu gelangen, nahm ich mir also ein Taxi. Wir fuhren ganz schön lange herum… 😉
    In der Früh das Taxi fuhr hingegen nicht lange herum sondern war gleich beim 300 Meter entfernten Bahnhof. Da war mir klar, daß ich (internetlos) gelinkt worden war…
    Wenn man in Google Maps die Helgolandsgade 7 eingibt (dort befindet sich noch heute das schöne Hotel „Ibis Copenhagen Triton“ http://ibis-copenhagen-triton.copenhagen-hotel.net/de/ ) kann man sehen, wie nahe der Eisenbahnschienen bzw. des Hauptbahnhofes das Hotel liegt…

    Christine Kainz

    26. Juli 2018 at 18:55

    • Nette Geschichte … wegen solcher Dinge habe ich seit Jahren eine Kimpassuhr und einen Stadtplan wo immer möglich ..

      medicus58

      27. Juli 2018 at 01:12

  2. Reisen können leider auch anders ausgehen https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Warmbier

    Christine Kainz

    26. Juli 2018 at 20:08


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