Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Lassen wir Asylwerber einfach absaufen?

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Der ehemaliger Integrationsstaatssekretär (2011 bis 2013), und während der „Flüchtlingskrise 2015“Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres (2013 bis 2017), unser Sebastian Kurz , will während seiner Ratspräsidentschaft nun Europa schützen und schien genüsslich am Sturz Angela Merkels, der Erfinderin der Willkommenskultur, zu arbeiten.
Er steht für Routenschließung, Zäune und Null-Toleranz und schweigt zu den 205.000 Euro teuren Polizeischüler Spielchen seines Innenministers in Spielfeld.
Dass durch seine (und die aller Rechtskonservativer) Fokussierung auf das Asylanten-Thema, alle anderen Probleme (Euro, Finanzindustrie, Klima, Bildung, Altersversorgung, ….) in Österreich und in Brüssel, ungelöst liegen bleiben, ficht die Freunde nicht an, solange sie damit glauben Wahlen gewinnen zu können.

Am anderen Ende des Spektrums zählt man täglich die Ertrunkenen im Mittelmeer und beschimpft jeden als inhuman und herzlos, wer hinterfragt, ob die (un)freiwillige Kooperation zwischen Schlepper-Mafia und NGO-Schiffs-Shuttledienst denn wirklich sinnvoll ist.
Ich habe hier schon 2015 mit den Vereinfachungen, alle wären unaufgeklärt, stumpf, rechtsradikal, islamophob und xenophob (F wie Fremdenhass? ), die im Durchwinken unregistrierter Menschenmassen ein rechtsstaatliches Problem sehen, auseinandergesetzt.
Ich habe hinterfragt , ob denn all die, die damals am Westbahnhof Teddybären und Mineralwasser verschenkt haben auch bereit wären, die hier neu in unsere Gesellschaften strömenden Wertevorstellungen, zu akzeptieren (Mögen Sie Flüchtlinge? und habe zuletzt auf die gar nicht so kleinen Problemen in unserem Gesundheitssystem (Krank gekommen, aber zu krank um zu gehen?) hingewiesen.

Was mich in der aktuellen Diskussion (wir können niemanden im Mittelmeer ertrinken lassen) so ärgert, ist natürlich nicht die Frage ob irgendjemand zuschauen möchte, wie Menschen sterben, sondern, die unglaubliche Vereinfachung eines komplexen Problemes, das IMHO gerade durch diese Vereinfachungen noch angraviert wird.

Einmal ganz simple (Die Zahlen variieren zwischen den Quellen, dir Größenordnungen schienen aber zu stimmen):

Es leiden weltweit immer noch 795 Millionen Menschen an Hunger – das ist jeder neunte.
8,8 Millionen Menschen sterben jährlich, weil sie nicht genug zu essen bekommen, das sind rund 24.000 Menschen pro Tag.
An Malaria, HIV, Tuberkulose sterben pro Tag etwas über 10.000 Menschen pro Tag.

Zuletzt sind innerhalb von drei Tagen 200 Menschen im Mittelmeer auf der Flucht ertrunken, die viel Geld dafür bezahlt haben, dass sie von Schleppern in kaum seetaugliche Boote gesetzt wurden, für das erste Halbjahr fand ich Schätzungen von rund 1000 ertrunkenen, das wären dann rund 5 ertrunkene Menschen pro Tag.

Keine Frage, beide Zahlen wären mit relativ geringen finanziellen Mitteln deutlich reduzierbar. Mit dem Geld, das die Ertrunkenen an die Schleppermafia bezahlten,
oder dem Geld das die Abwehrmaßnahmen an unseren Grenzen, oder dem Geld, das die Asylverfahren und Integrationskosten  verschlingen,
könnten viele Menschen vor dem Hungertod bewahrt werden und (Nicht an Leib und Leben Verfolgte) zum Bleiben in ihren Herkunftsländern bewegt werden
(mit den Geldern in die Entwicklungshilfe übrigens nicht, mit dem Verzicht auf Geschäften mit korrupten Regierungen eventuell).

Es scheint aber viel leichter, je nach politischer Position schweigend, aber zufrieden dem Ertrinken zuzuschauen,
oder immer mehr Rettungsboote schicken zu wollen, um so der Schleppermafia das Leben zu erleichtern und Migrationswillige zu diesem Roulette-Spiel mit dem eigenen Leben zu motivieren, nur um zu erkennen, dass sie hier in Europa oft perspektivenlos bleiben (rund 49% der Ansuchen wird negativ beschieden), wobei ich keinen beneide, der diese Entscheidung, in welcher Richtung auch immer fällen muss.

Es ist nicht inhuman, diese Zahlen anzuführen.
Es ist m.E. seelische Selbstbefriedigung sich gut fühlen zu wollen, in dem vehement Rettung aus Seenot gefordert wird, als ob damit irgend eine humane Lösung zu erreichen wäre, wenn man diejenigen, die es unter Lebensgefahr und nicht unbeträchtlichen finanziellen Mitteln geschafft haben einige Kilometer vor der nordafrikanischen Küste in Seenot zu geraten, rettet, und es ist letztendlich noch inhumaner sich nicht um diejenigen zu kümmern, die sich den Schlepper nicht leisten können.

Fast überall auf dieser Welt ist es bedeutend unangenehmer zu leben als bei uns. Wer glaubt das durch selektive Migrationserlaubnis an wenige lösen zu können, dem sei folgendes (leider nur auf Englisch vorliegendes) Denkexperiment zu empfehlen, ehe er glaubt auf Seite der Humanität zu sein:

Written by medicus58

1. Juli 2018 um 22:01

Veröffentlicht in Allgemein

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2 Antworten

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  1. Wie immer excellent! Hier mit deutschen Untertiteln:

    Christine Kainz

    1. Juli 2018 at 22:41


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