Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Hollywood verfilmt Science, oder auch umgekehrt

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Als ich – vor vielen Jahren -meinem Filo-Professor den Vorschlag machte über „psychologische und philosophische Grundlagen der Populärkultur“ zu maturieren, nannte man das noch nicht bedeutungsschwanger VWA (=vorwissenschaftliche Arbeit) und empfand das – im Ggs zum heutigen Schulvolk – eher als Erleichterung bzw. Einschränkung des Gesamtstoffs denn als Bürde.

Bertl“ (siehe Link oben) hob zwar etwas die Augenbrauen ob des exotischen Themas, ließ mich aber gewähren. Zu den beiden anderen Themen (Freud’sche Traumdeutung und Literatursoziologie) deckte er mich ohnehin mit Literatur ein. Für das dritte Thema hielt ich mich zuerst an das eben erschienene Lexikon zur populären Kultur von Georg Seeßlen und Bernt Kling (Link).
Seeßlen war mir damals ohnehin schon durch seine semiotischen und gesellschaftspolitischen Analysen des Mediums Films ein Begriff und bot sozusagen das Unterfutter für meine Überzeugung, dass man (spätestens seit der Herausbildung einer Kunst für breitere Schichten), aus solchen Werken mehr über die jeweilige Zeit erkennen kann als an manchen Ikonen der Avantgarde. Glaube ich übrigens heute noch.

Ich mag Sie jetzt nicht mit einer endlosen Aufzählung all jener Beispiele quälen, in der sich Fiktionen der Populärkultur so in uns eingebrannt haben, dass wir kaum mehr erkennen, wie hellsichtig die Autoren unsere Zukunft voraus gesehen haben.
Denken sie nur an die dystopischen Zukunftsvisionen eines Philip K. Dick (1956 The Minority Report; 1968 Träumen Androiden von elektrischen Schafen?, der als Vorlage für den Film Blade Runner diente), wo innerhalb einer ökologischen Katastrophe hoch entwickelte Technologien aus dem Ruder laufen. Die Endzeitstimmung in der Menschen nach einer großen Katastrophe um die letzten Tropfen Wasser und Benzin kämpfen war uns 1979 noch weitaus fremder als heute, als der erste Mad Max Film in die Kinos kam. Zumindest mir kommen heute die damaligen Bilder leider schon sehr vertraut vor.
Daneben hat die Populärkultur, insbesondere der Film, auch immer sehr rasch Entwicklungen und Designs übernommen und diese wieder popularisiert.
Auch Autoren wie Philip K. Dick ließen sich von gerade aktuellen philosophischen und wissenschaftlichen Hypothesen oder Konzepten inspirieren, bauten sie aber weitsichtig über ihre aktuelle Bedeutung und Anwendbarkeit aus.

Wie eng sich bereits Wissenschaft und Hollywood gekommen waren, beweist uns der 2018 erschienene Blockbuster Rampage – Big meets Bigger, das auf einem gleichnamigen Arcadespiel aus 1986 basiert. Im Film muss sich Dwayne Johnson mit durch genetische Manipulation plötzlich riesig gewordenen Untieren herum schlagen.
Schuld an dem Schlamassel sind natürlich wieder einmal böse Wissenschaftler, die eine heilbringende medizinische Erfindung (CRISPR/Cas-Methode) für finstere Geschäfte nutzen wollten.

Soweit, so nicht neu; bemerkenswert ist aber, dass die CRISPR/Cas-Methode des Genom Editing erst kurz vorher, eben erst 2015 vom Magazin Science zum Breakthrough of the Year 2015 erklärt wurde. Das heißt, es vergingen weniger als drei Jahre zwischen einer wissenschaftlichen Innovation und der Übernahme in ein Filmdrehbuch. Jetzt könnten sie einwenden, dass das halt alles nur passierte, um eine Spielsituation eines Arcadespiels aus 1986 erst plausibel zu machen. Geschenkt, aber der Ideentransfer wird noch bemerkenswerter, wenn man im entsprechenden Wikipedia-Eintrag liest, dass die ersten Forschungen zum Thema schon in den 80er Jahre begonnen:
Die Entdeckung und Erforschung der CRISPR-Sequenzen und des damit verbundenen CRISPR/Cas-Systems im Immunsystem verschiedener Bakterien und Archaea erfolgte in mehreren Schritten seit den späten 1980er Jahren. Vor allem in den frühen 2000ern wurden die Zusammenhänge zwischen den CRISPR-Sequenzen der DNA und den cas-Genen sowie ihre Bedeutung in der Immunabwehr der Bakterien identifiziert. Ab 2008 war bekannt dass das adaptive CRISPR DNA bindet.

Jetzt wollen wir die Analogien und Theorien nicht zu weit spinnen, aber die Parallelität fand ich schon erwähnenswert. Und wer eine andere Methode wüsste, wie man wissenschaftliche Erkenntnisse breitflächig an die Popcorn knabbernden und Cola schlürfenden Kinogänger bringen kann, möge sie nennen.

Das bringt uns auch wieder zum „alten Bertl“ (Prof. Dr. Herbert Schmeiszer) zurück, der uns – ganz im Sinne Poppers – lehrte:
Es gibt drei (voneinander unabhängige) Zugänge zur Welt: Religion, Wissenschaft und Kunst

Links:
http://www.transgen.de/forschung/2564.crispr-genome-editing-pflanzen.html
https://www.spektrum.de/wissen/wie-funktioniert-crispr-cas9/1441060

Originalbild © Warner Bros. Pictures

Written by medicus58

24. Mai 2018 um 17:16

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