Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Von Beratern, großen Zahlen, der Klimakatastrophe und der einfachen Lösung

with 8 comments


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und wieder und wieder sitzen wir smarten Anzugträgern gegenüber, die uns – gegen gutes Salär – Lösungen präsentieren, auf die wir trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung nicht im Traum gekommen wären,
vielleicht aus gutem Grund.
Natürlich geht es wieder um Berater, die an allen Ecke lauern und nur gefragt (und bezahlt) werden wollen, und schon erbrechen sie Lösungen für alles und jedes, und natürlich garniert mit atemberaubenden Zahlen.

Hundertausende Arbeitsstunden könnten eingespart werden, ja wenn wir nur eine bestimmte Software anwenden würden.

Einen Apfel pro Tag und das Leben verlängert sich.
Eine Zigarette im Beisl weniger und die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt ins unermessliche. 

Die Muster sind stets die gleichen:
Da gibt es ein Problem, in der Regel zu hohe Personalkosten, aber auch zu viele Krankenhausaufnahmen, Sterbefälle oder Migranten im Park, WTFever.
Dieses Problem wird noch dadurch vergrößert, in dem man es mit einigen Jahren, einigen Filialen, einigen Erdteilen multipliziert (die große Zahl).
Danach isoliert man einen Prozess (pfeift auf Kollateralschäden und den gesunden Menschenverstand) und berät:

Ihre Sekretärin verbringt jeden Tag 30 Minuten mit dem Suchen von Krankengeschichten.
Das Spital hat 200 Sekretärinnen, macht pro Tag 6000 Minuten = 100 Stunden, macht im Schnitt pro Monat 3000 Stunden,
das sind schon ca 17 Sekretärinnen, die Sie einsparen können, wenn sie auf Krankengeschichten verzichten und auf das papierlose Spital umstellen. 

WOW, wieso sind Sie nicht darauf gekommen?

Ich wäre ja darauf gekommen, ich hätte (in ähnlicher Denke) auch schon den Kohlendioxid-Ausstoß und die konsekutive Klimaerwärmung gelöst, aber mich fragt ja keiner.

Sie fragen mich doch? Ja, gerne – und sogar kostenlos …

Die eingeatmete Luft enthält:
20.9 % Sauerstoff,
78,1 % Stickstoff , 
0,93 % Argon und 
0,035 % CO2.

Nach Pschyrembel, Medizinisches Wörterbuch, 257. Auflage, 1994 S. 130 enthält
die ausgeatmete Luft:
16 % Sauerstoff,
80 % Stickstoff + Argon und
4 % CO2.

Die Atemfrequenz beträgt beim Erwachsenen 16 – 20/min.
Das Atemzugvolumen (Atemvolumen) beträgt beim Erwachsenen in Ruhe 400 – 600 ml.
Das bedeutet rund 9 l Atemvolumen pro min und damit einen CO2-Ausstoß eines Menschen von rund 0.7 g/min.

Hochgerechnet auf die 6,5 Mrd Menschen konnte gezeigt werden, dass der Kohlendioxidausstoß der Menschheit (flatulierende Steakproduzenten in Argentinien überhaupt mal außen vor) 10% der Industrieemission ausmacht (Lit).

Ja, und nun kommt es, ich bin so stolz auf mich:
Wenn wir alle auf dieser Welt nur auf einen Atemzug eine Minute die Luft anhalten würden, dann wären das 4.550 Tonnen eingespartes Kohlendioxid!
Wenn wir das alle jeden Tag machen, haben wir pro Jahr 1.660.750 Tonnen eingespart!
Und wenn wir das ein Jahrzehnt lange machen, dann müssen wir uns warm anziehen, weil es so kalt auf unserem Planeten geworden ist …

Aber warum holen die starken Männer in ihren weißen Mänteln nun nur mich ab Und der Herr Berater darf weiter frei herumlaufen?
Nein, ich will die Jacke nicht anziehen ….

Der dort ist der Berater, ich habe ja nur mal dilettiert ….

Links:

Beraten – Verraten: Das wahre Problem hinter externen Beratern

Der KAV beschäftigt die falschen Berater

Reich wird, wer das Seine jedem verkauft: Die Gesundheitsberater

Sicherheitsberater: Widerstand zwecklos

Wien: Den Sound vernahm ich wohl, allein mir fehlte der Glaube

Gangbetten – Liebe Kunden wir eröffnen in Kürze Kassa 3

 

Written by medicus58

20. Mai 2018 um 08:38

8 Antworten

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  1. Es gibt aber eine Alternative zum externen Berater – frei nach Andrea K.:
    Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis.
    Als Häubchen oben drauf vielleicht auch noch mit anonymen Beteiligten, …

    Hab ich übrigens schon die parlamentarische Anfrage zum NAP.se und meine Kommentare angeführt?
    http://www.sarko.at//NAP_PA_FA_2018-05.htm

    Hansi

    20. Mai 2018 at 09:50

  2. Papier und Wähler sind geduldig

    medicus58

    20. Mai 2018 at 09:52

    • Da denk ich doch immer an Larry Kramer und 1,112 and counting: „Our continued existence depends on just how angry you can get“.
      Ich werd schon ganz grün …

      Hansi

      20. Mai 2018 at 19:36

  3. Ein herrlich humorvoller Beitrag (trotz des Ernstes der Sache) der es wert ist, wieder und wieder gelesen zu werden.
    Werter medicus, ob der Art Ihres Schreibens, Ihres scharfen klaren Verstandes, schätze ich Sie seit vielen Jahren!

    Christine Kainz

    20. Mai 2018 at 13:40

  4. Wenn man nach dem Process Communication Model (PCM) nicht auf das hört, was gesagt wird, sondern WIE es gesagt wird, dann ergibt sich folgendes Bild: Menschen, die oft das Negative dokumentieren, bei all den positiven Dingen, die sie umgeben, zeigen Distress 2.Grades. (Beharrer Stress)

    Laut PCM fehlt diesen Personen Anerkennung der Leistung und Ihrer Überzeugungen. Man könnte sie wieder „zurückholen“ in ein kreatives Dasein inklusive offen sein für Neues, wenn man nur den richtigen Kanal findet. Der wäre laut PCM nach der Meinung fragen, nach den Werten fragen, aber auch die Überzeugungen akzeptieren, die man so hört. Auf keinen Fall sollte man ein Streitgespräch anfangen.

    Übrigens: wenn jemand (in dem Fall ich selbst), beginnt überlange Sätze zu formulieren, dann zeigt diese Person laut PCM Distress eines Logikers. Den (Logiker) kann man zurückholen, in dem man die Leistungen lobt, aber auch nach Struktur und zeitlicher Einteilung fragt.

    Es gibt Berater, die ihre Ideen mit vielen Menschen vorher abstimmen, bevor sie sie umsetzen. Es gibt auch Berater, die den Konsens suchen. Es gibt auch einige wenige, die sich ohne hohes Entgelt engagieren, weil sie daran glauben, dass sie die Welt eine Spur erträglicher machen können. Nicht viele, aber es gibt sie! Ich halte mich oft an Sir Ken Robinson, der meint: If you dont dare to try anything new, if you are always scared of failure, you will never come up with anything creative or useful….

    Die Suche nach Krankenakten ist eine alte Geschichte. Meist werden diese auch nicht gefunden, weil sie in Privatordis kurzfristig abwandern und gar nicht mehr vorort auffindbar sind. Die digitale Fieberkurve wurde von Beratern mit geringem Entgelt vor Jahren empfohlen, aber seitens der leitenden Organe abgelehnt. Vermutlich aus Furcht vor dem Unbekannten (digitales Zeitalter)….vielleicht war aber auch das Honorar der Berater zu niedrig, so dass man ihnen keinen Glauben schenken kann…

    Die hundertausend Arbeitsstunden pro Jahr wurden übrigens in Europa tatsächlich durch Einsatz einer Software in anderen Arbeitsstätten eingespart (dokumentiert und nachweislich). Einsparen klingt aber nicht so gut, deshalb spricht man von „Zeit für mehr Qualität anderswo gewinnen“…auch ok oder?!

    Henriette

    24. Mai 2018 at 21:07


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