Sprechstunde

über alles was uns krank macht

ELGA: Wie dumm kann man sein – für wie dumm kann man denn verkauft werden

with 5 comments


2012 hat der Nationalrat das „ELGA-Gesetz verabschiedet und vorsorglich die Bundesländer,
die schließlich die großen Krankenanstaltenverbünde kontrollieren, in den 15a-Verhandlung vertraglich zum Mitmachen verpflichtet.

Selbst der zufällige Leser dieses Blogs wird sich wenig Illusion darüber machen, dass ich
schwere Vorbehalte gegen elektronische Gesundheitsakten (ELGA) und die Rolle der EDV im Gesundheitswesen habe.
Ich habe seither zahllose Argumente Beispiele gebracht, wobei über die Jahre die fallende Zahl der Beiträge eine gewisse Erschöpfung zeigt:

2016
Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall 

2015 
 und da war da noch ELGA
KAV-IT: Ohne Worte 

2014
Da mir Minister Stöger kein Interview zu ELGA gibt 
Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV 
Before we have been so rudely interupted
Software kann auch töten
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher

2013 
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht 
Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV

2012

VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient.
Männchen oder Weibchen? An alle ELGA Fans
Endlich ELGA: Cui bono? 
ELGA kommt endlich 
Pressestunde: Salon ELGA
Risikofaktor medizinische Informatik
EDV: Supergau im KAV
Nervt die EDV nur oder will sie uns was sagen
MED 2.0 Facebook for the insane
Risikofaktor medizinische Informatik

All das schien wenige zu interessieren, auch dass das Milliarden teure ELGA Ding, das 2015 nicht wie geplant startete und nur scheinbar 2017 (!) los ging.
Bis heute habe ich aber noch bei deutlich weniger als einem Prozent meiner Patienten irgendwelche Daten auf ELGA gefunden und bei mehr als der Hälfte der Anfragen auf Fehlermeldungen gestarrt!
Woher der Hauptverband seine Zahlen hat, dass bis Ende Jänner 2018 fast die Hälfte aller Bürger ELGA-Kontakte hat, ist mir schleierhaft, tut aber jetzt nix zur Sache.

Im Zuge der Anpassungsgesetze zum EU-Datenschutzrecht gehen aber plötzlich wieder die Wogen hoch:

Standard.at Regierung will Daten der Bürger für Forschung freigeben
SN: Gesundheitsakte ELGA: Regierung will Daten der Österreicher für Forschung öffnen
NOEN: Medizin-Unis fordern Weitergabe von Patientendaten
FAZ: FÜR FORSCHUNG UND INDUSTRIE:Persönliche Daten der Österreicher bald einfacher zugänglich
Standard.de Entrüstung über neues Forschungsorganisationsgesetz bei Neos und Ärztekammer

Vor wenigen Minuten legte dann Frey im Standard nach (Daten können Leben retten) und stimmt völlig kritiklos in den Mythos der Big Data ein, die das Gesundheitssystem wieder einmal revolutionieren soll.
Allein seine folgende Behauptung
Der einzelne Arzt kann immer nur anekdotische Erfahrungen machen, erst in der Masse ergeben sich wissenschaftlich brauchbare Erkenntnisse
zeigt sein grundlegendes Unverständnis, dass der unreflektierte Schluss von der Gruppe auf den Einzelfall der wesentliche Unterschied zwischen Schreibtischtäter und Praktiker ist.

Was ich aber an der aktuellen Aufregung nicht so ganz verstehe, was haben denn all die Aufgeregten geglaubt, weshalb Milliarden in den Versuch gebuttert werden, um die Gesundheitsdaten der Bevölkerung elektronisch auswertbar zu machen?
Haben sie wirklich der Argumentation geglaubt, dass dies alles geschieht damit Omi das Blutbild aus dem Internet runterladen kann mit dem sie versehentlich den Sittichkäfig ausgelegt hat?
Vermutlich glauben die auch noch immer, dass Google uns seine Suchmaschine aus Menschenliebe gratis zur Verfügung stellt und Facebook/You Tube/Snapchat seine Serverfarmen nur betreibt, um ein paar einsame Seelen zusammen zu bringen.

 

Written by medicus58

11. April 2018 um 19:29

5 Antworten

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  1. Hervorragend!
    Ja, ja der Standard…

    Christine Kainz

    11. April 2018 at 21:04

  2. Ich seh das nicht so.
    ELGA ist praktisch der personalifizierte Datenweitergabe-Schutz (sieht man irgendwann mal von Laborwerten ab) – ich versteh eigentlich nicht ganz, warum das in der aktuellen Situation so prominent grassiert. Dass die Weitergabe von ELGA-DAten aber ein NoGo ist, darüber sind wir uns einig.

    Dringend notwenig wären aber Register – sowohl für die Forschung, die man mit Anekdoten nicht machen kann, als auch für Qualitätssicherung – beides im Patienteninterresse.

    Hansi Ho

    12. April 2018 at 09:50

    • Daten sammeln ohne zur Analyse weiter zu geben ist sinnlos, das hätte allen klar sein müssen – und das die Analysen von Externen gemacht werden ist wohl such klar, weil ja eh schon alles ausgelagert wird.

      Forschung hat schon immer Daten gedammelt, nur eben die selbst generierten.

      Big Data hat mW noch nix im Patienteninteresse gebracht. Wenn ORF heute von den gefundenen Assoziationen zwischen Diabetes und Demenz faselt, habe ich das schon im Studium gelernt …

      medicus58

      12. April 2018 at 10:31

  3. Heute entdeckt 😉
    „Jeder kommt irgendwann in das Alter, in dem nur noch innere Werte zählen:
    Blutwerte, Zuckerwerte, Leberwerte….“

    Christine Kainz

    12. April 2018 at 10:33

  4. Außer der Reihe:

    Ingrid, die Frau von Felix Roshardt, arbeitet jährlich bei einer Gassenküche in Nepal mit.
    Hier ihr Bericht über das Krank sein in Nepal: https://www.felix-gmunden.at/2018/02/26/krank-in-nepal/

    Christine Kainz

    16. April 2018 at 10:00


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