Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Eupnoe – Aponoe

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Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, dass Arztbriefe und Befunde inzwischen die übernächste Rechtschreibreform vorwegnehmen und so missverständlich wie die Horoskope der Gratis-Zeitungen sind. Ich kann mich noch gut erinnern, als Briefe noch von dafür eingeschulten Schreibkräften erstellt werden. Auch da kam es zu bedeutungsschweren Typos:
Statt Eupnoe (=normale Atmung) stand da in einem Entlassungsbrief ganz lapidar Apnoe (=Atemstillstand)
Auch damals riefen schon beunruhigte Patienten an, wenn in ihrem Lungenröntgen „ein Hinweis auf Metastasen“ gefunden wurden, nur weil jemand vergessen kat das k vor -ein zu tippen.
Kürzlich fand ich in einer englischsprachigen Internetseite folgende Fehlerlisten in Radiologiebefunden, die von einer Spracherkennung erstellt wurden:

Da freute sich der Sportfan auf die Super bowl of the right kidney obwohl nur der oberen Nierenpol (superior pole) beschrieben werden sollte und fragte sich, was den mit der National Football League los ist, als er in seinem Befund folgende kryptische Meldung fand: NFL until joins. Die Spracherkennung hat zuletzt offenbar in einem Sportstudio gearbeitet noch nie von Interphalangeal joints gehört. Noch anrüchiger wurde es, wenn man von einem offenbar von Blähungen gequälten Arzt (Gaseous doctor reflux) lesen musste, wenn es eigentlich um die Beschreibung eines Gastroesophageal reflux ging.
Wann den die Untersuchung stattgefunden hat, war auch nicht mehr zu erkennen, wenn dort von Success exam statt 6:06 AM zu lesen war.
Im urologischen Abschlussbericht Visit to me wirken, verschweigt aber die Art des gerade durchgeführten Eingriffs: Vasectomy, also die Durchtrennung des Samenleiters, d.h. eine Sterilisation.

Während die Hersteller (und Berater) von den enormen Ersparnissen ihrer EDV Produkte schwärmen, wissen Praktiker, dass die Lösungen noch weit von Alltagstauglichkeit sind.
Eine rezente Studie fand im Schnitt 1,3 Fehler pro Diktat und
klassifizierte 14,8% davon als schwerwiegend. !
15% aller Befunde enthielten sogar mehr als einen schwerwiegenden Fehler!

Das ficht die Anbieter nicht an und sie schwärmen weiter von den enormen Einsparungen. Leider sagen sie nicht, dass man zwar die Schreibkraft einspart, in Wirklichkeit aber den Arzt stärker belastet, der die Texte noch genauer selbst überprüfen (und ggf. selbst korrigieren) muss, wenn er sich seiner Verantwortung bewusst ist.

Written by medicus58

18. März 2018 um 21:16

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