Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Gibt es eine Synergie der Defizite?

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Eines dürfen Berater und Experten per definitionem nie sein: ratlos.
Deshalb haben sie immer eine Rat für uns, so absurd er bei genauerem hinsehen auch ist.

Überlastete und gesperrte Ambulanzen, Gangbetten, Kunstfehler, Wartezeiten für promovierte Ärzte, fehlendes technisches Personal, … dass der Spitalsbereich in der heutigen Form nicht funktioniert bedarf kaum großer Erklärungen.

Ja, und dass das sogenannte extramurale Bereich nicht funktioniert ist in jedem Wartezimmer leicht zu demonstrieren.
Offene Kassenstellen, nach dem Ende ihrer Ausbildung ins Ausland flüchtende Ärzte, ein rasch wachsender Wahlärztebereich in bestimmten Sonderfächern bei denen Pflichtversicherte wenigstens noch 80% der oft absurd niedrigen Kassentarife zurück bekommen und der immer größer werdenden Sektor der Privatambulanzen und –ordinationen, in denen sich diejenigen, die es sich leisten können, so lange rasche Behandlung finden, solange diese noch Profit verspricht.

Vor diesem Hintergrund hören wir von seit Jahren von zwei Lösungsmodellen:

Gesundheitspolitiker und die von ihr eingesetzten sogenannten Patientenanwälte allen voran der Jurist Bachinger verlangen mehr Synergie zwischen den landespolitisch kontrollierten Spitälern und den von den Krankenkassen kontrollierten Ordinationen, Ersatz der Ärzte durch Pflegepersonen (als ob die, wenn sie höher qualifiziert sind und mehr Verantwortung übernehmen das zum heutigen Salär machen würden), mehr EDV und Telefonberatung (weil je weniger ich von einer Materie etwas verstehe, desto eher vertraue ich ihr Lösungskapazität zu) und irgendwann einmal die Primärversorgungszentren (zum Beispiel das im 22. Bezirk, das so gut versteckt wurde, dass es kaum jemand finden wird (oder soll))

Die Wirtschaftskammer benutzt bezahlte Studien, dass es nun einfach einer dritten Säule bedarf, die nicht zufälligerweise als Private-Public-Partnership den Gesundheitsmarkt für das Rosinen-picken von privatem Kapital erschließen soll:
Das ACG (ÄrzteCentrumGraz), dessen Realisierungspotential im Rahmen einer Private-Public-Partnership als zielführend zu erachten ist, kann nicht
nur diesem Auftrag in Zukunft nachkommen, sondern verspricht gleichzeitig ein wichtiger Impulsgeber für den
Wirtschaftsraum Graz zu werden und trägt darüber hinaus zur boomenden Entwicklung im Bereich „Human
Technologies“ maßgeblich bei. http://wko.at/wien/drittesauele.pdf

Zum ersten Lösungsvorschlag geht mir einfach nicht ein wieso die Addition von -1 und -1 plötzlich +2 sein soll, also weshalb die Addition von Defiziten zu ihrer Elimination führen soll.
Und beim Lösungsweg hat mir noch niemand erklären können, weshalb die Einbindung von privaten aber naturgemäß auf Gewinn hoffenden Investoren dieses System verbessern soll. Gelder, von denen nach all den aufgeflogenen Offshore Skandalen (Panama Papers, …) und der politisch tolerierten Steuervermeidung großer Kapitalien hinterfragt werden darf, ob sie nicht dort wo sie verdient wurden auch anteilsmäßig in diese Gesellschaft zurück fließen sollten, die diese Gewinne erst ermöglicht hat. Wer jetzt „Kommunismus“ schreit, sollte einmal – so er unselbstständig Erwerbstätiger ist einen Blick in seine Steuererklärung macht, wie viel er von seinem Gehalt hier einzahlen muss.
Wer weiter schreit macht dieser systematischen Ausblutung unseres Wohlfahrtsstaates die Mauer und mag sich gemeinsam mit Erzbischof Schönborn einen Beichttermin vereinbaren.  

 

Link:  Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da

Written by medicus58

10. März 2018 um 11:58

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