Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Krank gekommen, aber zu krank um zu gehen?

with 2 comments


Diskussionen über Asylwerber kreisen, unabhängig von dem jeweiligen Milieu in dem sie ablaufen, meist um die Frage, ob denn die, die schon immer da waren, die, die da kommen müssen oder wollen, auch mögen.

Der Zufall oder eine zunehmende Häufung vergleichbarer Fälle führten dazu, dass ich mit zwei Fällen konfrontiert wurde, wo die Bruchlinien doch etwas anders verliefen.

Ausgangspunkt war, dass Asylwerber nach Österreich kamen, weil ihre malignen Erkrankungen in ihren Heimatländern nicht so gut behandelbar waren, wie hier bei uns. Es handelt sich jedenfalls um Therapie- und Nachsorgeschemata, die sich nicht über Wochen sondern Jahre ziehen werden.

In einem Fall versuchten die in Österreich bereits ansässigen Angehörigen alles, um letztendlich einen legalen Daueraufenthalt für das erkrankte Familienmitglied in Österreich zu erreichen, im zweiten Fall fühlen sich die Angehörigen, selbst rezent zugewandert, ausgenützt und drängten die behandelnden Ärzte nur ja keine Bestätigung auszustellen, die einen Rücktransport verhindern könnten, nachdem auf mysteriöse Weise der bereits mitgegebene Arztbrief verschwunden ist.

So unterschiedlich sich hier zwei Familien aus europäischen Nicht-EU Ländern ihren kranken Angehörigen gegenüber verhielten, so gleichen sich die beiden Fälle darin, dass die Behandlungskosten vom österreichischen Gesundheitssystem übernommen wurden.

So neu ist das Problem ja nicht, 2014 berichteten France 24 von Diskussionen über nierenkranke Asylwerber, der Zustand sich erwartungsgemäß während ihres Verfahrens so verschlechterte, dass sie die Dialyse- und Transplantzentren der Stadt überlasten.
In Huffpost listet eine rumänische Journalistin eine ganze Reihe von ähnlichen Schicksalen auf.

Jetzt mag man mit gewisser Berechtigung einwenden, dass die europäischen Gesundheitssysteme vermutlich nicht wegen und schon gar nicht ausschließlich wegen Asylwerbern in finanziellen Schwierigkeiten sind, jedoch ist das für andere Ökonomien durchaus ein Problem. Eine Arbeit in Conflict and Health beschreibt die Probleme im Libanon, wo Flüchtlinge 2016 etwa 30% der Gesamtbevölkerung ausmachten. Die Autoren kommen zum Schluss, dass Staaten wieder mehr Verantwortung für die Gesundheitsversorgung Einzelner übernehmen müssen. Bemerkenswert, denn gerade in Europa scheint ja der Trend eher in Richtung einer Entstaatlichung zu laufen!

Eine 2017 erschienene Studie analysierte den Fall eines aus Malaysia stammenden, in LA einreisenden Flüchtlings, der 9 Amerikaner angesteckt hat (Cost analysis of measles in refugees arriving at Los Angeles International Airport from Malaysia) und das danach etablierte System Flüchtlinge bereits vor der Einreise zu impfen.

Im Gegensatz zu den auch in den Medien immer wieder geschürten Ängsten über die durch die Immigrationsbewegungen „eingeschleppten Infektionskrankheiten“, stellen diese nicht das wirkliche Problem dar. Darauf wiesen ua. schon die Studienautoren eines 2013 im J Community Health hin (High Prevalence of Chronic Non-Communicable Conditions Among Adult Refugees: Implications for Practice and Policy) und beschrieben dass etwa die Hälfte der 527.000 erwachsenen Asylwerber, die im letzten Jahrzehnt in den USA angekommen sind zumindest eine chronische Erkrankung mitbrachten.

Ja und eine kanadische Studie bringt das Problem schon im Titel auf den Punkt: A qualitative study on African immigrant and refugee families’ experiences of accessing primary health care services in Manitoba, Canada: it’s not easy!

Jetzt bin ich weit davon entfernt eine Lösung für das Problem anbieten zu können, aber während sich die öffentliche Debatte immer mit der Frage Wirtschaftsflüchtlinge vs. an Leib und Leben Verfolgte beschäftigt, um Gut- und Bösmenschen zu definieren und das augenblicklich wieder aktuelle Nulldefizit u.a. auch durch Kürzungen bei der Integrationsförderung erreicht werden soll, scheint sich man sich hierzulande noch nicht so richtig mit der Frage beschäftigt zu haben, wie wir uns denn „Gesundheitssystems-Asylwerbern“ gegenüber verhalten sollen.

Aus humanitären Gründen eine Niere transplantieren, einen Krebs anbehandeln und dann wieder dorthin zurück zu schicken, wo das Gesundheitssystem nicht in der Lage ist, die erforderliche Nachsorge zu gewährleisten, kann nicht die Lösung sein.
Andererseits kann ein Flugticket, das mitunter weniger als die monatliche Krankenversicherung hierzulande kostet, wohl auch nicht das Eintrittsticket für eine komplexe Behandlung sein.

 

Written by medicus58

28. Februar 2018 um 19:03

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Afrikaner fliegen für die Entbindung nach England.Der Flug ist billiger als die Geburt vor Ort…

    Kasachen lassen ihre offen TBC in Deutschland behandeln.Derweil ist Kasachstans Hauptstadt 100 mal sauberer als Berlin und auch moderner…

    • Ich fürchte, Sie haben die Intention ses Beitrags missverstanden (missverstehen wollen)

      medicus58

      1. März 2018 at 20:01


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: