Sprechstunde

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Nächstes Jahr in Jerusalem

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Am Vorabend von Pessach beenden gläubige Juden einen streng ritualisierten Ritus in dem die Legende vom Auszug aus Ägypten in Erinnerung gerufen wird mit dem Wunsch „Nächstes Jahr in Jerusalem“ zu sein. Kein Wunder, dass die Frage nach der Hauptstadt Israels eine irrationale Bedeutung gewonnen hat. Schließlich balgen sich auch die beiden anderen abrahamitischen Religionen um die Stadt in dem sie ihre dort jeden zweiten Stein oder Hügel mit ihrer Sagenwelt besetzen. Jedenfalls ein wirklich ranziges Fettnäpfchen in das nun der 45. Präsident der USA patzte: https://twitter.com/realdonaldtrump/status/938517073508163584Ehe ich vor über 24 Jahren endlich nach Jerusalem kam und dieses Foto schoss, stapfte ich als Jugendlicher selbst in dieses Fettnäpfchen, und darüber möchte ich heute berichten.
Es muss irgendwann in den frühen 70ern gewesen sein, vermutlich am 25. Jahrestag der Gründung des Staates Israel im Jahre 1973, als ich hier in Wien in eine Veranstaltung der jüdischen Gemeinde schneite. Zum ersten Mal Klezmer und Falafel war damals in Wien schon ziemlich exotisch, für diejenigen die sich durch die Gunst der späten Geburt nicht daran können.
Höhepunkt dieser Veranstaltung war ein Ratespiel, bei dem man ein paar Fragen zu Israel beantworten musste und seinen ausgefüllten Fragebogen abgeben musste, um eine Reise nach Israel gewinnen zu können. Ein der Fragen war auch die nach der Hauptstadt Israels.
Als dann die Gewinner gezogen wurden benötigte man gut ein halbes Dutzend Versuche um endlich einen Teilnehmer zu finden, der die Hauptstadt-Frage richtig beantwortet hat.
Auf den ersten gezogenen Fragebögen stand, wie natürlich auch auf meinem: Tel Aviv.

Ich dankte dem, an den ich nicht glaube, aus vollem Herzen, dass meine Karte nicht gezogen wurde, und ich somit nicht dem höhnischen Gelächter der Anwesenden ausgeliefert war, wie man denn so dumm sein konnte eine Stadt, deren Teile nach internationalem Gesetz als annektiert gelten, nicht als Hauptstadt Israels zu sehen.

Ein Hauptstadt, die selbst Israel erst zwei Jahre nach seiner Gründung offiziell zur Hauptstadt erklärte.
Jerusalem, in dem ich 1993 einen langen Abend lang hören musste, welche Parasiten denn diese Orthodoxen wären, die auf Kosten aller anderen leben, von Juden wohlgemerkt. Demonstrationen erlebte, in denen einander Juden als Nazis im Zusammenhang mit den gerade geleakten Oslo Verträgen als Nazis beschimpften, die Polizei Orthodoxe abführten, die mit Straßensperren verhindern wollten, dass weniger orthodoxe Juden am Sabbath mit dem Auto fahren. Eine Stadt in der beim Felsendom die blutigen Kleider der kürzlich von der Polizei erschossenen Israelis ausgestellt wurden, die mit schweren Steinen die an der Klagemauer betenden Israelis erschlagen wollten.

Natürlich gibt es gewichtigere Wortmeldungen zu Trumps Schritt als ein paar scheinbar voneinander unabhängige persönliche Erlebnisse, aber Sie hätten ja nicht bis hier weiterlesen müssen.

Written by medicus58

8. Dezember 2017 um 18:05

Veröffentlicht in Allgemein, Reisen

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Eine Antwort

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  1. Christine Kainz

    8. Dezember 2017 at 18:59


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