Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Paul Frederic Simon

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Wenig lässt sich noch über den am 13. Oktober 1941 in Newark, New Jersey geborenen Sohn ungarischer Einwanderer schreiben, das nicht schon längst an anderer Stelle ausführlicher, fundierter und prominenter gesagt wurde.
Schon 1986 erhielt er vom Berklee College of Music einen Ehrendoktor. Insgesamt hortete er 16 Grammys davon 3 für ein Album des Jahres (Bridge Over Troubled Water, Still Crazy After All These Years, Graceland) und einen Lifetime Achievement Award.
2001 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, 2006 vom Time Magazin einer von 100 „People Who Shaped the World“ bezeichnet, 2011 vom Rolling Stone Magazine zu den „100 Greatest Guitarists“ gezählt und 2015 ebendort zu dem 100 Greatest Songwriters of All Time geadelt. 

Komponist, Musiker, Schriftsteller und Schauspieler, sein künstlerisches Werk ist so breit wie vielfältig. Nachdem seine Folk-, Pop- und Rocksongs zu Recht weltbekannt wurden, durchkämmte er seit seinem 1986 erschienen Album Graceland die Weltmusik und nutzte, Kritiker meinen auch benutzte, er deren Rhythmen und Harmonien für sein Werk. Natürlich könnte man darin auch ein Versiegen der eigenen Ideen vermuten, jedoch konnte man 1990 in ihrem Plattenladen wenige andere Gelegenheiten finden, die Drummer von Salvador Bahia (Brasilien) zu hören als in Simons Song Obvious Child auf  seinem Album Rhythm of the Saints. Ich weiß wovon ich rede, denn als ich zu dieser Zeit nach durchgetrommelten Tagen wieder nach Wien kam, hatten selbst Spezialgeschäfte keine Aufnahmen vorrätig. Daran sei nur mal so erinnert, auch wenn die meisten diese Rhythmen eher mit dem sechs Jahre später von Michael Jackson veröffentlichten They don’t care about us assoziieren werden.

Wenn wir schon bei den „persönlichen Verbindungen zu Paul Simon“ sind, möchte ich an einen der vermutlich größten finanziellen Flops erinnern, die Simon hingelegt hat, nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich in Wirklichkeit um ein wirklich gutes Werk gehandelt hat, das aus verschiedensten Gründen zu seiner Zeit floppte.

Schon 1988 begann Simon den Stoff eines minderjährigen Mörders (Salvador Agron) zu bearbeiten. Während eines Bandenkrieges erstoch der damals knapp 16-Jährige Puertoricaner und ein Komplize im August 1959 zwei „weiße“ Teenager und wurde zum Tode verurteilt. Da er zu diesem Zeitpunkt einen auffälligen Umhang trug, nannte ihn die Presse Capeman. Im Gefängnis wandte er sich dem christlichen Glauben zu, holte seinen Schulabschluss nach und erhielt später sogar einen Bachelor in Soziologie und Philosophie. 1979 wurde er begnadigt und arbeitet in der Konfliktprävention mit Jugendlichen.

Time is an Ocean

Er starb 1986 im Alter von 42 Jahren an einer Lungenentzündung und inneren Blutungen. Die Geschichte wurde in den USA höchst kontrovers gesehen, zumal insbesondere Agrons frühere Äußerungen gegenüber der Presse ihn als verstockt und unsympathisch erscheinen ließen.

Als Simon nach vielen Workshops, Umarbeitungen und Veränderungen sowohl im Cast als auch im Produktionsteam das Stück 1998 auf dem Broadway herausbrachte, hatte ich das Glück eine der Previews zu sehen (und mit großer Wahrscheinlichkeit auch Simon himself, der fallweise im Zuschauerraum auftauchte um die Produktion aus verschiedenen Blickwinkeln zu prüfen. Leider existieren m.W. nur technisch sehr schlechte Videomitschnitte der Produktion, die zu den besten zählte, die ich jemals am Broadway gesehen habe (und das waren einige …).

The Capeman wurde zwar für drei Tony Awards nominiert (Best Original Score, Best Orchestrations, Best Scenic Design) wurde aber von den New Yorker Kritikern gnadenlos verrissen und schloss nach nur 68 Aufführungen ehe die Tonys vergeben wurden und die 11 Millionen $ Produktionskosten, ein nicht unerheblicher Teil wurde von Simon selbst aufgebracht, waren dahin. Auch das Album hielt sich nur 11 Wochen in den Billboard Charts und kam nicht über Platz 43 hinauf. Seither gab es zwei Versuche einer Art Wiederbelebung. Von einem kurzen Revival 2008 existieren nur wenige Clips:

2010 kam es zu drei Aufführungen im Delacorte Theatre in New Yorks Central Park. In unzähligen Interviews zu seinem Flop erklärte sich Simon immer häufiger den Durchfall damit, dass es eben einen Unterschied mache einzelne Lieder zu schreiben, oder mit seinen Liedern eine zusammenhängende Handlung erzählen zu müssen. Ich kann nur sagen, dass sich die Aufführung musikalisch und visuell sehr gut gefunden habe und noch immer mit einer berühmten Simon Zeile antworten würde:
Still crazy after all those Years

Links:
The Capeman on Broadway Doku

Written by medicus58

5. Dezember 2017 um 16:06

Veröffentlicht in Herrgottswinkerl

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