Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Demokratie Version 11_17

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Vielleicht erinnern Sie sich noch an diese Fotomontage, ich verwendete Sie im Juni 2017, um in Gedanken zu Fronleichnam: Trump garantiert Stabilität meiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass Erscheinungen wie er die Wähler endlich zum Nachdenken bringen, was sie sich mit ihrer Stimme einbrocken. Schon vor einem Jahr forderte ich hier aus dem gleichen Beweggrund:
Bitte, wählt Trump, bitte wählt Horror Clowns.

Vielleicht erinnern Sie sich auch noch, welche Hysterie von Trumps Gegnern entfacht wurde, welche moralische Entrüstung gegen seine sexistischen Äußerungen:
Causa Trump : Alle spinnen und wir fallen darauf rein: Wank the Dog 

Was hat es gebracht? Nein, nicht die Weinstein-Debatte, die wäre ohnehin gekommen. Das amerikanische Wahlvolk wurde fein säuberlich in zwei praktisch gleich große Lager gespalten.
(Clinton bekam zwar etwas mehr Stimmen, Trump bekam dafür etwas weniger Leute bei der Angelobung und wir nur mehr Fake-News.)

Ähnliches passiert auch in unserem kleinen SöhneTöchterLand.

Drei Wahlgänge später hatten wir einen Bundespräsidenten, den fast die Hälfte der Wähler nicht gewählt hat und der einen weiteren Wahlgang später endlich wirklich parteilos wurde
(Copyright maschek, wenn ich nicht irre).
Einen Nationalratswahlkampf voll gegenseitiger Beschädigungen,und aus dem Hut gezauberter Bewegungen und Listen, nach dem nur eines gewiss ist:
Jede der möglichen Koalitionen wird einige ihrer Kernversprechen nicht einlösen können und Wähler verprellen.

Ungeachtet dessen werden allenthalben Warnungen laut:

Der Bundespräsident verspricht sich die Minister ganz genau anzuschauen.
Die FPÖ warnt ihn pflichtschuldig davor.

Welch helle Freude bereitet es den Politischkorrekten, dass bei den anderen schon wieder ein PolitischUnkorrekter entdeckt wurde.
Die Sozialen Medien kochen und jeder freut sich, dass er in der Echokammer seiner handverlesenen Timeline auf so viel Zuspruch auf seinen Widerspruch stößt.

Die aktuellen Koalitionsverhandler der umgefärbten Schwarzen und der Blauen versprechen wie weiland Haider/Schüssel eine Reform der Sozialpartnerschaft und ein gerade noch im Nationalrat verbliebener Pinker verkündet gleich mal pflichtschuldig, dass man sich vor Streiks nicht fürchten muss, während AK und ÖGB gerade das prophylaktisch in den Raum posaunen.

Das Besondere an der aktuellen Version unserer Demokratie ist, dass es gegen alles eine Mehrheit gibt.
Man kann sein wogegen man will, wahrscheinlich sind zwei Drittel auch dagegen,
weil der Diskurs sich ausschließlich um die größtmögliche Gegensätzlichkeit bewegt,
um zu verschleiern, dass man den anderen ohnehin schon viel zu ähnlich geworden ist.

Im gespielten Unverständnis der anderen übersieht man beidseits der aufgerissenen Gräben, dass man mehr oder weniger unabsichtlich eine der wesentlichen Spielregeln demokratischer Systeme aushöhlt:
Die Mehrheit hat Recht.

Recht heißt natürlich nicht richtig, Recht ist bei uns auch viel zu oft Rechts und zu selten Links,
aber wenn 80% der Wahlberechtigten den Nationalrat wählen, dann meinen die das so.

Ich habe natürlich weder SPÖVP noch FPÖ gewählt und glaube keine Sekunde,
dass der Basti seinen schwarzen Haufen auf türkis reformiert hat und der Bumsti die Kreide, die er gefressen hat, nicht bald wieder ausspeien wird.
Wenn sich Kern, Häupl und Strolz von einem Herrn Silberstein beraten lassen müssen, um zu wissen, was sie wollen sollen und die Grünen glauben, dass sich gut fühlen auch schon gut sein beweist,
dann geht mir akut meine Pockenimpfung auf (ja, so alt ist Ihr Medicus schon).

Aber was auch immer da an Regierung raus kommt, das habt Ihr, sorry, das haben Wir gewählt und haben es so lange zu akzeptieren, bis sich dagegen eine Mehrheit findet.

Natürlich gibt es auch alternative Lösungen, aber – wir schreiben 2017 – diese sind vor 100 Jahren auch eher nach hinten los gegangen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Revolution

Also, überlassen wir dem alten Voltaire die Schlussworte.

Alles, was zu dumm ist, um gesprochen zu werden, wird gesungen.
Der Mensch muß ein ungeheurer Ignorant sein, der auf jede Frage eine Antwort weiß.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.

 

Written by medicus58

29. Oktober 2017 um 20:15

3 Antworten

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  1. Der November naht mit Riesenschritten… 😉

    Christine Kainz

    29. Oktober 2017 at 20:57


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