Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Qualitätssicherung im Tourismus. Der Zug fährt an uns vorbei

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Unsere Alpenrepublik lebt nicht von Mozart Kugeln und Red Bull allein, unser Fremdenverkehr trägt durchaus sein Schärflein zu unserem Bruttonationalprodukt bei. Aber andere europäische Destinationen verdienen sich die Butter aufs Brot, weil sie dem außereuropäischen Gast eine lange Anreise wert scheinen. Und diese Gäste kommen nicht mehr nur aus den USA oder Japan, sondern immer häufiger aus den BRICS Staaten.

Rom ist ja sowieso ewig, London, Amsterdam und Paris sind allein schon wegen ihrer Monsterflughäfen naheliegende Ziele; und warum sich so viele Touris in Bratislava herumtreiben, weiß allein die dortige Fremdenverkehrswerbung.

Aber eh supi, wenn man fremde Länder nicht mehr vorzugsweise bewaffnet und in Uniform besucht.

Worauf ich aber als nicht ganz unhäufiges Rädchen in der europäischen Fremdenverkehrsindustrie hinaus will, ist das hier noch kaum ausgebildete Qualitätsbewusstsein.

Wer den Steffl hat, der braucht die Kaffeemaschine erst am Ende der Saison reinigen; rasch angelernte Studenten herden die Touris durch die Paläste und eiern bei der ersten historischen Zwischenfrage erbärmlich herum; das tschechische Bier ist so gut, da kann es dann auch etwas Convenience Food im historischen Beisl geben.

Wenn ich da vergleichsweise an meine rezente Erfahrungen in Ecuador, Bolivien, Tansania und den Seychellen denke, verfestigt sich bei mir der Gedanke, dass die dort in Sachen Qualität völlig unbemerkt an uns vorbeigezogen sind.

Reiseführer auf den Galapagos Inseln werden zB zur Schulung nach Europa geschickt, um die Namen von Flora und Fauna auch auf Deutsch zu lernen. Sie haben sich regelmäßigen Test zu unterziehen, um weiter entsprechend „ihrer Kategorie“ bezahlt zu werden.

Auf den Seychellen frägt einen nicht nur der Hotelmanager fast täglich, ob man zufrieden wäre, sondern auch die Rezeption und die Verantwortliche für das Reinigungspersonal.

Ein Safari-Guide in Tansania fährt natürlich nicht nur den Wagen von Lodge zu Lodge und stellt jeden „Universum“-Kommentator in den Schatten, sondern kann auf Anfrage auch die Unterschiede zwischen den 99.Varianten der schwarz-weißen Piepmätze erklären. Am Ende der Tour legt einem trotzdem der Manager des lokalen Reiseveranstalters einen umfangreichen Fragebogen vor. Aber auch der Guide verfasst einen Bericht, in dem er zB seinem Boss mitteilt, dass die billigen Bremsbeläge aus China nicht mehr verwendet werden sollen, weil sie bei def Abfahrt vom Ngorogoro Krater zu rauchen begannen.

Ja und selbstverständlich hat der Deutsch sprechende bolivianische Reiseleiter einige Zeit in Deutschland verbracht um in dieser Sprache sattelfest zu werden.

Natürlich hatten diese Reisen auch alle ihren Preis, nur kostet der kleine Braune im Sacher oder Tomaselli ja auch mehr als im McCafe …

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Written by medicus58

29. Juli 2017 um 16:00

Veröffentlicht in Reisen

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3 Antworten

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  1. Sehr schöne Aufnahme!

    Christine Kainz

    29. Juli 2017 at 17:09

  2. Von einem reisenden „Fremdenlegionär“ ;-)) http://www.derrottenberg.com/krankengeschichte/

    Christine Kainz

    1. August 2017 at 23:36


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