Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Heute einmal die Dunkle Seite des Tourismus

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Das Programm der klassischen europäischen Bildungsreise beginnt bei irgendwelchen altertümlichen Ausgrabungen,
führt zu allerlei klerikalen und monarchistischen Gebäuden, um je nach Gegend mit einem Museumsbesuch bei einer Venus ohne Arme oder einer lächelnden Unbekannten seinen Höhepunkt zu finden.
Seit 1974 das London Dungeon in den U-Bahnbögen für touristisches Gruseln sorgt, ist der Reisende auch nicht mehr auf Kapuzinergruft  und das eine oder andere Ossarium angewiesen, wenn er einen dosierten Adrenalinkick benötigt.

Die nächste Stufe bedeuteten aber diejenigen Orte, in denen der Horror noch kürzlich gewütet hat.
Abgesehen davon, dass ein Besuch in der Glaubenskongregation des Vatikans nicht gestattet wird, wäre auch der dort archivierte Horror schon ziemlich in Vergessenheit geraten, da der letzte Scheiterhaufen auch schon vor einige Zeit verglost ist.

Reisen zu den Killing Fields sind beschwerlich und die klassische Verdun Tour hat man vielleicht auch schon hinter sich.
Besuche in den ehemaligen Konzentrationslagern des Dritten Reiches eignen sich auch weniger zum Massengruseln, da sie zu Recht eher die Schuldfrage aufwerfen.

Da eignen sich Orte an denen „die anderen“ gewütet haben viel eher und eines dieser Ziele liegt in Tartu, Estland.

Die Stätten des KGB Terrors werden dort als Sehenswürdigkeit vermarktet.
Mein Foto oben zeigt den unscheinbaren Eingang zu einem Privathaus im Jahre 2004, in dessen Kellern der KGB zwischen 1940 und 1954 Folterzellen betrieb.
Auf Flickr für die Ewigkeit erhalten, hat der Tourist die Möglichkeit sich als Gefangener zu fühlen oder ein halblustiges Videos zu drehen:

KGB Horror ist überhaupt ein Tourismusmagnet im Baltikum.
Auch in der Hauptstadt Tallin findet sich ein KGB Museum
https://www.visitestonia.com/de/museum-hotel-viru-und-kgb

und auch im nahen Litauen findet sich Ähnliches

und das KGB Museum in Vilnius interessiert offenbar auch den ostasiatischen Reisenden:

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Touren durch Abu-Ghuraib angeboten werden.

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Written by medicus58

22. Juli 2017 um 18:27

Veröffentlicht in Reisen

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Eine Antwort

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  1. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf…

    Christine Kainz

    22. Juli 2017 at 21:23


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