Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Der Abstand zwischen Arzt und Patient wird größer

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Einer der Grundpfeiler der „Gesundheitsreformen“ besteht auch darin, dass nicht jeder Patient sofort einem Arzt gegenübersteht, sondern zuerst Health literacy geschult sich selbst oder durch „informierten Laien“ Heilung zu erlangen, vielleicht einem Helpdesk telefonieren oder schlimmstenfalls mit einer Pflegekraft in Kontakt treten soll; nicht weil in diesen Instanzen mehr medizinische Kompetenz anzutreffen ist, sondern weil diese Personen einfach weniger kosten als Ärzte.

Die Ökonomie blickt auch neidisch in diese Länder, wo außerhalb des Spitals kaum noch Fachärzte zu finden sind. Klar, die Sozialversicherungen kosten ein Facharzt, der auch eine längere Ausbildung durchlaufen musste als ein Allgemeinmediziner, einfach deutlich mehr.
Das alles muss bei banalem Schnupfen ja nicht schlimm enden, aber es ist definitiv die Antithese zur uns Ärzten oft vorgeworfenen Absicherungsmedizin, ohne dass noch so ganz klar wird, wer in diesem Spiel nun welche Verantwortung trägt.

In den diagnostischen Fächern fällt es den Patienten kaum mehr auf, aber dort ist die räumliche Trennung zwischen Arzt und Patient schon viel weiter gediehen. Klar, keiner wird erwarten, dass ihm der Labormediziner selbst Blut abnimmt, und das ist in machen Fällen auch gut so, nur wissen die wenigsten, dass die meisten Labors Teile der Blutproben in verschiedenste Labors schicken, weil das die Kosten der Einzelbestimmung deutlich drückt, auch wenn dem Patienten ein Befund mit einem einheitlichen Briefkopf ausgehändigt wird. ELGA wird das sicher bald offenbaren.

Auch in der Radiologie sitzt kaum noch der Facharzt nebenan in seinem dunklen Kämmerchen und befundet einsam vor sich hin.
Was bei uns des nachts zwar in immer mehr Spitälern aber noch relativ selten vorkommt, ist in anderen Ländern gelebter Standard: Teleradiologie

Digitale Bildgebung und rasche Datennetze machen es möglich, dass Großgeräte bis in die späten Abendstunden betrieben werden, weil dort, wo der Arzt befundet, vielleicht schon wieder die Sonne aufgeht.
Viele Patienten in den USA freuen sich, dass der schriftliche CT-Befund praktisch in Echtzeit vorliegt, da irgendeiner der indischen Radiologen grad unbeschäftigt ist.
In den USA hat Medicare hier einen gewissen Riegel vorgeschoben, dass solche Leistungen nur dann refundiert werden, wenn die Endvidierung wieder vor Ort statt findet, aber das lässt sich ja organisieren:
http://www.auntminnie.com/index.aspx?sec=sup&sub=imc&pag=dis&ItemID=117743

All das geht langsam aber offenbar unaufhaltsam voran, die Medizin wird unter ökonomischen Druck dort, effizienter, wo ausschließlich an abrechenbare Leistungen gedacht wird. Dass vielleicht der direkte Kontakt zwischen Arzt und Patienten in vielen Fällen die Erbringung dieser Leistung obsolet gemacht hätte, das wäre Old School.

2012: Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse?

Written by medicus58

19. Juli 2017 um 07:51

2 Antworten

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  1. Hi Medicus – stimmt, der Abstand zwischen Arzt und Patient wird größer, ich nehme das aus meiner Perspektive auch so wahr. Allerdings begründe ich das damit, dass sich viele Ärzte auf ihr Arztsein beschränken und Patienten dabei eher nur stören.
    Wen meist du übrigens mit „informierten Laien“?

    Hansi

    19. Juli 2017 at 09:10

    • „Informierte Laien“ meint in Anlehnung an engl. Ausdrücke, denn fachlich (über biologische und medizinische Inhalte) seinem Verständnis gemäß aufgeklärten Nicht-Arzt. Ich kann z.B. den Vorgang des Kochens auf unterschiedliche Weise einem Chemiker, Physiker oder einem Gast erklären, damit er von der Speisekarte nichts bestellt, das er dann nicht mag. Kochen kann er es trotzdem nicht.
      Was wäre denn Ihrer/Deiner Meinung nach „Arztsein“ im Ggs zu Kochsein, Chemikersein etc. .?

      medicus58

      19. Juli 2017 at 10:33


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