Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 4: Primaten raus)

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Während hierzulande jedes Kind im Primarius den Abteilungsvorstand erkennt, verstehen unsere deutschen Freunde darin den Ausgangspunkt (Primärtumor) einer bösartigen Erkrankung.
An diese Ambivalenz habe ich hier schon seit Jahren immer wieder erinnert, wenn es darum ging darauf hinzuweisen, dass die Gesundheitspolitik, unter bisweilen kräftiger Mithilfe der sogenannten Personalvertreter aus dem ärztlichen Mittelbau diese Führungsebene weg administrieren will:

10/2013 Weg mit den Primarii!

Offenbar sind die erfahrenen, häufig auch habilitierten Ärzte einfach im Weg, wenn am Schreibtisch entstandene Patentlösungen unhinterfragt in den klinischen Alltag gekippt werden sollen.
Diese Haltung ist zwar in sich widersprüchlich, weil weiterhin alle Beschwerden, statistischen Anfragen und durchzusetzende Anordnungen beim Abteilungsvorstand landen und man selbstverständlich davon ausgeht, dass er neben der medizinischen Qualitätssicherung (bis zum Einspringen, wenn einmal niemand für den Nachtdienst oder einen komplexen Eingriff vorfügbar ist) auch wirtschaftliche, rechtliche und Personalangelegenheiten so nebenher zu erledigen hat:

3/13 Der Eier-legende-Woll-Milch-Primarius

Andererseits soll er in der irgendwie schon (oder auch noch nicht ganz) geltenden Master-Betriebsorganisation im Wiener Krankenanstaltenverbund bald nur mehr (am besten für mehrere Abteilungen) SOPs verfassen, während die Prozessabläufe von der Pflege oder den medizinisch-technischen Diensten gelenkt werden:

5/14 Master-Betriebsorganisation im KAV

Die Haltung der Betroffenen macht es „denen da oben“ auch leicht:

2/15 Aufstand der Primarärzte: einfach wegadministriert

denn es finden sich noch immer genug fürs lächelnde Gruppenfoto:

10/16 KAV: Wenn das alles ist

Während man anderswo in aktuellen Studien bereits das Naheliegende erkennt:

Front Line of Healthcare Report 2017: Why involving doctors can help improve US healthcare

herrscht bei uns (und nicht nur in Wien) noch der Glaube, man könnte ein Gesundheitssystem ohne diejenigen basteln, die schon Jahrzehnte die Materie gelernt und ausgeübt haben.

Seit Jahren (siehe oben) läuft aber ein Prozess der zunehmenden Unattraktivierung von ärztlichen Führungspositionen.

Beispiele?

Ende 2015 wurde die Stellenbezeichnung unter billigendem Applaus von Gewerkschaft und Ärztekammer vom Abteilungsleiter auf den Ärztlichen Abteilungsleiter diminuiert.

Seit Jänner 2016 ist das Sekretariatspersonal nicht mehr dem Abteilungsleiter unterstellt sondern wird gepoolt verwaltet!

Auf den Punkt gebracht, die Abteilungsleiter sind zwar dafür verantwortlich, dass entlassene Patienten einen Arztbrief erhalten, eine direkte Anordnungsmöglichkeit an die Schreibkraft wurde ihnen aber genommen. Damit sind Abteilungsleiter nur mehr Ärzten vorgesetzt, da auch die Pflege und die medizinisch-technischen Dienste eigenen Hierarchiebäume haben. Wesentliche Koordinationsfunktionen (Urlaubsplanung, …) ist so kaum möglich. Da die Kontrollspanne der neu generierten Vorgesetzten-Ebene der Sekretariatsposten aber viel zu groß ist, also diese nichteinmal die Möglichkeit hat die Anwesenheit am Arbeitsplatz zu kontrollieren, wird ein Stechkartensystem eingeführt …

Lächerlich, aber symptomatisch:

Im Zuge des aktuellen Druckerkonzeptes wurden die Laserdrucker neben den Schreibtischen der Abteilungsleiter entfernt.

Zusagen im Bewerbungsprozess über Investitionen und Personal werden nicht eingehalten.

Die Unterschriften von Abteilungsleiter und Ärztlicher Direktion von Sonderurlaubsansuchen eines nachgeordneten Arztes oder organisatorischer Maßnahmen kann jederzeit von einem Sachbearbeiter der Verwaltung gekippt werden, weil er glaubt einen Formalfehler entdeckt zu haben. 

In Kreisen des Mittelbaus werden die Abteilungsleiter (Primarii) oft scherzhaft als Primaten bezeichnet und im nachfolgenden Kopfkino denkt wohl kaum einer an deinen Primus inter pares sondern eher an Schimpansen oder Bonobos.
Niemand wünscht sich einen Gorilla oder geschweige King Kong als Wappentier ärztlicher Abteilungsleiter aber ein Blick auf die sinkenden Bewerberzahlen für ehedem umfehdete Abteilungsleitungen, wenn sie nicht ohnehin zu Multiprimariaten zusammengelegt wurden und die Anzahl der nach kurz Designierung wieder das Handtuch werfenden Führungspersonen (KH Nord, Hanusch aber auch KH Wiener Neustadt, …) sollte dem neuen Generaldirektor doch zu denken geben.

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Written by medicus58

8. Juli 2017 um 17:42

5 Antworten

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  1. DANKE für diesen Artikel, Chapeau!
    In der Tat wird die Arbeit eines Abteilungsvorstandes im KAV mit aller Kraft unattraktiv gemacht. Die Gestaltunsmöglichkeiten und Entscheidungsfreiheiten sind NULL, dafür muss man persönlich für jede noch so absurde Beschwerde oder Befindlichkeitsstörung der „kollegialen“ Führung (und natürlich für das Wohlergehen jedweder „Plüschtiere“) Rechenschaft ablegen.
    Das Grundgehalt war (vor einigen Jahren zumindest noch) obszön niedrig im Vergleich zu der Bezahlung im deutschsprachigen Ausland, Zumdem erlebt man gerade vom Magistrat eine unglaublich unverschämte Behandlung- Wertschätzung null. Das ganze begleitet von einer nicht enden wollenden Flut von Erlässen und Anweisungen, die medizinisch, organisatorisch und wirtschaftlich völlig sinnfrei und/oder nicht umsetzbar aber umzusetzen sind.
    Was der KAV gerne hätte, sind ein paar „renommierte Professorengesichter“ für die Zeitung, die ansonsten aber möglichst nix zu melden haben.
    Kein Winder, dass sich viele Engagierte weitgehend in die Privatpraxis/-Klinik zurückziehen und den Wahnsinn des KAV-Alltages bestmöglich abperlen lassen. Die meisten drücken das halt mangels Alternativen bis zur Pension durch. Die mit Alternativen gehen.

    Nur meine subjektive Meinung.

    Quacksalber

    8. Juli 2017 at 23:16

    • Perfekte Beschreibung des Ist-Zustandes, die Frage ist nur, ob sich doeses System mit Mitläufern und Ausgestiegenen

      medicus58

      8. Juli 2017 at 23:55

  2. … Handytastatur … … wie lange dieses System mit Mitläufern und Ausgestiegenen noch betreiben lässt.

    medicus58

    8. Juli 2017 at 23:57

  3. Christine Kainz

    10. Juli 2017 at 10:09

  4. Sebastian Kurz zum Gesundheitssystem: https://youtu.be/JbYkNSkMQeQ

    Christine Kainz

    11. Juli 2017 at 17:52


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