Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Sexismus verdient eine zweite Chance in der Wiener SPÖ, interne Kritiker jedoch nicht

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Zwei nur auf den ersten Blick unabhängige Schlagzeilen:

Der wegen seines sexistischen Postings auffällig gewordene Wiener SPÖ Bezirksrat Götz Schrage erhält nach langer Beratung der SPÖ Gremien eine zweite Chance und verbleibt im Amt: http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Sexismus-Eklat-Goetz-Schrage-bleibt-in-der-SPOe/285355608

Der Gründer der Ärztegewerkschaft Gernot Rainer verlor in erster Instanz seinen Arbeitsprozess gegen den Krankenanstaltenverbund der Stadt Wien, die sich trotz ausgezeichneter fachlicher Beurteilung von ihm trennte, da er sich nach Meinung der Dauervertragskommission nicht mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien identifizierte.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5226040/Urteil_Kritischer-Arzt-Gernot-Rainer-verliert-gegen-Stadt?

Die Klammer beider Schlagzeilen ist die Wiener SPÖ und ihre Interessen. Frühere Behauptungen, dass der KAV im Fall Rainer als unabhängige Unternehmung der Stadt Wien, frei von (partei)politischen Interessen entschieden hat, sind angesichts der handelnden Personen wenig glaubwürdig.

Halten wir also fest, das geschmacklose Schwadronieren über allfällige Parallelen zwischen jungen Politikerinnen und echten oder nur potentiellen Bettgeschichten eines alternden Fotografen und Bezirksrats schaden den „Gesamtinteressen“ dieser Partei offenbar weniger als sachliche Kritik.
Ein in den „80ern sexuell aktiver Fotograf“ durfte ungestraft noch vor zwei Tagen ankündigen, „die Tür zu meiner SPÖ nicht zuschlagen“ zu wollen (https://kurier.at/politik/inland/goetz-schrage-zu-sexismus-vorwurf-will-und-werde-die-tuer-zu-meiner-spoe-nicht-zuschlagen/266.391.583) und war im aktuellen inneren Parteikrieg den Wiener Genossen offenbar so wichtig, dass sich sich weder die Neubauer Parteichefin Kunzl noch die Staatssekretärin Dudzdar mit ihrem Wunsch nach sofortigem Rücktritt durchsetzen konnten.

Am Tag der offenen Türe in der Wiener SPÖ triumphierte der schlechte Geschmack und die sexistische Kritik am politischen Mitbewerber wird goutiert, sachliche Kritik wird  arbeitsgerichtlich mit dem Entzug der beruflichen Existenz geahndet.

Nur ein Blinder kann diese Zeichen missverstehen. Diejenigen, die ihren letzten Wahlsieg ihrem angeblichen Widerstand gegen totalitäres Denken verdanken, sind inzwischen zu Speerspitze dieser Gesinnung geworden.

Die Demokratie ist uns keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit.
Es hat keinen Sinn, eine Mehrheit für die Sozialdemokraten zu erringen, wenn der Preis dafür ist, kein Sozialdemokrat mehr zu sein.
Willy Brandt

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Written by medicus58

30. Mai 2017 um 09:19

7 Antworten

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  1. Genau aus solchen Gründen kann ich schon lange kein Mitglied dieser Partei mehr sein – heute parteilos. Man glaubt ja gar nicht, welche Primitivling sich dort tummeln.
    Vergessen kann ich auch nicht, daß (ßßß:-) diese Partei einen Heinrich Gross sogar auszeichnete https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Gross
    Und daß (ßßß:-) diese Partei Dr. Gernot Rainer schasste, ist der Höhepunkt der Perversion.

    PS: Danke für den herzlichen und klugen Anstoß! 🙂

    Christine Kainz

    30. Mai 2017 at 10:59

    • Dass ist ja mein Punkt, den Sozen fehlt jede Großzügigkeit und Balance.
      Mit Kanonen gegen interne und externe Kritiker, (fast hätt ich gesagt: stalinistische oder vatikanische) Kadermentalität im Inneren.

      Anonymous

      30. Mai 2017 at 11:22

  2. Korrektur: Primitivlinge

    Christine Kainz

    30. Mai 2017 at 11:01

  3. Vor Jahren begegnete ich auf der Straße einem bereits pensionierten Meidlinger Bezirksrat. Es war knapp vor einer Wahl (ich vergaß, welche).
    Ich: Na hoffentlich gewinnen die Roten!
    Er: Des is ma wurscht, i bin in Pension…

    Christine Kainz

    30. Mai 2017 at 23:54

  4. Werden Sie aucj so.kritisch über die performance von Asklepios in der Kammer. Berichten. Fraktionsspaltung, Übertritt zur Vereinigung. Die Liste ist lang. Sind sie objektiv?

    J.HardRock

    31. Mai 2017 at 01:56

    • „Objektivität“ ist eine Illusion, denn sie würde voraussetzen, dass etwas ohne Betrachter betrachtet werden könnte (Philosoph fällt mir im Moment nicht ein).

      Limpach: Alle Objektivität stellt immer nur den Versuch dar, objektiv zu sein.

      Arcudi: Wer Objektivität sagt, meint allgemein anerkannte Subjektivität.

      Goethe: Die Erscheinung ist vom Betrachter nicht losgelöst, vielmehr in die Individualität desselben verschlungen und verwickelt.

      Querulix: Objektivität ist die Subjektivität der Herrschenden.

      Lichtenberg: Die Menschen können nicht sagen, wie sich eine Sache zugetragen, sondern nur wie sie meinen, daß sie sich zugetragen hätte.

      Christine Kainz

      31. Mai 2017 at 04:00

    • Über meine Objektivität werde ich nicht selbst entscheiden, denn das wäre nicht objektiv 😉

      Da Sie mich aber direkt fragen: Ich bin von der Performance mehrerer Wiener Kammer-Gruppierungen, einschließlich AU ziemlich entsetzt, sehe aber all die Vorgänge augenblicklich noch zu sehr im Fluss, als dass mir augenblicklich ein „objektiver Bericht“ möglich scheint.
      Wenn die endgültige Postenvergabe (Referate, etc.) feststeht und die ersten Anträge eintrudeln, werden wir vielleicht klarer sehen, warum manche so gehandelt haben.
      Da Sie aber Ihren Kommentar zu einem bestimmten meiner Beiträge schrieben, möchte ich aber schon darauf hinweisen, dass trotz personeller Überschneidungen ich mich hier mit Asklepios Ärztegewerkschaft und nicht mit Asklepios Union, der Kammerfraktion auseinandergesetzt habe. Auch bei den jetzigen „Dissidenten“ handelt es sich um Personen, die z.T. sehr viel und z.T. gar nix mit der Ärztegewerkschaft zu tun haben.

      medicus58

      31. Mai 2017 at 11:19


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