Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Mehr Security als Lösung für ein Totalversagen der Patientenversorgung?

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Der Boulevard rastet aus:

Täglich Gewalt-Exzesse in den Wiener Spitälern

So brutal geht es in Wiens Spitälern zu

Man hat nun beschlossen, im Wilhelminenspital einen zusätzlichen Security-Dienstposten (24 Stunden) für den Personenschutz zu beschäftigen.
Der Security sollte in kurzer Zeit verfügbar sein„, heißt es aus dem Krankenanstaltenverbund (KAV)
.

Wird aber nix bringen!

Wir erleben einfach den multidimensionalen Kollaps in der Patientenversorgung als Folge gesundheitspolitischer Fehler seit Jahrzehnten:

  • Die Politik versprach den Wählern ein medizinisches Schlaraffenland (Wehsely: Wir sind rund um die Uhr für Sie da), obwohl seit Jahren ein extra- und intramuraler Rückbau eingeleitet wurde.
  • Der Anteil der Patienten, die sich ein Ausweichen in den privaten Sektor nicht leisten kann. nahm in Wien drastisch zu (Unterschicht).
  • Viele dieser Patienten kennen aus ihrer Heimat nur das Krankenhaus als Primärversorgung.
  • Die extramurale Patientenversorgung beim Hausarzt und im Bedarfsfall beim niedergelassenen Facharzt wurde von den Krankenversicherungen ausgehungert, die Wartezeiten -auch für gesundheitliche Banalitäten – sind unzumutbar.
    Den Kassen waren beschränkte Öffnungszeiten und rasche Überweisungen in die Spitalsambulanzen nur Recht, weil für sie kostenschonend.
  • Die intramurale Patientenversorgung war von ihren Ressourcen nur für schwer kranke, aufnahmepflichtige Patienten ausgelegt, musste aber immer mehr die offensichtlichen Defizite der extramuralen Versorgung abdecken.
  • Die Reform der Ärztearbeitszeit (inklusive der von WÄK und Personalvertretung akzeptierten Postenreduktionen) führten zu einer starken Verdichtung im Kerngeschäft und Schließungen von Spitalsambulanzen und -abteilungen, so dass noch weniger Ressourcen für die Versorgung von Selbstzuweisern zur Verfügung stehen.

Gemeinsam mit einem an allen Ecken und Enden zunehmenden Aggressivität in der Gesellschaft fliegt uns das nun allen um die Ohren.

Als Sofortmaßnahme kann so ein bulliger Security in der Notaufnahme schon kurzfristig helfen, wenn man aber das Problem ausschließlich so lösen will, freue ich mich schon auf Flughafen-ähnliche Verhältnisse in unseren Spitälern.
Dann wird ein Berater aufstehen und stolz vorrechnen, dass es vielleicht billiger gewesen wäre:

  • Den Wählern die Wahrheit zu sagen.
  • Bevölkerungswachstum als Begründung für die Verschuldung zu fördern, ohne für die notwendige Infrastruktur vorzusorgen.
  • Die bestehenden Primärversorgungssystem adäquat zu finanzieren und nicht viel Geld in ein paar politik-nahe PVZ zu pumpen und zu glauben, dass das kurzfristig die Versorgung verbessert.
  • Politisch und rechtlich hinter den im Gesundheitssystem Tätigen zu stehen, wenn diese rasch triagieren und Patienten mitteilen, dass ihr Problem nicht lebensbedrohlich ist und nicht akut im Spital gelöst werden muss!

Weiters greife ich Informationen vor, die ich noch nicht Zeit hatte hier zu diskutieren:

  • Dem Wahnwitz im aktuellen ÖSG Entwurf abschwören, in dem noch mehr Primärversorgung in die Spitalsambulanzen verschoben werden soll, ohne dass es hier zu einer adäquaten Raum- und Personalaufstockung kommt.
  • Aufhören Beratern zu glauben, die behaupten, dass der deutschen Sprache kaum fähige Patientengruppen durch Telefon-Hotlines (TEWEB) oder Health Literacy Aktionen abgehalten werden können, in die Spitäler zu laufen.
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Written by medicus58

5. Mai 2017 um 18:46

3 Antworten

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  1. Es würde mir helfen zu wissen, welche Ambulanzen und welche Abteilungen in der letzten Zeit geschlossen wurden. Also prominentes Beispiel hab ich nur die Arbeitsmedizin im AKH.
    Kannst du mir da mit einem Beitrag weiterhelfen?

    Hansi

    5. Mai 2017 at 23:37

    • Ist schwierig zu beantworten, weil vieles im Fluss ist und offiziell oft nur zusammengelegt wurde.
      Ein Bsp: das KES wurde geschlossen, formal ua Schilddrüsen Versorgung in die Stifung übersiedelt, aber netto weniger Versorgung. URO, ONKO, HNO Ambulanz im DSP aus Personalmangel immer wieder für Tage und Wochen zu … ih werde mal sehen, ob ich da was zusammenfassen kann, ohne mir einen Strick zu drehen …

      medicus58

      6. Mai 2017 at 07:06

  2. „“Ärztekammer sieht „Schnellschuss“ bei Primärversorgung““ http://orf.at/stories/2395440/

    Christine Kainz

    14. Juni 2017 at 12:31


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