Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Mampfurbastion – ein Trend der durch den Magen geht

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Nix, gegen gute Nahrung, aber irgendwie kommt mir der Grad an Aufmerksamkeit, den viele der Art ihrer Kalorienzufuhr widmen, schon etwas pathologisch vor.
Pizza war gestern, heute belegt man Naan.
Bekämpfte man in unseren Breiten noch bis vor einer halben Generation die Grün- und Rotalgen ausschließlich im heimischen Aquarium, gelten Grün- Rot- und Braunalgen inzwischen als unumgängliches Powerfood.

Pulverisierte Früchte des Affenbrotbaums binden unsere die Saucen,
Die Jackfruit ersetzt das gequälte Huhn aus der Massentierhaltung,
ja, eh gut.
Wer sich an den Meriten einheimischer Körndeln satt gegessen hat, greift ungeniert zu Quinoa, das in den letzten Jahren eine solche Preissteigerung hingelegt hat, dass es für den Indio vor Ort kaum mehr zu bezahlen ist.

Ich entsinne mich noch des abschätzigen Blicks, den man früher für die Erwähnung von Kokosfett erntete, so von wegen Amazonas-Abholzen und so.
Heute schwärmen die Propheten gehobener oraler Befriedigung von seinem Gehalt an Eiweiß, Kalium, Kalzium, Magnesium, Zink, Eisen, Selen, Kupfer, Phosphor, sowie den Vitamine A, B1, B2, B6, C und E,
es muss natürlich natürliches Kokosfett sein, nicht dieses raffinierte.

Die Fokussierung auf die eigenen Ernährung war schon immer als der Sex des Alters verschrien, jedoch ist die besessene Beschäftigung mit immer neuen Brain- und Superfruits heute das Hobby der Jüngeren, zumindest in Bobo-affinen Land- und Stadtstrichen.
Liefen früher die gesellschaftliche Trennlinien zwischen Marcuse und Spengler, trennen uns heute Burger und Baobab.
Die Aufmerksamkeit, die dem eigenen Gemampfe, also letztendlich dem eigenen Körper gegenüber gegenüber aufgewandt wird, erinnert in seiner Ich-Bezogenheit schon daran,
wie Woody Allen einmal die Selbstbefriedigung definiert hat:

Sex mit einem Menschen den man wirklich liebt.
Also im vorliegenden Fall: Mampfurbastion

Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Onan, dem Gatten der Tamar, denn dass war, wie Otto Grünmandl gesagt hätte, etwas ganz anderes.

PS: Das Bild zeigt übrigens eine Brotfrucht, nur falls Sie Ihren Gemüsehändler in den Wahnsinn treiben wollen.

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Written by medicus58

8. April 2017 um 17:43

Eine Antwort

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  1. Sie werden immer besser. Echt stark, der Kommentar

    Marcus Franz

    8. April 2017 at 18:42


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